
Projektart: CDM Small Scale
Projektpartner:
Pakistan: Aga Khan Rural Support Programme (AKRSP)
Deutschland: BASF SE, KfW
Kategorie: Energieindustrie (Erneuerbare-/ nicht erneuerbare Quellen)
Projektstandort: Gilgit Region, Baltistan Region und Chitral Distrikt, Pakistan
Projektlaufzeit:
7 Jahre (verlängerbar)
29.10.2009 – 28.10.2016
Erwartete Emissionsminderung:
87.477 tCO2e/Jahr
Projektstatus: registriert
Nur gut zwei Drittel der pakistanischen Bevölkerung besitzen Zugang zur Elektrizität, wovon der überwiegende Teil in den größeren Metropolen Pakistans lebt. Die pakistanische Energieerzeugung stammt zu 65% aus fossilen Kraftwerken, zu 33,5% aus der Wasserkraft, zu 2,3% aus der Kernkraft und zu 0,2% aus Erneuerbaren Energien.
Der Norden Pakistans mit den Regionen Baltistan und Gilgit sowie dem Distrikt Chitral mit seinen abgelegenen Tälern und Gipfeln von über 7700m (höchster Berg: Tirich Mir mit 7.708m) besitzen ein hohes Potenzial für die Wasserkraftnutzung. Das CDM-Projekt „Community-Based Renewable Energy Development in the Northern Areas and Chitral (NAC)“ möchte sich diese Form der Energie zunutze machen, um mit Hilfe von Mikro- und Mini-Wasserkraftwerken elektrische Energie zu erzeugen. Innerhalb von vier Jahren sollen 103 Kleinwasserkraftwerke in Flüssen installiert werden mit einer installierten elektrischen Leistungen zwischen 30 kW und 800 kW pro Anlage, woraus sich eine installierte Gesamtleistung von max. 15 MW ergibt. Der Energietransport zwischen den einzelnen Kleinkraftwerken wird in einem eigenen Versorgungsnetz realisiert und ist vollständig von regionalen sowie nationalen Netzen isoliert. Das Projekt sieht vor, in Kooperation mit dem Alternative Energy Development Board (AEDB), dem Pakistan Council for Renewable Energy Technologies (PCRET) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hocheffiziente Durchströmturbinen zu verwenden, welche lokal hergestellt werden sollen. Für die größeren Anlagen wird importierte Technik aus China und Europa eingesetzt.
Die 1,2 Millionen Einwohner der Region leben zumeist in großer Armut. Etwa 850 Dörfer verteilen sich in der Region des CDM-Projektes, welche größtenteils weit abgelegen sind. Die in der Region lebenden Menschen profitieren von einer Verbesserung der Lebensverhältnisse aufgrund der Erhöhung der zur Verfügung stehenden elektrischen Energie bzw. durch die neu entstehenden Arbeitsplätze, welche durch die lokale Turbinenproduktion geschaffen werden.
Zurzeit beziehen die Haushalte ihre Energie aus Diesel-Generatoren, welche aufgrund der Emission von Treibhausgasen zu einer starken atmosphärischen Belastung der Umwelt führen.
Für die Berechnung der geschätzten Emissionsminderung des Projektes wird zum Vergleich ein Referenzszenario (Baseline) zu Grunde gelegt. Das hier verwendete Referenzszenario ist die bisherige Situation, dass die Bevölkerung der weit abgelegenen ländlichen Gebiete ihre benötigte Energie aus Diesel-Generatoren bezieht. Diese Situation wird verglichen mit dem Szenario der Einführung des CDM-Projektes, woraus sich dann die CO2-Einspraung ermitteln lässt.
Zur Berechnung der Minderung der Treibhausgasentwicklung aufgrund der Durchführung des CDM-Projektes wird der Emissionskoeffizient (emission factor, EF) der Energiebereitstellung aus Diesel-Generatoren benötigt. Hierfür wird ein durchschnittlich gewichteter Wert gebildet, der sich aus den einzelnen Leistungsbereichen (z.B. zwischen 15 und 35kW Nennleistung) sowie dem Ausnutzungsgrad der bereitgestellten Energie zusammensetzt. Der Ausnutzungsgrad beträgt 0,5 (50%) und entspricht damit einem Kleinnetz (z.B. für den Betrieb von Wasserpumpen oder für die Bereitstellung von Nutzenergie). Unter der Berücksichtigung der genannten Faktoren ergibt sich ein EF von 1,24 kg CO2e/kWh. Des Weiteren wird der technische Leistungsverlust der Energieverteilung innerhalb von kleinen Verteilnetzen (hier: 0,2 = 20%) berücksichtigt, d.h. dass ca. 80% der aus den einzelnen Kleinkraftwerken erzeugten Energie beim Endkunden ankommen. Durch die Multiplikation der maximalen installierten Leistung (15 MW) mit der Betriebszeit von 4380 Stunden (Ausnutzungsgrad schon berücksichtigt) sowie dem EF von Dieselgeneratoren (1,24 kg CO2e/kWh) und der anschließend Berücksichtigung, dass nur 80% der erzeugten Energie beim Endverbraucher ankommen, ergibt sich ein geschätztes jährliches Einsparungspotenzial von 101.835 t CO2e. Wobei zu berücksichtigen ist, dass aufgrund der temporär unterschiedlichen Fertigstellungen der einzelnen Teilprojekte die Einsparungspotenziale in den Jahren 2009 und 2010 laut Project Design Document (PDD) geringer ausfallen.
