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Rede von Ursula Heinen-Esser bei der Preisverleihung zum "Papieratlas 2012"

Datum: 21.09.2012
Ort: Berlin

Gruppenfoto

Sehr geehrter Herr Nissen (Geschäftsführer IPR),
sehr geehrter Herr Söffke (Sprecher IPR),
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass ich heute anlässlich der Preisverleihung zum "Papieratlas 2012" zu Ihnen sprechen kann und gratuliere den Veranstaltern zu ihrer erfolgreichen Initiative.

Das Bundesumweltministerium unterstützt den Papieratlas-Wettbewerb von Anfang an. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat aus diesem Grund auch die Schirmherrschaft über diesen Wettbewerb übernommen. Ich möchte Ihnen hiermit seine herzlichen Grüsse übermitteln.

(Ressourceneffizienz – eine Notwendigkeit für erfolgreiches Wirtschaften)

Ein schonender und gleichzeitig effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen wird eine Schlüsselkompetenz zukunftsfähiger Gesellschaften sein.Deutschland hat die besten Voraussetzungen, bei dem nötigen globalen Wandel voranzugehen: Wir haben Innovationskraft, eine moderne Industriestruktur, anspruchsvolle Umweltstandards und engagierte Bürgerinnen und Bürger, denen ein nachhaltiger Lebensstil immer wichtiger wird.

Dieser positive Trend sollte weiter unterstützt werden. Deshalb hat die Bundesregierung Ende Februar als eines der ersten europäischen Länder ein umfassendes strategisches Konzept zur Steigerung der Ressourceneffizienz beschlossen: Das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm, kurz "ProgRess".

Damit streben wir an, Wirtschaftswachstum und Wohlstand möglichst weitgehend vom Ressourceneinsatz zu entkoppeln – also mit weniger mehr zu erreichen. Das Programm beinhaltet Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz einschließlich konkreter Handlungsfelder.

ProgRess gibt einen Überblick über die zahlreichen bereits vorhandenen Aktivitäten staatlicher und gesellschaftlicher Akteure, identifiziert weiteren Handlungsbedarf und beschreibt konkrete Handlungsansätze und Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz.

Das Programm setzt auf Marktanreize, auf Information, Beratung, Bildung, Forschung und Innovation sowie auf die Stärkung freiwilliger Maßnahmen und Initiativen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, also Rohstoffversorgung; dann Produktion, Konsum; und schließlich die Kreislaufwirtschaft. Auf jeder dieser Stufen bestehen erhebliche Potentiale für einen effizienten Umgang mit Ressourcen.

Auf dem Weg zu einem ressourceneffizienteren Konsum ist auch die Schaffung und Stärkung des öffentlichen Bewusstseins von zentraler Bedeutung, denn geänderte, Ressourcen sparende Verhaltensweisen und die Bevorzugung von ressourceneffizienten Technologien benötigen Information, Motivation und Qualifikation.

Der Papieratlas leistet mit seinen vielfältigen konsequenten Maßnahmen in den beteiligten Städten einen hervorragenden Beitrag im Sinne unseres Ressourceneffizienzprogramms.

Erfolgsstory Papieratlas

Der "Papieratlas" mit den Ergebnissen des Wettbewerbs ist nun zum fünften Mal erschienen. Es hat sich hier eine echte Erfolgsstory entwickelt, da der jährliche Städtewettbewerb dazu beigetragen hat, dass zahlreiche Städte dies genutzt haben, um ihre Beschaffung ökologischer auszurichten und auf Papier mit dem „Blauen Engel“ umzustellen. Der Papieratlas-Wettbewerb ist ein hervorragendes Instrument, um ganz konkret ökologisches Verhalten von wichtigen Akteuren der öffentlichen Beschaffung zu fördern.

Auf der einen Seite zeigt der Atlas für jede teilnehmende Stadt, welche positiven Effekte mit der Nutzung von Recyclingpapier verbunden sind, d. h. wie viel Energie, Wasser und CO2- Emissionen eingespart werden. Andererseits wird mit der jährlichen Auszeichnung der Städte mit den höchsten Recyclingquoten ein wichtiger zusätzlicher Anreiz gesetzt, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Die öffentliche Würdigung sowie die mediale Begleitung tragen zur positiven Imagebildung der Vorreiterstädte bei und motiviert wiederum andere Städte, dem guten Beispiel zu folgen.

