
- Es gilt das gesprochene Wort. -
Sehr geehrter Herr Hentschel (Vorstandsvorsitzender OLEC),
sehr geehrte Damen und Herren,
ich bedanke mich beim Oldenburger Energiecluster für die Einladung zur Jahrestagung und freue mich soviel Engagement für die Umsetzung der Energiewende vorzufinden. Es ist genau dieses Engagement, das wir brauchen, wenn wir die Energiewende schaffen wollen.
Die Energiewende ist ein gesellschaftliches Großprojekt, das von der Begeisterung und Kreativität von Menschen und Unternehmen lebt wie sie hier im Energiecluster in Oldenburg versammelt sind. Das ist vorbildlich, davon brauchen wir mehr.
Im Jahr 2011 wurden 20 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt, 80 Prozent aus konventionellen Energieträgern. Bis 2050 wollen wir dieses Verhältnis umkehren. Das sind die Eckdaten der Energiewende in wenigen Ziffern.
Das bedeutet,
Und es wird deutlich, dass dies ein Generationenprojekt ist.
Mit der Energiewende wollen wir für in den nächsten Jahrzehnten die starke und stabile wirtschaftliche Stellung Deutschlands in der Welt festigen und zugleich einen herausragenden Beitrag für den Klimaschutz leisten.
Damit stehen wir weltweit im Rampenlicht. Fast jede Woche betreut das BMU Delegationen aus anderen Ländern, die von Deutschland lernen wollen. Mit der Energiewende in Deutschland zeigen wir: Auch wir nehmen die Herausforderung Klimaschutz an!
Wir beweisen: Eine Energieversorgung, die im Wesentlichen auf erneuerbaren Energien beruht, ist auch und ganz besonders in einem wettbewerbsstarken Industrieland technologisch machbar, ökologisch vorteilhaft und volkswirtschaftlich sinnvoll. Und: Erneuerbare Energien und Energieeinsparung ermöglichen Atomausstieg und Klimaschutz in Deutschland gleichzeitig.
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Bundesumweltminister ist mit dem Anspruch angetreten, dem Umweltschutz die Bedeutung zu geben, die ihm in den Augen der Bevölkerung schon lange zukommt. Das hat er mit seinem 10-Punkte-Programm bekräftigt. Kernpunkt ist dabei die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende.
Die Energiewende ist auf einem guten Weg. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung sind wir unseren Zielen bereits voraus, zum Teil sogar schneller als in anderen Bereichen. Im ersten Halbjahr lag der Anteil der Erneuerbaren im Strombereich bei 25 Prozent.
Jetzt kommt es darauf an, diesen Ausbau auch technisch und wirtschaftlich zum Erfolg zu führen.
Ganz besonders müssen wir sinnvolle Lösungen finden, um den Netzausbau zu beschleunigen. Es kann nicht sein, dass wir in großem Maße Windstrom abregeln müssen, weil wir ihn nicht in die Verbrauchszentren transportieren können. Das werden wir den Bürgerinnen und Bürgern, die den Ausbau über die EEG-Umlage finanzieren, so nicht vermitteln können. Akzeptanz und Teilhabe sind relevant für eine breite gesellschaftliche Unterstützung.
Und hier setzt auch die Mittelstandsinitiative Energiewende an, die Minister Altmaier gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsminister und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks kürzlich aus der Taufe gehoben hat. Auch Mittelstand und Handwerk sind wichtige Partner für die Energiewende.
Und bei allen Herausforderungen dürfen wir nicht vergessen: Gerade vor Ort engagieren sich auch immer mehr Menschen für die Energiewende, zuhause, in den Gemeinden und in den Betrieben. Hier werden die anfallenden erneuerbaren Energien geerntet, hier werden Einsparkonzepte entwickelt, hier gibt es Begeisterung und Kreativität in der Umsetzung. Das sind die Wegbereiter der Energiewende, und auf diese Begeisterung können und wollen wir uns stützen!