Die Zusätzlichkeit ist ein wichtiges Kriterium für die Registrierung von CDM-Projekten. Gemäß dem Regelwerk des Kyoto-Protokolls sind Projektentwickler dazu verpflichtet, aufzuzeigen, dass das Projektvorhaben außerhalb des CDM nicht durchgeführt werden würde.
Für die Ermittlung der Investitionsattraktivität von CDM-Projekten für den privaten Sektor, wird häufig die interne Zinsfußrechnung verwendet.
Der interne Zinsfuß für die Projektaktivität beträgt 11,6% und liegt damit unter dem Wert, ab dem sich eine Investition für private Investoren rentieren würde. Als akzeptierte Wert gilt hier ein interner Zinsfuß von 15%, der von der National Electric Power Regulatory Authority (NEPRA) für Energieprojekte, welche eine Einspeisung ins nationale Netz vorsehen, vorgegeben wird. Das Projektvorhaben profitiert durch die Registrierung als CDM-Projekt aufgrund der Einnahmen aus dem Kohlenstoffmarkt von einem internen Zinsfuß von bis zu 23,9% und kann somit Investition aus dem privaten Bereich rechnen. Hiermit wird aufgezeigt, dass das Projektvorhaben außerhalb des CDM aufgrund mangelnder Investition aus dem privaten Sektor (Investitionslücke rd. 5,4 Milliarden US-Dollar ) nicht realisiert worden würde.
Die Projektentwickler sind dazu verpflichtet, die durch das CDM-Projekt resultierende Emissionsminderung detailliert zu erfassen und zu dokumentieren, damit die entsprechende Menge an CDM-Emissionszertifikaten (Certified Emission Reductions, CER) ermittelt sowie anschließend ausgegeben werden kann.
Das Monitoringsystem des CDM-Projektes „Community-Based Renewable Energy Development in the Northern Areas and Chitral“ sieht vor, dass die Kraftwerksbetreiber jeden Tag die relevanten Daten (vor allem die Menge an erzeugten kWh) in einem „Log Book“ dokumentieren. Die erfassten Daten werden monatlich an die regionalen Büros des „Aga Khan Rural Support Program“ (AKRSP) in Baltistan, Chitral und Gilgit übermittelt. In den einzelnen Behörden werden die schriftlich notierten Daten des „Log Book“ elektronisch erfasst bzw. eingescannt. Die in den regionalen Behörden des AKRSP gesammelten Daten sowie Dokumente werden anschließend per Email an den zuständigen Projektmanager für den Bereich Monitoring (in Islamabad) versendet, der diese dann auf Richtig- und Vollständigkeit überprüft. Die gespeicherten Daten (als Hardcopy und in elektronischer Form) stehen jeder Zeit in der aktuellsten Version für das zuständige Zertifizierungsunternehmen (Designated Operational Entities, DOE) zur Verfügung und werden bis zwei Jahren nach Ablauf der letzten Ausschüttungsphase elektronisch gespeichert.
Die Arbeiten am ersten Kleinkraftwerk (Projekt „Brep“) wurden im März 2006 in der Region Chitral durchgeführt. Die nächsten beiden Projekte folgten zwei Monate später im Mai 2006. Registriert wurde das CDM-Projekt am 29. Oktober 2009.
Innerhalb der ersten Monitoringphase vom 29. Oktober 2009 bis zum 31. März 2011 wurde der Bau von 50 Kleinkraftwerken in die Wege geleitet, von denen 35 Projekte fertiggestellt wurden konnten. Von den fertig installierten Projekten sind 32 in Betrieb und dienten als Datengrundlage zur Berechnung der Emissionsminderung (6.109 t CO2e) im ersten Monitoringbericht.
Der geschätzte Wert (93.959 tCO2e) der Treibhausgasminderung im PDD liegt deutlich über dem Wert, welcher sich während der Monitoringphase tatsächlich ergeben hat. Hauptgründe dafür sind zum einen die verspätete Registrierung des PDD (29. Oktober 2009 anstatt Januar 2008) und zum anderen die starken Überschwemmungen im Jahr 2010, welche die Arbeiten an den einzelnen Projekten erschwerten bzw. ganz zum Erliegen brachten.
Markus Dimmler
BASF SE
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Deutschland
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