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Stand: August 2009


G8 - Die Gruppe der Acht

Aus Stärke folgt Verantwortung. Gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, das ist das Ziel der Gruppe der Acht (G8). Ihr gehören die Vereinigten Staaten von Amerika, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada sowie seit 1998 Russland an. Seit 1977 entsendet zudem auch die EU-Kommission eine eigene Delegation zu den G8-Treffen. Die 1975 auf Schloss Rambouillet erstmals als G6 zusammengetretene Runde vereinigt damit die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands. Ihrem Status nach ist die G8 keine internationale Organisation mit eigenen Organen oder einem permanenten Sekretariat, sondern eine (ursprünglich) rein informelle Gesprächsrunde, in der Fragen der Weltwirtschaft und Außenpolitik im kleinen Kreise erörtert werden sollten. Den Charakter eines reinen Kamingesprächs hat die G8 inzwischen jedoch weit hinter sich gelassen. Mittlerweile finden im Rahmen der G8 ganzjährig Treffen auf verschiedensten Ebenen statt, in denen die Mitgliedstaaten gemeinsame Positionen auf einer Vielzahl von Politikfeldern abstimmen. Neben dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs gehören dabei vor allem die Treffen der jeweiligen Fachminister zum Kernbestand der Kooperation im Rahmen der G8. Der Vorsitz der G8 wechselt jährlich unter den Mitgliedern.

Die G8-Aktivitäten in der Umweltpolitik

Die Umwelt hat schon seit Langem einen festen Platz auf der Politikagenda der G8. Dabei standen immer wieder aktuelle Fragestellungen wie etwa zu Klimaschutz, Biodiversität, Schutz der Wälder, Bekämpfung der Umweltkriminalität und Schutz der Weltmeere, vor allem aber wirtschaftsrelevante Themen im Mittelpunkt. Neben dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs treffen sich zudem die Umweltminister der G8 seit der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, die im Jahr 1992 in Rio de Janeiro stattfand, jeweils im Vorfeld des jährlichen G8-Gipfels, um über zentrale umweltpolitische Themen zu beraten. Meilensteine der G8-Umweltpolitik waren dabei die in Genua 2001 beschlossene und in der Folgezeit erfolgreich ergriffene Initiative, das Thema Handel und Umwelt als ein Schlüsselthema der Welthandelsrunde in Doha zu verankern. Das Thema Klimaschutz bildete erstmals einen Schwerpunkt des G8-Gipfels 2005 im schottischen Gleneagles. Als Ergebnis wurde der Aktionsplan "Klimawandel, saubere Energie und nachhaltige Entwicklung" von den Staats- und Regierungschefs beraten. Ferner wurde ein kontinuierlicher Dialog der Energie- und Umweltminister der 20 größten Energieverbraucherländer und der Internationalen Energieagentur ins Leben gerufen (sog. Gleneagles-Dialog).

Das 2007 von den USA initiierte Format des "Major Economies Meeting", das sich inhaltlich auf die Themen Energiesicherheit und Klimawandel konzentriert, hat sich als für die internationale Klimapolitik bedeutendes, den G8-Prozess ergänzendes Treffen erwiesen. Teilnehmer sind die 16 großen Volkswirtschaften, die gleichzeitig die weltweit größten Emittenten von Treibhausgasemissionen darstellen (G8-Staaten, China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Australien, Indonesien und Süd-Korea). Das Gipfeltreffen der "Major Economies" fand am 9. Juli 2009 im Rahmen des G8-Gipfels in L'Aquila, Italien statt und endete mit einer gemeinsamen Erklärung zu Klimawandel und Energiesicherheit (PDF-Dokument, 98 KByte).

