• Titel: Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

  • Untertitel: Grußadresse von Gila Altmann
  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Gila Altmann
  • Anlass: Festlicher Wissenschaftlicher Symposium zum 100. Gründungsjubiläum der Deutschen Wissenschaftlichen
  • Datum/Ort: 27.06.2001, Hamburg

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Festgäste!

Herzlichen Glückwunsch der Deutschen Wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung (DWK) zu ihrem 100. Geburtstag. Diese Institution zählt zu den ältesten wissenschaftlichen Gremien der Bundesrepublik Deutschland.

  • Sie hat sich bereits in Gründungsphase der internationalen Meerespolitik und Kooperation verpflichtet gesehen in der Erkenntnis, dass es nur gemeinsam geht.
  • Deshalb waren die Aufgaben und Ziele der Deutschen Wissenschaftlichen Kommission von Anfang an untrennbar mit dem "Internationalen Rat für Meeresforschung" (ICES ) verbunden.
Besonders wichtig war dabei die Koordinierung der Zusammenarbeit zwischen der deutschen Fischerei- und Meeresforschung und dem ICES.

Heute würde man die DWK als "Dienstleister" bezeichnen: Ihre Gutachten, Stellungnahmen, Empfehlungen und Ratschläge bilden oftmals die Grundlage für Entscheidungen zu Fragen des Fischereimanagements.

  • Diese Arbeit ist dringend notwendig: Meere sind schon lange nicht mehr grenzenlos - das glauben nur noch einzelne Landratten - sondern industrialisiert durch Bohrinseln, Leitungen, Verklappungen, Abbau von Bodenschätzen.
Entsprechend haben die Nutzungskonflikte zugenommen, ist das Öko-System angeschlagen.
Der Zustand zahlreicher Fischbestände und Nichtzielarten wie mariner Säuger und Seevögel sowie ihrer Lebensräume ist inzwischen bedrohlich geworden. Hinzu kommen Verschmutzung und Überfischung. So ist z.B. der Kabeljau (= Dorsch in der Ostsee), Seehecht und Blauer Wittling stark bedroht. Auch der Beifang stellt ein großes Problem dar mit über 550.000 Tonnen allein in der Nordsee. Dazu zählen jährlich auch 7.000 - 10.000 Schweinswale.
  • Die hohen Einträge von Nährstoffen, wie Nitrate aus der Landwirtschaft, und gefährlichen Stoffen, wie TBT, Pestizide, PCB's sowie durch Öl bei Schiffsunfällen und Tankreinigung auf hoher See tun ein übriges.
  • Der OSPAR -Qualitätszustandbericht 2000 hat noch mal in aller Deutlichkeit hervorgehoben, dass fischereiliche Aktivitäten - zumindest für das Gebiet der Nordsee - zu den Aktivitäten mit den höchsten Umweltauswirkungen gezählt werden.
Die Langzeitforschung jenseits ideologisch-politischer Vorstellungen, wie die DWK sie betreibt, ist deshalb das A und O, will man belastbare Erkenntnisse für die Zukunft erhalten.
  • Und es gibt neue Herausforderungen: Die Verknüpfung mit anderen Themenfeldern und auch Internationalen Konventionen ist unumgänglich. Das betrifft z. B. die Biodiversitäts-Konvention oder CITES (Washingtoner Artenschutzabkommen), das gerade 25 Jahre alt geworden ist. So gibt z.B. für Wale immer noch kein vernünftiges Monitoring, die Haie sind noch nicht einmal gelistet worden, obwohl sie stark bedroht sind. Das Problem ist, dass die meisten kommerziell genutzten Meerestiere im Washingtoner Artenschutz-Abkommen gar nicht aufgeführt sind , obwohl z.B. Kabeljau, Seehecht oder Haie die Kriterien erfüllen würden. Hier wäre eine stärkere Beachtung Ihrer Forschungen wünschenswert.
Die wichtigsten Prinzipien und Ansätze einer Meeresumweltschutz-Politik sind der Vorsorgeansatz, das Verursacherprinzip und der Ökosystemansatz. Das heißt: vernetztes Denken, vernetztes Forschen, breit angelegte Betrachtungsweise. Dazu ist die Bereitstellung entsprechender Ressourcen zur Erfassung, Verarbeitung und Auswertung der notwendigen Bestandsparameter samt Risikoanalyse notwendig. Der Vorsorgeansatz im Fischereimanagement führt zu einer gänzlich anderen Denkweise der Manager als bisher und fordert eine wesentlich höhere Verantwortung. Nur dieser Ansatz führt langfristig zu gesunden Bestandsgrößen, sichert der Fischereiwirtschaft einen auskömmlichen Ertrag und erhält das Ökosystem.
Die Anwendung des Verursacherprinzips gehört ebenfalls dazu. Hier ist die Politik gefordert, entsprechende Vorgaben zu erarbeiten.
  • Der ökosystemare Ansatz schließlich umfasst alle wichtigen Parameter der belebten und unbelebten Umwelt. Die Einarten- oder Mehrarten-Betrachtung ist nicht ausreichend, die bisherigen Ansätze müssen weiter entwickelt werden. Ein Beispiel sind die Auswirkungen von Offshore-Windkraftanlagen, die noch lange nicht erkundet sind.
Mit dem Ökosystem-Ansatz stehen wir erst am Anfang, selbst eine internationale Definition steht noch aus.

Aber auch die Technik darf nicht zu kurz kommen, wie sich an der Entwicklung von selektivem Fanggeschirr leicht verdeutlichen lässt.

  • Notwendig ist, den Meeres-Umweltschutz in andere Politikbereiche zu integrieren nach dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio, das auch soziale und wirtschaftliche Aspekte mit einschließt.
  • Ich wünsche mir, dass die DWK ihren Weg auch in Zukunft weitergeht,
mit ihren hochqualifizierten Meereswissenschaftlern und als Schnittstelle zum ICES, mit ihrer Beratung von Entscheidungsträgern, Kommissionen und auch der EU in Fragen des Fischereimanagements zur Seite steht.

Viel Erfolg !