• Titel: Rede von Gila Altmann, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bei der Pressekonferenz "Artenschutz an Gebäuden" am 21. Mai 2001

  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Gila Altman
  • Datum: 21.05.2001

Sehr geehrte Damen und Herren,

Morgen, am 22. Mai, ist der "Internationale Tag der biologischen Vielfalt".

Der Wert der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensräume, der Arten und der genetischen Vielfalt innerhalb der Arten soll damit ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Aber auch an entsprechende internationale Konventionen, wie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt soll dieser Tag erinnern.

Dieses Übereinkommen wurde auf der Rio-Konferenz 1992 angenommen ebenso wie die Klimarahmenkonvention und ist im Dezember 1993 in Kraft getreten. Inzwischen ist es von 180 Vertragsparteien, darunter die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet worden. Es soll dem weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt Einhalt gebieten. Begriffe wie "biologische Vielfalt" oder "Biodiversität" führen ein Schattendasein und sind in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das gilt auch für das entsprechende Abkommen.

Für die Bundesregierung ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt von vergleichbarer Bedeutung wie der Klimaschutz. Das sind im übrigen nicht nur Probleme der Entwicklungsländer sondern auch bei uns findet die Zerstörung und Verarmung von Ökosystemen, das Aussterben von Arten und der Verlust der genetischen Vielfalt statt. Auch in Deutschland ist die Fauna und Flora bedroht, da zum Beispiel täglich 129 Hektar Naturflächen für den Bau von Straßen und Gebäuden, Gewerbegebieten und Freizeitanlagen versiegelt werden.

Wir haben erfreulicherweise inzwischen zwar auch eine positive Bestandsentwicklung bei vielen, zum Teil spektakulären Arten, wie Seeadler, Seehund, Biber, Uhu oder Wanderfalken, auch der Luchs kehrt wieder nach Deutschland zurück, aber zur Entwarnung gibt es keinen Anlass.

Die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes, in den drei vorhergehenden Legislaturperioden letztlich jeweils gescheitert, nimmt darauf Bezug. Es wird das geltende Bundesnaturschutzgesetz komplett ablösen und z. B. das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft neu definieren. Es fordert einen bundesweiten Biotopverbund auf mindestens 10 % der bundesdeutschen Fläche, die Position der Naturschutzverbände wird durch die Einführung der Verbandsklage gestärkt.

Heute geht das Bundesumweltministerium beim Natur- und Artenschutz selbst einmal mit gutem Beispiel voran, indem wir auch das Dach des Gebäudes mit einbeziehen. Als "Bonn-Ressort" sind wir hier bescheiden auf drei Etagen untergebracht, haben aber in Zusammenarbeit mit der "Arbeitsgemeinschaft Artenschutz an Gebäuden" schon 30 Nisthilfen für folgende Vogel- und Fledermausarten installiert:

  • Für den Mauersegler, für sog. Halbhöhlenbrüter, wie z. B. den Hausrotschwanz, für die Breitflügel- und die Zwergfledermaus.
  • Heute Nisthilfe wird Nr. 31installiert: ein Brutkasten für den Turmfalken.
  • Es soll ein Beitrag sein gegen Rückgang der innerstädtischen Tierwelt, vor allem der gebäudebewohnenden Arten.

Notwendig für viel Verständnis bei Hausbesitzern, Mietern, Bauherren und Architekten für solche Maßnahmen. Deshalb möchte ich der Hausverwaltung der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft, die unsere Mietimmobilie betreibt ausdrücklich dafür danken, für das Verständnis und die gute Zusammenarbeit. Die Grüne Liga und der Naturschutzbund haben die "Arbeitsgemeinschaft Artenschutz" vor drei Jahren gemeinsam gegründet und waren auch bei anderen Ministerien "erfolgreich". An dieser Aktion beteiligt sind bereits auch das Bundespresseamt und Bundesjustizministerium. Zukünftig werden auch das Auswärtige Amt und der Bundesrat dabei sein. Das BMU wird diese Initiativen dokumentieren und über unsere Homepage und ein Faltblatt bekannt machen. Ich habe die Hoffnung, dass wir noch weitere Bundesministerien und sonstige Verwaltungen, Schulen, Wohnungsbaugesellschaften, private Hausbesitzer und viele andere zum Mitmachen motivieren und als Partner für den Natur- und Artenschutz gewinnen können.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.