Sehr geehrte Damen und Herren,
klar ist, dass Wind und Sonne einen Großteil des Stroms künftig erzeugen. Und klar ist: Wir werden in naher Zukunft häufiger erleben, dass wir mehr Strom erzeugen, als wir brauchen. Klar ist auch: Es wird Windflauten geben und Zeiten, in denen die Sonne wenig scheint, Zeiten, in denen Wind und Sonne uns zu wenig Strom liefern.
Bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien werden wir sogar mehr Energie erzeugen müssen, damit sie später, wenn benötigt, verfügbar ist.
Was tun wir also bei absehbaren Erzeugungsüberschüssen auf der einen Seite und Erzeugungslücken auf der anderen Seite?
Wir sind heute hier, um über Speichertechnologien zu sprechen. Und für viele sind Speicher die erste Antwort, wenn wir über Überschüsse und Lücken in der Stromerzeugung sprechen.
Speicher haben enorme Vorteile. Sie können Erzeugungsspitzen und –täler ausgleichen. Sie können bei Netzengpässen verhindern, dass wir Anlagen abregeln müssen. Sie können Systemdienstleistungen erbringen und saisonale Schwankungen erneuerbarer Energien ausgleichen. Sie können es Betreibern ermöglichen, erneuerbaren Strom direkt zu vermarkten. Insgesamt können Speicher einen wichtigen Beitrag zur Markt- und Systemintegration erneuerbarer Energien leisten. Mittel- und langfristig werden Speicher das sicherlich tun.
Zunächst einmal stehen Speicher im Strombereich bei der Optimierung des Energieversorgungssystems im Wettbewerb mit anderen Flexibilitätsoptionen. Und häufig haben Speicher dabei einen entschiedenen Nachteil. Sie sind teuer.Und bevor ich noch darstelle, in welcher Form wir Speicher unterstützen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen anpassen und insbesondere Forschung und Entwicklung zu Energiespeichern vorantreiben, möchte ich erläutern, dass es weitere Optionen gibt und dass wir diese in Betracht ziehen und auch vorrangig betrachten müssen, wenn wir die erneuerbaren Energien zu möglichst geringen Kosten in das Gesamtsystem integrieren wollen bzw. ein optimiertes Gesamtsystem für die Aufnahme mehrheitlich erneuerbarer Energien schaffen wollen!
Wir können Wind und Sonne zwar zunehmend besser vorhersagen aber wir können nicht beeinflussen, dass der Wind weht und die Sonne scheint, wenn wir Strom benötigen. Aber wir können das Gesamtsystem so gestalten, dass es Wind- und Sonnenenergie flexibel aufnehmen kann.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es gibt also eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Integration erneuerbarer Energien, die bereits heute zur Verfügung stehen. Und mit Blick auf hohe Anteile von 80 Prozent Erneuerbare wird es gar nicht ohne gehen. Wichtig ist, dass wir die Möglichkeiten kosteneffizient einsetzen. Und das bedeutet: Das Energiesystem dort, wo wir können, flexibel gestalten.
Auch Speicher liefern diese Flexibilität und vieles mehr. Nicht zuletzt bei großen Anteilen von Erneuerbaren werden wir auf Speicher angewiesen sein. In nennenswertem Umfang wird das aber erst bei deutlich über 40 Prozent Erneuerbaren notwendig sein. Das heißt, wir sollten die verbleibende Zeit nutzen, damit Speicher bis dahin technisch und wirtschaftlich verfügbar sind.
Bei den Speichertechnologien gibt es darüber hinaus viele technische Optionen. Das Spektrum reicht vom Leistungsspeicher für kurzfristige Fluktuationen bis zur saisonalen Speicherung erneuerbarer Energien. Da Speicher mit Blick auf Einsatzgebiete, Anforderungen, Größe und Kostenrahmen spezifische Vor- und Nachteile haben, sind unterschiedliche Speichertechnologien erforderlich. Hier müssen wir als erste Schritte auch genauer definieren, wann welche Speicher in welchem Umfang erforderlich sind.
