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Rede von Ursula Heinen-Esser zum Auftakt des Projekts Gelbbauchunke

Datum: 13.07.2012
Ort: Steinbruch Liekwegen

Frau Heinen-Esser hält Grußwort. Viele weitere Teilnehmer hören zu.

Sehr geehrte Frau Ihnen (Staatssekretärin Umweltministerium Niedersachsen),
sehr geehrter Herr Tschimpke (Vorsitzender NABU),
sehr geehrter Herr Dr. Buschmann (Vorsitzender NABU Niedersachsen),
sehr geehrter Herr Goedecke (Geschäftsführer der Kalkwerk Hehlen GmbH und Vorstandsmitglied von vero),
sehr geehrter Herr Dr. Herberg (Leiter Fachbereich II, BfN),
sehr geehrte Damen und Herren,

die biologische Vielfalt - der Reichtum unserer Erde an Ökosystemen, Arten und Genen - schwindet immer noch in Besorgnis erregendem Ausmaß.

Jeden Tag verlieren wir ein Stückchen Natur. Zugleich verschwinden Landschaften, die die Menschen lieben - und letztlich auch ein Stück unserer Heimat. Deshalb ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt ein Kernthema der Umweltpolitik der Bundesregierung. Die jahrelangen Bemühungen auf diesem Gebiet brachten wichtige Erfolge. Im dichtbesiedelten und hochindustrialisierten Deutschland nimmt der Druck auf die biologische Vielfalt aber nicht ab, sondern eher noch zu. Daher konnte eine generelle Trendwende immer noch nicht erreicht werden.

Die Bundesregierung alleine kann diese Trendwende auch nicht bewirken. Nur wenn alle betroffenen Akteure in Staat und Gesellschaft mithelfen, werden wir Erfolg haben.

Deshalb ist es ein wesentliches Ziel der 2007 von der Bundesregierung beschlossenen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, alle staatlichen und nicht-staatlichen Akteure zu mobilisieren und deren Aktivitäten zu bündeln. Dialog, Mobilisierung der Eigeninitiative und Kommunikation prägen daher die Umsetzung der Strategie.

Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt ist ein wichtiger Beitrag, um Akteure bei der Umsetzung der Strategie zu unterstützen.

Mit diesem neuen Förderprogramm mit einem jährlichen Fördervolumen von 15 Millionen Euro hat die Bundesregierung ein Zeichen dafür gesetzt, dass auch in Zeiten knapper Kassen Investitionen in unser Naturkapital sinnvolle Zukunftsinvestitionen sind.

Eine solche Ausweitung der Bundesförderung für Naturschutz und biologische Vielfalt hat es seit Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht gegeben.

Die Förderschwerpunkte des Bundesprogramms wurden zusammen mit Ländern und Kommunen, Waldbesitzern, Landnutzern und Naturschutzverbänden entwickelt.

Einer der Förderschwerpunkte ist der Schutz von "Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands". Das sind Arten, für die Deutschland international eine besondere Verantwortung hat, weil sie nur hier vorkommen oder weil ein hoher Anteil der Weltpopulation hier vorkommt.

Mit den Maßnahmen in diesem Förderschwerpunkt sollen diese Arten direkt geschützt und dabei auch zur Erhaltung und zur Renaturierung von ihren Lebensräume beigetragen werden, um langfristig überlebensfähige Populationen zu gewährleisten.

Eine dieser Arten ist die Gelbbauchunke, die im Mittelpunkt des Projektes "Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland" des NABU steht, das heute gestartet wird. Die Gelbbauchunke geht in ganz Deutschland stark zurück. Besonders wichtig ist für das Überleben dieser Art, dass nicht nur isolierte Populationen erhalten werden, sondern dass diese Populationen vernetzt werden.

Dies erfordert eine großräumige Sichtweise, stellt aber auch hohe Anforderungen an das Management des Projektes in 5 Bundesländern und insgesamt 130 Projektgebieten. Der NABU hat sich mit seinen Kooperationspartnern damit eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt.

