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Rede von Ursula Heinen-Esser zum Thema "Energiewende in den Kommunen" anlässlich der Diskussion mit Kommunalvertretern

Datum: 30.04.2012
Ort: Ostwestfalen-Lippe, Hövelhof

Porträt

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Päsch, (KPV-Bezirksvorsitzender OWL)
sehr geehrter Herr Müller, (Landrat)
sehr geehrter Herr Jung, (Landtagskandidat Paderborn Land)
sehr geehrter Herr Wange, (CDU Kreisvorsitzender)
sehr geehrter Herr Lüttgens, (CDU Kreisgeschäftsführer)
sehr geehrter Herr Schwuchow, (Bürgermeister der Stadt Büren)
sehr geehrter Herr Merschjohann, (Bürgermeister)
sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst herzlichen Dank für die Einladung, mit Ihnen diskutieren zu können. Ich freue mich, heute in Ostwestfalen-Lippe zu sein.

Gerade hier vor Ort gibt es gute Beispiele dafür, dass die Kommunen der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende sind.

Vor knapp einem Jahr waren Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen und ich hier in der Region - und zwar im Mühlenkreis beim Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Kampeter - um uns davon zu überzeugen, dass wir mit neuen Technologien zur Energiegewinnung und -einsparung nicht nur unser Klima schützen, sondern auch die Energiewende gelingen kann.

Mit der Energiewende sind die Weichen für einen zeitlich klar festgelegten Ausstieg aus der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie bis spätestens 2022 gestellt.

Verbunden ist dieser Ausstieg mit einem umfassenden, auf vier Jahrzehnte angelegten Gesamtkonzept für den Aufbruch in das Zeitalter der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.

Die Energiewende ist ein einzigartiges energiepolitisches Programm, mit dem die erneuerbaren Energien zum Hauptpfeiler unserer Energieversorgung ausgebaut, gleichzeitig die Energieeffizienz gesteigert und die Emission der Treibhausgase gemindert werden sollen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass wir nur dann zukunftsfähig bleiben, wenn wir lernen, wirtschaftliches Wachstum mit Umweltschutz und Ressourcenschonung miteinander in Einklang zu bringen.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind gleichzeitig das Erfolgsrezept, um Ökonomie und Ökologie miteinander zu vereinbaren.

Die Energieversorgung der Zukunft wird dabei zunehmend vor Ort entschieden. Gerade in dieser grundlegenden Umstellung unserer Energieversorgung liegen die Chancen und die Herausforderungen für die Kommunen. Die Kommunen in Deutschland gestalten die Energiewende nicht nur als tragender Pfeiler aktiv mit, sie können auch Nutzen aus ihr ziehen.

Akzeptanz der Energiewende

Erfreulich ist, dass der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie und der Ausbau der erneuerbaren Energien quer durch die Bevölkerung eine sehr hohe Akzeptanz genießen. Laut "Energiemonitor 2012", den der BDEW Anfang März veröffentlicht hat, halten zum Beispiel rund 90 Prozent aller Deutschen die Energiewende für wichtig oder sehr wichtig. Nur 7 Prozent finden, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien zu schnell erfolgt. Dagegen wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten eine weitere Beschleunigung der Ausbaugeschwindigkeit.

Dies zeigt, dass die Menschen in unserem Land hinter der Energiewende stehen. Es kommt jetzt darauf an, diese Akzeptanz weiter zu fördern und zu untermauern. Bei der Energiewende stellt sich längst nicht mehr die Frage des "Ob"; heute geht es um das "Wie".

Zunächst einmal:

  • Tatsache ist, dass wir bei der Umsetzung der Energiewende besser vorankommen, als es oftmals öffentlich dargestellt wird.
  • Tatsache ist, dass bereits rund drei Viertel der im Zuge der Energiewende beschlossenen Maßnahmen umgesetzt oder in der Bearbeitung sind.
  •  

  • Tatsache ist, dass der Fortschritt der Energiewende bereits sichtbar ist: Im Jahr 2011 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung erstmals auf 20 Prozent. Und in den ersten drei Monaten dieses Jahres lag die Produktion von Solar- und Windstrom um bis zu 40 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Strom aus erneuerbaren Energien ist mittlerweile die zweitgrößte Quelle der deutschen Stromerzeugung, noch vor Steinkohle und Kernkraft. Gleichzeitig konnten wir die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien im letzten Jahr effektiv begrenzen.

Diese Entwicklung zeigt: Die Energiewende nimmt an Fahrt auf. Auf dem Weg hin zu einer grundlegend neuen Energieversorgung und -nutzung kommen wir Schritt für Schritt voran. Klar ist, dass die Umstellung auf eine neue Energieversorgung mit vielen neuen Herausforderungen verbunden ist. Egal, ob kommunaler Versorger oder privater Betrieb: Jeder muss sich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie die Energiekosten im Rahmen gehalten werden können. Mit Energie lässt sich eben nicht nur Geld verdienen, sie schlägt auch auf der Kostenseite zu Buche. Deshalb müssen Einsparpotenziale konsequent genutzt werden.

