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Naturschutz / Biologische Vielfalt
Internationaler Naturschutz
Übereinkommen über die biologische Vielfalt
Zahlen der Woche
Im Rahmen der Kampagne veröffentlichte Zahlen der Woche (Mai 2007 - Juni 2008)
Kalenderwoche 22, 2008 - 5 Billionen
Die biologische Vielfalt hat einen immensen wirtschaftlichen Wert: Allein die
weltweiten Schutzgebiete an Land bringen einen volkswirtschaftlichen Nutzen von fünf Billionen US-Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Das ist mehr als der jährliche Umsatz der drei Leitindustrien Auto, Informationstechnologie und Stahl zusammen. Der liegt bei 3,4 Billionen Dollar.
Was kostet die Welt? Diese Frage stellt sich der Ökonom und Leiter der Abteilung "Globale Märkte" der Deutschen Bank in London Pavan Sukhdev im Auftrag des Bundesumweltministeriums und der EU-Kommission. Am kommenden Donnerstag, 29. Mai 2008 nun präsentiert Sukhdev gemeinsam mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und EU-Umweltkommissar Stavros Dimas erste Ergebnisse der Studie "Die Ökonomie der Ökosysteme und biologischen Vielfalt".
In der Studie macht Sukhdev erhellende Rechnungen auf und liefert interessante Zahlen. Durch die Überfischung der Meere könnte im Jahr 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr möglich sein. Mit dramatischen Folgen: Brächen die Fischbestände zusammen, würde das eine Milliarde der ärmsten Menschen der Welt – ein Sechstel der Weltbevölkerung also – ihrer einzigen und überlebenswichtigen Proteinquelle berauben. Auch Bienen helfen uns unentgeltlich. Sie bestäuben Agrarpflanzen.
Jede Art erfüllt spezifische Aufgaben in ihrer Umgebung. Stirbt sie aus, mindert das die Leistungskraft ihres Ökosystems. Das wiederum zwingt uns Menschen, Dienstleistungen der Natur nach und nach künstlich zu ersetzen. Wenn zum Beispiel die Mangroven verschwinden, fehlt den tropischen Küsten ihr natürlicher Schutzwall gegen Sturmfluten. Wir selbst müssen dann Wellenbrecher errichten, zum Beispiel aus Beton. Das kostet Geld. Noch teurer allerdings kommt es uns zu stehen, wenn die Küsten weder einen natürlichen noch einen künstlichen Schutz haben. Das beweist jede Sturmflut, die ungebremst ins Landesinnere rollt.
Pavan Sukhdev hat errechnet, was uns der fortgesetzte Raubbau an der biologischen Vielfalt insgesamt kosten könnte: Die globalen volkswirtschaftlichen Verluste schlügen mit 6,3 Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts bis zum Jahr 2050 zu Buche. Und er hat addiert, was uns die Natur allein durch die Schutzgebiete an Land volkswirtschaftlich bringt: fünf Billionen US-Dollar pro Jahr (drei Billionen Euro). Da wirkt der globale Umsatz großer Leitindustrien vergleichsweise gering: 1,9 Billionen US-Dollar pro Jahr sind es in der Automobilherstellung, 942 Milliarden in der Informations- und Software-Branche und 530 Milliarden in der Stahlindustrie.
Der Wirtschaftsfachmann weist aber auch auf Verluste hin, mit denen wir gar nicht rechnen. Denn viele Vorbilder für Technologien und Produkte gehen verloren, noch bevor wir sie überhaupt entdeckt haben. Ein Beispiel dafür ist das Schicksal des australischen Magenbrüterfroschs. Forscher beobachteten in den 1980er Jahren, dass dieser Lurch seine Jungen im Magen ausbrütet. Sie stellten sich die Frage, wie er sie vor der Magensäure schützt. Für die Antwort interessierten sich auch Pharmakologen. Sie erhofften sich davon ein neues Mittel gegen Magengeschwüre. Doch leider konnten die Forscher dem Geheimnis des Tieres nicht mehr auf den Grund gehen. Es ist ausgestorben.
Weitere Informationen:
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TEEB-Berichte
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www.bmu.de/un-naturschutzkonferenz2008
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UN-Naturschutzkonferenz: Eröffnungsrede von Sigmar Gabriel
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Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Biodiversität als Ressource
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faz.net: Was kostet die Welt, wer hat so viel Geld?
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SWR.de: Was passiert, wenn der Laubfrosch ausstirbt
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Handelsblatt.com: Artensterben kostet Billionen
Kalenderwoche 21, 2008 - 190 + 1
Weltweit schwindet die biologische Vielfalt dramatisch - ein globales Problem. 190
Staaten und die Europäische Union haben deshalb das "Übereinkommen über die biologische Vielfalt" unterzeichnet.
Die Convention on Biological Diversity (CBD) ist 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro geschlossen worden. Die Weltgemeinschaft hat sich darin drei Ziele gesteckt und sie erstmals als Anliegen der gesamten Menschheit festgeschrieben: den Schutz der biologischen Vielfalt, ihre nachhaltige Nutzung sowie den Ausgleich der Vorteile, die der Mensch aus den genetischen Ressourcen zieht.
Das politische Gremium des Abkommens ist die Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, kurz UN-Naturschutzkonferenz. Sie findet alle zwei Jahre statt. Veranstalter sind die Vereinten Nationen. Auf der UN-Naturschutzkonferenz beraten Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter über Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt.
Die nächste UN-Naturschutzkonferenz - die neunte - findet ab Montag, dem 19. Mai, in Deutschland statt. Bis 30. Mai 2008 werden in Bonn mehr als 5.000 Delegierte verhandeln, beraten und Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt beschließen.
Kalenderwoche 20, 2008 - 2°
Der Weltklimarat IPCC hat bestätigt, dass wir die Erderwärmung allenfalls noch
mildern können. Verkraftbar wäre nach Einschätzung von Experten ein Anstieg der mittleren globalen Temperatur um bis zu 2 Grad Celsius im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1899. Höhere Temperaturen würden bedeuten, dass Tiere, Pflanzen und letztlich die Menschen gravierenden
Schaden nehmen. Eine der besonders gefährdeten Weltgegenden liegt quasi vor unserer Haustür: die Iberische Halbinsel.
Nicht mehr lange, dann fliegen wieder Millionen Deutsche nach Spanien, denn ab Ende Juni beginnen die Sommerferien. In wenigen Jahrzehnten dagegen könnte es sein, dass nur noch wenige Menschen den Urlaub in Spanien verbringen - weil es dort zu heiß wäre.
Spanien ist zu einer Art Glaskugel geworden, in der wir die Zukunft in den Zeiten des Klimawandels sehen können. Zahlreiche Studien zeigen, dass in Europa die Iberische Halbinsel zuerst und letztlich auch am stärksten von der Erderwärmung betroffen sein wird. Wissenschaftler der Universität von Kastilien-La Mancha sagen beispielsweise voraus, dass Madrid um das Jahr 2100 im Sommer bis zu sieben Grad heißer sein wird als heute. Die spanische Metropole - eine Wüstenstadt.
Einen Eindruck davon, wie sich die Folgen der Klimaaufheizung zukünftig äußern könnten, erhielten Spanien-Urlauber in den letzten Jahren - während extremer Witterungsperioden. Gerade erst im April dieses Jahres litt Spanien unter der schwersten Dürre seit mindestens 40
Jahren: Die Wasserreserven waren mehr als die Hälfte gesunken, in den Monaten zuvor regnete es 40 Prozent weniger als gewöhnlich, und die Zahl der Waldbrände stieg auf Rekordhöhe. Im Jahr 2006 wiederum suchten riesige Schwärme von Quallen die Badestrände heim –
eine Folge des stark erwärmten Mittelmeeres.
Die Urlauber können und werden – zum Leidwesen der Spanier – auf andere Länder ausweichen, wie eine Studie der Deutschen Bank vermutet. Doch was ist mit der Natur? Der Klimawandel ist auch für die biologische Vielfalt eine Zeitbombe: Steigt die globale Erwärmung um
mehr als 1,5 bis etwa 2,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten an, sind 20 bis 30 Prozent aller Arten weltweit vom Aussterben bedroht, so der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change).
Gelingt es nicht, die Erderwärmung zu bremsen, bedeutet dies auch das unwiederbringliche Aussterben eines beträchtlichen Teils der Tier- und Pflanzenwelt auf der Iberischen Halbinsel.
Weitere Informationen:
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4. Sachstandsberichts (AR4) des IPCC (2007) über Klimaänderungen
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Klimawandel bedroht Mensch und Natur
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Klimawandel und Tourismus: Wohin geht die Reise? (PDF)
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Spanien als Schauglas für die drohenden Klimaveränderungen
Kalenderwoche 19, 2008 - 95 Millionen
Deutschland hat sich verpflichtet, Entwicklungsländern beim Schutz
ihrer biologischen Vielfalt zu helfen. Dazu stellt die Bundesregierung jährlich 95 Millionen Euro zur Verfügung.
Der Schutz der biologischen Vielfalt bedeutet mehr, als die Schönheit der Natur für künftige Generationen zu bewahren. Es geht um nicht weniger als unseren Wohlstand, wenn nicht gar um unser Überleben. In der Pflicht stehen ganz besonders die Industrienationen. Sie tragen die Hauptverantwortung für einige der Ursachen des weltweiten Artensterbens, beispielsweise für die Erderwärmung. Zudem ziehen vor allem sie den Nutzen aus der biologischen Vielfalt, weil sie über das nötige technische Know-how verfügen.
Deutschland und andere Industrienationen haben sich deshalb im "Übereinkommen über die biologische Vielfalt" verpflichtet, die Entwicklungsländer bei der Erhaltung ihrer biologischen Vielfalt zu unterstützen. Dazu gehört, dass die Industrienationen Schutzmaßnahmen in ärmeren Ländern finanzieren. Aus Deutschland fließen derzeit jährlich fast 95 Millionen Euro in solche Initiativen.
Ein Beispiel ist das Projekt "Biodiversität und nachhaltiges Landmanagement" in Namibia. Wie in zahlreichen anderen Entwicklungsländern hängen in dem südafrikanischen Land die Armut der Landbevölkerung und der Schwund der biologischen Vielfalt zusammen: Die Menschen wirtschaften zulasten ihrer natürlichen Ressourcen, weil sie ums nackte Überleben kämpfen oder ihnen das Geld für eine nachhaltige Produktion fehlt.
Namibia kann diesen Teufelskreis von Armut und zunehmender Zerstörung der Umwelt nicht aus eigener Kraft durchbrechen. Deutschland leistet deshalb Hilfe zur Selbsthilfe: Deutsche Experten unterstützen die namibischen Behörden, die Rahmenbedingungen zu verbessern und Gesetze,
Strategien und Leitlinien umzusetzen. Ziel ist es, Ressourcennutzung und Ressourcenschutz in Waage zu bringen, etwa durch nachhaltiges Landmanagement.
Zudem ist die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen eines der drei übergeordneten Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Die genetischen Ressourcen für die
Entwicklung von landwirtschaftlichen oder pharmazeutischen Produkten kommen zumeist aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Eine große Rolle bei den Verhandlungen der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn kommt daher dem gerechten Vorteilsausgleich (ABS, Access and
Benefit Sharing) zu, das heißt der Beteiligung der Herkunftsländer an den Gewinnen aus diesen Produkten.
Weitere Informationen:
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Access and Benefit Sharing - ABS: Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich
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Informationsbroschüre: Übereinkommen über die biologische Vielfalt (PDF)
Kalenderwoche 18, 2008 - 74
Wenn der Waschbär wüsste, dass er ein Neozoon ist - er würde sich putzen. Neozoen
sind Tiere, die wir Menschen in fremde Gebiete "importiert" haben. Die Kleinbären leben seit 74 Jahren in deutschen Wäldern, aber auch in großen Städten wie Berlin oder Kassel.
Der Waschbär stammt aus Nordamerika, von wo ihn Mitte der zwanziger Jahre Geschäftsleute nach Deutschland brachten. Bis 1934 fristete er in Pelzfarmen sein Dasein. Dann aber genehmigte Hermann Göring, zwei Pärchen auszusetzen. Statt sich allerdings auf die bevorzugten Jagdgründe des Reichsjagdmeisters zu beschränken, eroberte der Waschbär die deutschen Wälder. Von wenigen hundert Tieren in den fünfziger Jahren stieg die Population bis 1970 auf etwa 20.000. Heute schätzen Biologen die Zahl der Waschbären in Deutschland auf mehrere Hunderttausend.
So sympathisch die pelzigen Invasoren vielen Menschen erscheinen: Sie gehören nicht hierher. Waschbären klettern gut und räumen als Allesfresser auch gelegentlich die Nester von Vögeln aus - oder vergreifen sich an Fröschen und Reptilien. Auch in Siedlungsbereichen werden sie lästig. In der Waschbären-"Hauptstadt" Kassel singen davon bereits viele Städter ein nicht besonders frohes Lied. Die Klein-Bären räumen Mülleimer aus oder lassen sich sogar häuslich unterm Dach nieder. Dort verursachen sie Schäden, können über ihren Kot aber auch Krankheiten verbreiten. Deshalb wünschen sich nicht allein Naturschützer die Waschbären wieder nach Nordamerika zurück.
Insgesamt haben Wissenschaftler in Deutschland etwa 1.150 Tierarten und 1.000 Pflanzenarten erfasst, die Menschen entweder ausgesetzt oder unbewusst per Schiff, Flugzeug oder Auto mitgebracht haben. 260 Neozoen und 452 Neophyten - so heißen die eingeschleppten Pflanzen - haben überlebensfähige Populationen gebildet.
Weitere Informationen:
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FloraWeb: Gebietsfremde Arten: Positionspapier des Bundesamtes für Naturschutz (PDF)
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FloraWeb: Neophyten
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www.neobiota.info
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"Aliens" im Tier- und Pflanzenreich (PDF)
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Von Waschbären und anderen Invasoren
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Invasoren auf vier Pfoten (PDF)
Kalenderwoche 17, 2008 - 20
Walnüsse kommen in Europa, Amerika und Asien vor. Aber sie sehen nicht überall gleich aus.
