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Archiv 14. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
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Titel: Parlamentarische Staatssekretärin Gila Altmann, Veranstaltung "Der Alpenprozess - ein Beispiel für andere Bergregionen?"
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Gila Altmann
- Anlass: Rede anlässlich der Veranstaltung "Der Alpenprozess - ein Beispiel für andere Bergregionen?"
- Datum/Ort: 29.06.2002, Berchtesgaden
Es gilt das gesprochene Wort
Anrede
Ich möchte Sie im Namen von Bundesumweltminister Trittin sehr herzlich begrüßen. Mein Dank gilt UNEP, der GTZ und der CIPRA für die Organisation dieser Tagung.
Es ist kein Zufall, dass die Konferenz in Berchtesgaden stattfindet. 1989 hat hier die erste Alpenkonferenz auf Initiative von CIPRA und dem damaligen Bundesumweltminister Töpferstattgefunden, die letztlich der Anstoß für die Alpenkonvention war.
Daraus entwickelt wurde ein Modell für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Alpenraum.
Die damalige Initiative war aus der Not geboren: Es gab sichtbare Probleme, die vor allem der Tourismus mit sich brachte wie die zahllosen Skipisten und Skilifte, für die Schneisen in dieBerghänge geschlagen wurden. Hinzu kamen Verkehrsprobleme, einmal als Zielverkehre in die Region aber
auch als Alpentransit.
Im Rahmen der Alpenkonvention wurden Protokolle entwickelt, neben Verkehr und Tourismus u.a. auch zu Berglandwirtschaft, Bergwald und Bodenschutz - insgesamt 9 Protokolle. Die Idee war, dasÖkosystem, den Wirtschaftsraum und die Kulturregion Alpen als Gesamtkomplex zu begreifen und Probleme
unabhängig von nationalen Grenzen zu lösen.
Deutlich geworden ist, dass Bergregionen wie ein Seismograph wirken. Nicht nur dass Störungen des natürlichen Gleichgewichts immer auch Auswirkungen auf die Fläche haben;Umweltprobleme werden hier auf engstem Raum in ihren Wechselbeziehungen sehr schnell und deutlich sichtbar und
lassen Rückschlüsse auf die Verfasstheit unseres gesamten Ökosystemszu.
Der Alpenprozess, der vor 50 Jahren begann, ist noch lange nicht vollendet. Drei von 8 Staaten haben bis jetzt alle Protokolle ratifiziert, d.h. die eigentliche Arbeit der Umsetzung beginnt jetzterst.
In den letzten zwei Tagen ist deutlich geworden, wie langsam, mühsam und kompliziert der Weg der Alpenkonvention bis zu diesem Punkt war.
Deutlich geworden ist auch, dass die Konvention kein fertiges Konzept ist, das von anderen Bergregionen 1:1 übernommen werden könnte.
Ja, es gibt Gemeinsamkeiten. Den Berglandschaften unserer Erde geht es nicht gut. Sie alle sind gefährdet durch Entwaldung, Bodenerosion, Umweltverschmutzung und Wasserprobleme.
Aber die sozialen und politischen Verhältnisse sind so unterschiedlich wie die Ursachen selbst: ein ausufernder Massentourismus, bewaffnete Konflikte und/oder die Armut der Bergvölker.
Die gestrigen Workshops mit den Beteiligten aus den hier anwesenden Bergregionen des Kaukasus, der Karpaten, des Altai, Hindukusch, Himalaya und Zentralasiens haben gezeigt, dass unterschiedlicheProblemstellungen unterschiedliche Lösungsansätze verlangen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen
mit der Entwicklung der Alpenkonvention können dabei helfen. Aber auch umgekehrt kann dieAlpenregion von dem Wissen der anderen Bergregionen profitieren.
Das war für mich persönlich eine wesentliche Erkenntnis aus den Kaukasus - Workshop, den ich leiten durfte und in dessen Verlauf ich viel über die Probleme aus Sicht der Betroffenenerfahren konnte.
Die Gemeinsamkeiten wurden sichtbar, wie die Notwendigkeit für eine regionale Zusammenarbeit. Oder die Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteure der Zivilgesellschaft, wie NGOs,Verbände, Bürgerinitiativen, lokale und nationale Behörden und politische Vertretungen. Das
beinhaltet auch personelle und finanzielle Ressourcen, vor allem aber Strukturen, diekoordinierend, transparent und übersichtlich sind. Vor allem muss es darum gehen, den Schutz der Natur mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung für die Menschen zu verbinden.
Die Entwicklung von Wirtschaft, Verkehr und Tourismus muss einhergehen mit der Bewahrung sensibler Ökosysteme in den Bergregionen und kann so zur Bekämpfung von Armut, zur Verminderung vonregionalen Konflikten und Erhalt der kulturellen Identität entscheidend beitragen.
Die 2. Berchtesgadener Erklärung reflektiert diese Überlegungen und fasst sie in 10 Leitsätzen zusammen, die im Anschluss vorgestellt werden.
Ich danke allen Beteiligten für das Zustandekommen der Konferenz, für die Erarbeitung der Ergebnisse und hoffe, dass wir uns im Oktober in Bischkek zur Abschlusskonferenzwiedersehen.
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