Pflanzenverfügbarkeit von Stickstoff, Phosphor und Kalium
Bei der Abwasserbehandlung fallen in Deutschland jährlich ca. 2,3 Mio. t Klärschlamm (Trockensubstanz) an. Darin sind neben anderen Nährstoffen ca. 50.000 t Phosphor enthalten, dies entspricht rund einem Drittel der jährlichen in Deutschland benötigten Importmenge an Phosphat-Düngemitteln. Eine landwirtschaftliche Verwertung der Nährstoffe aus dem Klärschlamm ist sowohl aus volkswirtschaftlichen Gründen (Minderung der Importabhängigkeit) als auch im Interesse einer Kreislaufwirtschaft (Ressourcenschonung) wünschenswert.
Die Direktausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist einerseits der technisch einfachste und preisgünstigste Verwertungspfad, andererseits sind hiermit aber auch Nachteile für die Umwelt insbesondere hinsichtlich der Schadstoffeinträge in landwirtschaftliche Böden verbunden. Als weiterer wesentlicher Nachteil wurde in den vergangenen Jahren von Kritikern dieses Verwertungsweges die angeblich mangelhafte Pflanzenverfügbarkeit, insbesondere von Phosphat, aus direkt ausgebrachtem Klärschlamm hervorgehoben.
In dem Forschungsvorhaben "Pflanzenverfügbarkeit von Stickstoff, Phosphor und Kalium (NPK) bei Sekundärrohstoffdüngern" wurde daher der Frage nachgegangen, ob und in welchem Umfang die im Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe pflanzenverfügbar sind. In mehrjährigen Pflanzenaufwuchsversuchen konnte gezeigt und bisherige Bedenken widerlegt werden, dass Klärschlamm zwar kein schnell wirkender Pflanzendünger ist, dafür aber ein zuverlässig wirkendes Boden- und Vorratsdüngemittel darstellt. Eine Einschränkung der Düngewirkung von Klärschlamm wurde im Fall der hohen Überdosierung von Eisensalzen bei der chemischen Phosphat-Fällung bei der Abwasserbehandlung nachgewiesen. Es wird daher empfohlen, dass bei der Abwasserreinigung auf ein enges Eisen-/Phosphat-Verhältnis bei der Phosphat-Fällung geachtet wird.
Die Diskussionen zur Schadstoffbelastung von Klärschlamm werden als bekannt vorausgesetzt und sind nicht Gegenstand dieser Untersuchung gewesen.
Der Forschungsbericht Nr. 201 33 328 des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie kann in der Bibliothek des Umweltbundesamtes, 06844 Dessau, ausgeliehen werden.