Der Grund: Es gibt ungefähr zwanzig Arten.
Walnüsse aus Kalifornien? Die sind größer als unsere europäischen, weil sie so viel Sonne bekommen. Dieses Urteil liest man häufig. Es stimmt aber nur bedingt. Denn die Kalifornische Walnuss (Juglans californica) ist eine eigenständige Art. Genau wie die bei uns heimische sogenannte Echte Walnuss (Juglans regia) gehört sie der Gattung der Walnüsse an.
Nur wenige Arten werden wegen ihrer Früchte geschätzt, neben der Echten und der Kalifornischen Walnuss etwa die Schwarznuss (Juglans nigra) oder die Butternuss (Juglans cinerea), die beide im östlichen Nordamerika wachsen. Wirtschaftlich bedeutsam sind etliche Arten der Gattung jedoch wegen ihres Holzes. Die Industrie verarbeitet es zu Möbeln, Treppen und Türen, aber auch zu Musikinstrumenten und Ziergegenständen.
In Deutschland ist die Echte Walnuss zum "Baum des Jahres" 2008 gewählt worden. Damit möchte das zuständige Kuratorium darauf hinweisen, dass die Zahl der Walnussbäume in Europa zurückgegangen ist. Für die Schweiz liegt sogar die exakte Zahl vor: 75 Prozent der Bestände sind in den vergangenen 50 Jahren verschwunden. Als Hauptgrund führt das "Kuratorium Baum des Jahres" an, dass nicht genug Nussbäume nachgepflanzt worden sind - bei maximaler wirtschaftlicher Nutzung.
Weitere Informationen:
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Sorge um einen "guten alten Freund"
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www.baumdesjahres.de
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Pressemitteilung des Kuratoriums Baum des Jahres: 20. Baum des Jahres proklamiert - "den Menschen ein guter, alter Freund"
Kalenderwoche 16, 2008 - 40.000
Spinnen vertilgen nicht nur lästige Insekten. Sie produzieren auch ein Material
von bisher unerreichter Qualität: Seide. Die Fäden der rund 40.000 bekannten Webspinnen (Araneae) dienen Biotechnikern als Vorbild für Industrieprodukte. Und auch in der Medizin eröffnet die Spinnenseide neue Möglichkeiten.
Dem Sprichwort zufolge hängt etwas dann "am seidenen Faden", wenn ein schlechtes Ende droht. Dabei kann einer Sache kaum etwas Besseres passieren: Die Fäden aus den Drüsen von Spinnen, Schmetterlingen oder Muscheln sind stabiler und elastischer als alle Materialien, die wir Menschen bisher entwickelt haben. Ein nur zwei Zentimeter dickes Seil aus Seide wäre sogar in der Lage, ein landendes Passagierflugzeug zu bremsen.
Seit langem versuchen Biotechniker, Seide nach dem Vorbild von Spinnen herzustellen. Sie ist besonders hochwertig, lässt sich den Tieren aber nicht im industriellen Maßstab abgewinnen. Deshalb bauen die Wissenschaftler die Erbinformationen von Spinnen in die Gene beispielsweise von Koli- oder Hefebakterien ein. Die Bakterien beginnen daraufhin, Zucker in Seide umzuwandeln. Da sich die Mikroorganismen schnell vermehren und gut halten lassen, könnten sie zu hervorragenden Seidenlieferanten werden.
Anwendungen für die bakterielle Spinnenseide gäbe es viele, zum Beispiel für Airbags, Lautsprechermembranen, Segeltuch und kugelsichere Westen. Besonders ungeduldig warten jedoch Ärzte auf das Material: Das menschliche Immunsystem erkennt Seide nicht als Fremdkörper und zersetzt sie daher nicht. Das macht die Seide zu einem optimalen Wundschutz. Außerdem könnte sie in Zukunft auch helfen, Lähmungen zu beheben.
Bei Unfällen werden oft Nerven in den Gliedmaßen durchtrennt. Die Enden wachsen aber nicht immer wieder zusammen, weil sie einander schlicht nicht wiederfinden. Die Folge: partielle Lähmungen. Verknüpfen Chirurgen die Nerven-Enden aber mit Spinnenseide, wachsen sie daran aufeinander zu.
Weitere Informationen:
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Nervenreparatur mit Spinnenseide
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Biotechnologie: Im Netz der Spinne
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Naturfasern aus Bakterien: Fester als Stahl und so rein wie Medizin
Kalenderwoche 15, 2008 - 130
In den nördlichen Meeren gibt es ausgedehnte Korallenriffe. Das größte ist das
norwegische Røst-Riff mit einer Fläche von 130 Quadratkilometern. Beinahe die Hälfte dieser Formationen ist geschädigt.
Korallen - das klingt nach türkisblauem Wasser und tropischen Temperaturen. Dabei gibt es sie auch in den Gewässern zwischen Skandinavien und der Arktis. Lange sind uns die Kaltwasserkorallen verborgen geblieben, weil sie anders als ihre tropischen Verwandten nicht im Flachwasser gedeihen. Doch auch sie bilden farbenfrohe ausgedehnte Riffe - in Tiefen bis zu mehreren Tausend Metern. Vor der Westküste Europas befindet sich ein Gürtel von Kaltwasserriffen, der sogar - wenn auch nicht durchgängig - von Nordnorwegen bis Westafrika im Süden reicht. Kaltwasserriffe gibt es eben auch dort, wo in den oberen Meeresregionen gleichzeitig tropische Korallen leben. Das größte der Kaltwasserriffe, das Røst-Riff vor den norwegischen Lofoten, hat mit 130 Quadratkilometern dieselbe Ausdehnung wie die Stadt Schwerin.
Die norwegische Regierung hat das Røst-Riff vor einigen Jahren unter Schutz gestellt. Wissenschaftler hatten belegt, dass die Riffe bereits beinahe zur Hälfte beschädigt oder verloren sind. Bohrplattformen, Pipelines, unterseeische Leitungen und Ozeanversauerung - verursacht unter anderem durch den Klimawandel - gefährden die Korallen. Ihr Hauptfeind aber sind Schleppnetze. Die Fischerei-Industrie setzt diese oft tonnenschweren Ungetüme ein, um bodenlebende Fische zu fangen. Dabei pflügen die Netze den Meeresgrund regelrecht um - und brechen Korallen aus Riffen, die mitunter 8.500 Jahre gewachsen sind.
Korallenriffe sind für die Unterwasserwelt ähnlich bedeutsam wie die Regenwälder an Land: Nirgendwo ist die biologische Vielfalt der Meere größer als in den Riffen. Und das gilt eben nicht nur für die tropischen Riffe, in denen wir schnorcheln können, sondern auch für die kalten Schönheiten in unerreichbarer, dunkler Tiefe.
Veranstaltungshinweis: 2008 ist das Internationale Jahr des Riffes. Aus diesem Anlass zeigt das Museum für Naturkunde Berlin die Sonderausstellung "abgetaucht". Vom 8. April 2008 bis 30. September 2008 geht es um Entstehung, Evolution und Bedrohung der Riffe. Die
Sonderausstellung ist ein Förderprojekt des Bundesamtes für Naturschutz, unterstützt durch Mittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Das BMU gibt zur Ausstellung das Magazin "Riffe - Regenwälder der Meere" heraus, das unter
www.bmu.de/publikationen kostenlos bestellt werden kann.
Weitere Informationen:
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Internationales Jahr des Riffs (IYOR) 2008
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Sonderausstellung zum Internationalen Jahr des Riffes 2008
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Uni Erlangen: Tiefwaser-Riffe
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WWF: Juwelen der Tiefsee (PDF)
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Planet Erde: Kaltwasser-Korallenriffe größer als vermutet
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Hamburger Abendblatt: Gefahr durch Schleppnetze
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WWF: Die Uhr für Tiefsee-Riffe tickt
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Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) in Kiel
Kalenderwoche 14, 2008 - 7142
Bis zum Jahr 2020 sollen zwei Prozent der Fläche Deutschlands wieder
echte Wildnis werden. Das sind 7.142 Quadratkilometer. Wichtig dabei ist, dass die Schutzgebiete vernetzt sind. So wie im "Grünen Band" - einem Biotopverbund von internationaler Bedeutung entlang des ehemaligen "Eisernen Vorhangs".
Von der Barentssee über die ehemalige innerdeutsche Grenze, Österreich und Ungarn bis nach Bulgarien und Griechenland zieht sich ein Streifen beinahe unberührter Natur, das Grüne Band. Seltene Pflanzenarten gedeihen hier, gefährdete Tiere wie Eisvögel und Schwarzstörche, aber auch Bär, Luchs und Wolf finden Rückzugsmöglichkeiten. Der Grund dafür ist eine Epoche der Weltgeschichte, die zum Glück hinter uns liegt: Jahrzehntelang markierte dieser Streifen den "Eisernen Vorhang". Deshalb entstanden hier nur wenige Siedlungen, Straßen und Äcker.
Der deutsche Abschnitt des Grünen Bandes bleibt nach dem Willen der Bundesregierung mit all seinen unterschiedlichen Biotop-Typen als Bestandteil des "Nationalen Naturerbes" erhalten. Seine Wälder, Feuchtwiesen und Moore, seine Brachflächen, Grasfluren und Weiher sollen Bestandteil des nationalen Biotopverbunds werden. Viele Abschnitte gehören zudem zum Europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Das ist ein Netz aus Schutzgebieten, das die ganze Europäische Union durchzieht.
Dass ausgewählte Schutzgebiete auf Dauer miteinander verbunden werden, ist für viele Tiere überlebenswichtig. Luchse und Wildkatzen zum Beispiel brauchen nicht nur dichte Wälder. Sie müssen zwischen diesen Wäldern auch wandern können. Für sie bedeuten Straßen oder Felder oft unüberwindliche Hindernisse.
Die Pläne der Bundesregierung gehen über die Erhaltung des Grünen Bandes noch hinaus: Bis zum Jahr 2020 sollen zwei Prozent der Fläche Deutschlands komplett den Pflanzen, Pilzen und Tieren überlassen werden. Auf diesen 7.142 Quadratkilometer werden sie sich ungestört und ohne menschlichen Einfluss entwickeln können. So sieht es die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt vor, die die Bundesregierung im November 2007 verabschiedet hat. Deutschland wird auf diese Weise einen Schatz zurückgewinnen: echte Wildnis.
Weitere Informationen:
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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt
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Das europäische Grüne Band
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Pressemitteilung vom 21.05.2006: Bund sichert "Nationales Naturerbe"
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Pressemitteilung vom 07.11.2007: Bundeskabinett beschließt Strategie zur biologischen Vielfalt
Kalenderwoche 13, 2008 - 1/3
Frösche sondern Sekrete ab, die bei der Entwicklung von Medikamenten helfen. Derzeit
bräuchten die Hüpfer allerdings selbst eine Arznei: Ein Parasit beschleunigt das, was wir Menschen bisher allein verursacht haben: das Sterben der Lurche. Beinahe ein Drittel dieses Tierstamms, zu dem die Frösche gehören, ist gefährdet.
"Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen", spricht der Volksmund. Manchmal ist das Kraut allerdings ein Frosch. Pharmakologen experimentieren seit einigen Jahren mit den Sekreten, die Frösche gegen Keime und andere Krankheitserreger absondern. Mit Erfolg: Die Forscher haben Substanzen gefunden, die im Labor sogar die widerspenstigsten Bakterien meucheln.
Leider werden sich die Pharmakologen beeilen müssen, wenn sie Rezepte aus der Froschapotheke beziehen wollen. Unter den Tieren sind die Lurche nach den Fischen am stärksten vom Aussterben bedroht. Das zeigt die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN). Von den rund 6.200 bisher bekannten Lurcharten gelten etwa 1.800 als gefährdet.
Der Hauptgrund für das Sterben von Fröschen, Kröten, Salamandern und Molchen war lange Zeit die Zerstörung ihrer Lebensräume. Tümpel, Moore, Feuchtwiesen und vor allem der Regenwald mussten Äckern weichen - und das tun sie noch immer. Seit einigen Jahren ist es aber vor allem ein parasitärer Pilz, der den Tieren zu schaffen macht. Er heißt Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Chytrid, und konnte auf der Haut zahlreicher Lurcharten nachgewiesen werden. Chytrid setzt die Abehrmechanismen der Tiere außer Kraft und liefert sie damit tödlichen Krankheiten aus.
Inzwischen hat ein Wettlauf mit der Zeit begonnen: Einerseits haben wahrscheinlich Menschen dafür gesorgt, dass der Pilz den Sprung von Südamerika in andere Teile der Erde geschafft hat. So vermuten Wissenschaftler, Funde in England könnten auf das Aussetzen von Terrarientieren zurückgehen. Andererseits haben Molekularbiologen ein Antibiotikum entwickelt, das Chytrid abtötet. Nur: Wie es gelingen soll, frei lebenden Lurchen Medikamente zu verabreichen, ist noch völlig unklar. Bisher ist gegen das Lurchsterben noch kein Kraut gewachsen.
Weitere Informationen:
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Heilmittel aus der Froschapotheke
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Die Rote Liste der bedrohten Tierarten (PDF)
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Die Weltnaturschutzunion IUCN
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www.yearofthefrog.org
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Tödlicher Pilz bedroht Kröten und Frösche
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Im Zweifel Futter für die Störche
Kalenderwoche 12, 2008 - 3000
In mitteleuropäischen Wäldern wachsen etwa 3.000 Pilzarten. Gäbe es sie nicht, würden
Bäume und andere Pflanzen zugrunde gehen.
