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Stand: 01.09.2002

Untersuchungen zum Vorkommen von Fliegen und Gerüchen bei der Bioabfallsammlung

Ergebnisse eines abgeschlossenen Forschungsvorhabens

Die abfallwirtschaftlich sinnvolle Maßnahme der getrennten Erfassung und Behandlung von Bioabfällen steht zuweilen vornehmlich in den Sommermonaten in der Diskussion, da insbesondere die Geruchsbelästigung und das Auftreten von Fliegen und Maden als große Belästigung empfunden wird.

Im Rahmen eines aus Mitteln des Bundesumweltministeriums vom Umweltbundesamt geförderten Forschungsvorhabens wurden Untersuchungen zu den wesentlichen Einflussfaktoren auf Geruchsemissionen, Fliegenaufkommen und Madenbefall bei der Bioabfallsammlung und zu möglichen Minimierungsmaßnahmen durchgeführt.

Ergebnisse des Forschungsvorhabens

Aus den umfangreichen Versuchergebnissen lassen sich folgende wesentlichen Rückschlüsse ziehen:

Bioabfallzusammensetzung (Ausschluss von Fleisch und Fisch)

Eine Einflussnahme auf diese negativen Begleiterscheinungen ist über die Zusammensetzung des Bioabfalls möglich. Hauptverursacher für die Anlockung von Fliegen und die Madenentwicklung sind vor allem die Bestandteile Fleisch und Fisch, wobei das Aufkommen bei rohem Fleisch/Fisch größer ist als bei gekochten Erzeugnissen. Durch den Ausschluss von Fleisch und Fisch aus der Biotonne ließen sich diese Probleme nachweislich reduzieren. Die zusätzliche Herausnahme gekochter Speisereste bringt hierzu dagegen keine weitere Verbesserung, kann aber auf die Reduzierung des Salzgehaltes im Kompost ausgerichtet sein.

Bei Ausschluss aus der Biotonne müssen diese organischen Materialien über den Restmüll entsorgt werden. Dabei muss jedoch mit einer Verlagerung der Probleme auf die Restmülltonne gerechnet werden, wenn nicht entsprechende Maßnahmen, wie z.B. die Verwendung von Kunststofftüten, ergriffen werden.

Befüllung der Biotonne (Verwendung von Papier/bioabbaubaren Kunststofftüten)

Eine Verminderung der Geruchsentwicklung, des Fliegenaufkommens und Madenbefalls ist durch Verpacken der problematischen Materialien möglich. So können mit Einwickeln in Papier die Feuchtigkeit und damit in gewissem Rahmen die unangenehmen Begleiterscheinungen reduziert bzw. verzögert werden. Die Verwendung von Tüten aus bioabbaubarem Werkstoff (BAW) zur Vortrennung des Bioabfalls bereits im Haushalt führt ebenfalls zu einer Verringerung dieser Probleme. Beim Vergleich verschiedener Fabrikate zeigten sich jedoch große Unterschiede in der Wirksamkeit, wobei diesem Aspekt und den derzeit noch bestehenden Nachteilen (kostenintensiv, optisch nicht ausreichend von konventionellen Kunststofftüten unterscheidbar) im Rahmen dieses Vorhabens nur ansatzweise nachgegangen werden konnte.

Anmerkung des Bundesumweltministeriums zu diesem Forschungsvorhaben:

Ob bioabbaubare Kunststofftüten in die Biotonne eingefüllt werden dürfen, richtet sich nach den Bestimmungen (Abfallsatzung) des jeweiligen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers. Bioabbaubare Kunststofftüten zersetzen sich regelmäßig bei der Kompostierung (aerobe Bioabfallbehandlung), können aber bei der Vergärung (anaerobe Bioabfallbehandlung) Probleme bereiten.

Zugabe von Zusatzstoffen

Der Frage nach der Wirkung von Zusatzstoffen (Kalk, Gesteinsmehl, Enzym- oder Kräuter-Präparate) konnte im Rahmen dieses Vorhabens nur in Form erster Vorversuche nachgegangen werden. In Modellansätzen mit einer Extrembefüllung wurde die Wirkung dreier Produkte ausschließlich in bezug auf den Fliegenanflug getestet. Nur bei einem Zusatzstoff war eine Reduzierung der Anflugaktivität nachweisbar. Bei Verwendung von Zusatzstoffen ist jedoch zu bedenken, dass im Hinblick auf die anschließende - insbesondere landwirtschaftliche - Verwertung des Kompostes zusätzlich zugeführte Substanzen eingehend geprüft sein sollten.

Behältersystem für die Biotonne

Zur Bioabfallsammlung soll ein möglichst dicht schließender Behälter und keine unkontrolliert belüftete Biotonne verwendet werden. Damit wird die Anlockung wie auch die Zutrittsmöglichkeit von Fliegen verringert. Eine offene Belüftung verstärkte den Fliegen-anflug, während sich die damit angestrebte Geruchsminimierung nicht nachweisen ließ.Daher sollten die Behälterdeckel ständig geschlossen und der Behälterrand möglichst sauber gehalten werden. Die Wirksamkeit von speziellen Deckelkonstruktionen (Biofilterdeckel,Fliegengitter) konnte im Rahmen dieses Vorhabens nicht untersucht werden.

