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Stand: Mai 2007


Gewässerstruktur

Die Gewässerstruktur wird bestimmt durch verschiedene Nutzungsansprüche (z.B. Schifffahrt, Wasserkraft, Hochwasserschutz), die sich negativ auf die Gewässerbeschaffenheit auswirken, indem sie die natürliche Vielgestaltigkeit der Lebensräume und die Dynamik der Wasserführung vereinheitlichen, die Durchgängigkeit des Fließgewässers unterbrechen (Wehre, Staustufen) und die Einheit von Fluss und Aue zerstören. Damit tritt u.a. eine Verarmung des ursprünglichen Artenbestandes sowie eine Verschiebung des Artenspektrums ein.

Neben der Wasserqualität werden auch die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere in und an den Bächen und Flüssen von der Struktur des Gewässers, vom Gewässerbett und der Aue bestimmt. Verbauung, Begradigungen, die Beseitigung von Röhricht und Ufergehölzen und die Nutzung der Auen bis unmittelbar an den Gewässerrand verändern die natürliche Struktur eines Gewässers erheblich.

Alle größeren Flüsse in Deutschland wurden in der Vergangenheit mehr oder weniger stark ausgebaut. Der Rhein ist dafür ein herausragendes Beispiel. Wie die jüngere Entwicklung am Rhein gezeigt hat, lässt sich mit einer Verbesserung der Gewässerqualität u.a. auch die Artenvielfalt deutlich erhöhen. Heute sind deutliche Erfolge sichtbar: Aus dem Rhein kann wieder Wasser für die Trinkwasseraufbereitung genutzt werden und die ersten Lachse schwimmen wieder 700 km flussaufwärts.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (ISKR) hat mit dem Übereinkommen zum Schutz des Rheins von 1999, das Deutschland ratifiziert hat, die bestehende Zusammenarbeit weiter entwickelt. So z.B. den Biotopverbund, der die ökologische Durchgängigkeit des Flusskorridors vom Bodensee bis zur Nordsee wiederherstellen soll. Bereits im Rahmen vorangehender Programme wurde an der Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Flusses gearbeitet, wie beim Programm "Lachs 2000", welches u.a. mit der Inbetriebnahme der neuen Fischaufstiegsanlage in der Stauhaltung Iffezheim erfolgreich war.

Die Donau ist bis auf eine Strecke von ca. 70 km zwischen Straubing und Vilshofen durchgehend staureguliert. Der weitere Ausbau dieser restlich frei fließenden Strecke ist umstritten. Bei Stauregulierung wären u.a. die Isarmündungsauen, das letzte noch erhaltene Auwaldgebiet im deutschen Abschnitt betroffen.

Die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) befasst sich u.a. mit Fragen der Ökologie des europäischen Flussgebietes Donau, das sich seit dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens am 1. Januar 2007 bis zur Mündung der Donau in das Schwarze Meer erstreckt.

Im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) wurden ebenfalls Vorschläge zur Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Zustandes der Oder entwickelt. Die Absicht, die einzigartigen Auenlandschaften an ihrem Unterlauf zwischen Schwedt und Szczecin über die Errichtung eines deutsch-polnischen Nationalparks "Untere Oder" unter Schutz zu stellen, wurden bisher auf deutscher Seite im Bereich von Schwedt durch das Land Brandenburg realisiert. Auf polnischer Seite befindet sich ein Landschaftsschutzpark.

Die im Dezember 2002 erstmals von der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt erstellte Gewässerstrukturkarte gibt einen umfassenden Überblick über die von Menschenhand vorgenommenen Eingriffe in die Gewässer in Deutschland. Es wurden insgesamt 33 000 Kilometer Fließgewässer (ausgenommen künstlich angelegte) untersucht und bewertet. Die Ergebnisse wurden in 7 Stufen - von Klasse 1 (unverändert) bis Klasse 7 (vollständig verändert) - dargestellt (siehe Grafik "Verteilung der bewerteten Gewässerstrecken (ca. 33.000 km) auf Strukturklassen 2001" (GIF, 25KB). Zu den Ursachen für eine naturferne Gewässerstruktur gehören vor allem die vielfältigen Nutzungen der Gewässer und der Flussauen, u.a. durch Deichbauten, Ausbau für die Schifffahrt, Querbauwerke zur Abflussregulierung und Gewässeraufstaumaßnahmen zur Energiegewinnung. Die Gewässerstrukturkarte ist eine wichtige Arbeitshilfe, um die Fließgewässerstruktur weiter zu verbessern und die Vorgaben der am 22. Dezember 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL 2000/60/EG) zu erfüllen. Bis 2015 sollen die Fließgewässer in den Mitgliedsstaaten insgesamt einen guten ökologischen Zustand erreichen.

Unveränderte (Klasse 1) bis mäßig veränderte (Klasse 3) Bach- und Flussabschnitte finden sich noch im Alpen- und Voralpengebiet, in den Granit- und Gneislandschaften des Bayerischen Waldes, in den Oberlaufabschnitten der Mittelgebirge, in den Heidelandschaften der norddeutschen Tiefebene und den eiszeitgeprägten Landschaften in Mecklenburg-Vorpommern. In diesen Landschaftsräumen sind die naturräumlichen Voraussetzungen wie Boden und Klima oder auch das Relief zum Teil so beschaffen, dass der Gewässerausbau der gewässerbegleitenden Flächen weitgehend unterblieben ist.

Weitere Informationen:

  • Gewässerstrukturkarte Deutschland 2001 (GIF, 318KB; Quelle: Umweltbundesamt, Daten der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser 2002 - UBA/LAWA, Gewässergüteatlas der Bundesrepublik Deutschland, Gewässerstruktur in der Bundesrepublik Deutschland 2001, Hannover 2002)
  • Tabelle Gewässerstrukturklassen (JPEG, 147KB; Quelle: Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) – Gewässergüteatlas der Bundesrepublik Deutschland, Gewässerstruktur in der Bundesrepublik Deutschland 2001, Hannover 2002)
  • Prozentuale Verteilung der Strukturklassen an den großen Flüssen Deutschlands (GIF, 31KB; Quelle: Umweltbundesamt, Daten der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser 2002 - UBA/LAWA, Gewässergüteatlas der Bundesrepublik Deutschland, Gewässerstruktur in der Bundesrepublik Deutschland 2001, Hannover 2002)
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