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Archiv 14. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
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Titel: Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Gila Altmann "In die Stadt - ohne mein Auto" Rede anlässlich der Auftaktkonferenz zum EU-Aktionstag 2001 am 26. März 2001, 10:00 Uhr Ma
- Redner/in: Parl. Staatssekretärin Gila Altmann
- Datum/Ort: 26.03.2001, Madrid
Es gilt das gesprochene Wort!
Verehrte Minister, Kommissarin Wallström, meine Damen und Herren,
vielen Dank für die Einladung zur heutigen Konferenz. Das Thema Umwelt und Verkehr bewegt sich - nicht nur in Deutschland - in einem Spannungsfeld
- zwischen Klimaschutz und Mobilitätsbedürfnis,
- zwischen Ökosteuer und ÖPNV-Angebot, und damit
- zwischen Theorie und Praxis
Letztlich geht es um Verhaltensänderung, nämlich durch konkrete, erfahrbare Beispiele und durch die Vermittlung eines positiven Lebensgefühls.
Beides kann beim Aktionstag "In die Stadt ohne mein Auto" gezeigt werden. Umfragen anlässlich des Aktionstages zeigten eine Zustimmung von über 70% zu einem autofreien Tag, doch, und dies ist die Kehrseite der Medaille, freiwillig und plötzlich scheint es vielen schwer zu fallen, ihr gewohntes Verhalten zu ändern. Bleibende Wirkung hat der Aktionstag deshalb nur, wenn er mehr ist eine Eintagsfliege mit Volksfestcharakter. Die BürgerInnen müssen ihre Erfahrungen auf den Alltag übertragen können. Dabei können die vielfältigen Aktivitäten in zahlreichen europäischen Kommunen helfen. Diese Auftaktkonferenz hat daher wichtige Funktion für Vernetzung in EU.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich Ihnen kurz über den Stand der Aktivitäten in Deutschland berichten. Die Vorbereitungen für den diesjährigen Aktionstag laufen auf Hochtouren. Das BMU hat mit den Vorarbeiten für den diesjährigen Aktionstag frühzeitig begonnen. Erste Gespräche mit dem Klimabündnis und Umweltverbänden haben stattgefunden. In Abstimmung mit dem Klimabündnis bündelt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nun die vielen unterschiedlichen Aktivitäten der Verbände.
Der gesamte Prozess findet die politische Unterstützung durch die BMU-Leitung: begleitende Öffentlichkeitsarbeit sowie ein Appell an die Umweltministerien der Länder zur Unterstützung des autofreien Tages sind in Planung. Besonders der diesjährige Schwerpunkt in Deutschland ist uns wichtig: Die Mobilität von Frauen. Er baut auf dem letztjährigen Schwerpunkt - Öffentlicher Personennahverkehr - auf und zeigt eine Verbindung zwischen beiden Zielen auf.
Die Aktivitäten des BMU im Bereich Gender und Umwelt sind inzwischen sehr umfangreich. Gerade im Vorfeld der Sitzung der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD-9) in New York im April geht es darum, eines der Schwerpunktthemen dort - Verkehrspolitik - um den Genderaspekt anzureichern.
Fakt ist: Noch sind Frauen in Deutschland in Bezug auf ihre Mobilität die - oft unfreiwillige - ökologische Avantgarde, weil sie häufiger gezwungen sind, sich zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem ÖPNV fortzubewegen, anstatt Auto zu fahren. Und: weibliche Mobilitätsmuster spiegeln fast durchweg den deutlich komplexeren Frauenalltag wider:
- Kinder zum Kindergarten, zur Schule oder sonst wohin bringen und wieder abholen,
- zur Arbeit gehen (Teil- oder Vollzeit),
- den Einkauf erledigen,
- ältere Familienmitglieder versorgen
Einer der Gründe dafür ist, dass noch immer 90% der Entscheidungsträger im Verkehrsbereich Männer sind, mit einer typisch männlichen Biographie und daher typisch männlicher Erfahrungen. Das bedeutet, dass sie häufig das Familienauto für ihre Mobilität benutzen. Dazu kommt, dass viele Städte strukturell nicht für einen typischen Frauenalltag geeignet sind: Da fehlt der Laden um die Ecke, das Postamt in der Nachbarschaft hat geschlossen, die Buslinie fährt nur zur Rush-Hour häufig - die Folge: Frauen müssen sich notgedrungen motorisieren - wenn sie es sich leisten können.
