• Titel: Festrede von Staatssekretär Rainer Baake anläßlich des 75-jährigen Bestehens des ökologischen Anbauverbandes Demeter

  • Untertitel: Bundesregierung setzt sich für Ausdehnung des ökologischen Landbaus ein
  • Redner/in: Staatssekretär Rainer Baake

- N II 5 - "Der ökologische Landbau hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und nimmt einen festen Platz in der Landwirtschaft der Bundesrepublik ein. Die Bundesregierung setzt sich für eine deutliche Ausdehnung dieser nachhaltigen Wirtschaftsform im Agrarbereich ein. Öko-Landbau kommt sowohl dem Verbraucher als auch der Umwelt zugute, mit deren Ressourcen besonders sorgsam umgegangen wird." Dies erklärte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Rainer Baake während einer Veranstaltung zum 75-jährigen Bestehen des ökologischen Anbauverbandes Demeter im Rahmen der 10. Bio Fach, der weltgrößten Fachmesse für Naturkost und Naturwaren, die vom 18. bis zum 21. Februar in Nürnberg stattgefunden hat.

Bis Ende 1997 wurden in der Bundesrepublik rund 8.200 Betriebe mit einer bewirtschafteten Fläche von fast 400.000 Hektar nach den Regeln der EU-Verordnung über den ökologischen Landbau betrieben. Gemessen an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland betrug der Anteil der dem ökologischen Landbau verpflichteten Betriebe zu diesem Zeitpunkt rund 1,5 Prozent. Der Anteil ihrer Fläche lag im Vergleich zur agrarisch genutzten Gesamtfläche bei rund 2,3 Prozent. Dies bedeutete bei der Zahl der Betriebe gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von mehr als 11 Prozent auf einer um rund 35 000 Hektar größeren Nutzfläche.

Durch den ökologischen Landbau sind eine Reihe positiver Effekte zu verzeichnen. So trägt er u.a. auch erheblich zur Verringerung der landwirtschaftlich bedingten Umweltbelastungen bei.

Zu diesen positiven Effekten zählen u.a.:

Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum

mehr Verbraucherschutz durch Vermeidung bzw. Minimierung von Rückständen im Trinkwasser und in Lebensmitteln

verbesserter Gewässerschutz durch Verzicht auf Pestizide und leichtlösliche Stickstoffdünger

Beitrag zum Klimaschutz durch Reduktion von Kohlendioxidemissionen

verbesserter Artenschutz durch bis zu sechsmal größere Artenvielfalt auf ökologisch bewirtschafteten Äckern

Erhalt einer kleinteiligen Kulturlandschaft (Hecken, Feldgehölze und Feuchtbiotope)

Schutz des Bodens und Hochwasserschutz durch bessere Sickerwasseraufnahme

Positive Effekte durch den ökologischen Landbau

Ein Haupthemmnis für die marktgerechte Erweiterung der ökologischen Anbaufläche besteht in den bislang ungenügend entwickelten Vermarktungsstrukturen für Produkte aus ökologischem Landbau. So beträgt der Anteil von Öko-Lebensmitteln am Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland lediglich zwei Prozent. Damit ist das Potential der deutschen Öko-Betriebe jedoch keineswegs ausgeschöpft. Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau strebt mittelfristig einen Anteil von zehn Prozent an, verschiedene Agrarwissenschaftler halten mittelfristig 20 bis 30 Prozent für realisierbar. Künftig gilt es, die Schwerpunkte der Förderung des ökologischen Landbaus stärker auf die Markterschließung und den Aufbau effektiver Vermarktungsstrukturen auszurichten.

Demeter ist der älteste ökologische Anbauverband, der aus dem 1924 gegründeten "Versuchsring anthroposophischer Landwirte" hervorging. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, die auf einer Betrachtung der Lebensvorgänge als Gesamtheit beruht, zu entwickeln und zu erproben. Bereits 1928 wurde das Demeter-Warenzeichen eingeführt und die erste Normvorschrift für Demeter-Qualität festgelegt. Heute ist der Verband in über 35 Ländern aktiv. Allein in Deutschland gibt es über 1.500 Betriebe mit einer Fläche von 45.000 Hektar.

Staatssekretär Rainer Baake: "Das 75-jährige Jubiläum der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der Wiege des modernen Öko-Landbaus, ist unmittelbar mit dem Wirken von Demeter verbunden. Dieses beispielhafte Engagement für eine nachhaltige Wirtschaftsweise im Agrarbereich ist heute aktueller denn je für die Umsetzung der Beschlüsse des Rio-Gipfels im Rahmen der Agenda 21 in Deutschland. Standortgerechte Fruchtfolgen, artgerechte Tierhaltung und möglichst geschlossene Kreisläufe in der Landwirtschaft sind auch gegenwärtig Themen, wenn es darum geht, die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft zu konkretisieren. Auch im Rahmen der Europäischen Union wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, den ökologischen Landbau weiter voranzubringen. So soll die Erweiterung der EG-Öko-Verordnung um den Bereich der tierischen Erzeugung möglichst noch unter deutscher Präsidentschaft zum Abschluß gebracht werden."