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Archiv 14. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
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Titel: Rede der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Gila Altmann
- Untertitel: Rede anlässlich der Eröffnung der Informationsvolieren im NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Gila Altmann
- Anlass: Eröffnung der Informationsvolieren im NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde am 09. April 2001
- Datum/Ort: 09.04.2001, Leiferde
Anrede
Die Schirmherrschaft für so ein Ereignis übertragen zu bekommen, ist für mich eine große Freude, gibt sie mir die Möglichkeit, Artenschutz sehr konkret und anschaulich vor Ort zu diskutieren.
Normalerweise ist Artenschutz ein Thema für die großen internationalen Konferenzen, fixiert auf Afrika, Osteuropa und Sein - eben dort, wo es noch große zusammenhängende und dünnbesiedelte Naturflächen gibt.
Die Bundesregierung bemüht sich verstärkt auf internationaler Ebene um den Schutz von Bio-Diversität und das Überleben der Arten, von denen allein 8000Tierarten auf der roten Liste stehen.
Artenschutz ist aber eine Aufgabe, die sich nicht geographisch delegieren läßt oder aus der wir uns herauskaufen können. Das bedeutet, dass Natur- und Artenschutz auch in dicht besiedelten Gebieten stattfinden muss.
Die Bilanz bei uns stimmt nachdenklich, denn in Deutschland leben über 80% der Bevölkerung in Städten, betragen die Siedlungs- und Verkehrsflächen 12% der Gesamtfläche.
Die versiegelte Fläche hat sich in nur 50 Jahren verdoppelt, täglich gehen 129 Hektar Naturflächen = 175 Fußballfelder verloren für Straßen und Gebäude. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Es fehlt weitestgehend noch das Problembewusstsein für diese dramatische Entwicklung. Flächenverbrauch und Wirtschaftswachstum scheinen immer noch untrennbar zusammen zu gehören. Das Konfliktpotenzial ist hier vorprogrammiert, denn welche Gemeinde will schon auf ihr Gewerbe- oder
Neubaugebiet bzw. auf die Autobahnanbindung verzichten. Naturschutzbelange werden nur zu oft im Namen von erhofften Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen weggewogen.
Deshalb ist es mehr als fraglich, ob das gesteckte Ziel, den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag = etwa 40 Fußballfelder im Jahr 2020 zu reduzieren, erreicht werden kann. Die Novelle des Bundes-Naturschutz-Gesetzes sagt eindeutig, wie bei
uns Lebensräume für den Artenschutz zu erhalten sind:
"Auch im besiedelten Bereich sind noch vorhandene Naturbestände wie Wald, Hecken, Wegraine, Saumbiotope, Bachläufe, Weiher (usw.) zu erhalten und zu entwickeln. ...
Nicht mehr benötigte versiegelte Flächen sind zu renaturieren oder der natürlichen Entwicklung zu überlassen, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht zumutbar ist."
- Natur- und Artenschutz ist keine Folkloreveranstaltung sondern ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität des Menschen und für seine Existenz unerlässlich.
- Eine etwa 100jährige frei stehende Buche mit eine Höhe von 25 Metern und einem Kronendurchmesser von 14 Metern hat eine Blattfläche von etwa 1600 m2.
Damit produziert sie von Mai - September den jährlichem Sauerstoffbedarf für 10 Menschen.
Außerdem filtert sie bis zu 1 Tonne Staub pro Jahr aus der Luft, wirkt ausgleichend auf das Klima durch die Verdunstung von bis zu 400 Liter am Tag, das sind 20 große Wassereimer.
Bedingt durch die Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit unter dem Baum um 10%, sinkt die Temperatur um 3 Grad Celsius.
Dabei ist der Baum Brut- und Lebensraum für Insekten, Vögel und Säugetiere.
Deshalb ist der Erhalt der großen Bäume an Alleen und in Stadtparks unbedingt notwendig auch und gerade vor dem Hintergrund des Interessenkonflikts mit der Verkehrssicherheit, der in den neuen Bundesländern um Alleebäume tobt.
Naturschutzmaßnahmen sind aber nur dann erfolgreich, wenn die Akzeptanz bei der Bevölkerung da ist. Dazu gehört das Wissen über diese Wechselwirkungen von Maßnahmen, wie zum Beispiel der Wert von Totholz. Und so steht bei allem gutem Willen die Ordnungsliebe in Gärten und öffentlichen Anlagen dem Bedürfnis von bestimmten Arten oftmals diametral entgegen.
Die Informationsvolieren des NABU-Artenschutzzentrums, die heute eingeweiht werden, sind ein hervorragendes Beispiel, wie Menschen die Natur und der richtige Umgang mit wildlebenden Tieren nahegebracht werden kann.
In den Volieren gibt es viele Hinweise, wie jede/r in seiner Umgebung konkret etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun kann.
Sie zeigen sinnvollen Artenschutz mit bekannten Arten wie Amsel, Fink, Mäusebussard, Elster und selteneren Arten wie den Steinkauz. Er steht symbolisch für eine gefährdete Art, die mit wenig Aufwand gerettet werden kann.
Er braucht zum Erhalt seiner Art hohle (Obst-)Bäume zum Brüten. Durch das weiträumige Abholzen der Streuobstwiesen geht auch sein Lebensraum verloren.
Deshalb nicht gleich jeden alten Apfelbaum sofort abholzen, vor allem nicht wenn dort schon ein Kauz haust; der wird sonst heimatlos. Wie Knax, der hier ein neues Zuhause gefunden hat. "Kennzeichnend ist, dass er sich bei Erregung hoch aufrichtet, sich duckt, um auf possierliche Weise gleich
wieder hochzuschnellen." Heinz Sielmanns Beschreibung des Steinkauzes erinnert ein wenig ans Politikerverhalten, insofern ist Knax der ideale Botschafter des Artenschutzes in dieser Region.
Viel Erfolg!
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