• Titel: Gila Altmann, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Ansprache bei der Vorstellung der "Sonderbriefmarke zum internationalen Jahr der Berge" am 5. Februar 2002

  • Redner/in: Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
  • Datum: 05.02.2002

Sehr geehrter Herr Kühn, sehr geehrte Damen und Herren,

Auf Initiative Kirgisiens wurde das Jahr 2002 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Berge erklärt. Der 1992 vom Umweltgipfel in Rio de Janeiro angestoßene Prozess soll damit weitergeführt werden. Grundlage hierfür ist die Agenda 21. Das Internationale Jahr der Berge 2002 soll dem Kapitel 13 "Bewirtschaftung empfindlicher Ökosysteme: nachhaltige Bewirtschaftung von Berggebieten" eine besondere Aufmerksamkeit sichern.

Die Bergregionen stellen ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell sensible Räume dar. Besondere Bedeutung haben sie auch für den Wasserhaushalt, da rund die Hälfte der Erdbevölkerung mit Süßwasser aus den Gebirgen versorgt wird.

Vor allem ökologische Sünden zerstören nach Aussagen der jüngsten Studie der Vereinten Nationen die Bergwelt in vielen Teilen der Erde. Als Hauptgefahren werden in dieser Studie Kriege, Umweltverschmutzung und das Abholzen von Bergwäldern genannt. Am stärksten gefährdet sind die Rocky Mountains (USA), der Hindukusch (zwischen Afghanistan, Pakistan und Kaschmir) und die Alpen.

Die größte Gefahr in den Alpen ist der ausufernde Fremdenverkehr mit seinen zahlreichen sportlichen Freizeitaktivitäten. Die Alpentäler sind heute eine Ansammlung von Seilbahnen, Skiliften, touristischen Einrichtungen und Parkplätzen. Der Tourismus bietet aber auch Arbeitsplätze; deshalb muss es uns auch hier darum gehen, einen Ausgleich zwischen Nutzen und Schützen zu finden.

Das Umweltministerium hat die Ratifizierung der bisher beschlossenen acht Protokolle zur Alpenkonvention eingeleitet. Die Alpenkonvention ist das erste völkerrechtlich verbindliche Instrument für die nachhaltige Entwicklung einer ganzen europäischen Region. Deutschland ist damit der erste Mitgliedstaat der Alpenkonvention, der die Ratifizierung und Umsetzung der Protokolle angeht.

Die Alpen liegen vor unserer Haustür, sind aber nicht die einzigen Bergregionen, denen unser Augenmerk gilt. Zwei Beispiele möchte ich nennen:

  1. Kirgisien und das dortige Biospärenreservat Issykul. In dieser Region ist u.a. auch der NABU mit einem Projekt zum Schutz der Schneeleoparden aktiv.
  2. Das Altai Gebirge. In dieser Region versuchen wir zur Zeit ein vierlaterales (Russland, China, Mongolei, Kasachstan) Projekt "Nachhaltige Entwicklung" anzuschieben, wobei auch der Aspekt Konfliktprävention eine große Rolle spielt.

Die Hauptziele des Internationalen Jahres der Berge 2002 bestehen einerseits in Bewußtseinsbildung und Wissensvermittlung über die Dynamik und Funktion sensibler Ökosysteme in Bergregionen, zum andern soll es darum gehen, die Lebensqualität der dort lebenden Menschen zu sichern und deren kulturelles Erbe zu erhalten.

Auf allen Ebenen, national und international, finden in diesem Jahr Aktivitäten statt, um die nachhaltige Entwicklung der Berggebiete zu fördern. Die offizielle deutsche Auftaktveranstaltung ist am 15. Februar diesen Jahres in München. Die Einladungskarten sind natürlich mit dieser Sonderbriefmarke versehen.

Auf zwei Ereignisse in diesem Jahr möchte ich besonders hinweisen:

  1. Die Ausstellung des Deutschen Alpenvereins "Schöne neue Alpen" (21. März bis zum 28. April 2002 im ehemaligen Staatsratsgebäude in Berlin)
  2. Die Veranstaltung zum Thema "Der Alpenprozess - ein Zukunftsmodell?" (vom 26. - 28. Juni 2002 in Berchtesgaden; Veranstalter: BMU, BMVEL, BMZ, Umweltprogramm der VN)

Mein besonderer Dank bei der Gestaltung des internationalen Jahres des Berge geht an die Verbände für ihre Aktivitäten. Sie bieten auf der Internetseite des Jahres der Berge (www.berge2002.de) derzeit 67 Veranstaltungen an. Als symbolische Anerkennung für die Arbeit der vielen kleinen und großen Verbände haben wir heute einigen stellvertretend die Sonderbriefmarke übergeben. Ohne ihre Initiativen wird es nicht gelingen, die Ziele des Internationalen Jahres der Berge zu erreichen.

Abschließend wünsche ich uns, dass die Briefmarke auf zahlreichen Briefen kleben möge. Denn der Erlös aus dem Zuschlag soll zur Finanzierung bergbezogener Projekte verwendet werden.