Pilze gehören zu den lobenswertesten Erfindungen der Natur. Nicht nur sind Feinschmecker auf gleich zwei Pilzarten angewiesen, wenn sie ein Steinpilzragout mit Semmelknödeln essen möchten - Boletus edulis L. fürs Ragout und Saccharomyces cerevisiae (Backhefe) für die Semmeln. Vielmehr wäre ohne Pilze jenes Ökosystem nicht lebensfähig, dessen Tag wir am 21. März begehen: der Wald. Die meisten Gefäßpflanzen, und dazu gehören auch Bäume, leben mit Pilzen in Symbiose. Die feinen Gespinste der Pilze - die Myzelien - ranken sich um die Wurzeln und leiten ihnen sowohl Nährstoffe als auch Wasser zu. Im Gegenzug liefern die Bäume den Pilzen Zucker, Eiweiße und Vitamine.
Anders als Steinpilz, Hallimasch und Laubholzhörnling bleiben diese Gespinste dem Spaziergänger ganzjährig verborgen. Was die meisten Menschen unter "Pilzen" verstehen, sind lediglich die großen Fruchtkörper mancher Arten. Der Boden unter diesen Fruchtkörpern enthält unzählige der mikroskopisch kleinen Myzelien und Pilzsporen. In einem Quadratmeter sind es rund eine Milliarde, schätzen Wissenschaftler.
Dass viele Pilzarten mit Bäumen in Symbiose leben, ist übrigens nicht der einzige Nutzen, den die Wälder aus ihnen ziehen. Pilze sorgen für einen sauberen Boden und halten den Stoffkreislauf aufrecht: Sie bauen totes Holz, Laub und Früchte ab, zersetzen aber auch verendete Tiere. Die dabei entstehenden Stickstoffverbindungen sind weit mehr als Reste: Sie düngen den Boden und dienen den Pflanzen als Nahrung.
Weitere Informationen:
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Naturathlon 2007: Biologische Vielfalt im Wald (PDF)
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Deutsche Gesellschaft für Mykologie
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Pilze, Pilze, Pilze
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National Geographic: Pilze
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BMU-Broschüre: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt
Kalenderwoche 11, 2008 - 3000
Naturforscher haben weltweit um die 3.000 Arten von Regenwürmern gefunden. Manche sind mit dem
bloßen Auge kaum sichtbar, andere sind riesig. Bis zu zwei Meter lang wird etwa der Wenigborster Megascolides australis, der im Südosten Australien lebt. Gäbe es die Regenwürmer nicht, würde der Erdboden ersticken.
Warum heißt der Regenwurm Regenwurm? Die meisten Menschen hätten auf diese Frage wohl schnell eine Antwort: Weil die Würmer bei Regen aus ihren Löchern kriechen. Das aber ist womöglich ein Irrtum. Alte Bücher und Handschriften sprechen vom "regen Wurm". Damit meinen sie nach Ansicht mancher Sprachhistoriker ein Tier, das fleißig und rege die Erde umgräbt.
Weil sie am und im Boden nach toten Pflanzenteilen suchen, nannte Aristoteles die Regenwürmer "die Eingeweide der Erde". Gemeinsam mit anderen Tieren wie etwa Ameisen sorgen sie dafür, dass alles, was stirbt, im Kreislauf der Natur bleibt. In naturnaher Erde entstehen auf 100 mal 100 Metern bis zu 100 Tonnen Wurmkot - der beste Dünger, den Pflanzen bekommen können.
Doch die Wühlerei bringt weit mehr. Die Regenwürmer wenden innerhalb von nicht einmal fünfzehn Jahren die oberen zehn Zentimeter des Bodens komplett um. Damit sorgen sie für lockere, luftige und sauerstoffhaltige Erde, in der sich andere kleine Tiere ansiedeln können. In die Röhren, die Regenwürmer hinterlassen, strecken Pflanzen gern ihre Wurzeln aus - sie müssen sich den Weg dann nicht selbst bahnen. Diese Röhren sind außerdem ein natürlicher Hochwasserschutz. Sie reichen bis zu drei Meter in die Tiefe und nehmen bei Platzregen Wasser auf. Eine Fläche, in der nur wenige Regenwürmer leben, wird dagegen leicht überschwemmt.
Weitere Informationen:
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Uni Hohenheim: Milliarden Lebewesen in einer Handvoll Erde
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Uni Muenster: Lebewesen im Boden
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NABU: Wirbelloses Tier des Jahres 2004: Der Regenwurm
Kalenderwoche 10, 2008 - 40000
Der Regenwald im Amazonasgebiet ist der artenreichste Ort der Erde. Auf
einem Gebiet so groß wie ein Fußballfeld leben allein 40.000 Arten von Insekten. Einer der Gründe für die Vielfalt ist der Aufbau der Wälder: Sie bilden regelrechte Stockwerke.
"Wo man hinspuckt, keimt’s", beschwert sich Max Frischs Romanfigur Homo Faber im Dschungel Mittelamerikas. Weiter im Süden, im tropischen Regenwald, hätte es ihm vor lauter Sprießen und Keimen wohl die Spucke verschlagen. Wissenschaftler schätzen, dass dort auf einem Gebiet so groß wie ein Fußballfeld allein 40.000 Arten von Insekten leben. Das macht das Amazonasgebiet zum artenreichsten Ort der Erde. Nur die Insel Borneo, die überwiegend zu Indonesien gehört, ist ein ähnlicher Hot Spot.
Das Gedeihen unzähliger Arten auf engstem Raum hat vielfältige Gründe. Zum einen begünstigt das feuchte und gleich bleibend warme Klima üppiges Wachstum. Zum anderen bilden die Regenwälder Stockwerke aus, so dass mehr Individuen und Arten Raum zum Leben finden. Viele Tiere, die auf ein und demselben Quadratmeter Land leben, begegnen sich praktisch niemals: Sie leben in unterschiedlichen Etagen des Waldes.
Im "Erdgeschoss", einer dünnen Schicht aus Humus und Pflanzenwurzeln, existieren vor allem Bakterien, Algen und Pilze. Ohne sie wäre der nährstoffarme Wald kaum lebensfähig. In der darüber liegenden Kraut- und Strauchschicht wachsen Moose, Farne und junge Bäume. Darauf folgt die Schicht der niedrigen Bäume, die von Epiphyten - Pflanzen also, die auf anderen wachsen - und Lianen geradezu überwuchert sind. In etwa 40 Metern Höhe beginnen die Baumkronen. Alle Baum-Etagen dienen einer Fülle von Pflanzen und Tieren als Lebensraum. Und viele von ihnen sind noch nicht einmal entdeckt: Jede Expedition, die Wissenschaftler unternehmen, fördert neue Arten zutage - auf dass es auch einem Homo Faber weiterhin die Spucke verschlagen möge!
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 9, 2008 - 87
Nicht nur der Klimawandel lädt fremde Spinnen dazu ein, sich bei uns heimisch zu fühlen. Auch
der globale Handel trägt zur Verbreitung der Gliederfüßer bei. 87 eingeschleppte Arten sind bereits gezählt worden. Jedes Jahr könnte bald eine neue hinzukommen.
Große Spinnen neigen zur Invasion, das wissen wir aus Horrorfilmen - und aus einer Studie der Universität Bern. Die Schweizer Zoologen haben herausgefunden: Die meisten der 87 Spinnenarten, die zwischen 1850 und 2000 den Weg nach Europa gefunden haben, sind größer als unsere einheimischen Achtbeiner. Das liegt nicht etwa daran, dass Spinnen in anderen Erdteilen generell länger und dicker würden. Vielmehr reagieren größere Spinnen weniger sensibel auf Stress als ihre kleinen Verwandten. Sie überstehen deshalb lange Reisen besser, beispielsweise aus Asien, woher die meisten der invasiven Arten stammen.
Der globale Handel ist nach Ansicht der Forscher der Grund, weshalb vor allem asiatische Spinnen einwandern. Die reisenden Arachnida - so der aus der griechischen Mythologie abgeleitete Name für Spinnentiere - gelangen unfreiwillig per Containerschiff zu uns, mit all den Industriegütern, die wir aus Asien beziehen. Und weil die Überfahrten immer weniger Zeit beanspruchen, haben sich ihre Überlebenschancen stetig verbessert.
Die Schweizer Zoologen sagen voraus, dass sich dank schneller Beförderung mindestens eine fremde Spinnenart pro Jahr in Europa ansiedeln werde. Darunter seien vermehrt gefährliche Arten. Eine Horrorvision ist das nicht nur für Menschen, die Angst vor Spinnen haben. Schlimmere Folgen dürfte die Invasion für unsere heimische Tierwelt haben: Gelingt es den Eindringlingen, Populationen zu bilden, können sie zur Konkurrenz für unsere einheimischen Spinnenarten werden.
Weitere Informationen:
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Study: Alien spider introductions to Europe supported by global trade
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Globalisierung bringt neue Spinnenarten nach Europa
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Focus: 87 neue Spinnenarten
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BfN-Positionspapier: Gebietsfremde Arten
Kalenderwoche 8, 2008 - 35
Es gibt in Europa mehr als 35 Arten verschiedener Goldhaarmoose. Die meisten wachsen als
Aufsitzerpflanzen auf der Borke von Bäumen und entnehmen Nährstoffe fast gänzlich der Luft oder den Niederschlägen. Etliche von ihnen stehen auf der Roten Liste, weil sie Luftschadstoffe nicht vertragen. Doch es gibt Hoffnung: Das Hübsche Goldhaarmoos breitet sich derzeit
in Deutschland stark aus.
Mit den Goldhaarmoosen ist es wie mit ungleichen Geschwistern im Märchen: Es gibt robuste Arten wie das Hauchdünne Goldhaarmoos (Orthotrichum diaphanum), das sich nicht unterkriegen lässt und auch noch in den smogverseuchten Großstädten der siebziger Jahre sein - allerdings sehr eingeschränktes - Auskommen fand. Und es gibt Spezies wie das Hübsche Goldhaarmoos (Orthotrichum pulchellum), die eher zart besaitet sind. Sie reagieren empfindlich auf Schwefel- und Stickstoffoxide in der Luft und stehen deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
Doch jetzt ist das Hübsche Goldhaarmoos zurück - und erobert Mitteleuropa. Mooskundler, lateinisch "Bryologen", weisen die Art immer häufiger in Regionen nach, in denen das Moos früher nicht nachgewiesen war. Bekannt war das Hübsche Goldhaarmoos bisher als Bewohner atlantischer Klimabereiche, Vorkommen im Binnenland waren die Ausnahme. Inzwischen wächst es beispielsweise im rheinischen Schiefergebirge, im Saarland, in Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und in Bayern.
Über die Ursachen rätseln die Bryologen noch. Denkbar erscheint eine Ausbreitung über das bisherige Areal hinaus infolge milderer Winter. Die Funde in den Höhenlagen des Schwarzwalds (bis fast 1000 Meter Seehöhe), scheinen dieser Hypothese zu widersprechen. Als gesichert kann aber gelten, dass das Hübsche Goldhaarmoos ein guter Indikator für den drastischen Rückgang von Schadstoffemissionen in Verkehr und Industrie infolge effektiver Filteranlagen darstellt.
Weitere Informationen:
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NABU: Moos des Jahres 2008 - Das Goldhaarmoos
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Bryologischer Rundbrief No. 79, 2004 (PDF, 405 KB)
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Neue und seltene Arten aus der Familie der Orthotrichaceae (Musci) für Luxemburg - Mögliche Indikatoren für einen Klimawechsel ?
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Verbreitungsatlas der Moose Deutschlands
Kalenderwoche 7, 2008 - 407
Die höchste an einer Unterwasserquelle gemessene Temperatur betrug 407 Grad Celsius.
Erstaunlich ist: Dort wimmelt es von Leben. Viele Tierarten suchen die Nähe dieser heißen, aber nährstoffreichen Quellen.
"Manche mögen’s heiß" hat Marilyn Monroe berühmt gemacht. Chorocaris chacei sorgt mit dieser Vorliebe für weit weniger Furore. Bislang besitzt die Garnelenart nicht einmal einen deutschen Namen. Chorocaris chacei lebt in den Tiefen des Meeres und sucht die Nähe so genannter "Schwarzer Raucher". Das sind vulkanische Schlote am Meeresboden, aus denen siedende, schwefelige Gesteinswolken aufsteigen - der "schwarze Rauch". Die höchste je gemessene Temperatur einer solchen Quelle lag bei 407 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die Thermalquelle in Aachen, die heißeste in Mitteleuropa, erreicht eine Temperatur von 74 Grad.
Früher glaubte man, der Meeresboden in der Nähe von Schwarzen Rauchern sei tot wie der Mond. Doch seit einigen Jahren weiß die Wissenschaft: Das Gegenteil ist der Fall. Rund um die Unterwasserschlote, in einer Tiefe von hunderten, manchmal tausenden Metern, wimmelt es von Leben. Am Anfang der Nahrungskette stehen Bakterien, am Ende Kraken. Dazwischen tummeln sich Seesterne, Krabben, Riesenwürmer und Shrimps.
Wir haben diese Vielfalt so lange übersehen, weil wir uns ein Leben ohne Sonnenlicht kaum vorstellen können. Doch dort unten funktioniert die Welt anders: Statt der Pflanzen, die durch Fotosynthese Biomasse schaffen, verspeisen Tiere wie die Garnelen-Art Chorocaris chacei Mikroorganismen. Diese wiederum ernähren sich durch Chemosynthese: Sie gewinnen Energie aus Stoffen, die der Meeresboden ausstößt. Und die Orte, an denen das geschieht, sind die heißen Quellen.
Weitere Informationen:
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National Geographic: In der Tiefe werde Licht
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PopularScience: Creatures of the Thermal Vents
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A Truly global Endeavor (PDF 4,85 MB)
Kalenderwoche 6, 2008 - 600
In der Ostsee ist heute noch eine Walart heimisch: der Schweinswal. Allerdings ist der Bestand zwischen
Rügen und Finnland auf etwa 600 Tiere geschrumpft. Schutzgebiete und verbesserte Fischereipraktiken sollen dem Wal helfen.