Mein Dank gilt daher auch allen Städten, die sich in stets steigender Anzahl Jahr für Jahr an dem Wettbewerb beteiligen und sich so in diesem Bereich für eine ökologische Beschaffungspolitik engagieren!

Der Papieratlas ist zugleich ein hervorragendes Beispiel dafür, dass jeder „Akteur“ mit dem Einsatz von Recyclingpapier tagtäglich einen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz leisten kann. Denn trotz modernster Informationstechnologien und Digitalisierung ist Papier weiterhin ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Rund 20 Mio. Tonnen Papier werden pro Jahr allein in Deutschland verbraucht. Zur Herstellung von Papier wird neben Holz bzw. Altpapier eine Vielzahl weiterer Ressourcen benötigt.

Im Bereich Energie beträgt der Anteil der Papierindustrie rund zwei Prozent am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland. Das ist gemäß einer Studie von 2010 etwa der Energieverbrauch des gesamten Luftverkehrs in Deutschland. Wenn wir dann schon auf das Papier nicht verzichten können oder wollen, dann macht es in jedem Falle Sinn, nur Recyclingpapier zu verwenden. Die Einspareffekte im Vergleich zur Verwendung von Frischfaserpapier sind beachtlich. Es wurde in den vom Umweltbundesamt beauftragten Studien zu den Ökobilanzen für grafische Papiere eindeutig bestätigt, dass es wesentlich umweltverträglicher ist, grafische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu verwenden.

So werden mit Recyclingpapier allein rund 60 Prozent weniger Energie und Wasser benötigt – unter Beibehaltung des gewohnten Komforts und der Qualität.

Blauer Engel für Recyclingpapier

Seit mehreren Jahrzehnten existiert in Deutschland im Bereich Papier das Umweltzeichen „Blauer Engel“ für Recyclingpapier. Der „Blaue Engel“ berücksichtigt neben der Herkunft der Rohstoffe auch Umwelt- und Gesundheitsaspekte bei der Produktion und beim Einsatz der Papiere.

Der "Blaue Engel" für Recyclingpapier (RAL-UZ 14) fordert einen Anteil von 100 Prozent Altpapier am Faserstoff.

Das bedeutet:

  • geringer Wasser- und Energieverbrauch bei der Herstellung,
  • signifikante Schonung der Wälder sowie
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Darüber hinaus müssen Recyclingpapiere mit dem „Blauen Engel“ hohe Anforderungen bei der Auswahl der eingesetzten Altpapiere erfüllen. Ein Einsatz von Chemikalien und Hilfsstoffen ist nur äußerst begrenzt zulässig und es müssen hohe Anforderungen bei der Prüfung von Qualitätseigenschaften (z. B. Kopierfähigkeit und Archivierbarkeit) erfüllt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie es mich deutlich sagen: Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ für Recyclingpapier fordert die Erfüllung höchster ökologischer Standards und ist damit in Deutschland für Verbraucher und Einkäufer die eindeutig umweltfreundlichste Wahl bei Papier.

Vorreiterrolle der öffentlichen Beschaffung

Mit vielfältigen Initiativen in Behörden und Unternehmen wurde in den letzten Jahren eine stetig steigende Verwendung von Recyclingpapier erreicht.

Um in Zukunft noch mehr Unternehmen der öffentlichen Hand dafür zu gewinnen, auf Recyclingpapier mit dem "Blauen Engel" umzustellen, wurde die Kampagne „Grüner beschaffen“ ins Leben gerufen. Die Kampagne informiert über das Engagement der beteiligten Unternehmen und veröffentlicht online ihre Recyclingquote oder Umstellungsziele. Bereits 24 namhafte Unternehmen nehmen an der Initiative teil.

Mit einem umweltgerecht ausgerichteten öffentlichen Auftragswesen erfüllt die öffentliche Hand auch eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion. Das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.

Ein geringerer Energie- und Ressourcenverbrauch über die gesamte Lebensdauer eines Produktes bringt auch weitgehende Kostensenkungspotentiale mit sich. Eine geringere Umweltbelastung führt im Ergebnis in der Regel zu weniger Gesundheitsschäden. Durch die Reduzierung von Umwelt- und Gesundheitsschäden werden Folgekosten vermieden. Auf diese Weise ist durch ein umweltgerecht ausgerichtetes öffentliches Auftragswesen für die gesamte Gesellschaft ein erheblicher volkswirtschaftlicher Nettonutzen erreichbar.

