Der Petersberger Prozess ist eine gemeinsam von der Bundesregierung (BMZ, BMU und AA) und der Weltbank ins Leben gerufene Reihe von hochrangigen und informellen Dialogveranstaltungen zu grenzüberschreitendem Wassermanagement zwischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Vertretern aus der internationalen Geber- und Zivilgesellschaft sowie internationalen Organisationen. Dieser Politik-Austausch zwischen den verschiedenen Interessengruppen an grenzüberschreitenden Gewässern soll einen Beitrag zu nachhaltiger Nutzengenerierung an grenzüberschreitenden Gewässern leisten.
Die Petersberger Runden Tische bieten die Möglichkeit für einen informellen Politikdialog und internationalen Erfahrungsaustausch auf hoher politischer Ebene mit dem Ziel, das Bewusstsein für die wachsende Konkurrenz um die knapper werdenden Wasserressourcen zu stärken; Strategien für eine institutionalisierte gemeinsame Nutzung grenzüberschreitender Wasserressourcen zu entwickeln sowie das Verständnis von Wasser als Katalysator für Kooperationen und gegenseitigen Nutzen zu fördern.
Bisher haben sechs Petersberger Runde Tische stattgefunden:
Die ersten vier Runden Tische trugen gleichfalls zur Vorbereitung der Internationalen Süßwasserkonferenz 2001 in Bonn bei, welche einen bedeutenden Schritt hin zur Definition der Wasseragenda für den Johannesburg Gipfel darstellte.
In 2005 begann die Phase II des Petersberg Processes, welche sich schwerpunktmäßig auf Afrika und Südosteuropa konzentriert. Die in dieser zweiten Phase vorgesehenen Maßnahmen in Südosteuropa stehen in engem Zusammenhang mit dem Prozess der Athens Declaration, welche während der griechischen EU-Präsidentschaft 2003 gemeinsam mit der Weltbank initiiert wurde, und den Schwerpunkt auf die Förderung einer nachhaltigen grenzüberschreitenden Bewirtschaftung von Wasserressourcen in Südosteuropa und dem Mittelmeerraum legt. Die Aktivitäten im Rahmen des Petersberg Prozesses II/Athens Declaration werden gemeinsam vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dem griechischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Umwelt sowie der Weltbank und Global Water Partnership Mediteranean geleitet und durch IW Learn Programm der Global Environmental Facility unterstützt. Die in der zweiten Phase in Südosteuropa vorgesehenen Maßnahmen ergänzen den Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess der Europäischen Union (EU) und die Mittelmeerkomponente der EU-Wasserinitiative.
Vom 05. bis 07. Dezember 2005 fand in Berlin die von BMU in Zusammenarbeit mit der Weltbank organisierte Veranstaltung zu grenzüberschreitendem Wassermanagement in Süd-Ost-Europa statt. Die Veranstaltung war als Auftakt für die zweite Phase des Petersberg-Prozesses konzipiert. Es haben mehr als 60 Vertreter aus den Staaten der Region sowie internationaler Organisationen teilgenommen. Die Teilnehmer kamen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo unter der Verwaltung der Vereinten Nationen, Kroatien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Türkei und Ungarn.
An internationalen Organisationen waren u. a. Weltbank, GEF, GWP, UNDP, UNEP, Europäische Kommission, UNECE, UNESCO vertreten, die allesamt in der Region aktiv sind.
Ziel der Veranstaltung war, Ansätze und Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit beim Management grenzüberschreitender Wasserressourcen (Flüsse, Seen und Grundwasser) in Süd-Ost-Europa zu identifizieren.
Die zahlreichen grenzüberschreitenden Flüsse, Seen und Grundwasserkörper in Südost-Europa bieten kurz-, mittel- und langfristig beachtliche Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit bei der Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Themenbereiche für eine Zusammenarbeit sind u. a. die Wassermenge, die Wasserqualität, die Schiffbarkeit, die Erzeugung von Wasserkraft, der Hochwasserschutz, die Erhaltung der natürlichen Lebensräume und die Artenvielfalt.
Inhaltlich lag der Fokus der Veranstaltung auf den folgenden drei sich ergänzenden Schwerpunkten:
Die Teilnehmer der Veranstaltung in Berlin waren sich einig, dass der Europäische Integrationsprozess - und damit einhergehend die zunehmende Annäherung lokaler und nationaler Interessen - eine Basis für stärkere Anstrengungen im Management grenzüberschreitender Wasserressourcen bietet. Die zunehmende Ausrichtung der Wasserpolitik in den südosteuropäischen Staaten auf die Anwendung des EU-Wasserrechts und insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie schafft eine gemeinsame Bezugsbasis. Dies ist um so wichtiger, da es in Süd-Ost-Europa nur internationale Wassereinzugsgebiete gibt und kein einziges rein nationales. Dabei soll die Zusammenarbeit nicht nur zur Verbesserung der Umweltqualität von Flüssen, Seen und Grundwasser beitragen, sondern auch zur stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.
In der Veranstaltung wurden insbesondere folgende Empfehlungen erarbeitet:
Bisher haben 5 Regionale Runde Tische zu den bei der Auftaktveranstaltung in Berlin identifizierten Themen stattgefunden:
Die Regionalen Runden Tische wurden durch eine Serie von zielgerichteten Workshops ergänzt. Diese bildeten eine Plattform sowohl für den Austausch unter den Fachexperten als auch für Capacity Building.
Der mit dem "Roundtable" begonnene Politikdialog und fachliche Austausch sowie die Abstimmung mit anderen in der Region aktiven Gebern und Institutionen soll mit dem Ziel einer Bündelung von Aktivitäten und eines weiteren Ausbaus länder- und wassereinzugs-gebietsübergreifender Netzwerke fortgeführt werden. Bei den Folgeaktivitäten sollen die Themen Management grenzüberschreitender Seen und ihrer Einzugsgebiete, Management grenzüberschreitender Grundwasserleiter sowie Aspekte des Flussgebietsmanagements im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (Einbindung der Öffentlichkeit, Ausgleich mit Gewässernutzungen) im Mittelpunkt stehen.
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