Wichtiges Signal im Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt
(Artikel aus der Zeitschrift Umwelt 7-8/2010)
Die internationale Gemeinschaft hat bei einer Konferenz in Busan/Südkorea die Einrichtung eines neuen internationalen Wissenschaftlergremiums für Biodiversität nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC beschlossen.
Hauptaufgabe von IPBES ("Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services"), so der Name des neuen Gremiums, ist es, politischen Entscheidungsträgern zuverlässig unabhängige und glaubwürdigeInformationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität als Entscheidungshilfe zur Verfügung zu stellen.
Auf Einladung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP verhandelten etwa 250 Delegierte aus über 90 Staaten und außerdem Vertreter zahlreicher internationaler und wissenschaftlicher Institutionen und Nichtregierungsorganisationen vom 7. bis 11. Juni 2010 auch über mögliche Funktionen, Aufgaben, Rechtsstatus, Verwaltungsstruktur und Finanzierung des neuen Gremiums. Die internationale Gemeinschaft sendet mit diesem wichtigen Schrittim Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 das klare Signal, den anhaltenden Biodiversitätsverlust künftig noch entschiedener und engagierter bekämpfen zu wollen.
Weltweit sollen wissenschaftliche Daten gesammelt, analysiert und anschließend verschiedene Handlungsoptionen angeboten werden. So sollen Regierungen in die Lage versetzt werden, besser informierte Entscheidungen zum Schutz der Biodiversität zu treffen. Regierungen in Schwellen- und Entwicklungsländern wird geholfen, eigene Kapazitäten aufzubauen, beispielsweise durch die Förderung von (Nachwuchs-)Wissenschaftlern, den Aufbau wissenschaftlicher Kooperationen und den vereinfachten Zugang zu Fachliteratur und Datenbanken.
IPBES wird dazu beitragen, dass Fragen der biologischen Vielfalt sektorübergreifend bei politischen Maßnahmen, Strategien und Programmen berücksichtigt werden und damit sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft einenBewusstseinswandel herbeizuführen. Ähnlich, wie es dem Weltklimarat mit seinen Gutachten gelungen ist, soll so breites politisches und gesellschaftliches Verständnis geschaffen und reale Lösungswege aufgezeigt werden.
Das Ergebnis der fünftägigen Verhandlungen ist der "Busan Outcome", in dem die Delegierten übereinstimmend klar zum Ausdruck bringen, dass ein neuer unabhängiger Mechanismus zur Stärkung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik im Bereich Biodiversität eingerichtet werden und welchen grundsätzlichen Prinzipien der Mechanismus folgen soll. Darüber hinaus wurden Vereinbarungen zu den Funktionen, dem Rechtsstatus, den Verwaltungs- und Entscheidungsfindungsstrukturen, den Modalitäten für ein IPBES Sekretariat und der Finanzierung des neuen Mechanismus getroffen.
Den Abschluss des "Busan Outcome" bildet die Empfehlung an die 65. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die Entscheidung und Schlussfolgerungen der IPBES-Konferenz in Busan zu behandeln und entsprechendeSchritte zur Einrichtung von IPBES zu unternehmen.
Weiterhin wird empfohlen, dass der UNEP Verwaltungsrat UNEP das Mandat erteilt, in Zusammenarbeit mit UNESCO, FAO und UNDP den IPBES-Folgeprozess sicherzustellen und zu unterstützen bis ein IPBES-Sekretariat eingerichtet ist.
Nachdem alle Modalitäten von IPBES teilweise kontrovers diskutiert und verhandelt wurden, konnten die Delegierten sich schließlich darauf einigen, dass auf Basis der oben aufgeführten Festlegungen ein neuer unabhängigerMechanismus zur Stärkung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik im Bereich Biodiversität eingerichtet werden soll. Dabei sollen Dopplungen oder gar eine Ersetzung bereits existierender Strukturen, Prozesse und Netzwerkevermieden werden. Vielmehr sollen diese gestärkt und eine bessere Koordinierung ermöglicht werden.
Vor dem Hintergrund, dass die ersten offiziellen Regierungskonsultationen zu IPBES im November 2008 stattgefunden haben, ist es als sehr großer Erfolg zu werten, dass nur eineinhalb Jahre später ein einhelliger Beschluss zurEinrichtung eines neuen Gremiums für wissenschaftliche Politikberatung im Bereich biologische Vielfalt getroffen wurde.
Dieser Beschluss zur Einrichtung von IPBES wird nicht nur von Regierungen, sondern auch von internationalen und UN-Organisationen, der Wissenschaft sowie Umwelt-, Naturschutz- und Entwicklungsverbänden sehr begrüßt. Die internationale Gemeinschaft sendet mit diesem wichtigen Schritt im Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 das klare Signal, den anhaltenden Biodiversitätsverlust künftig entschiedener und engagierter bekämpfen zu wollen.
Deutschland hat die Schaffung von IPBES von Anfang an unterstützt, 2007 erfolgreich unter deutscher EU- wie auch G8-Präsidentschaft vorangebracht und 2008 zu einem Schwerpunktthema des deutschen Vorsitzes des Übereinkommensüber die biologische Vielfalt (CBD) erklärt. Der Beschluss zur Einrichtung von IPBES in Südkorea ist damit maßgeblich auch ein Erfolg der deutschen CBD-Präsidentschaft.