Genau das ist die Grundidee der Energiewende: Möglichst viel Energie aus Erneuerbaren gewinnen und gleichzeitig Energie möglichst effizient einsetzen, um weniger davon zu verbrauchen. Dass das machbar ist, dass die Energiewende gelingen kann und sich auch auszahlt, das hat gerade eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung renommierter Forschungsinstitute zu langfristigen Szenarien der Energiewende bestätigt: Der Kurs der Bundesregierung bei diesem größten Modernisierungs- und Infrastrukturprojekt der kommenden Jahre ist richtig.

Zentrale Rolle der Kommunen für die Umsetzung der Energiewende

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Kommunen spielen bei der Umsetzung der Energiewende eine zentrale Rolle. Sie agieren als Planer und Unterstützer, sie sind Vorbild und treibender Akteur zugleich. Oder kurz gesagt: Die Energiewende ist ein Kommunal- und Bürgerprojekt.

Weil die zukünftige Energieversorgung deutlich dezentraler organisiert sein wird, kommt den Kommunen zum Beispiel als Eigentümer von örtlichen Netzen, als Investor in erneuerbare Energien, als Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder als Energiedienstleister eine besondere Bedeutung zu. Diese wollen wir stärken. Städte und Gemeinden sind dabei auf die Energiewende insofern gut vorbereitet als sie schon seit Anfang der 90er Jahre den Klimaschutz zu einem festen Bestandteil der Kommunalpolitik gemacht haben. Klimaschutz ist inzwischen Bestandteil einer modernen Daseinsvorsorge. Klimawandel und Ressourcenknappheit machen den Ausbau der Daseinsvorsorge unumgänglich.

In den Kommunen ist das Wissen um diese Herausforderung mehr und mehr angekommen. Es sind die Kommunen, die die Folgen des Klimawandels in besonderer Weise zu spüren bekommen: Beim Schutz vor Hochwasser, beim Schutz vor Krankheiten, bei der Sicherung der Trinkwasserversorgung und vor allem bei der Energieversorgung angesichts der immer weiter steigenden Öl- und Gaspreise. In vielen Städten, Gemeinden und Kreisen findet bereits jetzt aktiver Klimaschutz statt. Das begrüßen wir und unterstützen wir ausdrücklich.

Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative unterstützt das Bundesumweltministerium deshalb kommunale Aktivitäten zum Klimaschutz.

Die "Kommunalrichtlinie" fördert die Erstellung von kommunalen Klimaschutzkonzepten, finanziert kommunale Klimaschutzmanager und unterstützt die Umsetzung von Klimaschutzmodellen an Schulen und Kindertagesstätten. Zu den entsprechenden Förderungen stellt das Bundesumweltministerium zahlreiche Informationen zur Verfügung.

Das Bundesumweltministerium fördert außerdem die Vernetzung derjenigen Kommunen und Regionen, die ihre Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen wollen. Das Projekt 100 Prozent-Erneuerbare-Energien-Regionen (www.100-ee.de) bietet allen interessierten Regionen Ressourcen und Vernetzungsmöglichkeiten, um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu erleichtern.

Insbesondere der jährliche Kongress in Kassel stößt dabei auf großes Interesse und hat schon viele Kooperationen angestoßen. Kommunale Entscheidungsträger finden außerdem eine Fülle zielgerichteter Informationen rund um die erneuerbaren Energien bei der Agentur für erneuerbare Energien (AEE), deren Internetpräsenz vom Bundesumweltministerium unterstützt wird. Das alles geschieht in dem Bewusstsein, dass die Energiewende nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgen, gemeinsam mit den Städten und Gemeinden gelingen kann.

Mit dem erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien helfen die Kommunen nicht nur, die Energiewende zu gestalten, sondern profitieren auch selber davon. Mit erneuerbaren Energien wird die regionale Wertschöpfung gestärkt, die mit positiven Beschäftigungseffekten, wirtschaftlichem Wachstum oder auch steigenden Gewerbesteuereinnahmen einhergeht. Dies bietet gerade strukturschwächeren Regionen erhebliche Chancen. Kommunale Vorreiter profitieren überproportional von den inzwischen schon insgesamt 380.000 Arbeitsplätzen der Branche in Deutschland.

Energiewende und Energiegenossenschaften

Mit der Energiewende wird dabei auch der Gedanke der Genossenschaften wiederbelebt: Bürgerinnen und Bürger schließen sich zusammen und werden vom Stromkonsumenten zum Stromerzeuger. Und immer wenn ich - wie hier in Ostwestfalen-Lippe - unterwegs bin und mit den Menschen vor Ort spreche, stelle ich fest: Die Bürgerinnen und Bürger sind mit ihrem Ideenreichtum, ihrem Engagement und ihrer Beharrlichkeit manches Mal schon weiter als die Politik.

