Die EU-Kommission hat am 29. November 2012 erneut den europäischen EMAS-Preis verliehen.
In diesem Jahr stand der Preis unter dem Motto "Wassermanagement, Wassereffizienz und Wasserqualität". Organisationen mit dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco Management and Audit Scheme), die herausragende Leistungen auf diesem Gebiet erbringen, waren aufgefordert, sich zu bewerben.
Deutschland hatte nach einer nationalen Vorauswahl drei Unternehmen für den Award nominiert: Die Emil Frei GmbH & Co. KG, ein Familienunternehmen aus dem Schwarzwald, das 1996 als erste Lackfabrik an EMAS teilnahm, die Riechey Freizeitanlagen GmbH & Co. KG, Camping- und Ferienpark Wulfener Hals auf Fehmarn, und Neumarkter Lammsbräu, Gebr. Ehrnsperger e.K. in Neumarkt/Oberpfalz. Zwei der sechs vergebenen europäischen Preise gingen an die Riechey Freizeitanlagen GmbH sowie an Gebr. Ehrnsperger e.K.
Vorausgegangen war die intensive Prüfung der Bewerbungen durch eine unabhängige europäische Jury von Wasserfachleuten unter dem Vorsitz der Geschäftsführenden Direktorin der Europäischen Umweltagentur, Frau Jacqueline McGlade.
In der Umwelterklärung des seit 2003 EMAS-registrierten Camping- und Ferienparks Wulfener Hals nehmen wasserwirtschaftliche Belange einen wesentlichen Teil der Umweltpolitik des Campingplatzes ein. Dieser verfügt über einen geschlossenen Wasserkreislauf mit vier eigenen Brunnen, ein platzeigenes Wasserwerk zur Grundwasserförderung und eine vollbiologische Kläranlage, in der die anfallenden Abwassermengen geklärt, aufbereitet und auf dem eigenen Platz und einem Golfplatz zur Berieselung genutzt werden.
Die Grauwasserberieselungsanlage wurde als Pilotprojekt 2010 in Betrieb genommen, die Umweltauswirkungen der Grundwasserentnahme wurden in einer Diplomarbeit untersucht. Die Sanitäranlagen sind unter anderem mit Filtern, Solarthermie für das Warmwasser, UV-Desinfektionen und Drainagen aufgerüstet. Mit Maßnahmen wie Durchflussminderern und moderner Sensorik liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Gast und Übernachtung mit 100 Litern unter dem Bundesdurchschnitt von 130 Litern. Die Platzbetreiber stellten nach einem Feldversuch auf vollbiologische Reinigungsmittel um.
In Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) entstand darüber hinaus für die Gäste des Campingplatzes eine Umweltbroschüre zur Küstenregion und deren Gefährdungen.
Die Verwendung und Verarbeitung von ökologisch hergestellten Rohstoffen unterstützt einen geringen Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln bei der Produktion der Rohstoffe. Lieferantenaudits beinhalten Fragen zum Wassermanagement. Durch den Ausbau der Abverkäufe von Mineralwasser, alkoholfreien Erfrischungsgetränken und alkoholfreien Bieren mit niedrigerer Stammwürze verringert sich der Wasserbedarf pro Mengeneinheit gravierend, da wasserintensive Prozessschritte ganz entfallen oder sehr reduziert erforderlich sind. Das Regenwasser wird durch diverse Versickerungseinrichtungen gelenkt und in einer Kälteanlage genutzt.
Zur Bewusstseinsbildung der über 100 Mitarbeitenden veranstaltet der Betrieb Workshops und Schulungen zur Gefährdung des Grundwassers durch Pestizideinträge und zum Schutz von Trinkwasser. Um auch die Öffentlichkeit für das Thema Wasser zu sensibilisieren, führte das Unternehmen u.a. das Forum "Wasser - unser wichtigstes Lebensmittel" bei der Woche der Umwelt 2012 durch und betreibt zu dem Thema aktive Öffentlichkeitsarbeit.
Am deutschen Vorauswahlverfahren, das vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag organisiert worden war, hatten sich in diesem Jahr folgende Unternehmen und sonstige Organisationen beteiligt:
Für Dezember wurden die deutschen Bewerber - wie im Vorjahr - zu einem Fachgespräch ins Bundesumweltministerium eingeladen. Dabei soll es um den Austausch von Erfahrungen und die Formulierung von Wünschen bezüglich EMAS gehen.