• Titel: Empfang der Greenpeace FSC-Arbeitsgruppe Deutschland am 28. Mai 2001 in Berlin

  • Redner/in: Parl. Staatssekretärin Gila Altmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie herzlich begrüßen, insbesondere die Vertreter des FSC-Vorstands international.

Obgleich Wälder aufgrund ihrer vielfältigen ökologischen Funktionen ein unverzichtbarer Teil der menschlichen Lebensgrundlagen sind, setzt sich die Zerstörung der Wälder im globalen Maßstab unvermindert fort. Besonders die Zerstörung des tropischen Regenwaldes, der einen wesentlichen Anteil an der weltweiten Waldfläche besitzt, stellt ein ernstes Problem dar, das sich wegen der in den Tropenwaldländern oftmals vorzufindenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme kaum bewältigen lässt.

Ein weiteres Problem sind weltweite Waldschädigungen in den Industrie- und Schwellenländern sowie deren geografische Nachbarn durch Einträge von Luftschadstoffen. Besonders anfällig für derartige Umweltbelastungen sind Wälder, die künstlich und ohne ausreichende Naturnähe bewirtschaftet werden. Nachhaltige und ökologische Forstbewirtschaftung kann hier erheblich zum Schutz der Bestände beitragen.

Die Kennzeichnung von Holz ist für die Bundesregierung ein wichtiger Ansatzpunkt auf dem Weg zu einer weltweit nachhaltigen und möglichst naturnahen Waldbewirtschaftung. Zum einen eröffnet sie für Tropenholz die Vermarktung nachhaltig erzeugten Holzes und dessen Produkten. Zum anderen trägt die Zertifizierung in Deutschland und Europa dazu bei, eine naturnahe Forstwirtschaft zu stärken und das gesellschaftliche Bewusstsein für eine naturnahe Waldwirtschaft zu schärfen.

Grundlegendes Problem der Zertifizierung ist, dass eine entsprechende Kennzeichnung von Holz eine wirksame Überprüfung des nachhaltigen Wirtschaftens auf der Grundlage von anspruchsvollen Kriterien und glaubhaften Institutionen voraussetzt.

Diese Aufgabe stellt sich seit nunmehr fast 10 Jahren der FSC. Im Verbund von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Forstwirtschaft, Gewerkschaften und Holzindustrie werden Zertifizierungsorganisationen akkreditiert, die Forstbetrieben eine nachhaltige Wirtschaftsweise bescheinigen können. Auch in der deutschen Arbeitsgruppe des FSC arbeiten seit 1997 Umweltverbände, Gewerkschaften, die Arbeitsgemeinschaft naturnahe Waldbewirtschaftung (ANB) sowie eine Reihe von Wirtschaftsunternehmen zusammen. Gemeinsam haben sie einen deutschen FSC-Standard erarbeitet. Die Fläche FSC-zertifizierter Wälder nimmt auch in Deutschland kontinuierlich zu. Dies begrüße ich sehr.

In Deutschland besteht daneben das Zertifizierungssystem PEFC. Beide Systeme sind sicher in ihren Zielen ähnlich. Dabei werden jedoch unterschiedliche Akzente gesetzt. Während PEFC im wesentlichen ein Zertifikat der Forstwirtschaft und der Waldbesitzerverbände geblieben ist, besitzt FSC eine starke Verankerung gerade unter den Umweltorganisationen. Ich räume gerne ein und begrüße es, dass es bei den Anforderungen eine Annäherung beider Systeme gegeben hat. Es bleiben aber Unterschiede, wobei ich insoweit auf die kürzlich veröffentlichten Studien bzw. Modell- und Systemvergleiche verweise. Insgesamt gesehen erscheinen die Anforderungen des PEFC nicht hinreichend, eine umfassend nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung der Wälder zu gewährleisten. Wünschenswert wäre aber eine weitere Annäherung von PEFC an die Anforderungen des FSC, die dann als Grundlage für eine eventuelle gegenseitige Anerkennung dienen kann.

Die Kennzeichnung ist ein Instrument, das insbesondere im internationalen Rahmen geeignet ist, die nachhaltige Waldwirtschaft zu fördern. In Deutschland wollen wir aber auch die gesetzlichen Vorschriften weiterentwickeln. In Kürze wird das Bundeskabinett den vom Bundesumweltministerium vorgelegten Entwurf der Novelle zum Bundesnaturschutzgesetz beschließen. Dieser Entwurf wird auch Anforderungen an die gute fachliche Praxis in der Forstwirtschaft enthalten, die ihrerseits dann in den Landesnaturschutzgesetzen zu konkretisieren sind.

Ein letztes. Ich weiß, dass das FSC Büro International und Regionalstelle Europa einen neuen Sitz sucht. Ich würde mich freuen, wenn Sie Bonn in die engere Wahl ziehen würden.

Vielen Dank