Das Kuratorium "Baum des Jahres" hat in diesem Jahr den europäischen (heimischen) Wild-Apfel zum Baum des Jahres 2013 gewählt. Er ist äußerst selten und man muss sich schon etwas Mühe geben, um ihn von den vielen Kulturäpfeln, die z. T. auch "verwildert" in der Landschaft zu finden sind, zu unterscheiden.
Kultur-Apfelbäume haben meist eine breitere als hohe Krone und die seitlich gebogenen Zweige schwingen filigran aus. Beim Wild-Apfel stehen sie aufrechter, und wenn er sich im Wald oder am Waldrand zum Licht recken muss, entwickelt er schlankere und aufrechtere Kronen als der Kultur-Apfel.
Die gelblich-grünen Früchte des Wild-Apfel-Baums sind im September/Oktober reif. Sie sind deutlich kleiner und runder als beim Kultur-Apfel. Frisch sind sie ungenießbar herb und hart, daher wird der Wild-Apfel auch „Holz-Apfel“ genannt. In gedörrtem oder gekochtem Zustand ist er dann aber schmackhaft und aromatisch. Die Früchte des Wild-Apfels sind für die Nutzung zwar bisher nicht bedeutend, allerdings gelten sie unter Kennern als Naturapotheke: so kann man daraus nach ihrem Trocknen Tee gegen Erkältungen, Fieber, Durchfall u.a. herstellen.
Der Höhepunkt im Jahreslauf eines Apfelbaumes ist der Blütezeitraum. Die Blüte erfasst beim Wild-Apfel nicht jedes Jahr die gesamte Krone, da viele Äste nur alle zwei Jahre blühen und sie sich in der Krone zum Teil abwechseln. Durch die Blüte können Wild-Äpfel im Wald auffallen. Oft werden sie sogar nur entdeckt, wenn am Waldrand oder im Waldesinneren etwas von weitem plötzlich weiß leuchtet.
Alte Apfelbäume können Stammdicken von etwas mehr als 50 cm, ausnahmsweise fast einen Meter erreichen. Die Baumhöhe erreicht selten 10 Meter, häufig bleibt der Wild-Apfel auch nur ein Strauch. Das Höchstalter ist wohl etwa 100 Jahre, wegen der hohlen Stämme alter Bäume meist schwer zu ermitteln. Wild-Äpfel treiben sehr gut aus dem Stock wieder aus, wenn der Baum abgesägt wurde oder abgestorben ist. Nicht ausgeschlossen, dass etliche der heute noch stehenden alten Wild-Äpfel daher bis zu 1.000 Jahre und älter sein können!
Das natürliche Areal des Wild-Apfels erstreckt sich über fast ganz Europa, bis auf Nordskandinavien, Nordrussland und Teile Spaniens und Griechenlands. Obwohl er ziemlich verbreitet ist, findet man ihn selten. Da er so konkurrenzschwach gegenüber anderen Waldbaumarten ist, begegnet man ihm am ehesten einzeln oder in Kleinstgruppen an Waldrändern und in Ecken des Waldes, die nicht vollflächig bewirtschaftet werden. Der Wild-Apfel ist sehr lichtbedürftig, hält im Schatten aber erstaunlich zäh durch – dort blüht er dann jedoch nur noch spärlich. Am wohlsten fühlt er sich daher in Gehölzinseln außerhalb des Waldes, wo er zusammen mit anderen Obstgehölzen und Sträuchern ausreichend Licht erhält.
An die Nährstoffe des Bodens hat der Wild-Apfel keine besonderen Ansprüche, auch mit Trockenheit kommt er einigermaßen zurecht. Er kommt sogar auf Felsschutt und sonnigen Abhängen vor. Auch Winterfröste bis minus 25 Grad Celsius sind für ihn kein Problem, Spätfröste führen wegen seines späteren Austreibens viel seltener zu Schäden als zum Beispiel bei Kirsche und Nussbaum.
Die Holzäpfelchen sind bei Wild, Kleinsäugetieren und Vögeln beliebt, welche die Samen nach dem Verzehr entfernt vom Mutterbaum absetzen, im Idealfall irgendwo am Waldrand. Die jungen Bäume werden gerne vom Wild verbissen, da sie etwas Besonderes sind. Die Blüten sind eine Bienen- und Hummelweide. Auch für Pilze sind Apfelbäume ein wichtiger Lebensraum, z.B. für den Feuerschwamm und den Zottigen Schillerporling.
(Quelle: Baum des Jahres)