Stand: 12.12.2008


Gemeinsame Stellungnahme zur Bedeutung der Verringerung von Emissionen aus der Entwaldung und Schädigung der Wälder in Entwicklungsländern

Die Geschichte wird unsere Generation danach beurteilen, ob sie das Notwendige getan hat, um der Bedrohung des Klimawandels zu begegnen. Deswegen möchten wir – während der 14. Vertragsstaatenkonferenz des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in Posen im Dezember 2008 – unsere gemeinsamen Ansichten zur Bedeutung des Fortschritts bei diesen Verhandlungen unterstreichen, insbesondere zu den Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen aus der Entwaldung und Schädigung der Wälder (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, REDD) in Entwicklungsländern und zur Rolle des Schutzes und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern und der Verbesserung der Kohlenstoffvorräte der Wälder.

In Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) erkennen wir an, dass eine weitgehende Verringerung von Treibhausgasemissionen notwendig ist, um die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird, wie in Artikel 2 als Endziel des Rahmenübereinkommens festgelegt. Wir haben die Vision, dass REDD ein Teil des in Kopenhagen 2009 zu vereinbarenden Ergebnisses sein wird, mit ambitionierten Senkungen der Emissionen der entwickelten Länder und angemessenen Maßnahmen der Entwicklungsländer.

Wir unterstreichen das Bekenntnis unserer Länder zum Aktionsplan von Bali der Klimarahmenkonvention und die überragende Bedeutung, die wir einem umfassenden und effektiven Ergebnis der 15. Vertragsstaatenkonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 beimessen. Wir sind uns bewusst, dass hierzu zwar alle Staaten auf der Grundlage des im Rahmenübereinkommen festgeschriebenen Grundsatzes der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung und ihrer jeweiligen Fähigkeiten beitragen müssen, die Bereitstellung von angemessenen, berechenbaren und nachhaltigen Ressourcen für die Entwicklungsländer aus allen Quellen jedoch ein wesentliches Element darstellen wird.

Die tropischen Wälder schwinden von Jahr zu Jahr mit besorgniserregender Geschwindigkeit. Der Sachstandsbericht des IPCC weist darauf hin, dass Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft, einschließlich Entwaldung, etwa 17 Prozent der Treibhausgasemissionen verursachen. Wir müssen schnell und entschlossen handeln. Unsere Regierungen werden daher zusammenarbeiten, um frühzeitig Maßnahmen zu REDD zu ergreifen und

die Einbeziehung von REDD in das Ergebnis von Kopenhagen sicherzustellen.

Unsere Anstrengungen werden sich innerhalb des Rahmens der UNFCCC-Verhandlungen bewegen und sorgfältig darauf ausgelegt sein, diese Verhandlungen zu unterstützen. Sie beruhen auf den folgenden Grundsätzen:

Nationale REDD-Strategien, die Teilhabe an und das Bekenntnis zu REDD in den Entwicklungsländern sind Bedingungen für den Erfolg und sollten das Fundament unserer Bemühungen darstellen. Diese Strategien sollten transparent und gerecht konzipiert und umgesetzt werden und relevante Interessensgruppen einbeziehen, z.B. indigene Gemeinschaften, andere gesellschaftliche Gruppen und die Privatwirtschaft. Nationale Strategien sollten unter anderem die Entwicklung und Einrichtung von Systemen zur Messung, Berichterstattung und Überprüfung, die Analyse der Triebkräfte für die Entwaldung und Schädigung der Wälder, die Schätzung der Minderungskosten, die Anforderungen der nachhaltigen Entwicklung, den Schutz der biologischen Vielfalt, andere Zusatznutzen und den Aufbau grundlegender Kapazitäten berücksichtigen und die Aufteilung der Vorteile unter den Begünstigten regeln. Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder und zur Verbesserung der Kohlenstoffbestände der Wälder in Entwicklungsländern sollten dazu beitragen, die Verringerung von Emissionen aus der Entwaldung und der Schädigung der Wälder zu erreichen.

Zur Unterstützung von Bemühungen im Bereich REDD sollten transparente, gemeinschaftliche, ausgewogene und gesamtheitliche institutionelle Regelungen entwickelt werden. Die internationale Unterstützung für Länder, die REDD-Anstrengungen unternehmen möchten, sollte so weit wie möglich von Zusammenarbeit und Effektivität geprägt sein. Eine enge Kooperation sollte die Interaktion zwischen Empfängerländern, Geldgebern, internationalen Einrichtungen wie der Weltbank und dem UN REDD-Programm sowie anderen relevanten Gruppen vereinfachen und rationalisieren. Sowohl REDD- als auch Geberländer sollten kohärente und abgestimmte Maßnahmen ergreifen, um durch geeignete multilaterale und bilaterale Kanäle eng zusammenzuarbeiten.

Die Finanzströme zur Unterstützung von REDD-Bemühungen müssen angemessen, berechenbar und nachhaltig sowie ergebnisorientiert sein, wobei die entwickelten Länder wesentliche Beiträge leisten. Maßnahmen zur Vorbereitung auf REDD und der allgemeine Kapazitätsaufbau werden bereits in erheblichem Umfang von entwickelten Ländern finanziert. Die Geberländer unter uns stehen ebenfalls bereit, diejenigen REDD-Länder zu unterstützen, die schnell dazu übergehen können, ihre Ergebnisse in messbarer und überprüfbarer Form vorzulegen. REDD als Teil eines zukünftigen Verhandlungsergebnisses sollte die Mobilisierung von Finanzmitteln und deren Verteilung an diejenigen Entwicklungsländer ermöglichen, die bereit und in der Lage sind – messbar, berichtspflichtig und überprüfbar – zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, die Emissionen aus der Entwaldung oder Schädigung der Wälder verringern oder die Kohlenstoffvorräte der Wälder erhalten oder verbessern.

Ein verlässlicher Rahmen für die Messung, Berichterstattung und Überprüfung ist unabdingbar für die Integrität und Glaubwürdigkeit der REDD-Bemühungen im Allgemeinen und REDD als Teil des Ergebnisses von Kopenhagen im Besonderen. Die Einrichtung nationaler Systeme, die für eine unabhängige Überprüfung offen sind, hat Priorität.

Die Einigung auf ein ambitioniertes Ergebnis in Kopenhagen mit REDD als wichtiger Säule ist von grundlegender Bedeutung. Wir laden alle engagierten Länder ein, sich uns in unseren frühzeitigen Anstrengungen anzuschließen, und in unserem Bemühen, die Aufnahme von REDD in die Vereinbarung von 2009 sicherzustellen.