Das Bundesumweltministerium hat sich in den letzten Jahren deshalb immer wieder dafür eingesetzt, dass diesen Aspekten auch mit Blick auf das öffentliche Auftragswesen Rechnung getragen wird.

So hat beispielsweise der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung im Dezember 2010 ein "Maßnahmenprogramm Nachhaltige Bundesregierung" beschlossen, das auch konkrete Maßnahmen zur Ausrichtung der Beschaffung des Bundes beinhaltet. Mit Blick auf Recyclingpapier soll dessen Einsatz wo wirtschaftlich sinnvoll und technisch möglich bis 2015 in allen Bundesbehörden auf mindestens 90 Prozent gesteigert werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

durch eine erhöhte Nachfrage nach innovativen umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen kann die öffentliche Hand auch ein deutliches Signal in Richtung der Anbieter solcher Produkte und Dienstleistungen setzen. In vielen Bereichen bedarf es einer bestimmten Nachfrage, um überhaupt entsprechende Produkte herzustellen.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber auch nicht verschweigen, dass es zur nachhaltigen Etablierung eines umweltfreundlichen öffentlichen Auftragswesens noch viel zu tun gibt.

In vielen der rund 30.000 Vergabestellen in Deutschland wird leider noch oft nach dem Motto agiert: „Wenn wir nicht nach Preis vergeben, gibt es ohnehin nur Ärger!“.

Ursachen für eine derartige Position besonders in kleinen Vergabestellen sind meist:

  1. Dass das Personal in der Regel weder eine juristische noch eine kaufmännische Ausbildung hat; (Vergaberecht sehr breit und kompliziert)
  2. Und dann folgerichtig die Beschaffung nicht als strategisches Geschäftsfeld, sondern als juristisches Minenfeld gesehen wird und
  3. Manchmal auch klare Vorgaben der Hausleitung und konkrete Arbeitshilfen fehlen. (z. B. für einzelne Produktgruppen)

Es bedarf daher vor allem politischen Willens und der Unterstützung der „Entscheider“ in den Behörden. Gute Beispiele - auch in Kommunen - gibt es genug. Die heutige Preisverleihung zum "Papieratlas 2012" ist dafür ein guter Beleg.

Darüber hinaus sind verstärkt entsprechende Informationsangebote und konkrete praktische Unterstützung (z. B. in Form von Musterausschreibungen) notwendig. Das Umweltbundesamt unterstützt hier schon seit langem mit der Website www.beschaffung-info.de und konkreten Schulungsangeboten im Rahmen der Verbändeförderung.

Die derzeit im Aufbau befindliche Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung beim Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums soll solche Angebote in Zukunft "bündeln" und noch besser koordinieren.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

neben den Städten, die sich am Wettbewerb "Papieratlas 2012" beteiligt haben, sehen auch Unternehmen in der Verwendung von Recyclingpapier zunehmend einen wichtigen Faktor nachhaltigen Handelns und folgen dem sich verstärkenden Trend zu mehr ökologischer Verantwortung. 40 Prozent der Unternehmen, die bereits Recyclingpapier verwenden, wollen ihren Einsatz weiter erhöhen.

Der Sonderpreis Recyclingpapier des "Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2011" wurde der SAP AG für seine umfassende Umstellung auf Recyclingpapier mit dem Blauen Engel und seine vorbildliche Strategie zum ressourceneffizienten Einsatz von Papier verliehen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Papieratlas-Wettbewerb hat sich als eine gute Tradition entwickelt und stellt die positiven Beispiele der „Vorreiter“ der öffentlichen Hand heraus.

Auch Ihre im Papieratlas-Wettbewerb des Jahres 2012 erzielten Ergebnisse sind wieder hervorragend!

Die konkreten Beispiele der Siegerstädte wurden uns präsentiert - interessant sind die Wege, wie diese Erfolge erzielt wurden.

Ich möchte den Preisträgern des „Papieratlas 2012“, ganz herzlich gratulieren und Ihnen auch die Glückwünsche von Bundesumweltminister Peter Altmaier übermitteln!

Ich wünsche Ihnen weiterhin so viel Erfolg in Ihrer engagierten Arbeit!

Vielen Dank!

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