"Whale Watching" - zu Deutsch so viel wie "Wale-Gucken" - ist eine Freizeitbeschäftigung, für die Mitteleuropäer weit reisen müssen. Gelegentlich sichten allerdings auch Fischer und Freizeitsegler in der Ostsee einen Wal oder Delfin. Zwar sind diese Tiere meist nur zu Gast an Vorpommerns Küsten. Eine Walart jedoch ist dort heimisch: der Schweinswal. Er zieht als letzter Meeressäuger in der Ostsee auch seinen Nachwuchs groß.
Der Schweinswal (Phocoena phocoena), der so groß werden kann wie ein Mensch, fühlte sich lange Zeit in der Ostsee sehr wohl. Während das für einen kleinen Teil im Westen auch heute noch gilt, ging der Bestand zwischen Rügen und Finnland stark zurück. In der östlichen und zentralen Ostsee leben nach Hochrechnungen nur noch zwischen 100 und 600 Schweinswale, in der westlichen Ostsee etwa 800, weshalb der Schweinswal seit langem auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten steht. Einer der Gründe für das drohende Aussterben ist der Lärm motorgetriebener Schiffe. Er verwirrt und stresst die Meeressäuger. Vor allem jedoch verenden Jahr für Jahr Dutzende von ihnen als "Beifang" in Fischernetzen.
Das internationale Abkommen zum Schutz der Kleinwale in Nord- und Ostsee, ASCOBANS, verabschiedete im Jahr 2002 einen Rettungsplan für den Schweinswal. Eine der Empfehlungen: Regionen innerhalb der Ostsee finden, in denen sich die Tiere häufig aufhalten, und unter Schutz stellen. Zu diesem Zweck sind Wissenschaftler des Deutschen Meereskundemuseums Stralsund auf die Suche nach den Walen gegangen. Mittels "Schweinswal-Detektoren" orteten sie die Geräusche, mit denen die Tiere kommunizieren.
Auch im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes "SCANS II" - einer groß angelegten Bestandsaufnahme von Kleinwalen - konnten weitere Schweinswale nachgewiesen werden. Das Bundesumweltministerium schlug auf dieser Grundlage Schutzgebiete im deutschen Teil der Ostsee vor, die im Januar 2008 von der Europäischen Kommission bestätigt wurden. Zusätzlich gibt es auch im Rahmen der Europäischen Fischereipolitik Anstrengungen, die Beifangrate von Schweinswalen zu reduzieren. Hierzu werden akustische Abschreckvorrichtungen und andere Veränderungen der Netze mit bisher leider nur mäßigem Erfolg entwickelt.
Weitere Informationen:
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Ministerkonferenz zu den Umweltauswirkungen von Schifffahrt und Fischerei in der Nordsee
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BfN: Internationale Fachkonferenz zum Jahr des Delphins in Stralsund
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BfN: Forschungsprojekt will Schweinswale in der Ostsee retten
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Homepage der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere
Kalenderwoche 5, 2008 - 1,75 Millionen
Die Wissenschaft hat bislang ungefähr 1,75 Millionen Arten beschrieben. Viele
davon genießen gezielten Schutz. Die meisten Bewohner der Erde können wir aber nur schützen, indem wir ihre Lebensräume bewahren. Denn wir kennen sie noch gar nicht.
Tierfilme im Fernsehen haben durchaus ihre Fangemeinde. Doch worauf richten Naturfilmer ihre Kameras? Meistens auf beliebte und eindrucksvolle Tiere wie Löwen, Elefanten oder Delfine. Wasserflöhe, Wegschnecken oder Stinkwanzen hingegen müssen sich mit den Sympathien von Experten begnügen. Immerhin: Im Gegensatz zu den allermeisten Arten, die auf der Erde leben, sind sie bekannt.
Etwa 1,75 Millionen Spezies hat die Wissenschaft bislang beschrieben. Die Schätzungen, wie viele Arten von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Viren es tatsächlich gibt, klaffen weit auseinander. Die Wissenschaft schätzt die Anzahl der Arten sogar auf 13,6 Millionen. Die meisten dieser Unbekannten dürften uns in jenen artenreichen Lebensräumen erwarten, die uns weitgehend verborgen bleiben: dem tropischen Regenwald und der Tiefsee.
Beide Lebensräume sind jedoch akut bedroht. Schleppnetze, Müll und Schadstoffe vernichten Leben in den Tiefen der Meere. Und noch immer wird Jahr für Jahr eine Fläche an Regenwald gerodet, die ungefähr der Hälfte Deutschlands entspricht. Bedenkt man, dass beinahe jede Expedition in den Regenwald und beinahe jede Stichprobe aus der Tiefsee Neuheiten zutage fördert, wird klar: Wir vernichten mehr, als wir sehen.
Weitere Informationen:
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BfN-Publikation: Biologische Vielfalt - Grundlage des Lebens
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Naturathlon 2007: Biodiversität - Was ist das?
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3sat: Dutzende von neuen Arten in Indonesien entdeckt
Kalenderwoche 4, 2008 - 100
Der Kuckuck ist nicht wählerisch: Mehr als einhundert Vogelarten
dienen ihm als Wirtseltern für seine Jungen. Und doch hat "Cuculus canorus" zunehmend Probleme bei der Suche nach fremden Nestern.
Schon Alfred Brehm, der Autor des berühmten "Tierlebens", äußerte die Ansicht: "Es ist die Pflicht jedes vernünftigen Menschen, den Herold des Frühlings zu schützen und zu pflegen". Gemeint ist der Kuckuck, den der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Vogel des Jahres 2008 bestimmt hat. Die Wahl soll darauf aufmerksam machen, dass die Zahl der Kuckucke in Deutschland seit Mitte der sechziger Jahre merklich zurückgegangen ist. In manchen Regionen zählen Vogelkundler bis zu 30 Prozent weniger Kuckucke.
Der NABU nennt dafür zwei Hauptgründe: Zum einen töten Pflanzenschutzmittel die Nahrung des Kuckucks, wie etwa Heuschrecken und Schmetterlinge. Zum anderen mangelt es dem "Herold des Frühlings" mancherorts an Wirtsvögeln, denen er seine Eier ins Nest legen könnte. Das gilt etwa für Feuchtgebiete, wo er gezielt nach brütenden Teichrohrsängern Ausschau hält. Teichrohrsänger brüten im Schilf. Zerstört der Mensch die Schilfgürtel an Seen und Tümpeln, zerstört er mit den Nistplätzen der Teichrohrsänger auch die vieler Kuckucke.
So anpassungsfähig der "Hans Dampf in allen Nestern" auch ist - noch etwas könnte ihm die Suche nach brütenden Pflegeeltern erschweren: der Klimawandel. Der europäische Kuckuck gehört zu den Zugvögeln. Er überwintert in Afrika. Die Zeit seiner Rückkehr ist seit vielen Tausend Jahren festgelegt und passte bisher gut zur Brutzeit seiner Wirtsvögel. Da der Frühling in Europa heute aber eher beginnt als noch vor dreißig oder vierzig Jahren, brüten Hausrotschwänze oder Rotkehlchen auch früher. Experten vermuten, dass so mancher Kuckuck schlicht und einfach zu spät kommt.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 3, 2008 - 10.000 Billionen
Ameisen gehören zu den anpassungsfähigsten Lebewesen. Es gibt kaum einen Winkel
der Erde, den sie nicht erobert hätten, und etwa 12.000 Arten. Ihre Gesamtzahl wird auf 10.000 Billionen geschätzt. Jede einzelne erfüllt in der Natur wichtige Aufgaben.
Ob Alaska oder Argentinien, ob Wüste oder Sumpf - die Ameise hat überall Familie. Sie steht uns Menschen damit in puncto Verbreitung in nichts nach. Gleichstand gäbe es auch, wenn alle Ameisen und Menschen jeweils in die Schale einer Waage steigen würden: Die schätzungsweise 10.000 Billionen Ameisen, von denen Wissenschaftler ausgehen, wiegen etwa so viel wie die gut sechs Milliarden Menschen. Was die Bedeutung von Ameise und Mensch für die Natur anbelangt, gibt es allerdings keine Diskussionen: Ohne Ameisen würden viele Ökosysteme des Planeten binnen kürzester Zeit zusammenbrechen.
Die mehr als 9.500 Ameisenarten nehmen die unterschiedlichsten Aufgaben wahr:
- Mit ihren Gangsystemen lockern sie die Erde auf, so dass Pflanzen Wurzeln schlagen können. Das wiederum trägt zum Schutz vor Erosion bei.
- Mit ihren Ausscheidungen sorgen sie dafür, dass aus organischen Abfällen Humus wird - in dieser Disziplin schlägt die Ameise sogar den Regenwurm.
- Mit ihrem Appetit halten Ameisen Wiesen und Wälder sauber: Tote Kleintiere gehören zu ihren Leibspeisen.
- Viele Arten sind erfolgreiche Jäger. Sie tragen so zu einem natürlichen Gleichgewicht bei.
- Die emsigen Insekten schleppen Pflanzensamen umher. Verlieren sie ihre Last, keimt fern der Mutterpflanze ein Sprössling. Hierzulande sammelt die Waldameise beispielsweise die Samen von rund 150 Pflanzenarten.
In Ländern wie Deutschland, die dicht besiedelt sind und intensiv Landwirtschaft betreiben, haben es Ameisen allerdings zunehmend schwer. So meiden jene Arten, die Wiesen bewohnen, gedüngte Graslandschaften. Dort dringt weniger Sonnenlicht bis zum Boden - den Ameisen wird es zu kalt. Die Folge: Von den 108 in Deutschland natürlich vorkommenden Arten stehen drei Viertel auf der Roten Liste.
Kalenderwoche 2, 2008 - 42 %
Haie im Mittelmeer, das kann gefährlich werden - für die Haie. Rund 42 Prozent aller in dem
Gewässer lebenden Hai- und Rochenarten sind vom Aussterben bedroht. Das geht aus einem Bericht der World Conservation Union (IUCN) hervor.
Sie heißen Teufelsrochen oder Engelshai, und mit ihren flügelähnlichen Flossen sehen sie auch ein wenig aus wie Wesen aus dem Jenseits. Das ist aber noch lange kein Grund, die beiden Arten auf immer ins Jenseits zu befördern. Eine Expertengruppe der Weltnaturschutzunion IUCN fordert daher Schutzmaßnahmen für Haie, Rochen und andere Knorpelfische im Mittelmeer. Fast nirgendwo sonst auf der Welt seien diese Tiere derart gefährdet wie zwischen Gibraltar und dem Bosporus. 30 von 71 untersuchten Knorpelfischarten seien vom Aussterben bedroht. Nur zehn Arten gehe es im Mittelmeer noch einigermaßen gut.
Die größte Gefahr für Haie und Rochen drohe laut IUCN durch die Praktiken der Hochseefischerei. So sind etwa Schleppnetze die Ursache dafür, dass 80 Prozent des Bestands an Malteser Rochen zugrunde gegangen ist. Die riesigen Netze reichen bis auf den Meeresboden und holen alles an Bord, was sich in ihren Maschen verfängt - ob nun die erwünschten Makrelen oder die Knorpelfische, die als bloßer "Beifang" gelten. Besonders tragisch: Malteser-Rochen beispielsweise gibt es nirgendwo anders als im Mittelmeer.
Außer zum Verbot der Schleppnetzfischerei rät die IUCN auch dazu, bedeutend mehr Knorpelfischarten unter Naturschutz zu stellen. Bisher hält die Europäische Union lediglich zwei für schützenswert. Malta und Kroatien haben eine weitere Art national unter Schutz gestellt. So lange jedoch beispielsweise Makrelenhaie wegen ihrer schmackhaften Rückenflosse gejagt werden dürfen, muss sich die internationale Naturschutz-Politik verstärkt für Lösungsmöglichkeiten einsetzen.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 1, 2008 - 100
Viele der im wahrsten Sinne des
Wortes "eigenartigsten" Tiere sind vom Aussterben bedroht. Die Londoner Zoologische Gesellschaft (ZSL) hat deshalb eine Liste von hundert Arten aufgestellt, die besonders geschützt werden sollen.
Schon ihre Namen lassen vermuten, dass sie etwas Besonderes sind: Schlanklori, Bergbilchbeutler und Großfußmaus. Was sie so exklusiv macht: Der Primat aus Sri Lanka, das Beuteltier aus Australien und der Nager aus Madagaskar haben kaum Verwandte, es gibt nur noch wenige Exemplare, und ihr Verbreitungsgebiet ist vergleichsweise winzig. All das zusammen schmälert ihre Aussichten, als Art fortzubestehen. Denn nach Ansicht der Londoner Zoologischen Gesellschaft (ZSL) wird nicht genug getan, um sie und ihren Lebensraum zu bewahren.
Die altehrwürdige Institution - gegründet im Jahr 1828 - ruft unter
www.edgeofexistence.org zu Spenden für hundert solcher Tierarten auf. Das Geld soll internationale Expertenteams dabei unterstützen, Schutzprogramme in den
Herkunftsländern der Tiere anzustoßen.
Dazu sei es in allen Fällen zunächst erforderlich, eine Bestandsaufnahme zu machen: Wie viele der Tiere gibt es schätzungsweise noch? Worin bestehen die größten Gefahren? Im Anschluss daran sollen die Spezialisten konkrete Maßnahmen entwickeln. Die ZSL hat es sich zum Ziel gesetzt, allen einhundert Arten in den kommenden fünf Jahren Hilfe zukommen zu lassen.
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Kalenderwoche 52, 2007 - 20 %
20 Prozent der Korallenriffe sind weltweit unwiederbringlich verloren. Weitere 50 Prozent gelten als
bedroht.
2008 ist das Jahr der Riffe. Wie schon 1997 will die Internationale Korallenriffinitiative (ICRI) damit auf zweierlei hinweisen: wie bedroht diese einzigartigen Gebilde sind und was wir mit ihnen verlieren. Sie ruft deshalb weltweit Menschen dazu auf, sich für den Schutz der Riffe einzusetzen. In Deutschland hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Schirmherrschaft für das Jahr der Riffe übernommen.
