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Rede von Ursula Heinen-Esser anlässlich der Pressekonferenz BMU/BfN zur Naturbewusstseinsstudie 2011

Datum: 28.08.2012
Ort: Bonn

Porträt

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Ihnen gemeinsam mit Frau Professor Jessel die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie 2011 vorstellen zu können.

Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Umfrage unter der deutschsprachigen Bevölkerung. Insgesamt wurden 2.031 Personen über 18 Jahre in mündlichen Interviews befragt. Die Daten wurden nach soziodemographischen Faktoren wie Alter, Bildung, Geschlecht, sowie nach soziokulturellen Merkmalen, nämlich der sozialen Lage und der Wertorientierung, differenziert ausgewertet.

Sie kennen alle die Umweltbewusstseinsstudien, die seit 1996 im zweijährigen Turnus vom BMU in Zusammenarbeit mit dem UBA herausgegeben werden und die die deutsche Umweltpolitik seitdem erfolgreich beraten und begleiten. Mit der Naturbewusstseinsstudie 2011 liegen nun die Daten der zweiten Naturbewusstseinsstudie in Deutschland vor. Die erste Studie wurde 2009 erhoben und 2010 publiziert. Die hohe mediale und wissenschaftliche Resonanz und die vielen positiven Rückmeldungen zur ersten Erhebung sowie die hochinteressanten Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen mir, dass sich die Naturbewusstseinsstudien des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz zu einem wertvollen Instrument der Politikberatung und Kommunikationsarbeit entwickeln.

Sie stellen mit ihrem Fokus auf das Themenfeld "Natur und biologische Vielfalt" eine wichtige Ergänzung zu den langjährig bekannten Umweltbewusstseinsstudien dar.

Lassen Sie mich hier nun drei für mich sehr wichtige Botschaften herausstellen, ehe Frau Jessel auf vertiefende Ergebnisse und Handlungserfordernisse aus wissenschaftlicher Sicht eingehen wird:

