
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Schülerinnen und Schüler der Corona-Schröter-Grundschule in Guben und der Grundschule Fürst Pückler in Bad Muskau,
sehr geehrte Lehrerinnen,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Jaeckel,
sehr geehrter Herr Präsident Prof. Freude,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Bänder,
sehr geehrter Herr Panning,
sehr geehrter Herr Baranski,
ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein darf, zu Eurer Preisverleihung im Rahmen des Malwettbewerbs "Der Fluss in Kinderaugen". Vielleicht fragt Ihr Euch, wer ich bin und warum es mir so wichtig ist, heute dabei zu sein.
Ich bin Ursula Heinen-Esser und komme aus Köln am Rhein. Einem anderen großen Fluss in Deutschland, der wie die Oder auch über Ländergrenzen hinweg fließt. Ich bin Mitglied des Deutschen Bundestages in Berlin und zurzeit parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.
Ich habe eine Vermittlerrolle zwischen dem Bundesumweltministerium und den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, die viele Fragen stellen und sehr genau informiert werden wollen über die Arbeit des Bundesumweltministeriums. Ich vermute mal, dass das so ähnlich ist, wie bei Euch, wenn Ihr Fragen an Eure Lehrerinnen oder Eltern habt.
Das Bundesumweltministerium ist in Deutschland für die Umweltpolitik zuständig und befasst sich mit unterschiedlichen Umweltgebieten. Zum Beispiel mit der Sicherheit von Atomkraftwerken, dem Klimaschutz, Solarenergie oder Windkraft. Themen, über die in den letzten Wochen oft in Zeitungen und Fernsehen berichtet wird.
Das Bundesumweltministerium kümmert sich aber auch um Dinge wie Abfallvermeidung, Verringerung der Luftverschmutzung, Arten- und Naturschutz. Und eben auch den Schutz von Gewässern, insbesondere wenn sie die Grenzen von Ländern überqueren.
So vertritt das Bundesumweltministerium zum Beispiel Deutschland in der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder, in der Polen, Tschechien und Deutschland zusammenarbeiten. Solche Kommissionen sind wichtig, weil Flüsse oft von einem Land in ein anderes Land fließen, und dabei keine Rücksicht auf die von den Menschen errichteten Grenzen nehmen.
Eure Bilder haben mich sehr beeindruckt. Sie zeigen sehr gut, wie genau Ihr Eure Umwelt beobachtet. Flüsse, das heißt für Euch Natur, Tiere, Pflanzen und Landschaften, aber auch Hochwasser und Überschwemmungen. Ihr habt vor allem auch Euch selbst dargestellt; Kinder und Erwachsene, Menschen, die ihre Zeit auf Flüssen und an Flussufern verbringen, die dort spielen oder auch einfach nur den sauberen Fluss und die schöne Landschaft genießen.
In der Vergangenheit sind die Menschen mit den Flüssen nicht immer gut umgegangen. Sie haben ihre Abfälle hineingeworfen und ihr Abwasser eingeleitet. Kläranlagen, die das Abwasser reinigen, gab es kaum.
Die Menschen haben auch Hindernisse in die Gewässer gebaut wie z. B. Wehre und Wasserkraftwerke. Ein Wehr liegt direkt hier in der Nähe. Sie haben die Flüsse begradigt, ausgebaggert und die Ufer befestigt, damit auf ihnen die Schiffe besser fahren können. Und sie haben Deiche gebaut, um sich vor Hochwasser zu schützen. Oft hat es die oberhalb am Fluss gelegenen Länder nicht interessiert, was bei ihren Nachbarn unterhalb passierte.
Inzwischen haben wir aber glücklicherweise gemerkt, dass die Flüsse und die angrenzenden Ufer und Auen eine wichtige Lebensgrundlage für uns bilden und selbst Schutz und Raum brauchen. Sauberes Wasser ist wichtig, zum Beispiel als Trinkwasser.
Die Flüsse brauchen breite Ufer und Auen, damit sie bei Hochwasser nicht so hoch ansteigen. Aber auch die Pflanzen und Tiere brauchen sauberes Wasser und natürliche Ufer als Lebensraum zum Leben und um sich fortzupflanzen.
Damit sich der Zustand der Flüsse wieder verbessert, haben sich die Länder an den Flüssen in Kommissionen zusammengetan, um sich darüber zu verständigen, wie sie mit den Flüssen umgehen. Sie haben Vereinbarungen getroffen, um das Einleiten von giftigen Stoffen zu verhindern oder um die Gewässer wieder in einen natürlicheren Zustand zu bringen und dauerhaft zu schützen.
Nur wenige Meter von hier fließt die Lausitzer Neiße, ein Nebenfluss der Oder. Wenn man sie so sieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass ein Hochwasser im Jahre 2010 den ganzen Park überschwemmt und große Schäden angerichtet hat. Das gerade renovierte Schloss und auch die Orangerie, in der wir uns gerade befinden, konnten nur knapp mit Wällen aus Sandsäcken vor den Fluten geschützt werden. Solche Ereignisse zeigen uns, dass wir wieder lernen müssen, mit der Natur zu leben und uns besser an solche natürlichen Ereignisse anzupassen. Das heißt zum Beispiel, dass wir zukünftig keine Häuser mehr in Auen oder zu nah an Flüssen bauen sollten.
Neben Grenzen können Flüsse aber auch verbindende Elemente sein, was uns die Wanderfische zeigen. Ich persönlich finde ihre Lebensgeschichte besonders spannend. So schwimmen zum Beispiel der Lachs und der Stör hunderte von Kilometern aus der Ostsee die Oder und seine Nebenflüsse hinauf, nur um dann hier ihre Eier abzulegen. Und die Jungfische machen sich anschließend wieder auf den Weg ins Meer um dort einige Jahre zu leben, bevor sie wieder denselben Weg, wie ihre Eltern nehmen. Falls Ihr diese spannende Geschichte nicht sowieso schon kennt, erfahrt Ihr nachher in dem Vortrag noch mehr darüber.
Ich jedenfalls bin beeindruckt, wie viel Gedanken Ihr Euch über unsere Flüsse und unsere Umwelt gemacht habt und wie kreativ Ihr das umgesetzt habt. Vielleicht weckt dieser Malwettbewerb in Euch ja auch den Wunsch, noch mehr über Flüsse und Wasser zu erfahren und Dingen, die Ihr vielleicht nicht in Ordnung findet, nachzugehen und diese zu verändern.
Falls Ihr mehr wissen möchtet, findet Ihr zahlreiche Informationen über Wasser, Flüsse und andere Umweltthemen, aber auch spannende Spiele auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums. Dort gibt es einen speziellen Bereich für Kinder. Schaut einfach mal rein.
Vielleicht habt Ihr ja noch Zeit, Euch das Umweltmobil anzusehen. Wir sehen uns gleich bei der Preisverleihung wieder. Ich wünsche Euch allen einen schönen und erlebnisreichen Tag.