Die Gebänderte Flussköcherfliege, lateinisch Rhyacophilafasciata, ist das Insekt des Jahres 2013. Köcherfliegen sind unscheinbare, graubraune Insekten, die sich tagsüber in Moos und Totholz oder unter Blättern ufernaher Pflanzen verbergen. Gegen Abend tanzen sie in Schwärmen am Wasser oder an Beleuchtungen und werden dann häufig mit Mücken verwechselt. Die Gebänderte Köcherfliege wurde stellvertretend für die über 300 Arten in Mitteleuropa vom Kuratorium Insekt des Jahres ausgewählt.
Faszinierend sind ihre im Wasser lebenden Larven, denn viele davon bauen sich einen Köcher. Dieser Köcher, der dem Insekt den Namen gab, ist eine Schutzhülle, die aus Sandkörnern oder Pflanzenstängeln zusammen geklebt wird, aus der nur der Kopf und die sechs Beine herausschauen.
Köcherfliegen verbringen die meiste Zeit ihres einjährigen Lebens unter Wasser. Wenn sich in einem Bachbett oder am Rande eines Teiches kleine Steinchen und Pflanzenteile auffallend von einer Stelle zur anderen fortbewegen, dann stecken meist die Larven von Köcherfliegen dahinter. Nicht alle Köcherfliegenlarven haben Köcher, andere weben im geschützten Pflanzengeflecht oder unter Steinen feinmaschige Gespinste, die sie bewohnen und als Netze zum Nahrungserwerb nutzen, und wieder andere sind freilebende Räuber. Dazu zählt auch die Gebänderte Köcherfliege.
Am Hinterleib befinden sich filigrane Anhänge, mit denen sie Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen. Bei Larven kann man diese gut erkennen, zumindest bei den zwei bis drei Zentimeter großen, die kurz vor der Verpuppung sind. Da die Larven der Gebänderten Köcherfliege schnell fließende Gewässer lieben – das bedeutet der wissenschaftliche Name Rhyacophila – krallen sie sich mit Haken am Untergrund fest, um nicht fortgerissen zu werden. Diese Haken sitzen am Ende des Hinterleibs. Außerdem ziehen die Larven aus einer Spinndrüse vorne an den Mundwerkzeugen einen Sicherheitsfaden, den sie zuvor auf stabilen, großen Steinen festkleben.
Haben sie sich viermal gehäutet und sind groß genug, suchen sich die Larven der Gebänderten Köcherfliege am Boden kleine Kiesel von bis zu einem Zentimeter Größe und bauen sich daraus mit Spinnfäden eine Art Steinkuppel, unter der sie sich verpuppen. Nach nur zwei Wochen stechen sie die Kokonwand mit einem dolchförmigen Mundwerkzeug auf und klettern an Steinen oder Pflanzen empor bis über die Wasseroberfläche. Dann schlüpfen sie aus der Puppenhülle.
Die eigentliche Gebänderte Köcherfliege hat bis zu 14 Millimeter lange Flügel. Wenn sie fliegt, beträgt ihre Spannbreite drei Zentimeter. Andere Köcherfliegen weisen nur sechs Millimeter auf, die größte Art sechs Zentimeter. Mit ihren Mundwerkzeugen können sie nur Tau oder etwas Nektar auflecken. Sie leben auch nur zwei bis vier Wochen. Nach der Paarung fliegen die Weibchen zum Wasser und tauchen unter, um ihre Eier in Ritzen und Spalten von Steinen und Holz zu drücken. Sie taucht danach wieder aus dem Wasser auf; das Wasser perlt an ihr ab.
Köcherfliegen sind weit verbreitet, weltweit gibt es rund 13.000 Arten. Sie gehören damit zu den erfolgreichsten Insektenarten unter Wasser. Die Gebänderte Köcherfliege gehört mit ihren europäischen Unterarten zu den wenigen Köcherfliegen, die man überall in Europa findet, außer in Irland. Die Chance, sie in einem Bach zu sehen, ist daher ziemlich groß. Der Bach muss allerdings sauberes Wasser haben; die Larven sind ein Indikator für eine gute Wasserqualität.
(Quelle: Kuratorium "Insekt des Jahres")