Ergebnisse des G8-Gipfel 2009

G8 und Schwellenländer verständigen sich erstmals auf 2 Grad Ziel

Der G8-Gipfel fand vom 8. bis zum 10. Juli 2009 in der vom Erdbeben betroffenen Stadt L'Aquila (Italien) statt. Schwerpunkte des diesjährigen Gipfeltreffens waren die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, der Klimawandel und eine verstärkte Zusammenarbeit der Industrieländer mit Afrika und den Schwellenländern. Am zweiten Tag des G8-Gipfels kam zudem das Major Economies Forum on Energy and Climate (MEF) zusammen, um über neue Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels zu beraten. Das Major Economies Forum umfasst die sechzehn größten Volkswirtschafen der Welt, d.h. die G8-Staaten, sowie China, Indien, Mexiko, Südafrika, Brasilien, Südkorea, Australien und Indonesien. Die MEF-Staaten produzieren rund 80 Prozent der jährlich global emittierten Treibhausgase. Daneben nahm Dänemark als Ausrichter der kommenden UN-Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009 sowie Schweden, in Funktion der EU-Ratspräsidentschaft an dem MEF-Treffen teil.

Die konkreten Ergebnisse im Einzelnen:

Klimaschutz

Als großer Fortschritt gilt, dass sich sowohl die G8-Staaten also auch die wichtigsten Schwellenländer darauf geeinigt haben den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf höchstens 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen (sog. 2°C-Ziel).

Die G8-Partner bekannten sich zu ihrer Vorreiterrolle beim Klimaschutz und verständigten sich darauf, die Treibhausgasemissionen in den Industrieländern bis 2050 um 80% oder mehr zu reduzieren. Hinsichtlich dieses Langfristziels der Industrieländer nennt die G8-Erklärung (PDF-Dokument, 374 KByte, in englischer Sprache) "1990 oder ein späteres Jahr" als Basisjahr, wobei allerdings die Vergleichbarkeit der Anstrengungen gegeben sein muss.

Das globale Langfristziel einer Treibhausgas-Reduktion von mindestens 50% bis 2050 wurde von den G8 bestätigt und gestärkt, ein Basisjahr wurde jedoch nicht benannt.

Im Major Economies Forum wurde mit den wichtigen Schwellenländern vereinbart, gemeinsam bis Kopenhagen an der Identifizierung eines globalen Langfristzieles bis 2050 zu arbeiten. Im Rahmen des Major Economies Forum erklärten sich auch die Schwellenländer bereit, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um eine bedeutende ("meaningful") Abweichung vom "Business-as-usual"-Emissionspfad zu erreichen. Dabei sollen sie in finanzieller und technologischer Hinsicht unterstützt werden.

Das Konzept des sog. Peaking (Scheitelpunkt der globalen Treibhausgasemissionen) wurde in der G8- und in der MEF-Erklärung festgeschrieben. Ein konkretes Peak-Jahr wurde noch nicht vereinbart, jedoch bestand Einigkeit, dass der Peak so früh wie möglich erfolgen müsse.

Die G8 erklärten ihre Bereitschaft, zur Finanzierung des weltweiten Klimaschutzes ihren fairen Anteil ("fair share"“) beizutragen, und setzten sich für die Entwicklung und Umsetzung eines effektiven Finanzierungsmechanismus für ein Post-2012-Regime ein. Dabei sollen sich alle Länder (mit Ausnahme der am wenigsten entwickelten) an der Finanzierung des weltweiten Klimaschutzes entsprechend zu erarbeitender Kriterien beteiligen.

Auf dem Gipfeltreffen wurde außerdem vereinbart eine Ausweitung des Kohlenstoffmarkes weiter voranzutreiben. Das Ziel: Eine Verbindung der nationalen und subnationalen Emissionshandelssysteme um so einen globalen Kohlenstoffmarkt zu schaffen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer sollen in diesem Prozess einbezogen werden.

Biodiversität

Die G-8 Staaten bekräftigten ihr Ziel, den weltweiten Verlust der Biodiversität bis 2010 signifikant zu senken. Die Staats- und Regierungschefs erkannten darüber hinaus die Notwendigkeit, eine "Vision" zum Biodiversitätserhalt für die Zeit nach 2010 zu entwickeln. Die Gipfelerklärung sieht zudem eine Unterstützung der 2007 in Heiligendamm verabschiedeten Potsdam-Initiative für Biodiversität (PDF-Dokument, 31 KByte) vor und betont die darin enthaltene TEEB-Studie (PDF-Dokument, 8,16 MB, in englischer Sprache) (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) die den ökonomischen Wert von Biodiversität untersucht.