Korallenriffe dienen einer Vielzahl von Tieren als Lebensraum. Sterben die Korallen, verschwinden mit ihnen hunderte Fischarten, Schwämme, Stachelhäuter und Krebse. In den Tropen schützen Korallenriffe die Küsten sogar vor Sturmfluten, weil sie wie Wellenbrecher wirken.
Korallen leben im kühlen Wasser tiefer Meeresgebiete ebenso wie im tropischen Flachwasser. Im Laufe von Hunderten von Jahren schichten sich ihre Skelette zu den größten Gebilden, die je von Lebewesen geschaffen wurden. Den Rekord hält das "Great Barrier Reef" (Großes Barriere-Riff) vor der Küste Australiens, es bedeckt einen Küstenstreifen von 2.300 Kilometern.
Die Gründe für das Sterben der Korallen sind vielfältig: Direkte Verschmutzung gehört ebenso dazu wie der wachsende Kohlendioxid-Gehalt und folglich die Versauerung der Meere. Er mindert die Fähigkeit des Wassers, Kalk zu binden - und Kalk ist das Material, aus dem Korallenskelette bestehen. Tropische Riffe werden darüber hinaus von tauchenden Souvenirjägern heimgesucht oder als Baumaterial genutzt. Die tiefer liegenden Korallen kühlerer Gewässer wiederum sind permanent von den Netzen der Tiefseefischer bedroht.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 51, 2007 - 7
Seit Oktober schlummern sie schon, und bis Mai brauchen sie noch: die
Siebenschläfer.
Der Siebenschläfer (Glis glis) - ein mausähnliches Nagetier - erhielt seinen Namen wegen seines ausgedehnten Winterschlafs: Sieben Monate lang. Während des übrigen Jahres schläft er am Tag und ist nachts aktiv. Dabei macht er so viel Lärm - mancher Mensch vermutete schon Einbrecher am Werk und nicht ein kleines Tier von wenigen hundert Gramm Gewicht. Der Siebenschläfer erinnert an Eichhörnchen und Grauhörnchen, ist jedoch erheblich kleiner - mit großen, schwarzen Augen, rundlichen Ohren und einem buschigen Schwanz.
Siebenschläfer ziehen sich für den Winterschlaf in geschützte Hohlräume zurück, beispielsweise zwischen knorrige Wurzeln. Dort fallen die Pelzknäuel in eine Starre. Ihre Körpertemperatur sinkt von 35 auf bis zu drei Grad Celsius. Und sofern kein Raubtier die gut gekühlten Häppchen entdeckt, verschlafen sie Schnee und Kälte komplett.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft den Siebenschläfer zwar als "gering gefährdet" ein. Seine liebsten Lebens- und Schlafräume sind dennoch bedroht. Mit wenig Aufwand lässt sich aber eine Menge tun, um die Lebens- und Schlafräume der Siebenschläfer zu erhalten: Die Tiere nehmen zum Beispiel künstliche Höhlen dankbar an und überleben so auch in großen Parkanlagen oder sogar in Hausgärten. Ein Tipp für Katzenhalter: Glöckchen am Halsband retten nicht nur Singvögeln das Leben. Auch für Siebenschläfer kann das Bimmeln über Leben und Tod entscheiden.
Weitere Informationen:
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NABU: Ein ausgeschlafener Kletterer
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SDWI: Der Siebenschläfer ist Tier des Jahres 2004
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Deutsche Wildtier Stiftung: Reproduktionsdynamik des Siebenschläfers
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WWF: Warme Winter, heiße Sommer: Wie geht es heimischen Arten?
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Maßnahmen und Empfehlungen zum Schutz der Bilche
Kalenderwoche 50, 2007 - 1500
Pinguine schwimmen effizient: Auf 1.500 Kilometer verbrauchen sie nicht mehr Energie,
als in einem Liter Benzin steckt. Wissenschaftler haben den Vögeln abgeschaut, wie sie das machen - und leiten daraus Konsequenzen für die Technik ab.
So ungelenk Pinguine an Land wirken, so pfeilschnell schießen sie durchs Meer. Dass sie trotz eisiger Temperaturen, hoher Geschwindigkeit und langer Strecken wenig Energie brauchen, liegt vor allem an ihrer Körperform und ihrem Schwimmstil: Pinguine besitzen eine stromlinienförmige Gestalt, und zum Schwimmen bewegen sie lediglich ihre kleinen kräftigen Flügel. Der Rest des Körpers bleibt starr.
Das macht Pinguine interessant für die Bionik. Diese Wissenschaft, die sich aus den Kompetenzen von Biologie und Technik speist, nutzt den Reichtum der Natur für technische Innovationen: Bioniker ergründen die Lösungen, mit denen sich Pflanzen und Tiere im Laufe der Evolution an ihre Umgebung angepasst haben.
Und dazu gehört auch der Schwimmstil der Pinguine. Ihn haben Bioniker der Technischen Universität Berlin systematisch aufgezeichnet und ausgewertet. Die Daten nutzten sie beim Bau eines spindelförmigen Strömungskörpers, dessen Widerstand unter Wasser um 35 Prozent niedriger liegt als der von vergleichbaren Körpern. Diese Konstruktion soll nun Ingenieure zu energieeffizienten Erfindungen inspirieren: Fahrzeuge in Pinguinform.
Weitere Informationen:
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DBU: Inspiration Natur
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ZDF tivi: Löwenzahn - Bionik
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BerlinOnline: U-Boote nach dem Vorbild der Pinguine
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Bionik-Kompetenz-Netz
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MBF: Bionik - Lernen von der Natur
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Bionik in Bonn
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BipPro: Bionik - Biologie als Vorbild für die Technik
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Ideenlabor Natur
Kalenderwoche 49, 2007 - 25.000
Knut feiert am 5. Dezember seinen ersten Geburtstag im Berliner Zoo. Doch seine Artgenossen in der
freien Wildbahn sind in ihrem Bestand bedroht. Zwischen 20.000 und 25.000 Eisbären leben noch in der Arktis - und es werden jedes Jahr weniger.
Er ist jetzt ein richtiger Bär: Der einjährige Knut verzückt die Zoobesucher nicht mehr mit tapsigen Schritten und putzigen Spieleinlagen. Als fast Erwachsener ist er ruhiger geworden - und natürlich größer. Bis zu 2,60 Meter lang und 1,60 Meter hoch kann ein männlicher Eisbär werden, und er wiegt im Schnitt 420 bis 500 Kilogramm.
Knut ist in Berlin ein Publikumsmagnet, denn es gelingt sehr selten, einen Eisbären im Zoo von Menschenhand großzuziehen. Doch auch in der freien Wildbahn werden die Bären mit dem dichten, cremefarbenen Fell rarer. Auf etwa 20.000 bis 25.000 Tiere ist die Population geschrumpft. Das liegt vor allem daran, dass der Lebensraum der Bären gefährdet ist: das Eis. In seiner Heimat - den nördlichen Polarregionen in Teilen Alaskas, Kanadas, Grönlands und Sibiriens - schmilzt den Bären das Eis unter den Pfoten weg, wegen des Klimawandels. Ohne Eis kein Eisbär! Denn die Jagd auf Robben, Walrosse und andere Meerestiere gelingt den Eisbären am besten auf dem Eis. So schlägt der Eisbär beispielsweise dann zu, wenn die Robben unter den Packeisfeldern zum Luft holen an ihre Atemlöcher kommen. Im offenen Wasser könnte er sie kaum erfolgreich jagen.
In den kommenden 45 Jahren werde die Population der weißen Riesen voraussichtlich um mehr als ein Drittel zurückgehen, so die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resource). Eine Studie im Auftrag der US-Regierung prophezeit Knuts Artgenossen eine noch düsterere Zukunft: Sollte die Emission der Treibhausgase und die daraus resultierende Erderwärmung anhalten, könnten zwei Drittel des jetzigen Eisbärenbestands bis zum Jahr 2050 verschwunden sein.
Weitere Informationen:
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Interview mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in der Berliner Zeitung: "Knut zeigt, was der Klimawandel zerstören könnte"
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Die rote Liste der gefärdeten Spezies: Eisbär
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New York Times: Grim Outlook for Polar Bears
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New York Times: Warming May Wipe Out Most Polar Bears, Study Says
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Polar Bears International
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GermanWatch: Klimawandel in der Arktis
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WWF: Eisbär bald ohne Scholle
Kalenderwoche 48, 2007 - 63
Jahrzehntelang war der Rhein durch Abwasser, Chemikalien und Schwermetalle stark belastet. Heute
leben wieder 63 Fischarten in Deutschlands größtem Strom.
Aale, Barsche, Rotaugen oder Zander holen die Angler an einem guten Tag aus dem Rhein. Und alle sind sie ess- und genießbar. Das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahren war der Rhein stark verschmutzt, darunter litt die Tier- und Pflanzenwelt erheblich. Ein Chemieunfall 1986 zerstörte das Leben von Fischen und Kleintieren im Rhein von Basel bis Koblenz. Heute leben in dem Strom wieder 63 Fischarten.
Einen großen Anteil daran hat die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR). Seit 1987 verfolgt sie mit ihrem "Aktionsprogramm Rhein" das Ziel, den Rhein wieder zum Leben zu erwecken. Der Fluss soll ein lebendiges und gesundes Ökosystem werden, das eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren beherbergt. Dazu sollen unter anderem die Wasserqualität verbessert, Nähr- und Schadstoffe vermindert werden.
Erster Erfolg des Programms: Mehr als 2.500 Lachse leben durch umfangreiche Besatzmaßnahmen mittlerweile im Rhein und vermehren sich inzwischen zum Teil natürlich. Damit die Tiere ungehindert flussauf- und abwärts gelangen können, müssen noch weitere Schleusen angepasst und Fischpässe gebaut werden. Das gilt insbesondere für Mosel, Main, den Hochrhein oberhalb Iffezheim und den Hochrhein. Davon sollen auch andere wandernde Fischarten profitieren, wie etwa Meerforellen und Aale.
Weitere Informationen:
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Pressemitteilung vom 18.10.2007: Den Rhein und seine Nebenflüsse als dynamisches Ökosystem bewahren
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Webseite der internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR)
Kalenderwoche 47, 2007 - 45.000
Nirgendwo in Europa werden so viele Heilpflanzen verwendet wie in Deutschland: 45.000 Tonnen
im Jahr.
Enzian hilft bei Magenschmerzen, Huflattich gegen Husten: Immer häufiger vertrauen die Menschen auf die heilende Wirkung von Pflanzen. Allein in Deutschland verbrauchen Apotheker, Pharmaunternehmen und Heilpraktiker 45.000 Tonnen Heilpflanzen, mehr als in jedem anderen europäischen Land.
Weltweit treibt der Verzicht auf die Chemiekeule einen kräftig wachsenden Markt. Er hat mittlerweile ein Volumen von etwa 880 Millionen Euro. Organisationen wie der World Wildlife Fund (WWF) machen jedoch darauf aufmerksam, dass der Handel mit Kräutern, Blättern und Beeren nicht ohne Risiken ist. Weniger für die Verbraucher als für die Natur: Mehr als zwei Drittel aller Heilpflanzen werden nicht angebaut, sondern wild geerntet. Viele Arten sind deshalb in ihrem Bestand bedroht.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 46, 2007 - 1
Der chinesische Flussdelfin, Baiji, führt ein trauriges Ranking an. Er steht auf der Roten
Liste gefährdeter Arten ganz oben. Gibt es ihn überhaupt noch? Nachdem er schon als ausgestorben galt, soll in diesem Jahr im Jangtse-Fluss doch noch ein Exemplar gesichtet worden sein.
Als Zoologen dem Baiji vor knapp 100 Jahren einen wissenschaftlichen Namen gaben, erlagen sie einem Irrtum: Sie konnten den Delfin ausschließlich in einem See nahe dem Jangtse finden und glaubten deshalb, die dortigen Tiere seien "übrig geblieben". Seitdem heißt der Baiji "Lipotes vexillifer". Lipotes kommt vom griechischen Wort Leipos und bedeutet "übrig geblieben".
Eine neue Bedeutung erhielt dieser Name vor zwei Monaten, im August 2007. Einem Mann aus der chinesischen Provinz Anhui gelangen am Ufer des Jangtse Filmaufnahmen von einem großen weiß-grauen Wassertier. Manche Experten wollen darin einen Baiji erkennen. Vielleicht ist dieses Tier tatsächlich der letzte, der "übrig gebliebene" Flussdelfin. Denn Ende vergangenen Jahres hat ein internationales Forscherteam den gesamten Jangtse systematisch befahren und keinen einzigen Delfin entdecken können.
Doch auch wenn es noch einige wenige Baijis geben sollte: Die Art ist wohl verloren. Experten haben wenig Hoffnung, dass die Delfine einander im riesigen Jangtse überhaupt noch finden würden. Außerdem geschieht in China noch wenig, um die Ursachen des Artensterbens zu beseitigen. Dem Baiji sind die Überfischung und die starke Wasserverschmutzung des Jangtse zum Verhängnis geworden.
Kalenderwoche 45, 2007 - 30.000
Einst bedeckten ausgedehnte Hochmoore vor allem die Ebenen Norddeutschlands. Lediglich 30.000
Hektar sind Trockenlegung und Torfabbau entgangen. Ein wertvoller Schatz: Viel ginge verloren, gäbe es keine Moore mehr.
Gärtner schätzen ihn als Bodenverbesserer, schottische Whiskybrenner brauchen ihn, um überm offenen Feuer den Malz für ihre rauchigen Sorten zu trocknen: Torf. In einigen Regionen der Welt verwenden die Menschen das Material selbst heute noch zum Heizen. Dazu eignet es sich, weil es aus verrottenden Pflanzen besteht, einer Vorstufe von Kohle. Unsere Vorfahren entwässerten das Moor und stachen das Torf aus den Mooren - unter sehr schwierigen, ärmlichen Lebensbedingungen. Moore galten als nutzlose und sogar gefährliche Gegenden, in denen außer ein paar bitteren Beeren nichts wächst, was Menschen essen können.