Wir wollen diese hohe Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energien erhalten und fördern. Deshalb ist uns an einer ausgewogenen Verteilung der Vor- und Nachteile zwischen Stadt und Land besonders gelegen. Studien belegen, dass gerade ländliche Gebiete besonders stark von der Wertschöpfung durch erneuerbare Energien profitieren können: Demnach generiert der dezentrale Ausbau erneuerbarer Energien in deutschen Städten und Gemeinden eine Wertschöpfung von annähernd 6,8 Milliarden Euro, wobei aus dieser Quelle allein 2009 600 Millionen Euro Steuern an die Kommunen flossen [Stand 2010].

Schon heute wird ein Großteil der erneuerbaren Energien dezentral im ländlichen Raum erzeugt. Mehr als 50 Prozent der in Deutschland installierten Anlagen zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen sind im Eigentum von Privatpersonen und Landwirten. Das zeigt: Viele Menschen haben die Vorteile der Energiewende erkannt und profitieren schon davon: Lokale Energieversorgung durch erneuerbare Energien ist überschaubarer, transparenter, unabhängiger. Die Wege der Energieversorgung werden kürzer.

Hier liegt die Chance für Genossenschaften, die seit vielen Jahrzehnten ein erprobtes regionales Beteiligungsmodell sind - auch im Bereich der Erneuerbaren.

Die mittlerweile fast 450 Energiegenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag für das Gelingen der Energiewende, mit gemeinschaftlichen Investorenmodellen von Windkraft-, Photovoltaik- oder Biogasanlagen.

Genossenschaften treiben gerade in ländlichen Gebieten den Ausbau der erneuerbaren Energien voran, nicht selten auch in Verbindung mit dem Ausbau von Nahwärmenetzen. Der allergrößte Teil dieser Genossenschaften ist dabei in den letzten Jahren gegründet worden; gerade im Jahr 2011 hat sich diese Entwicklung noch einmal deutlich verstärkt.

Steigerung der Energieeffizienz

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Ausbau der erneuerbaren Energien, der zu einer dezentraleren Energieversorgung in Deutschland führen wird, ist das eine Standbein der Energiewende. Genauso wichtig für den Umbau unserer Energieversorgung ist das zweite Standbein, die Steigerung der Energieeffizienz. Hier müssen wir noch besser werden.

Im Gebäudebereich bestehen die größten Einsparpotenziale für Energiekosten. Rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs entfallen auf diesen Bereich. Allein der Bestand an 176.000 kommunalen, meist unsanierten Gebäuden zeigt, welch hohes Energiesparpotenzial hier noch schlummert. Für die energetische Gebäudesanierung setzen wir deshalb erhebliche finanzielle Anreize: Die Förderung wurde deutlich erhöht - auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Jahre 2012 bis 2014. Dass dagegen über die steuerliche Förderung derzeit noch immer im Vermittlungsausschuss beraten wird, bedauere ich sehr - gerade hiermit würden weitere deutliche Anreize geschaffen, um in der Frage der Gebäudesanierung besser voranzukommen.

Ebenso kann ein beschleunigter Ausbau der Stromnetze das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen der Energiewende weiter optimieren. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür sind gelegt (NABEG, EnWG). Von den prioritären 24 Netzvorhaben wurde bisher ein knappes Viertel gebaut - das sind rund 200 km von insgesamt 850 km bis 2015. Viele Landkreise sind bereits mit dem notwendigen Netzausbau befasst. Hier wird die Bundesnetzplanung dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Interessen noch besser gehört und berücksichtigt werden. Ziel dieses neu eingeführten Verfahrens ist es zum einen, den Netzausbau transparenter und übersichtlicher zu gestalten. Zum anderen soll durch die Mitwirkung der Öffentlichkeit mehr Akzeptanz für den Ausbau des Übertragungsnetzes geschaffen werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

für eine sichere und stabile Energieversorgung müssen viele verschiedene Prozesse optimal miteinander verzahnt werden, insbesondere das Zusammenspiel von bestehenden Kraftwerken, dem Ausbau der erneuerbaren Energien, langfristig auch zunehmend Speichern und schließlich natürlich den Verbrauchern. Die Kommunen spielen hierbei eine wesentliche Rolle, sie sind die Pfeiler der Energiewende vor Ort. Ich bin mir sicher: Gemeinsam wird uns die Energiewende gelingen.

Die Energiewende ist ein Generationenprojekt. Sie ist eine Grundsatzentscheidung über die gesellschaftliche, wirtschaftliche, technologische und kulturelle Entwicklung Deutschlands. Sie ist eine einmalige Chance für wirtschaftliches Wachstum und eigenverantwortliches Handeln der Bürgerinnen und Bürger, die ihren eigenen Beitrag dazu leisten, Energiegewinnung und -nutzung neu zu denken.

Nur gemeinsam werden wir dieses Projekt zum Erfolg führen können. Dafür möchte ich eindringlich werben. Wir brauchen alle Beteiligten an einem Tisch.

In diesem Sinne hoffe ich im Namen der Bundesregierung auf Ihre Unterstützung und freue mich auf die nun folgende Diskussion.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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