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Archiv 14. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
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Titel: Altai-Workshop
- Redner/in: Gila Altmann, Parl. Staatsekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
- Anlass: Altai-Workshop
- Datum/Ort: 12. März 2002, Novosibirsk
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen, Professor Dobetso, für die Einladung zu dieser wichtigen Konferenz bedanken, die sicherlich einer der wichtigsten Schritte hin zu einemgrenzüberschreitenden Biosphärenterritorium sein wird.
Ich bin sehr froh darüber, dass diese Konferenz hier in Novosibirsk stattfinden kann. Seit langer Zeit begleite ich den Prozess der Einrichtung eines Biosphärenterritoriums im Altai. Siewerden Fragen warum: Die Altairegion stellt ein wichtiges Zentrum der biologischen Vielfalt mit spezieller Bergökologie in Nordasien dar. Viele der Pflanzen und Tiere kommen nur hier vor, sindalso endemisch. Daher gehört die Altai-Region zu den 200 der sogenannten Hot Spots der Biologischen Vielfalt.
Der biologische Reichtum und der Reichtum dieser Region ist beispielhaft. Daher ist es ein besonderes Anliegen für weltweite Naturschutzbemühungen. Wir alle tragen Verantwortung fürdie Erhaltung unserer globalen Umwelt. Dieser Verantwortung können wir mit dem Abkommen über die Biologische Vielfalt ebenso wie mit anderen Konventionen Rechnung tragen.
Aber es kommt ein weiterer Punkt hinzu, nämlich dass die Bevölkerung ein Recht auf ökonomische und soziokulturelle Entwicklung hat. Das Ziel Ihrer Bemühungen mit demAltai-Projekt ist es, diese aus meiner Sicht nur scheinbar widersprüchlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen.
Hier entsteht die Frage, welches Instrument genutzt werden kann, um beides - die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort - zu verbinden.
Unsere Erfahrungen aus Deutschland haben gezeigt, dass das Konzept der Biosphärenreservate der UNESCO sehr geeignet ist, die Entwicklung ländlicher Räume nachhaltig zugestalten.
Gegenwärtig gibt es 14 Biosphärenterritorien in Deutschland. Sie sind Modelle für einen neuen Typ regional nachhaltiger Wirtschaftsräume, besonders für ländlicheGebiete, die sich häufig durch ihren Natur- und Kulturreichtum auszeichnen. Biosphärenterritorien stehen aber auch für die Verbindung von Forschung, Bildung und Monitoring. Eines ihrerHauptziele ist es, als Plattform und für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu dienen. Dieser Aspekt ist für den Aufbau grenzüberschreitenderBiosphärenterritorien und daher für Ihre Diskussion über den Altai besonders wertvoll.
Gerade vor zwei Wochen wurde das grenzüberschreitende Biosphärenterritorium Nordvogesen/Pfälzerwald eingeweiht. Frankreich und Deutschland haben damit eine Grundlage fürnachhaltige Entwicklung eines Naturraums, der auf zwei Staaten verteilt ist. Davon profitieren nicht nur die Menschen und die Natur vor Ort, sondern auch die bilateralen Beziehungen zwischenFrankreich und Deutschland. Außerdem besitzt Deutschland noch eine Besonderheit auf Grund seiner föderalen Struktur: Unsere Bundesländer haben die jeweilige volleSouveränität über alle Formen der Landbewirtschaftung, also auch über den Naturschutz. In den letzten Jahren ist es gelungen, sozusagen grenzüberschreitendeBiosphärenterritorien unter der Beteiligung mehrerer Bundesländer einzurichten. Ein Beispiel dafür ist das Biosphärenterritorium Rhön über drei Bundesländer, daseinige von Ihnen persönlich kennen lernen konnten. Zwar befinden sich diese Bundesländer in einem deutschen Staat, manchmal ist es jedoch in einer föderalistischen Strukturschwieriger, interne Probleme zu harmonisieren, als grenzüberschreitend mit anderen Staaten zusammenzuarbeiten. Dementsprechend bin ich stolz auf die Leistung, dass diesesBiosphärenreservat eines der besten ist, die wir in Deutschland haben.
Die Idee grenzüberschreitender Biosphärenterritorien hat weltweit und insbesondere in Europa Fuß gefasst und in den letzten Jahren sind mehrere eingerichtet worden, so zum Beispieldas Biosphärenterritorium "Ostkarpaten" zwischen der Ukraine, Polen und der Slowakischen Republik.
Mit der Erfahrung, die in Deutschland in Bezug auf Biosphärenterritorien gemacht wurden und dem gesammelten Wissen möchten wir gerne einen Beitrag zu Ihren Bemühungen um einvierlaterales Biosphärenterritorium Altai liefern.