Und diese Schritte hat die Bundesregierung eingeleitet:
Sehr geehrte Damen und Herren,
allerdings müssen wir aber auch konstatieren: Viele Speichertechnologien sind technisch noch nicht ausgereift bzw. stehen großtechnisch noch nicht zur Verfügung. Um die notwendigen Techniken zur Marktreife zu bringen, müssen wir heute noch einiges tun.
Forschung und Entwicklung von Speichern müssen weiter vorangebracht werden, darüber hinaus gilt es mit Demonstrationsanlagen Einsatz und Betrieb von innovativen Speicherkonzepten genauer zu untersuchen. Die Bundesregierung intensiviert daher die Forschung in neue Speichertechnologien deutlich, um die notwendigen Kostensenkungen zu erreichen und Energiespeicher zur Marktreife zu führen.
Damit reicht das Spektrum von der Weiterentwicklung von Batterien und deren Anpassung an fluktuierende Einspeisung, z. B. zur Netzstützung, bis hin zur Umwandlung und Speicherung von fluktuierender Einspeisung in Wasserstoff und Methan, einschl. der Speicherung z. B. in Kavernen.
Aus meiner Sicht kommt der Option „Power to gas“ eine erhebliche strategische Bedeutung zu. Denn neben einer verstärkten Zusammenarbeit mit Ländern, die geeignete Pumpspeicherpotenziale haben, wie z. B. Norwegen, ist Power-to-gas die einzige Option, um auch Perioden von mehreren Wochen überbrücken zu können, in denen nur wenig Strom aus Wind und PV erzeugt wird.
Und deshalb beschränken wir uns hier nicht auf Forschung, sondern fördern auch Demonstrationsprojekte. Nur so sammeln wir die erforderliche praktische Erfahrung, um das Thema erfolgreich voranzubringen. In einem Demonstrationsprojekt – im Übrigen in Niedersachsen – geht es um die Optimierung einer geplanten 6 MW-Power-to-Gas-Anlage im Verbund mit einer bestehenden Biogas-Anlage.
Zukünftig wird die Initiative umfassend über Programm und die Projekte informieren. Ein Webportal soll noch zum Ende des Jahres eingerichtet werden.
Doch die Bundesregierung belässt es nicht allein bei der Forschungsförderung im Bereich Speicher. Wir kümmern uns auch um die gesetzlichen Rahmenbedingungen für bestehende und zukünftige Speicher. So haben wir wesentliche regulatorische Bedingungen für Speicher geändert:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Energiespeicherung ist ein wichtiges Thema beim Übergang zu einer überwiegend auf erneuerbaren Energien basierenden Stromversorgung.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen vermitteln, dass Speicher für die Bundesregierung - nicht erst in ferner Zukunft - von zentraler Bedeutung sind.
Zwar werden Speicher in größerem Umfang in Deutschland erst perspektivisch an Bedeutung gewinnen und zwar ergänzend zu anderen, kostengünstigeren Flexibilisierungsoptionen, dennoch werden sie für die Energiewende benötigt.
Und wenn wir darauf angewiesen sind, sollten wir nicht in die Verlegenheit kommen, nach den notwendigen Technologien suchen oder kurzfristig teure Lösungen beschaffen zu müssen.
Das Speicherthema ist wie die Energiewende insgesamt ein Zukunftsthema.
Und zwar eines für das sich Deutschland als Industriestandort frühzeitig qualifizieren und einen Vorsprung erarbeiten kann. So wie früher bei der Suche nach Öl werden künftig bei der Suche nach optimalen Lösungen für ambitionierte Energiekonzepte Know-How, Technologien und nicht zuletzt Menschen, die das umsetzen, gefragt sein. Im Großen und wie Kleinen, in Deutschland und anderswo.
In diesem Sinne wünsche ich der heutigen Jahrestagung weiterhin gutes Gelingen bei der Diskussion und Entwicklung eines wichtigen Zukunftsfeldes der Energiewende.