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Stand: 07.12.2009


  • Titel: Klimaschutz und Wirtschaftswachstum - zwei Seiten der gleichen Medaille

  • Redner/in: Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender Siemens AG
  • Anlass: Pressekonferenz des BMU zum Klimaschutzdialog Wirtschaft und Politik
  • Datum/Ort: 04.12.2009, Berlin

- es gilt das gesprochene Wort -

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum - zwei Seiten der gleichen Medaille

Im Rahmen der Presseveranstaltung der BDI-Klima-Initiative hat die deutsche Industrie ihre Erwartungen an ein globales Klimaschutzabkommen in Kopenhagen im Berliner Appell zusammengefasst. Dieser Aufruf verdeutlicht vor allem eins: Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, das sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

Wenn wir jetzt in Klimaschutz investieren, schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe: Wir erschließen erstens neue Wachstumsmärkte und sichern Arbeitsplätze. Wir erhöhen zweitens die Effizienz unserer Energie-Infrastrukturen, senken dadurch langfristig unsere Energiekosten und erhöhen damit unsere Wettbewerbsfähigkeit. Und wir leisten drittens unseren Beitrag, den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten.

Erstens: Wachstumsmärkte

Die Weltgemeinschaft muss auf einen Pfad einschwenken, den der deutsche Bundespräsident Horst Köhler in seiner 4. Berliner Rede als "grüne, industrielle Revolution" bezeichnet hat. Diese Revolution kann Deutschland anführen. Denn mit einem Weltmarktanteil von 16 Prozent bei "grünen" Produkten sind wir schon heute die Nummer eins. Roland Berger hat im Frühjahr eine Studie veröffentlich, wonach der Markt für Umwelttechnologien stetig wächst und in 10 Jahren bei rund 3.000 Milliarden Euro liegt. Damit könnten die Umwelttechnologien eine neue deutsche Leitindustrie werden. In Deutschlands "grüner" Ökonomie arbeiten schon heute mehr als eine Million Menschen. Diese Zahl könnte sich laut Roland Berger bis 2020 verdoppeln.

Allein bei Siemens beschäftigen wir in diesem Segment rund 100.000 Mitarbeiter weltweit - Tendenz steigend! Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir "grüne" Produkte für insgesamt 23 Milliarden Euro verkauft. Das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat dieses Segment unseren Umsatz in der Krise stabilisiert.

Zweitens: Effizienz der Energie-Infrastruktur in Deutschland.

Wir sind da schon recht gut! Keine Industrienation ist so sparsam im Umgang mit Energie und hat gleichzeitig eine so hohe Wirtschaftsleistung wie Deutschland. Gelänge es, die Energie in den USA und China so effizient wie in Deutschland einzusetzen, dann würde sich der weltweite Energieverbrauch sofort um 21 Prozent und der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen um 25 Prozent verringern!

Doch auch in Deutschland sind die Einsparmöglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft: Laut McKinsey kann Deutschland in den kommenden 10 Jahren durch die Verwendung von heute verfügbaren Technologien etwa ein Viertel seines Energieverbrauchs einsparen. Dadurch verringern sich die Energiekosten für Deutschland um rund 53 Milliarden Euro und die CO2-Emissionen um rund 200 Millionen Tonnen.

Das heißt, die technischen Lösungen sind da, aber wir müssen sie stärker nutzen! Der wichtigste Lösungsansatz dabei ist die Steigerung der Energie-Effizienz. Für energieeffiziente Technologien drei Beispiele von Siemens:

Erstens: Wir entwickeln und fertigen hier in Berlin die effizienteste Gasturbine der Welt. Es gibt keine Turbine, die im Kombibetrieb aus dem eingesetzten Erdgas mehr elektrische Energie erzeugt, als unsere. Dadurch spart sie pro Jahr 40.000 Tonnen CO2 - das entspricht den Emissionen von 9.500 Mittelklasse-Pkw, die pro Jahr 20.000 Kilometer fahren. Diese Turbine ist ein Riesenerfolg bei unseren Kunden. Dadurch sichern wir fast 3.000 Arbeitsplätze im Turbinenwerk.

Zweitens: Wenn wir in Deutschland mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie Windenergie, nutzen wollen, dann muss diese Energie möglichst verlustarm dahin kommen, wo sie gebraucht wird. Die Schlüsseltechnologie, durch die elektrische Energie verlustarm über weite Strecken übertragen wird, ist die sogenannte Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ). Eine Kernkomponente einer solchen Übertragungsleitung ist ein HGÜ-Transformator. Der derzeit leistungsstärkste Transformator im Markt trägt den Namen Siemens.

Drittens: Sie alle kennen die Energiesparlampen von Osram, mit denen sich bis zu 80 Prozent Strom einsparen lassen - das rechnet sich für den Geldbeutel und vor allem für die Umwelt:
Würden in Deutschland alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt, so könnte man die Leistung von zwei Kraftwerken und sechs Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Drittens: Unser Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt

Siemens verfügt über das größte Umweltportfolio der Welt. Durch den Einsatz unserer Produkte haben unsere Kunden im vergangenen Jahr 210 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht etwa den Emissionen von New York, Tokio, London, Berlin und Rom zusammen.

Klimapolitik ist Wirtschaftspolitik

Klimapolitik und Wirtschaftspolitik müssen zusammen gesehen und in Kopenhagen berücksichtigt werden. Daher brauchen wir ein tragfähiges Weltklima-Abkommen, in dem sich die Interessen sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer angemessen wiederfinden. Wir müssen weiter die Innovationskraft der deutschen Industrie erhalten, damit die "grüne Revolution" weiter vorangetrieben wird. Und dafür brauchen wir einen wirksamen Schutz des geistigen Eigentums. Darüber hinaus müssen wir Investitionsanreize schaffen, zum Beispiel durch Leitmärkte - und wir müssen den unternehmerischen sowie technischen Spielraum gewähren, damit sich auch wirklich die beste Klima- und Umwelttechnologie durchsetzt.

In wenigen Tagen beginnt die Klimaschutz-Konferenz in Kopenhagen. Trotz allgemeiner Skepsis gibt es Grund zum Optimismus, dass es in Kopenhagen substanzielle Fortschritte in Richtung eines fairen, vernünftigen und globalen Klimaschutz-Abkommens geben wird. Und sicher wird die deutsche Delegation viel zu diesen Fortschritten beitragen.


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