Lassen Sie mich damit auf Ihre Region zurückkommen. Das auffallendste Merkmal des Altai ist sein Bergcharakter. Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist die internationale Staatengemeinschaft sichimmer mehr über die herausragend wichtige Rolle von Bergregionen bewusst geworden: 50% der weltweiten Trinkwasservorräte kommt aus den Bergen.
1992 hat die Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung im Kapitel 13 der Agenda 21 einen Rahmen gesteckt für den Schutz und die Entwicklung von Bergökosystemen. ZehnJahre später haben die Vereinten Nationen auf Initiative Kirgistans das Jahr 2002 als das "Internationale Jahr der Berge" ausgerufen, um weltweit das Bewusstsein für die globale Bedeutungder Gebirge, wie zum Beispiel dem Altai, zu stärken. Hunderte von Aktivitäten werden dieses Jahr auf der ganzen Erde auf die Bedrohung, denen Bergökosysteme ausgesetzt sind hinweisen,aber gleichzeitig auch deren Chance für die Entwicklung und ihre herausragende Rolle für Mensch und Natur aufzeigen.
Einer dieser Aktivitäten findet im Juni 2002 im Biosphärenreservat Berchtesgarden statt. Es ist eine Konferenz, die Teilnehmer aus verschiedenen Berggebieten aus Eurasienzusammenführt, um über eine verbesserte Bergwirtschaft von Berggebieten zu beraten. An dieser Stelle möchte ich je einen Vertreter der am Altai-Projekt beteiligten Staaten einladen,auf Kosten des Bundesumweltministeriums an dieser Konferenz teilzunehmen und über ihr Projekt zu berichten.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch die Alpenkonvention erwähnen, die einen einzigartigen Meilenstein für den Schutz und die Entwicklung von Bergökosystemen darstellt. Deutschland hat die Konvention seit ihren Anfängen unterstützt und wird bald die Protokolle unterzeichnen.
Wie Sie feststellen konnten, beziehen sich die deutschen Anstrengungen zur Errichtung des Biosphärenterritoriums Altai nicht nur auf technische Beratung, sondern auch auf einebeschränkte finanzielle Unterstützung. Das BMZ finanziert die Machbarkeitsstudie und das BMU hat in der Vergangenheit mehrere Workshops finanziert, sowohl in Deutschland, als auch in derRussischen Föderation. Für die nächsten Jahre stehen Mittel bereit, um Workshops zur Unterstützung der Machbarkeitsstudie in den vier beteiligten Staaten auszurichten.
Da mein Land traditionell in einem guten Verhältnis zu China, Kasachstan, der Mongolei und der Russischen Förderation steht, würden wir gerne den Prozess der Errichtung desBiosphärenterritoriums weiterhin unterstützen. Ich sehe dieses als einen weiteren Schritt zu der Findung einer eurasischen Umwelt- und Entwicklungspolitik. Diese kann die gemeinsamenInteressen Asiens und Europas bündeln und im Sinne der Umsetzung der Agenda 21 für eine nachhaltige Welt, von der wir meinen, sie unseren Kindern hinterlassen zu können, eingesetztwerden.
Diesbezüglich können wir an die Ergebnisse der ASEM-Konferenz anknüpfen, die im Januar 2002 in Peking stattgefunden hat. Das erste mal überhaupt haben sich dort dieUmweltminister europäischer und asiatischer Staaten getroffen, um über diejenigen Umweltprobleme zu diskutieren, die uns Probleme bereiten, die aber gleichzeitig auch die Notwendigkeitfür eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Asien und Europa betonen.
Aus den vorbereiteten Diskussionen und dem Konferenzprogramm entnehme ich, dass die Struktur, die Ziele und der Arbeitsablauf der Machbarkeitsstudie einer der Prioritäten Ihrer Diskussionensind. Dazu gestatten Sie mir bitte einige abschließende Worte:
Der Erfolg der Studie hängt von der Bereitschaft aller Beteiligter ab, zielgerichtet zusammenzuarbeiten. Diese Studie hat Prozesscharakter. Nur wenn alle relevanten Vertreter aus den Natur-und Sozialwissenschaften, aus NGO´s, den Vertretern der örtlichen Interessen, den zuständigen Verwaltungen und den lokalen Gemeinschaftender beteiligten Staaten angemessen einbezogenwerden, kann die Machbarkeitsstudie ein komplettes und bedeutungsvolles Bild darstellen. Dieses Bild muss die Vision für eine nachhaltige Altairegion sein.
Ich kann Ihnen versichern, dass sich die deutsche Bundesregierung und besonders das BMU und das BFN weiter begleiten wird, um es zu einem Erfolg werden zu lassen uns appeliere an dieser Stelle anSie, das gleiche zu tun.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
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