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Stand: Mai 2009


Klimaschutz - Die größte umweltpolitische Herausforderung der Menschheit

Das stabile Erdklima - Lebensgrundlage von Mensch und Natur

Zu den Wundern dieser Welt gehört die einzigartige Atmosphäre, die das Leben auf unserem Planeten überhaupt erst möglich macht. Die besondere Zusammensetzung der Atmosphäre bewirkt u.a., dass die Temperatur auf der Erdoberfläche konstant auf einem Niveau bleibt, auf dem sich unsere natürliche Lebenswelt entfalten kann. Diese Wirkung beruht auf dem sog. natürlichen Treibhauseffekt, der durch die in der Atmosphäre enthaltenen Spurengase - hauptsächlich Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (Distickstoffoxid N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) sowie Schwefelhexafluorid (SF6) - verursacht wird. Diese Gase, die in ihrer natürlichen Konzentration nur rund drei Promille der Masse der Atmosphäre ausmachen, verhindern die Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche in das All soweit, dass auf unserem Planeten statt eisiger Weltraumkälte eine durchschnittliche Temperatur von 15°C herrscht. Sie werden deshalb auch als Treibhausgase bezeichnet.

Das Klimagleichgewicht wird durch den von Menschen verursachten Treibhauseffekt gefährdet

Menschliche Aktivitäten haben seit Beginn der Industrialisierung in starkem Maße zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre geführt. Wichtigste Ursache ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Öl, Kohle und Gas, bei der unvermeidbar Kohlendioxid freigesetzt wird. Zu dem Anstieg der atmosphärischen Kohlendioxidkonzentrationen trägt zudem die fortschreitende Entwaldung des Planeten bei, da die Pflanzen und Bäume das Treibhausgas in erheblichem Maße absorbieren und damit eine der größten sog. Senken für das Kohlendioxid bilden.
Bedingt durch die anthropogenen Emissionen ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit dem Jahr 1750 bis heute um über 30% gestiegen.

Neben der CO2-Konzentration steigt durch menschliche Ursachen insbesondere auch der Methangehalt in der Atmosphäre. Die erhöhten Methanemissionen sind vornehmlich wasserbedeckten Reisfeldern und der Viehzucht mit ihren immer größeren Viehherden zuzuschreiben. Die Treibhauswirkung von Methan ist wesentlich stärker als die des CO2, allerdings wird das Methan in der Atmosphäre viel schneller wieder abgebaut als Kohlendioxid, dessen besonderes Risiko gerade in der langfristigen Anreicherung liegt.

Durch die rapide Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre wird die Strahlungsbilanz verändert und der oben beschriebene Treibhauseffekt verstärkt. Dies hat zur Folge, dass sich die Durchschnittstemperaturen auf der Erdoberfläche erhöhen. Den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu den klimatischen Auswirkungen der erhöhten Treibhausgaskonzentrationen hat das eigens zur umfassenden Auswertung der weltweiten Klimaforschung eingerichtete Gremium IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) in einem Sachstandsbericht zusammengefasst. Danach muss aufgrund des vom Menschen verursachten zusätzlichen Treibhauseffektes bis zum Jahr 2100 bereits mit einem Anstieg der mittleren Erdtemperatur von bis zu 6°C gerechnet werden! Es soll aber auch schon bei geringeren Erwärmungen mit Verschiebungen der Klimazonen und ganz erheblichen Veränderungen lokaler Klimabedingungen gerechnet werden.

Mit dem Klimawandel drohen gewaltige Schäden

Nach dem Stand der Klimaforschung gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die durch den Menschen verursachten Klimaveränderungen die natürliche und menschliche Lebenswelt ganz erheblich beeinträchtigen werden. So muss damit gerechnet werden, dass bedingt durch die Erwärmung der Erdoberfläche der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 10 bis 90 cm ansteigen wird. Dies wird die Überflutung ganzer Inselstaaten und zahlreicher tiefgelegener Küstenregionen zur Folge haben. Insbesondere in den warmen äquatorialen Klimazonen wird es durch Veränderung der Niederschlags- und Verdunstungsverhältnisse wahrscheinlich zu einer zunehmenden Austrocknung und Degradation der Böden sowie zu einem spürbaren Rückgang der Nahrungsmittelproduktion und Artenvielfalt kommen. Davon werden vor allem Entwicklungsländer betroffen sein, die ohnehin schon größte Schwierigkeiten bei der Nahrungsmittelversorgung haben. Mit der Klimaerwärmung werden ferner Tropenkrankheiten in bisher nicht betroffene Gebiete vordringen können. Nicht zuletzt wird von den Klimaexperten eine Häufung extremer Wetterverhältnisse wie Wirbelstürme und Dürreperioden vorhergesagt.