Uns geht es in diesem Jahr darum, dies deutlich zu machen, auch durch Einbindung von Prominenten. Im letzten Jahr lieh sich z. B. der Hamburger Umweltsenator sogar die Elefantendame Marla für einen Ausflug aus. Es dürfte spannend zu erleben sei, wie dieses Jahr am 22.9. einzelne männliche Bürgermeister versuchen, mit Kinderwagen und Einkaufstasche Bus und Bahn zu benutzen.
Welche Aktionen es jedoch am 22.9.2001 tatsächlich in Deutschland gibt, hängt an den Kommunen. Wir sind froh zu hören, dass bereits alle deutschen Teilnehmer des letzten Aktionstages angekündigt haben, auch diesmal wieder dabei zu sein. Für 2001 haben sich bereits 20 Kommunen, darunter München, Mainz und Freiburg, zum Aktionstag angemeldet. Allerdings bevorzugen die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland den Autoverkehr stark - das erschwerte eine Teilnahme im Sinne der Charta häufig, Trotzdem zeigten die Kommunen im Jahr 2000 großes Engagement - insgesamt beteiligten sich in Deutschland 70 Kommunen. Bereits im letzten Jahr waren in 75% der Städte die lokalen Gruppen der Umweltverbände am Aktionstag beteiligt. Das Klimabündnis organisierte deutschlandweit einen Skater-Wettbewerb mit dem Motto "Menschen auf Rollen", an dem 60.000 Menschen teilnahmen, davon 25% allein in Hamburg.
Über 600 Presseartikel, zahlreiche Berichterstattungen in Radio- und Fernsehen zeigen, dass der 22.9 eine breite Diskussion zur Mobilität entfachte, während gleichzeitig gegen hohe Treibstoffpreise protestiert wurde. Das Thema Mobilität rückte stark ins öffentliche Bewusstsein. Daher hoffen wir, die letztjährigen Ergebnisse in diesem Jahr zu übertreffen und mehr TeilnehmerInnen anzuziehen - z. B. von Schulen und Kindergärten. Außerdem hoffen wir auf ein verbesserte Einbindung von Umweltverbänden. Ich habe heute von vielen Beispielen gehört, wie das funktionieren kann.
Meine Damen und Herren,
Ich begrüße die Weiterentwicklung der "Europäischen Charta" zum Aktionstag durch die europäische Koordination. Besonders wichtig erscheint, dass Kommunen an diesem Tag mindestens eine dauerhafte Maßnahme, die zur nachhaltigen Verkehrsgestaltung beiträgt, in ihr Programm aufnehmen sollen. Auch die öffentliche Darstellung von Verkehrs- und Planungskonzeption durch die Kommune ist eine sinnvolle Ergänzung und Bereicherung der inhaltlichen Gestaltung des autofreien Tages.
Maßnahmen wie der Aktionstag sind dringend nötig, um das Bewusstsein für eine ökologische Mobilität zu fördern, gerade angesichts der Tatsache, dass technische Verbesserung allein unser Mobilitätsproblem nicht lösen werden. Übrigens führte die Senkung der Fahrpreise von Bus und Bahn wie die Einrichtung autofreier Bereiche in einigen Städten zu einer Senkung des privaten motorisierten Verkehrs um 5 bis 15 Prozent.
Ich bin mir sicher, dass der 22. September 2001 auch in Deutschland erfolgreich verlaufen und mit dazu beitragen wird, den Bürgern im Interesse der Umweltschonung alternative Verkehrsmittel näher zu bringen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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