  1. Die Energiewende trifft bei der deutschen Bevölkerung auf Unterstützung: Die Energiewende ist ein zentrales politisches Thema mit klarer Relevanz auch für den Naturschutz. Deshalb wurden Fragen zu regenerativen Energien und Landschaftsbild in die aktuelle Befragung aufgenommen. Die Naturbewusstseinsstudie bestätigt frühere Befragungen, die gezeigt haben, dass das Thema "Energiewende" großen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Neu ist, dass die Studie klare Präferenzen für bestimmte Formen der Energiegewinnung deutlich macht. Gefragt vor dem Hintergrund, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien zu Veränderungen im Landschaftsbild führen wird, stößt insbesondere der Ausbau von Windkraftanlagen im Meer bei 87 Prozent der Befragten und die Windnutzung an Land bei 79 Prozent der Befragten auf hohe Akzeptanz. Deutlich weniger beliebt ist hingegen eine Zunahme von Hochspannungsleitungen, nur 42 Prozent äußern hier Akzeptanz. Empfehlungen
    • Damit das Ziel des Ausbaus der regenerativen Energien erreicht werden kann, ist allerdings ein weiterer Ausbau des Leitungsnetzes notwendig. Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam nach Wegen suchen und sich in ihren Interessen gegenseitig ernst nehmen, um die notwendigen Anpassungen auf regionaler und lokaler Ebene auf angemessene Weise zeitnah durchführen zu können.
    • Natürlich ist zu erwarten, dass die Umsetzung konkreter Maßnahmen, wie die Planung und der Bau von Windkraftanlagen und Stromtrassen, vor Ort nicht immer ohne Konflikte ablaufen wird. Ich finde es nicht gut, wenn dann der Naturschutz als Argument für eine ablehnende Haltung gewissermaßen vorgeschoben wird, obwohl eigentlich ganz andere Interessen hinter der Ablehnung stehen. Deshalb sind Beteiligungsprozesse und -formen, in denen Politik, Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger das Gespräch suchen und Lösungen erarbeiten, so wichtig.
    • Wir brauchen eine offene Kommunikation darüber, was konkret auf die Menschen einer Region zukommt. Sie müssen im Zuge einer konsequenten und frühzeitig einsetzenden Partizipation bei Planung und Gestaltung aller Maßnahmen einbezogen werden. Nur so ist die Energiewende nachhaltig, das heißt natur- und sozialverträglich zu gestalten.
  2. Das Interesse an Informationen zum nachhaltigen Konsum ist in weiten Kreisen der Bevölkerung hoch: Dies bezieht sich insbesondere auf Lebensmittel. In Bezug auf die Herkunft und Erzeugung von Fleisch und Fleischprodukten besteht bei 66 Prozent der Befragten hier der höchste Informationsbedarf, 63 Prozent wünschen sich entsprechende Informationen bei Gemüse und Obst. Für die Naturverträglichkeit von Textilien zeigen 61 Prozent der Befragten großes Interesse. Empfehlungen
    • Es bietet sich sehr an, dieses Interesse an nachhaltig und naturverträglich produzierten Lebensmitteln in der Naturschutzkommunikation aufzugreifen und beispielsweise den bewussten Einkauf von regionalen oder Bioprodukten verstärkt in einen Naturschutzkontext zu betten.
    • Hinsichtlich der Naturverträglichkeit von Textilien gilt es, vor allem mit jungen, kaufkräftigen Zielgruppen den Zusammenhang zwischen moderner Rohstoffgewinnung zur Textilherstellung und Naturschutzaspekten zu kommunizieren. Das ist deshalb interessant, weil es mit dem Blauen Engel für Textilien einen verlässlichen Garanten für Textilprodukte gibt, die hohe Umweltstandards im Herstellungsprozess einhalten - doch leider haben sich hier bislang noch keine Zeichennehmer gefunden.
    • Darüber hinaus empfehle ich, verstärkt Partner aus den Bereichen Unternehmen und Verbraucherschutz für gemeinsame Informationskampagnen oder Projekte zu gewinnen, um Naturschutz noch stärker als "Konsumenten-Thema" zu etablieren.
  3. Die Bereitschaft für freiwilliges Engagement zum Schutz der Natur in der Bevölkerung ist hoch. Das gilt sowohl für Tätigkeiten im privaten Umfeld als auch für stärker gemeinwohlorientierte Aktivitäten: 38 Prozent können sich vorstellen, sich für den Naturschutz zu engagieren. Empfehlungen
    • Um neue Aktivierungspotenziale zu erschließen, ist es notwendig, zielgruppenspezifisch zu vermitteln, was z. B. im eigenen Garten oder im Wohnumfeld für den Natur- und Artenschutz getan werden kann.
    • Die Studie zeigt aber auch, dass es Erfolg versprechend wäre, wenn im verbandlichen Naturschutz neue Formen der Mitarbeit weiter entwickelt würden, die auch Personen mit wenig Zeit und geringer Bereitschaft zu langfristigem Engagement ansprechen.
    • Die Studie belegt, dass das Interesse an praktischen Tätigkeiten groß ist und insbesondere Jüngere unter 29 Jahre sich hier mehr Einsatz im direkten Kontakt mit der Natur vorstellen können. Da gerade die Älteren angeben, schon auf diesem Gebiet tätig zu sein, sind generationenübergreifende ehrenamtliche Projekte denkbar, in denen Ältere ihr Wissen und ihre Erfahrungen gezielt an junge Menschen weiter geben.
    • Da für jüngere Menschen der Nutzen ehrenamtlicher Tätigkeit für die berufliche Entwicklung von größerem Wert ist als für andere Altersgruppen, sollten entsprechende Fortbildungs- und Zertifizierungsprogramme für diese Zielgruppe gezielt weiterentwickelt werden.

Ich bedanke mich sehr für ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Wort an Frau Prof. Jessel.

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