Die politische Verantwortung: Treibhausgasemissionen müssen weltweit möglichst rasch und nachhaltig reduziert werden

Selbst wenn es gelingt, die Emissionen auf dem heutigen Niveau einzufrieren, wäre schon bis zum Jahr 2030 mit einer Verdoppelung und bis zum Jahr 2100 mit einer Verdreifachung des CO2-Gehalts der Atmosphäre gegenüber dem vorindustriellen Stand zu rechnen. Wenn sich der gegenwärtige Trend bei den Treibhausgasemissionen fortsetzt, werden sich allerdings die CO2-Emissionen im Zeitraum von 1990-2100 vermutlich noch von jährlich 7 Mrd. t. auf etwa 20 Mrd. t. nahezu verdreifachen. Eine solche ungebremste Entwicklung müsste folglich zu einer weiteren Vervielfachung der atmosphärischen Konzentrationen und zu einer drastischen Verstärkung des Treibhauseffekts führen. Um die atmosphärischen CO2-Konzentrationen langfristig auf einem Niveau zu stabilisieren, dass in etwa dem Doppelten der vorindustriellen Konzentration entspricht, müsste nach Berechnungen der Klimaforschung der Treibhausgasausstoß weltweit um ca. 30% reduziert werden. Diese Prognosen der Klimatologen offenbaren uns auf dramatische Weise den dringlichen Handlungsbedarf. Angesichts der drohenden verheerenden Schäden für die soziale und natürliche Umwelt liegt es in der vorrangigsten Verantwortung der globalen und nationalen Umweltpolitik, unverzüglich wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz und zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu ergreifen. Wegen des berechtigten Anspruchs der Entwicklungsländer auf wirtschaftliche Entwicklung und dem damit zusammenhängenden Emissionszuwachs werden die Reduktionen ganz überwiegend von den Industrieländern erreicht werden müssen (mindestens 70%).

Internationale Zusammenarbeit und nationales Engagement sind Grundbedingung eines wirksamen Klimaschutzes

Wegen der weltweiten Verursachung der Klimaerwärmung ist ein wirksamer Klimaschutz allerdings nur möglich, wenn möglichst alle Staaten - und insbesondere die hauptverantwortlichen Industriestaaten - ihre nationale Verantwortung wahrnehmen. Das setzt im internationalen Wettbewerb der Volkswirtschaften jedoch unbedingt eine langfristige Kooperation und faire Verantwortungsteilung voraus.

In diesem Sinne wurde auf dem "Umwelt-Gipfel" in Rio 1992 eine globale Klimarahmenkonvention mit dem Ziel, die Konzentration der Treibhausgase auf einem Niveau zu stabilisieren, das eine Störung des Klimasystems verhindert, verabschiedet. Dieses Niveau soll zudem in einem Zeitraum erreicht werden, der gewährleistet, dass die Ökosysteme sich auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und eine nachhaltige Entwicklung möglich bleibt.

Auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz wurde 1997 zudem das Kyoto-Protokoll verabschiedet, das die Industrieländer als die Hauptverantwortlichen für den zusätzlichen Treibhauseffekt erstmals rechtsverbindlich zu konkreten Reduzierungen ihrer Emissionen verpflichtet: Mit dem Protokoll wurde beschlossen, dass die Industriestaaten ihre Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 insgesamt um mindestens fünf Prozent gegenüber 1990 verringern, wobei die einzelnen Staaten in unterschiedlichem Maße zur Erfüllung dieses Zieles beitragen müssen. Ferner wurde im Protokoll vereinbart, dass die Staaten ihre Reduktionspflichten in begrenztem Maße auch durch Reduktionsmaßnahmen im Ausland erfüllen können. Damit schafft das Protokoll erstmals die unabdingbaren Kooperationsvoraussetzungen für einen wirksamen internationalen Klimaschutz.

Reduktionsmaßnahmen auf nationaler Ebene in Deutschland

Die Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen müssen gesellschaftsübergreifend und verursachungsgerecht alle relevanten Emittentengruppen ansprechen, d.h. vor allem die Sektoren Industrie und Energiewirtschaft, private Haushalte, Verkehr, Abfallwirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft. Dies sollte durch eine wirksame Kombination aus querschnittsorientierten und sektorspezifischen Maßnahmen geschehen. Einen umfassenden Überblick über die Vielfalt der übergreifenden und speziellen Handlungsmöglichkeiten finden Sie in der Rubrik nationale Klimapolitik.

Das nationale Klimaschutzprogramm der Bundesregierung zeigt mit den zahlreichen Maßnahmen und Ansatzpunkten nicht nur eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten auf. Es verdeutlicht auch, dass in allen Bereichen, die durch ihren Energieverbrauch CO2-Emissionen hervorrufen, erhebliche Einsparungen zu vertretbarem Aufwand möglich sind. Vielfach amortisieren sich die Einsparungsmaßnahmen für den Investor durch die Verringerung des Energieverbrauchs schon nach kürzerer Zeit, wie z.B. bei der Gebäudedämmung.