Heute wissen wir, Moore erfüllen wichtige ökologische Aufgaben. Sie dienen als Wasserspeicher und bieten einen natürlichen Schutz vor Überschwemmungen. Sie reinigen Wasser und sind daher wichtig für unsere Trinkwasservorräte. Außerdem sind in Mooren beträchtliche Mengen an Kohlenstoff gebunden - mehr als im Holz der Wälder unserer Erde. Wenn sie zerstört werden, kommt es zu einer starken Emission von Kohlendioxid, dem Klimagas Nummer eins.
Moore sind aber auch ein einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die sich an die feuchten, unwirtlichen Bedingungen angepasst haben. Neben Torfmoosen gedeihen dort Zwergbirken, Wollgräser, die Moosbeere und der Sonnentau. Libellenarten wie die Große Moosjungfer schwirren umher. Und Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und der Hochmoor-Gelbling würden verschwinden, wenn es die Moore nicht mehr gäbe.
Weitere Informationen:
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Naturpark Steinhuder Meer
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WWF: Lebensraum Hochmoor
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Biosphärenreservat Vessertal
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BfN: Moore in Deutschland
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Torfmoos als nachwachsender Rohstoff
Kalenderwoche 44, 2007 - 16.306
Die Weltnaturschutzunion IUCN führt in ihrer diesjährigen Roten Liste 16.306 Tier- und
Pflanzenarten auf, die vom Aussterben bedroht sind. Nur eine Art ist weniger gefährdet als in den Jahren zuvor.
Gorilla, Mauigimpel und Galapagos-Korallen könnten bald aus den Wäldern und Meeren verschwunden sein. Denn der afrikanische Menschenaffe, der kleine hawaiianische Vogel und die leuchtend orangefarbenen Blumentiere finden sich auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Nach Angaben der IUCN steht weltweit bald jede vierte Säugetierart, ein Drittel der Amphibien und jede achte Vogelart vor der Auslöschung. Erstmals überhaupt wurde die Gefährdung der Korallen von den Experten der IUCN bewertet. Neu hinzugekommen ist auch eine weitere Geierart: der Schmutzgeier, der auch in Europa vorkommt. Damit steht nach drei indischen Geiern auch eine weitere verbreitete Geierart auf der Roten Liste der IUCN.
Die Experten der IUCN haben weltweit 41.415 Arten auf ihrer Roten Liste verzeichnet, davon sind momentan 16.306 vom Aussterben bedroht - 188 mehr als noch im vergangenen Jahr. 3.124 dieser gefährdeten Arten wurden in die höchste Risikoklasse eingestuft. Ein Grund für das fortschreitende Artensterben ist der Mensch. Intensive Landwirtschaft, Rodung von Wäldern und Ausbreitung der Städte zerstören die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Auch Klimawandel, Umweltgifte und eingewanderte Arten sind eine Bedrohung.
Die Entwicklung sei alarmierend, und die bisherigen Aktivitäten zum Erhalt der Arten reichten nicht aus, warnt die IUCN. In diesem Jahr konnte die Naturschutzunion nur eine Art in eine niedrigere Gefahrenklasse stufen: den Mauritiussittich. Er war vor 15 Jahren noch einer der seltensten Papageien der Welt. Sein Bestand ließ sich durch gezielte Programme - zum Beispiel für Brut und Fütterung - wieder erhöhen.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 43, 2007 - 3000
Nirgendwo sonst in Deutschland leben so viele Nachtigallen wie in Berlin: 3.000.
Und auch viele andere Tier- und Pflanzenarten haben Großstädte als Lebensraum entdeckt.
Vogelkundler haben ihre eigene Sicht auf Berlin. Für sie ist die Metropole an der Spree die "Hauptstadt der Nachtigallen". Etwa 3.000 der einst seltenen Tiere haben Ornithologen der Freien Universität in den Parks und Gärten der Stadt gezählt.
Doch Berlin ist keine Ausnahme. Auch andere deutsche Großstädte verfügen über mehr "Wildlife" als Tauben, Ratten und Kaninchen. So ließe sich München beispielsweise als die "Hauptstadt der Schmetterlinge" bezeichnen. In der bayrischen Landeshauptstadt leben bis zu sechs Mal mehr Schmetterlingsarten als auf dem Land.
So idyllisch das Landleben uns Menschen scheinen mag: Wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, bleibt häufig kein Platz für artenreiche Wiesen, Hecken oder knorrige alte Bäume. Natürliche Lebensräume wie diese sind aber die Voraussetzung dafür, dass sich Pflanzen und Tiere ansiedeln. Unsere Städte haben in dieser Hinsicht mitunter mehr zu bieten: Auf Brachflächen gedeihen ungestört seltene Pflanzen, und das Mauerwerk alter Fabrikanlagen dient höhlenbrütenden Vögeln als Nistplatz.
Welchen Tieren der Umzug vom Land in die Stadt gelingt, hängt auch davon ab, wie anpassungsfähig sie sind. So wandern scheue Tiere wie Biber ebenso ein wie Wildschweine, Marder und Füchse. Den Nachtigallen nutzt bei der Partnerwahl in Berlin übrigens ein einfacher Trick: Sie singen einfach lauter als ihre Verwandten auf dem Land.
Weitere Informationen:
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Grüne Invasoren - Europäer weltweit am erfolgreichsten in Großstädten
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Tiere der Stadt
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Die Landflucht der Tiere
Kalenderwoche 42, 2007 - 30
340.000 Pflanzenarten sind bekannt, ungefähr 30.000 davon sind für den Menschen nutzbar. Doch
nur 30 Pflanzenarten liefern 95 Prozent der pflanzlichen Nahrungsmittel.
Hirtentäschelkraut: Bei diesem Namen läuft Kleingärtnern ein Schauer über den Rücken. Kaum schmilzt im Frühjahr der Schnee, treibt das Unkraut aus und verbreitet sich rasant im gesamten Garten. Aber wieso eigentlich Unkraut? Hirtentäschelkraut ist essbar - sowohl roh als auch gekocht. Sogar Tee lässt sich aus der vitaminreichen Pflanze brühen, deren Inhaltsstoffe auch blutdrucksenkend wirken.
Forscher haben nachgewiesen, dass im Verlauf der Geschichte immerhin 3.000 Pflanzenarten auf dem Speiseplan der Menschen standen und 150 Arten in größerem Umfang kultiviert worden sind. Insgesamt werden heute zwar - abgesehen von der Forstwirtschaft - 7.000 Arten genutzt und kultiviert. Dennoch produzieren wir 95 Prozent unserer Lebensmittel aus nicht einmal 30 Arten. Weit mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel gewinnen wir sogar aus ganzen vier Arten: Weizen, Mais, Reis und Kartoffeln.
In Sachen Vielfalt haben wir einen gewaltigen Rückschritt gemacht. Und das, so die Wissenschaftler, könnte eines Tages die Ernährung der Weltbevölkerung gefährden: Ändern sich die klimatischen Bedingungen ganzer Kontinente, beeinflusst das unsere Kulturpflanzen. Pflanzenkrankheiten können überhand nehmen. Zwar dürfte das Hirtentäschel kaum vom Unkraut zur Ackerpflanze aufsteigen. Doch wir sind gefordert, die Alternativen ernst zu nehmen, die die Natur uns bietet - und mit denen sie unseren Speiseplan bereichert.
Kalenderwoche 41, 2007 - 300
Jede und jeder Deutsche radelt durchschnittlich 300 Kilometer im Jahr. Im europäischen Vergleich ist
dies recht wenig. Dabei ist das Fahrrad das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.
Nach dem aktuellen
Fahrradbericht der Bundesregierung gibt es in Deutschland etwa 73 Millionen Fahrräder. Doch schwingen sich die Deutschen noch nicht allzu eifrig auf den Sattel: Zwar wird das Fahrrad im
Alltagsverkehr und in der Freizeit immer beliebter, jedoch werden gegenwärtig in Deutschland nur etwa 9 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Jeder Einwohner legt im Jahr durchschnittlich rund 300 Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Die Dänen und Niederländer hingegen
1.000 Kilometer.
Würden die Deutschen mehr radeln, hätte das positive Folgen für Umwelt und Klima. Die nordrhein-westfälische Stadt Troisdorf beispielsweise hat die Fahrradnutzung gezielt gefördert. Die Folge: Innerhalb von acht Jahren ist diese um ein Drittel gestiegen, gleichzeitig reduzierten sich die kürzeren Pkw-Fahrten um 10 Prozent. Würde man diese Entwicklung auf ganz Deutschland übertragen, könnten jährlich drei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht 15 bis 20 Prozent der vom nationalen Klimaschutzprogramm geforderten CO2-Verminderung im Straßenverkehr.
Das
Umweltbundesamt schätzt, dass der CO2-Ausstoß sogar um 3,5 bis 12 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden könnte, wenn die Deutschen öfter aufs Fahrrad umsteigen würden.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 40, 2007 - 257
Deutsche Kartoffelbauern können derzeit zwischen 257 Kartoffelsorten wählen. Theoretisch
jedenfalls, denn in den Verkauf gelangen nur 25 Sorten.
Die dicke Sieglinde hat Biss, Freya ist eher trocken, und die lange Berber ist frühreif. Die drei haben jedoch etwas gemeinsam: Sie gehören zu den beliebtesten Kartoffelsorten, und um ihren Bestand muss sich derzeit niemand Sorgen machen. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen der 257 Sorten, die es laut Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft derzeit in Deutschland gibt.
Für viele Bauern lohnt es sich kaum, für Vielfalt auf ihren Feldern zu sorgen. Besonders die pflegeintensiven, oft aber besonders schmackhaften Kartoffelsorten gelten als Geschäftsrisiko und werden daher nur von wenigen Bauern kultiviert. Zudem nimmt der Großhandel ohnehin nur einige bestimmte Sorten ab, insgesamt etwa 25. Um seltene Sorten zu kaufen, sind Verbraucher auf Bioläden oder bäuerliche Direktvermarktung und Wochenmärkte angewiesen.
Organisationen wie der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt mahnen an, dass die Konzentration auf die Sieglindes unter den Kartoffeln zum Aussterben anderer Sorten führen könnte. Und selbst beliebte Sorten sind nicht vor dem Exodus sicher. Das zeigt der Streit um Linda, Deutschlands "Kartoffel des Jahres 2007". Verbraucher und Bauern wollen sie, der Saatgutlieferant dagegen möchte Linda vom Markt nehmen, weil sie anfällig für Krankheiten sei. Der Lieferant hat Linda nicht wieder ins Register des Bundessortenamts aufnehmen lassen. Ein solcher Eintrag ist aber Voraussetzung dafür, Saatgut gewerblich zu handeln.
Weitere Informationen:
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Vielfalt der Kartoffeln
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Bundessortenamt: Schutz und Zulassung von Pflanzensorten
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Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt
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Informationsdienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft
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Bundesamt für Naturschutz: Agrobiodiversität
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Sortenvielfalt der Kartoffel
Kalenderwoche 39, 2007 - 35 %
Mehr als ein Drittel des Ertrags der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen hängt
von der Bestäubung durch Insekten ab. Verlieren die Tiere ihren Lebensraum, ist auch die Nahrungsvielfalt der Menschen gefährdet.
Bienen und andere Insekten tragen auf der Suche nach Nektar den Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze. Damit sorgen sie für die Bestäubung der Pflanzen und sichern so auch die Nahrungsvielfalt von uns Menschen. Denn 35 Prozent des gesamten Ertrags stammt von Nutzpflanzen, die von Bestäubern abhängig sind. Das fand eine internationale Forschergruppe bei der Analyse von wissenschaftlichen Arbeiten zu den weltweit wichtigsten Kulturpflanzen aus mehr als 200 Ländern heraus. 87 dieser Obst-, Gemüse-, Gewürz-, Öl- und Genusspflanzen profitieren von der Bestäubung durch Bienen oder Hummeln. Dadurch steigt ihr Ertrag um 5 bis 50 Prozent.
Zwar ist die Grundversorgung der Menschen - etwa durch Weizen, Reis und Mais - auch ohne Bestäuber gesichert. Die Vielfalt der Nutzpflanzen und damit auch des Speiseplans ist jedoch gefährdet, wenn der Bestand von immer mehr Insekten bedroht ist. Denn manche Kulturpflanzen tragen ohne Bestäubung gar keine Früchte. Dazu gehören Kakao, Maracuja, Kiwi, verschiedene Kürbissorten und Wassermelonen. Bei den brasilianischen Maracuja-Anbauern beispielsweise müssen Menschen einspringen, weil die große Holzbiene durch den Einsatz von Insektiziden und die Vernichtung des Regenwaldes ihren Lebensraum verliert. Damit die Bäume überhaupt Früchte tragen, bestäuben Tagelöhner oder Familienmitglieder die Pflanzen von Hand.
Quelle:
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Importance of pollinators in changing landscapes for world crops
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Schüler-Uni: Biologische Vielfalt - Die Grundlage unseres Lebens
Kalenderwoche 38, 2007 - 9,5 %
Beinahe jeder zehnte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich für den Schutz
von Umwelt und Natur. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement wäre Deutschland ärmer an biologischer Vielfalt.
Ob Flora und Fauna in Deutschland vielfältig bleiben, hängt nicht allein von staatlichem Handeln ab. Jede und jeder ist aufgerufen, zum Schutz von wertvollen Lebensräumen wie Wäldern, Seen und Wiesen beizutragen. 9,5 Prozent der Deutschen engagieren sich bereits im Umwelt- und Naturschutz. Das zeigt eine Erhebung aus den Jahren 1999 bis 2004, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben hat.
Ein Beispiel für die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements ist die European Bat Night. Diese Veranstaltung macht darauf aufmerksam, wie wichtig Fledermäuse (engl. Bats) sind und dass sie geschützt werden müssen. Die Bat Night findet jedes Jahr parallel in mehr als 30 Ländern statt und wird hierzulande vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) organisiert. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre die Bat Night, zu der stets Tausende Besucher kommen, kaum denkbar.
