Stand: 07.12.2009
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Titel: Klimaschutz als Motor für Innovationen und Wettbewerb
- Redner/in: Dr. Martin Viessmann, geschäftsführender Gesellschafter der Viessmann Werke
- Anlass: Pressekonferenz des BMU zum Klimaschutzdialog Wirtschaft und Politik
- Datum/Ort: 04.12.2009, Berlin
- es gilt das gesprochene Wort -
Zunächst möchte ich Ihnen zum besseren Verständnis ganz kurz einige Informa tionen über mein Unternehmen geben. Die Viessmann Unternehmensgruppe ist einer der international führenden Heiztechnikhersteller. Das Unternehmen wird von mir in dritter Generation geführt. Mit 8.600 Mitarbeitern haben wir im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Unser wichtigster Erfolgsfaktor ist ein Komplettprogramm mit Heizsystemen für alle Energieträger. Das heißt, für Öl, Gas, Biomasse, Solarenergie sowie Erd- und Umgebungswärme, die mit Wärmepumpen genutzt wird. Das Komplettprogramm deckt auch alle Anwendungsbereiche ab, das heißt, vom Einfamilienhaus über große Wohngebäude und gewerbliche Objekte bis hin zu Nahwärmenetzen.
25 Prozent unseres Umsatzes entfallen bereits heute auf regenerative, der Rest auf energieeffiziente Heizsysteme. Nachhaltigkeit, das heißt die Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg mit der Schonung der Umwelt und mit sozialer Verantwortung ist schon seit jeher in unserer Unternehmensphilosophie fest verankert. Bereits in Folge der Energiekrisen der 1970er-Jahre haben wir ein integriertes Umweltmanagement implementiert und uns intensiv mit den Themen Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energieträger sowie der Reduzierung von Schadstoffemissionen beschäftigt. Als zweites deutsches Unternehmen sind wir mit allen Standorten nach dem Öko-Audit EMAS zertifiziert worden. Wir sind Gründungsmitglied der Umweltallianz Hessen und ganz aktuell auch der Klimaschutzgruppe der Deutschen Wirtschaft. Unser Umweltmanagement wurde mit zahlreichen Auszeichnungen versehen, z.B. mit dem ASU-Preis für umweltbewusste Unternehmensführung, mit dem Europäischen Umweltpreis für schadstoffarme Verbrennungstechnik und erst vor einigen Wochen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Deutschlands nachhaltigste Produktion. Soweit zum Unternehmen Viessmann.
Wenn heute in Deutschland über Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien diskutiert wird, steht meist die Stromerzeugung oder die Mobilität im Mittelpunkt. Das gilt auch für die aktuelle RECIPE-Studie (Report on Energy and Climate Policy in Europe) des WWF, der Allianz und des Potsdam-Instituts.
Größter Energieverbraucher in Europa ist jedoch die Gebäudebeheizung einschließlich Warmwasserbereitung. So entfallen in Deutschland auf den sogenannten Wärmemarkt 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. In Deutschland sind 17,5 Millionen Heizungsanlagen installiert. Davon aber befinden sich aus energetischer Sicht weniger als 20 Prozent auf dem Stand der Technik. Die Übrigen sind überaltert und ineffizient. Im Durchschnitt werden Heizungsanlagen erst nach mehr als 25 Jahren modernisiert. Nur etwa 500.000 Anlagen, das sind vier Prozent des Bestandes, werden jährlich saniert. Die Sanierungsrate von Anlagentechnik und auch der Gebäudehülle müsste verdoppelt werden, um den Gebäudebestand bis 2020 komplett auf einen energetisch akzeptablen Stand zu bringen. Im Ergebnis würde der Verbrauch fossiler Energie im Wärmemarkt sowie die damit verbundene CO2-Emission um ein Drittel reduziert werden. Das entspricht etwa 12 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs, was mehr als der Hälfte der von der Bundesregierung insgesamt vorgegebenen Reduzierung um 20 Prozent entspricht. Die dazu benötigte Technik ist marktverfügbar und ihr Einsatz ist wirtschaftlich. Der Investitionsaufwand amortisiert sich durch die erzielte Energiekosteneinsparung.
Trotzdem ist die Sanierung bisher nicht ausreichend in Gang gekommen. Wir sehen die Gefahr, an der Herausforderung des Klimawandels und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Energieversorgung zu scheitern, wenn weiterhin mehr diskutiert als gehandelt wird. Vor allem muss die Politik trotz Finanzkrise an Ihren Klimaschutzzielen festhalten. Denn der Klimawandel wird uns noch beschäftigen, wenn die Finanzkrise längst überwunden ist. Allerdings darf die Klimapolitik nicht zur Verzerrung des internationalen Wettbewerbs führen. Wenn zum Beispiel der Emissionshandel nicht weltweit gilt, werden energieintensive Industrien nur noch in Verweigerer-Ländern wettbewerbsfähig sein.
Mit unserem Nachhaltigkeitsprojekt "Effizienz Plus" wollen wir am Beispiel unseres Stammsitzes Allendorf (Eder) zeigen, wie man wirtschaftliches Handeln mit Ressourceneffizienz und Klimaschutz sowie sozialer Verantwortung in Einklang bringen und die energie- und klimapolitischen Ziele für 2020 schon heute erreichen kann. Durch konsequente Steigerung der Energieeffizienz und die teilweise Substitution fossiler durch erneuerbare Energie sparen wir 40 Prozent fossile Energie und 30 Prozent CO2-Emissionen ein. Als erneuerbaren Energieträger nutzen wir vor allem Biomasse. Wir setzen nicht nur Hackschnitzel und Pellets ein, sondern auch Biogas. Hackschnitzel produzieren wir auf eigenen Kurzumtriebsplantagen selbst, Biogas erzeugen wir aus Abfällen aus Landwirtschaft und Landschaftspflege. Darüber hinaus konnten wir durch die Einführung von "Lean Production" die Arbeitseffizienz um 10-20 Prozent steigern. Nicht zuletzt haben wir bei der Materialeffizienz erhebliche Fortschritte gemacht. Durch konstruktive Maßnahmen, das Schließen von Stoffkreisläufen und konsequente Wiederverwertung wurde sowohl der Stahlverbrauch als auch der Wasserverbrauch um jeweils etwa die Hälfte reduziert. So dient unser Nachhaltigkeitsprojekt "Effizienz Plus" nicht nur dem Klimaschutz und der Ressourceneffizienz, sondern es erhöht auch unsere Wettbewerbsfähigkeit und sichert Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region, wo wir mit Abstand der größte Arbeitgeber sind. Betonen möchte ich, dass die durchgeführten Maßnahmen wirtschaftlich sind. Sie amortisieren sich innerhalb von acht Jahren.
Resümierend möchte ich feststellen, dass nachhaltiges Wirtschaften keine altruistischen Motive erfordert. Im Gegenteil, von der Nachhaltigkeit profitieren nicht nur Klima und Umwelt, sondern gleichermaßen auch Wirtschaft und Gesellschaft und nicht zuletzt als direkt Betroffene die Anlagenbetreiber durch Kosteneinsparung.
Ich hoffe, dass die Politik sich weltweit zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz bekennt und dass in Kopenhagen eindeutige Ziele und konkrete Maßnahmen verbindlich vereinbart werden.
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Weitere Informationen:
Kontakt:
- Viessmann Werke
Manfred Geis
Tel. 06452-70-2360
E-Mail:
gsm@viessmann.com