Standzeit der Biotonne (Abfuhrintervall)

Zur Frage der Standzeit der Biotonne/Intervall der Bioabfallabfuhr muss zwischen verschiedenen Arten von Bioabfällen unterschieden werden:

  • Bei strukturreichem Bioabfall aus Gebieten mit Ein- und Zweifamilienhausbebauung war kein Hinweis auf eine notwendige Verkürzung der Abfuhrintervalle von zwei Wochen auf eine Woche zu erkennen. Eine Erhöhung des Fliegen- und Madenaufkommens ließ sich bei zweiwöchiger Abfuhr nicht nachweisen. Lediglich beim Geruchspegel wurde tendenziell ein geringfügiger Anstieg mit zunehmender Standzeit registriert.
  • Bei strukturarmem Bioabfall aus der - vor allem verdichteten - Mehrfamilienhausbebauung, der bis zu 70 % aus Küchenabfällen besteht, wurde bei längerer Standzeit ein messbarer Geruchsanstieg und eine Zunahme der angelockten Fliegen festgestellt. Hier ließen sich somit - auch zur Förderung der Akzeptanz - die negativen Auswirkungen durch eine Verkürzung der Abfuhrintervalle verringern.
  • Bei organischen Gewerbeabfällen (z.B. Gastronomiebereich) sollten die Standzeiten der Biotonnen nicht über eine Woche hinausgehen.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es weder bei den untersuchten Parametern "Fliegenanflug" und "Madenaufkommen" noch zur "Geruchsentwicklung" Orientierungswerte zur Charakterisierung der Zumutbarkeit gibt. Ein gänzlicher Ausschluss unangenehmer Begleiterscheinungen dürfte beim Umgang mit Abfällen kaum zu realisieren sein. Das Ziel bei der Bioabfallerfassung sollte darin liegen, problematische Aspekte so weit wie möglich zu minimieren, um die Akzeptanz der Biotonne und damit die positiv zu bewertende getrennte Einsammlung und Verwertung von Bioabfällen aufrechtzuerhalten bzw. zu erhöhen. Welche konkreten Maßnahmen zur Bioabfallsammlung letztlich ergriffen werden sollten, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Handlungsempfehlungen

Für den Umgang mit der Biotonne sind z.T. bereits in der Vergangenheit Handlungsempfehlungen gegeben worden, die durch dieses Forschungsvorhaben für die Entsorgungsträger und die begleitende Öffentlichkeitsarbeit ergänzt und bestätigt werden können:

  • Prüfung der Einflussnahme im Hinblick auf den für die Biotonne zugelassenen Abfallartenkatalog.
  • Bereitstellung eines ausreichend großen Behältervolumens.
  • Einsatz von dicht schließenden Behältern zur Bioabfallsammlung.
  • Anpassung des Abfuhrrhythmus an die Art und Zusammensetzung der getrennt erfassten organischen Abfälle (Berücksichtigung der Bebauungs- und Gebietsstruktur).
  • Möglichst schattiger Außenstandplatz für die Biotonne.
  • Schließen des Behälterdeckels nach der Befüllung.
  • Einpacken von problematischen Bioabfällen (tierischer Herkunft, z.B. Fleisch, Wurst, Fisch) und auch nassen, geruchsintensiven Bioabfällen in Papier.
  • Zugabe von Strukturmaterial (z.B. Strauchgut, Zeitungspapier) zur Verhinderung von eintretenden Fäulnisprozessen bei nassen Bioabfällen.
  • Abdecken der letzten Füllschicht mit Strukturmaterial.
  • Auslegen des Vorsortiergefäßes (Bioabfalleimer im Haushalt) mit Papier.
  • Häufige Entleerung und Reinigung des Vorsortiergefäßes (mindestens alle 2-3 Tage).

Der Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben "Untersuchungen zum Vorkommen von Fliegen und Gerüchen bei der Bioabfallsammlung" kann in der Bibliothek des Umweltbundesamtes, Postfach 33 0022, 14191 Berlin, Fax 030/89 03 21 54, unter Angabe der Nummer UBA-FB 000212 ausgeliehen werden.

Die Veröffentlichung "Untersuchungen zum Vorkommen von Fliegen und Gerüchen bei der Bioabfallsammlung" ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 49/01 erschienen und kann gegen eine Schutzgebühr von 10,26 € (Vorauszahlung) bei der Fa. Werbung und Vertrieb, Ahornstr. 1-2, 10787 Berlin, Fax 030/2181379 (Konto-Nr. 432 765-104, Postbank Berlin, BLZ 100 100 10) bezogen werden.

Die Kurzfassung des Abschlussberichts kann auf Deutsch und Englisch im auf der Homepage des Umweltbundesamtes www.umweltbundesamt.de (Rubrik Veröffentlichungen) aufgerufen werden.