Wie persönliche Initiative wirken kann, zeigt ein weiteres Beispiel aus Köln. Unweit der Stadt liegt die Wahner Heide, ein ehemaliges Militärgelände. Viele Menschen hielten das verwahrloste Stück Land für wertlos. Bis ein Bürgerbündnis damit begann, die Tiere und Pflanzen dort zu erfassen. Das Ergebnis: In der Wahner Heide leben etliche Arten, die auf der Roten Liste stehen. Heute helfen dort viele Freiwillige. So werden zum Beispiel die artenreichen Moore der Heide erhalten.
Weitere Informationen:
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BMU-Publikation: Umweltengagement im Aufbruch
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DNR-Eckpunkte: Stärkung des ehrenamtlichen Engagements
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Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
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Informationen zum Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ)
Quelle:
Kalenderwoche 37, 2007 - 190
Etwa 190 Tagfalterarten gelten in Deutschland als heimisch. Sie schmücken nicht nur die
Natur, sondern sind auch wichtig für das biologische Gleichgewicht. Allerdings sind mehr als 60% der Arten in ihrem Bestand gefährdet.
Die farbenfrohen Schmetterlinge sind ein Schmuck für Wiesen und Wälder. Dazu gehört der schlichte gelbe Zitronenfalter ebenso wie das auffällige Tagpfauenauge, dessen Flügelspitzen schwarz-blau-gelbe Augenflecken zieren. Sie schützen das Pfauenauge vor Fressfeinden: Die Augen sollen vortäuschen, dass es sich um ein größeres Tier als einen Schmetterling handelt. Das schreckt mögliche Angreifer ab. Zitronenfalter und Pfauenauge sind zwei von etwa 190 Tagfalterarten, die in Deutschland als heimisch gelten.
Schmetterlinge sind nicht nur ein Zierrat der Natur. In ihrem kurzen Leben - die meisten werden nur drei bis fünf Wochen alt – sind sie sehr wichtig für das biologische Gleichgewicht: Sie bestäuben Blumen und sind ihrerseits Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.
Eine abwechslungs- und blütenreiche Vegetation ist der ideale Lebensraum für die Tagfalter. Wird diese eingedämmt, ist auch ihr Überleben in Gefahr. Durch Monokulturen, synthetische Dünger, die Bebauung von Wiesenflächen und den Klimawandel verlieren die Falter ihre Lebensräume. Wird dem nicht Einhalt geboten, könnte bald weniger Farbenpracht über unsere Wiesen fliegen: Über 60% Prozent der Tagfalterarten gelten als bedroht und stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands, die das Bundesamt für Naturschutz herausgibt.
Kalenderwoche 36, 2007 - 2000
Im zentralafrikanischen Tanganjikasee ist die Vielfalt mit etwa 2.000 Arten so hoch wie an kaum einem
anderen Ort der Erde.
Der Schneckenbarsch ist verwöhnt. Nehmen andere Fische mit Felsspalten als Wohnung vorlieb, besteht der Fünf-Zentimeter-Winzling auf eine Art Villa: Er bewohnt leere Schneckenhäuser. Der Barsch gehört zu den etwa 2.000 Arten, die den Tanganjikasee bewohnen. Das Gewässer ist damit nicht nur das größte Frischwasserreservoir Afrikas, sondern ein echter "Hot Spot" voller Fische, Schwämme, Muscheln, Schnecken, Krebse und Süßwasserquallen. Die Weltnaturschutzunion IUCN - bekannt als Herausgeberin der Roten Liste gefährdeter Arten - spricht vom artenreichsten Ort der Erde.
Berühmt ist der Tanganjikasee vor allem für die Familie von Fischen, zu der auch der Schneckenbarsch gehört: die Cichliden. Viele Arten dieser Familie leben ausschließlich im Tanganjikasee. Und manche von ihnen finden sich sogar jeweils an genau einem Uferabschnitt. Das liegt unter anderem daran, dass Cichliden Reviere bilden, die sie selten verlassen. Der geringere genetische Austausch gibt Mutationen die Chance sich zu verfestigen, und so entwickeln sich innerhalb weniger Generationen neue Arten - Evolution im Zeitraffer.
Leider könnte damit bald Schluss sein. Wegen des Klimawandels. Wissenschaftler haben ermittelt, dass die Temperatur im See in den vergangenen achtzig Jahren um etwa ein Grad gestiegen ist. Klingt wenig, wirkt aber fatal: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger durchmischen sich seine Schichten. Zirkulation muss aber sein, weil sie Nährstoffe für die Algen aus der Tiefe heraufspült. Von den Algen ernähren sich Kleinkrebse - und von den Kleinkrebsen die Fische im See.
Die Wissenschaftler schätzen, dass der Fischbestand bereits um 30 Prozent zurückgegangen ist. Das bedeut nicht nur eine Gefahr für die biologische Vielfalt, sondern auch für die Menschen rund um den Tanganjikasee. Denn der Fischreichtum bildet ihre Nahrungsgrundlage.
Weitere Informationen:
Quelle:
Kalenderwoche 35, 2007 - 10 %
Mangrovenwälder produzieren mehr als 10 Prozent des Kohlenstoffs, der weltweit vom Land ins
Meer gelangt.
Entlang tropischer und subtropischer Küsten wachsen Wälder, die sowohl dem Salz des Meeres als auch den Gezeiten trotzen: Mangroven. Obwohl diese Wälder nur 0,1 Prozent der globalen Landfläche einnehmen, produzieren sie mehr als 10 Prozent des Kohlenstoffs, der weltweit vom Land ins Meer gelangt. Das haben Forscher des Zentrums für Marine Tropenökologie Bremen gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern herausgefunden.
Den Kohlenstoff produzieren die Bäume ganz einfach beim Wachsen - wie alle Pflanzen. Sie entziehen der Luft Kohlendioxid (CO2), spalten es und speichern den Kohlenstoff (C) in ihren Zellen, während sie den Sauerstoff abgeben (O2). Dass Mangroven so viel mehr Kohlenstoff speichern als andere Pflanzen, beruht auf einer Eigenart: Sie treiben überdurchschnittlich viele Blätter aus. Fallen diese Blätter zu Boden und vermodern, schwemmen die Wellen die Reste ins Meer. Dort bleibt der Kohlenstoff Jahrhunderte lang gebunden.
Die Mangroven nutzen mit ihrer Leistung dem Leben auf der ganzen Welt, denn sie "entsorgen" Kohlendioxid, also jenes Gas, das hauptverantwortlich für den Treibhauseffekt ist. Darüber hinaus bieten Mangrovenwälder mit ihrem dichten Wurzel- und Blattwerk zahlreichen Lebewesen Brutplätze und Lebensraum und bilden einen natürlichen Küstenschutz. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Bäume wie Wellenbrecher wirken und sogar die Wirkung von Tsunamis mindern.
Aus all diesen Gründen mahnen die Forscher des Zentrums für Marine Tropenökologie Bremen, die Mangroven besser zu schützen. Schon mehr als ein Drittel der Wälder sei in den letzten Jahrzehnten zerstört worden. Hauptgründe seien Siedlungsbau, Landwirtschaft und Garnelenzucht.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 34, 2007 - 12.000
In Obstkisten, an Reisetaschen oder auf Autoreifen - durch weltweiten Handel und
Reisen gelangen Pflanzensamen in fremde Länder. Auch in Deutschland siedeln sich diese Neuankömmlinge an: Etwa 12.000 vom Menschen eingeschleppte Gefäßpflanzenarten zählen die Forscher.
Kanadische Goldrute, Japan-Knöterich oder Riesen-Bärenklau - sie alle wachsen in Deutschland, haben hier aber nicht ihre ursprüngliche Heimat. Neophyten werden diese Neuankömmlinge genannt. Etwa 12.000 Gefäßpflanzenarten gelangten in den vergangenen Jahrhunderten durch Handel und Reisen nach Deutschland. Die meisten schaden der einheimischen Flora nicht.
30 Arten jedoch, das sind etwa 0,2 Prozent der Neuankömmlinge in Deutschland, können ökologische Schäden anrichten. Die Kanadische Goldrute kann gebietsheimische Pflanzen auf mageren Grünländern verdrängen. Dadurch verlieren auch andere Organismen ihren Lebensraum, beispielsweise Schmetterlinge, deren Raupen kein Futter mehr finden. Auch für den Menschen können manche dieser Pflanzen sehr unangenehm sein: Der Riesen-Bärenklau - ursprünglich aus dem Kaukasus - kann allergische Reaktionen auslösen.
Ob Neophyten in der neuen Umgebung überlebensfähig sind, ist nicht vorherzusagen. Knapp zehn Prozent zählen zu den unbeständigen Arten - sie halten sich für eine gewisse Zeit, verschwinden und tauchen aber gegebenenfalls auch wieder auf. Nur ein bis zwei Prozent der Neuankömmlinge finden hierzulande dauerhaft eine neue Heimat: der Japanische Staudenknöterich - eine bis vier Meter hohe Staude aus Ostasien, der sich durch seine außergewöhnliche Wuchskraft nicht allein an Gewässern breit macht, aber auch die Robinie aus Nordamerika, die viele als robusten Stadtbaum kennen.
Biologische Invasionen durch menschliche Aktivitäten gelten weltweit als zweitwichtigste Ursache für den Verlust biologischer Vielfalt. Das Gefährdungspotenzial wächst mit der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und zunehmendem weltweiten Handel sowie Fernreiseverkehr. Deshalb verpflichten sich in der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt von 1992 die Vertragsstaaten, zu denen auch Deutschland gehört: die Einbringung von gebietsfremden Arten zu verhindern, sie zu kontrollieren oder zu beseitigen sowie eine nationale Strategie und Aktionspläne zu entwickeln und umzusetzen.
Weitere Informationen:
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NABU: Neobiota - Neozoen und Neophyten
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NABU: Ratgeber - Was macht der Halsbandsittich in der Thujahecke?
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VDST: Neobiota-Watcher-Aktion 2007
Kalenderwoche 33, 2007 - 151
Reiseandenken aus 151 geschützten Tier- und Pflanzenarten hat der deutsche Zoll im Jahr
2006 in den Taschen von Urlaubern gefunden.
Der Urlaub auf den Malediven war ein Traum: Sonne, Strand, Top-Hotel. Und dann am letzten Tag noch dieses wunderschöne große Meeresschneckenhaus ergattert. Doch am Flughafen in Deutschland platzt der Traum: Das Reiseandenken wird beschlagnahmt, denn die Riesenfechterschnecke, der das Haus gehörte, steht unter strengem Naturschutz.
Deutsche Zollbeamte finden jedes Jahr einige Hundert, zum Teil nicht erlaubte Souvenirs im Gepäck heimkehrender Urlauber. Dazu gehören neben Nachttischen aus Schildkrötenpanzern und Uhren mit Verzierungen aus Muscheln vor allem Schmuckstücke aus Korallen und Tropenholz, Schuhe aus Krokodilleder und verbotene Produkte der traditionellen Naturmedizin. Trotz aller Aufklärung nimmt die Zahl der beschlagnahmten Mitbringsel nicht ab.
Inzwischen sind 172 Staaten dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) beigetreten. Das Übereinkommen reguliert den internationalen Handel mit rund 33.000 Tier- und Pflanzenarten und nimmt einige Arten und deren Produkte ganz vom Handel aus.
Wer im Ausland Tiere, Pflanzen oder deren Produkte erwerben will, sollte sicherstellen, dass die Ein- und Ausfuhr erlaubt sind. Das Bundesamt für Naturschutz und der Zoll informieren darüber unter
www.artenschutz-online.de - umfassend und
nach Reisezielen gegliedert.
Kalenderwoche 32, 2007 - 10.000
Fliegen und Spenden: Über "atmosfair" haben bisher etwa 10.000
Fluggäste ihren Anteil am CO2-Ausstoß ausgeglichen
Ein Flug von Köln nach Rio de Janeiro und zurück belastet die Atmosphäre mit 6,8 Tonnen Kohlendioxid (CO2) - pro Passagier. Das ist fast 70 Mal so viel, wie der Betrieb eines Kühlschranks im Jahr verursacht. Wer angesichts dieser Zahl dennoch nicht aufs Fliegen verzichten will, kann seinen Anteil am CO2-Ausstoß über atmosfair ausgleichen. Rund 10.000 Fluggäste haben es seit Mai 2005 bereits getan.
Atmosfair ist eine gemeinnützige Organisation, die aus einem Forschungsvorhaben des Bundesumweltministeriums hervorgegangen ist. Sie sammelt im Internet Spenden von verantwortungsbewussten Passagieren: Mit einem Emissionsrechner lässt sich ermitteln, wie viel CO2 ein Flug verursachen wird. Der Fluggast kann dann den Betrag überweisen, der nötig ist, um diese Emissionen anderswo einzusparen. Anderswo, das heißt in Projekten, die atmosfair unterstützt.
Die Organisation leitet das Geld beispielsweise an Großküchen in Indien weiter, die mit Energie aus Solaranlagen kochen. 2005 konnten die Partnerprojekte von atmosfair 10.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen.
Wie wichtig es ist, solche Zeichen zu setzen, zeigt der Weltklimabericht, den der Weltklimarat IPCC im April 2007 herausgegeben hat. Demzufolge bedroht die Erderwärmung - eine Folge der Emission von Klimagasen wie CO2 - 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen sind auf kühle Temperaturen angewiesen und können sich nicht schnell genug anpassen. Anderen, wie etwa den Eisbären, schmilzt buchstäblich der Lebensraum unter den Tatzen weg.
Weitere Informationen:
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www.atmosfair.de
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Pressemitteilung vom 06.04.2007: Gabriel: Wir brauchen eine ehrgeizige Klimapolitik
Kalenderwoche 31, 2007 - 2000
Der Stör kehrt in den Ostseeraum zurück: Die ersten Störe schwimmen seit Juni
2007 wieder in der Oder. Im Lauf der kommenden Jahre sollen insgesamt 2000 Jungtiere in dem Ostsee-Zufluss ausgesetzt werden.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hat die Zahl der Störe stetig abgenommen - intensive Fischerei, Gewässerverbauung und -verschmutzung zerstörten den Bestand der bei Feinschmeckern beliebten Fischart: Störeier sind als Kaviar eine teure Delikatesse.