Aber genau dies ist auch ein Ziel des Bundesprogramms: Es geht nicht um Alltagsprojekte, sondern um wegweisende, modellhafte Projekte, bei denen konkrete Maßnahmen vor Ort bundesweit ausstrahlen.

Zu diesem Modellcharakter trägt auch die Kooperation mit Abbaubetrieben bei, die auf ein artgerechtes Management im laufenden Abbaubetrieb und eine artgerechte Rekultivierung zielt.

Das Thema "Biologische Vielfalt" in Unternehmen zu verankern, das unternehmerische Engagement zu mobilisieren und die Kooperation zwischen Unternehmen und Naturschutz zu stärken, ist ein aktuelles Schwerpunktthema des Bundesumweltministeriums bei der Umsetzung der Nationalen Strategie.

Ein wichtiger Teil eines jeden Projektes im Bundesprogramm Biologische Vielfalt ist die Information und Kommunikation. Noch so gute Maßnahmen für einzelne Arten oder Lebensräume werden in das Förderprogramm nicht aufgenommen, wenn nicht auch über die Maßnahmen und ihre Erfolge nach außen berichtet wird.

Wir müssen die Menschen durch ausreichend Informationen von der Notwendigkeit der Erhaltung der biologischen Vielfalt überzeugen, wir müssen aber auch ihr Herz ansprechen, sie für Natur so begeistern, dass sie Naturschutz von sich aus wollen und diesen auch durch Mitarbeit an Projekten aktiv unterstützen.

Das neue Förderprogramm ist auf großes Interesse gestoßen. Bisher wurden über 130 Projektskizzen beim Bundesamt für Naturschutz eingereicht; 6 Projekte wurden bewilligt, weitere stehen kurz davor.

Das Themenspektrum, das von der Förderung ganz konkreter Verantwortungsarten über die Revitalisierung von Auenbereichen und Industriebrachen bis zu Anwendungstrainings zum Biodiversitätsmanagement für Unternehmen reicht, zeigt schon jetzt, dass das Bundesprogramm wichtige Impulse in ganz verschiedenen Aktionsfeldern der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt setzen und dabei auch ganz unterschiedliche Akteure mit ins Boot holen wird.

Wir sind auch sehr froh, dass Ende 2011 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung das Bundesprogramm Biologische Vielfalt um eine Initiative erweitert wurde, um die Erforschung und konkrete Maßnahmen für den Schutz der biologischen Vielfalt besser zu verknüpfen. Aus dem Haushalt des Bundesforschungsministeriums werden weitere ca. 5 Millionen Euro im Jahr bereitgestellt, um Kooperationsprojekte zwischen "Forschungspartnern" und "Umsetzungspartnern" zu finanzieren. Auch bei diesem Zusatzbaustein für das Bundesprogramm ist das Interesse groß; mehr als 90 Projektskizzen wurden eingereicht und werden zurzeit ausgewertet.

Lassen Sie mich abschließend darauf hinweisen, dass unsere Bemühungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland nicht für sich stehen, sondern sich in eine weltweiten Kontext einfügen. Das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 wurde von den Vereinten Nationen zur "UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgerufen. Damit wurde einerseits auf die dramatische Situation beim Verlust der biologischen Vielfalt aufmerksam gemacht werden, zugleich soll aber auch Mut gemacht werden, sich für die Trendwende zu engagieren.

Es geht nicht nur um eine nationale Aufgabe, sondern um eine gemeinsame weltweite Anstrengung.

Wie in dem Gelbbauchunkenprojekt gilt es, viele lokale Projekte in Projektgebieten vor Ort durchzuführen, zugleich aber den Blick für das große Ganze zu behalten. Wenn wir es schaffen, nicht nur Populationen und Biotope zu vernetzen, sondern die vielen Menschen zu vernetzen, denen die Natur und die biologische Vielfalt am Herzen liegt, werden wir im Sinne der UN-Dekade wirken.

Ich möchte den Initiatoren und den vielen, die an unterschiedlicher Stelle an dem Gelbbauchunkenprojekt mitwirken, für Ihr Engagement danken und Ihnen und uns allen für das Projekt viel Erfolg wünschen.

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