Der Ostseestör wiederum gilt gar als ausgestorben oder verschollen. In einem Projekt zur Arterhaltung der Störe haben die Forscher herausgefunden, dass der Atlantische Stör dem ausgestorbenen Ostseestör genetisch sehr stark ähnelt. Jetzt soll der Atlantische Stör - in kanadischen Gewässern kommt er noch relativ häufig vor - in der Ostsee und in deren Zuflüssen wieder heimisch werden.
Dazu muss auch der natürliche Lebensraum des Fisches wieder hergestellt und geschützt werden. Denn nur in naturnahen Flussgebieten können die ausgesetzten Störe langfristig wieder ein Zuhause finden.
Deutschland und Polen führen das Wiederansiedelungsprojekt gemeinsam durch. Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Vorhaben mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 30, 2007 - 100
Landschaften zu erhalten heißt auch, sie schonend zu nutzen. 100
Naturparke in Deutschland bieten Beispiele.
Naturparke sind Landschaften, in denen Schutz und Nutzung der Natur Hand in Hand gehen. Einerseits dienen sie einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen als Heimat. Andererseits nutzt der Mensch sie land- und forstwirtschaftlich und zur Erholung. Nationalparke sind etwa die Lüneburger Heide, der Spessart und der Fläming. Sie alle sind innerhalb von Jahrhunderten gewachsen - indem der Mensch die vorgefundene Natur genutzt und damit gestaltet hat.
Die 100 Naturparke bedecken immerhin ein Viertel der Fläche Deutschlands. Und sie sind Vorbild: So wie in den Naturparken sollten die natürlichen Ressourcen auch andernorts genutzt werden. Dann können Wirtschaft und Tourismus im Einklang mit der biologischen Vielfalt stehen.
Weitere Informationen:
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Webseite der Naturparke
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Rede des Bundesumweltministers anlässlich der Eröffnung des Jahrs der Naturparke 2006
Kalenderwoche 29, 2007 - 1800
Die biologische Vielfalt in deutschen Wäldern ist größer, als viele Menschen ahnen.
Darauf machen 32 Sportlerinnen und Sportler aufmerksam, die beim "Naturathlon" 1.800 Kilometer Wald durchqueren.
>Der diesjährige Naturathlon steht unter dem Motto "Treffpunkt Wald". 32 Athleten treten an, um innerhalb von zwei Wochen mit Muskelkraft vom Schwarzwald bis nach Berlin zu gelangen - per Rad, Mountainbike, Skates, Kanu oder zu Fuß. Der Startschuss fällt am 22. Juli.
Die Athleten legen die 1.800 Kilometer in Etappen zurück. An der Etappe nach Bonn wird sich Naturallianz-Mitglied Astrid Benöhr beteiligen. Die Weltrekordlerin im Triathlon hat beim internationalen Ironman schon mehrfach die Männer auf die Plätze verwiesen.
Der Naturathlon soll darauf aufmerksam machen, dass es auch hierzulande Vielfalt zu bewundern und zu bewahren gilt. Die Strecke führt durch Wälder, deren Fülle von Pflanzen und Tieren für hiesige Waldgebiete besonders charakteristisch ist. An einzelnen Etappenzielen veranstaltet das Bundesamt für Naturschutz (BfN) Aktionen und Konzerte. Das Bundesamt ist Initiator des Naturathlons, das Bundesumweltministerium unterstützt das Projekt.
Weitere Informationen:
Kalenderwoche 28, 2007 - 3 Millionen
3 Millionen
Das größte Saatgutlager der Welt bietet Platz für drei Millionen Samenproben von Nutzpflanzenarten. Es entsteht in einem Berg auf der norwegischen Insel Svalbard, etwa 1000 Kilometer nördlich des Festlandes. Nahe der Ortschaft Longyerbyen wird ein langer Tunnel gebaut, der zu Vorratskammern tief im Inneren des Berges führt. Dort wird die Genbank ab September das weltweit umfangreichste Samendepot einrichten und im März 2008 eröffnen.
Ziel ist, das Genmaterial von Nutzpflanzen zu konservieren. Die biologische Vielfalt ist nicht nur durch Monokulturen einzelner Hochleistungspflanzen gefährdet, auch Dürren oder Überschwemmungen könnten einzelne Pflanzensorten auslöschen. Die genetische Vielfalt aber kann die Nahrungsmittelversorgung der Menschen sichern, denn Gene sind das Rohmaterial, aus dem ertragreichere, nahrhaftere oder resistentere Sorten gezüchtet werden können.
Die Samensammlung wird bei minus fünf Grad Celsius konserviert. In Svalbard herrschen ideale Bedingungen: Selbst wenn die Kühlanlage ausfällt, sorgen Dauerfrost und dicke Felswände dafür, dass die Samenproben im Berg gefroren bleiben. Der Eingang zu der natürlichen Gefriertruhe liegt 130 Meter über dem Meeresspiegel - selbst wenn dieser steigt, ist das Depot nicht gefährdet.
Finanziert wird der Bau der Genbank von der norwegischen Regierung, für die laufenden Kosten wird der Global Crop Diversity Trust aufkommen. Unterstützung bekommt das Vorhaben unter anderem von der Bill and Melinda Gates-Foundation. Sie steuert rund 30 Millionen Euro bei, um vor allem Pflanzensamen aus Entwicklungsländern zu konservieren.
Quelle:
Kalenderwoche 27, 2007 - 14,5 Tage
Durch den Klimawandel beginnt der Frühling im Nordosten Grönlands 14,5 Tage
früher. Davon sind dänische Biologen überzeugt. Sie haben das Verhalten von mehr als zwanzig Tier- und Pflanzenarten untersucht.
Rund um die dänische Forschungsstation Zackenberg flattern die Schmetterlinge. Hier im Nordosten Grönlands hat Mitte Juni das Frühjahr begonnen. Für Toke Høye ist das nur bedingt ein Grund zur Freude, denn die Tiere sind zwei Wochen zu früh aktiv. Der Biologe von der Universität Århus sagt: "Unsere Studie weist nach, was viele Leute denken, nämlich dass sich die Jahreszeiten verändern."
Das Team von Toke Høye hat nicht nur gemessen, dass die Temperaturen im Jahrzehnt zwischen 1996 und 2005 kontinuierlich gestiegen sind. Die Wissenschaftler haben vor allem Tiere und Pflanzen beobachtet - lebende Indikatoren für den Klimawandel. Unter mehr als zwanzig Arten ließen sich nur zwei von der frühen Wärme nicht beeindrucken. Sie folgten weiterhin ihrem alten Rhythmus. Die anderen blühten, balzten, schlüpften im Schnitt 14,5 Tage früher.
In der Fachzeitschrift "Current Biology" sprechen die Biologen deshalb von einer "Frühwarnung", denn 14,5 Tage sind eine alarmierende Zahl. Schließlich bemerken selbst die Menschen in Europa, dass der Frühling früher beginnt. Dabei sind es bei uns laut Studien nur etwa zweieinhalb bis fünf Tage.
Kalenderwoche 25, 2007 - 8 %
8 Prozent
Bei acht Prozent aller Säugetierarten in Europa nimmt der Bestand zu. So zählen die Forscher heute wieder mehr Wisente, europäische Biber und Alpen-Steinböcke. Diese erfreuliche Entwicklung ist das Ergebnis von Programmen zur Wiederansiedelung und von Maßnahmen zum Schutz der Tiere.
Gleichzeitig schrumpft jedoch der Bestand von mehr als einem Viertel der Säugetierarten auf dem Land und im Wasser. Bei einem Drittel ist die Entwicklung ungewiss, fast jede sechste Art ist vom Aussterben bedroht. Das ergab eine Studie der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) im Auftrag der EU-Kommission.
Dabei ist der biologische Reichtum in Europa - im Vergleich zu Südamerika und Afrika - ohnehin gering. Mit 117 Säugetierarten liegt Deutschland in Europa auf viertem Rang hinter Frankreich, Spanien und Italien. Zu den stark bedrohten Arten in Europa gehören, so die Studie, unter anderem die Mittelmeer-Mönchsrobbe, die Saiga-Antilope und der Iberische Luchs. Er ist die weltweit am stärksten gefährdete Katzenart. Schätzungsweise leben nur noch zwischen 84 und 143 iberische Luchse in Spanien.
Kalenderwoche 24, 2007 - 6.348
Bis in eine Tiefe von 6.348 Meter ist ein deutsches Forscherteam vorgedrungen, um die antarktische Tiefsee
zu erforschen. Statt Ödnis haben sie Hunderte neuer Arten gefunden.
Dass das Leben im Meer entstanden ist, erkennen heute die meisten Wissenschaftler an. Dass eine Wiege des Lebens aber die eiskalte finstere Tiefe des antarktischen Meeres sein könnte, überrascht die Forschung. 21 deutsche Wissenschaftler haben dort eine ungeahnte biologische Vielfalt entdeckt.
In der Wissenschaftszeitschrift "Nature" berichten sie, was sie in Tiefen zwischen 748 und 6.348 Metern fanden: 674 Asselarten, von denen bisher nur 89 bekannt waren, fleischfressende Schwämme, Borstenwürmer und diverse Weichtiere.
Die deutschen Forscher stellen nun die These auf, dass die etwas besser erforschte Artenvielfalt der nordpolaren Tiefsee ihren Ursprung in der Antarktis habe. Dafür sprechen die Strömungen, die antarktisches Tiefenwasser über den Atlantik in nordpolare Gewässer treiben.
Kalenderwoche 23, 2007 - 39 %
39 Prozent
Nur 39 Prozent der Deutschen fühlen sich über Artenvielfalt und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten sehr gut oder eher gut informiert. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Bundesumweltministeriums. Untersucht wurde das Verhältnis der Deutschen zu Natur und Artenvielfalt. Je jünger die Befragten sind, desto geringer sind ihre Kenntnisse über diese Themen: Lediglich ein Drittel der befragten 18- bis 29-Jährigen fühlt sich über Artenvielfalt und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten gut informiert, bei den über 60-Jährigen ist es die Hälfte. Geringere Informationsdefizite als bei der Artenvielfalt gibt es bei Umweltthemen wie Energiesparen, Klimawandel und Luftverschmutzung.
Gefragt wurde auch nach den größten Herausforderungen im Umwelt- und Naturschutz. Für knapp drei Viertel der Deutschen ist ein großes Problem, dass immer mehr Regenwälder verschwinden. Mehr als die Hälfte nannten die Themen Klimawandel, Luftverschmutzung sowie Verschmutzung der Seen und Flüsse. Aussterbende Pflanzen- und Tierarten sieht ebenfalls etwas über die Hälfte der Befragten als großes Problem an.
Kalenderwoche 22, 2007 - 40 %
40 Prozent Beifang entstehen, wenn Thunfische, Bonitos und Schwertfische mit Langleinen und
Ringwaden aus dem Meer gefischt werden. Dabei sterben jedes Jahr Millionen Haie, Delfine, Schildkröten und Vögel.
Eine echte Spezialität, vor allem als Sushi-Zutat, sind in Japan der Großaugen- und der Rote Thun. Bis zu 500 Dollar kostet ein Kilo. Auch in anderen Ländern ist das rote Fischfleisch ein beliebtes Nahrungsmittel. Einige Thunfischarten sind durch die Fischerei in ihrem Bestand stark gefährdet. Problematisch ist der Thunfisch-Fang vor allem, weil es dabei viel Beifang gibt. An den Haken der Leinen hängen immer häufiger Haie, Schildkröten und Seevögel. Und bei der Ringwadenfischerei sterben vor allem Delfine.
Das hat einen einfachen Grund: Thunfische schwimmen oft unter Delfinherden. Die Meeressäuger sind von den Fangbooten aus leichter zu erkennen. Daher werden die Netze um ihre Herden gelegt, um so die darunter schwimmenden Thunfische zu fangen. Mehrere Millionen Delfine sind auf diesem Weg schon
verendet. Aber es wird nach Alternativen gesucht: Die kalifornische Angel- und Handleinenfischerei auf Thunfisch (AAFA) steht kurz vor der Zertifizierung nach den Kriterien des Marine Stewardship Councils (MSC) und ist beifangfrei (
www.americanalbacore.com).
Die Thunfische auf europäischen Esstischen stammen meist aus Käfigmast im Mittelmeer: Bei dieser wenig nachhaltigen Nutzungsform werden Jungfische gefangen und in einem Netzkäfig mit Fischmehl aufgezogen. Dabei werden für jedes Kilo Thunfisch bis zu 20 Kilo Fisch benötigt.
Kalenderwoche 21, 2007 - 14 Millionen
14 Millionen
14 Millionen Hektar Wald gehen jedes Jahr weltweit verloren. Im Laufe von drei Jahren verschwindet eine Waldfläche, die fast so groß ist wie Deutschland.
Auch in mitteleuropäischen Wäldern ist die Vielfalt beeindruckend: Zwischen 7.000 und 14.000 Tierarten sind dort heimisch. Rund 14.000 Pflanzenarten sind in den Wäldern zu finden, neben Bäumen wachsen zahlreiche Sträucher, Kräuter, Moose, Flechten und Pilze. Die Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere. Außerdem sorgen sie für reine Luft und binden Kohlenstoff - das ist wichtig zum Schutz des Klimas.
Doch jährlich verschwinden auf der ganzen Welt 14 Millionen Hektar Wald. Unter anderem weil Holz ein wichtiger Rohstoff ist: für Möbel, Verpackungen und Papier. Zudem müssen viele Flächen dem Straßen- und Siedlungsbau weichen. Andere werden durch Stürme und Unwetter zerstört. Die tropischen Wälder werden zunehmend in landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt, etwa in Plantagen für den Anbau von Ölpalmen und Soja. Das sind Gefahren, die unser aller Lebensgrundlagen zerstören könnten.
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