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Rede von Ursula Heinen-Esser anlässlich der Informationsveranstaltung der Bundesregierung (BPA): Energieeffizienz im Gebäudebereich

Datum: 23.05.2012
Ort: Bundespresseamt

Porträt

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

Einleitung

die heutige Veranstaltung des Bundespresseamtes widmet sich der Energieeffizienz im Gebäudebereich, denn die Gebäudesanierung ist neben dem Verkehrsbereich das Schlüsselthema im Bereich der Energieeffizienz und Energieeinsparung.

Gegenüber dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist das Thema Energieeffizienz allerdings nicht so leicht zu vermitteln. Ihnen kommt hier eine zentrale Vermittlerrolle zu. Sie erreichen täglich Millionen von Menschen. Durch sachgerechte und präzise Information können sie Vertrauen schaffen und viel bewegen. Energieeinsparung bedarf - offenbar im Unterschied zu den erneuerbaren Energien - der ausführlichen Erläuterung und Motivation. Von Seiten der Politik sind wir hier ein gutes Stück auf Ihre Mithilfe angewiesen.

Die Kommunikationsstrategien sind oftmals leider sehr negativ geprägt.

Einige Beispiele dazu:

     

  • "Jahr der Verdämmnis" (Financial Times Deutschland, 27.1.2011)
  • "Zwang zur Sanierung belastet Hausbesitzer" (Handelsblatt, 9.9.2011)
  • "Energiespar-Zwang blockiert deutschen Wohnungsbau" (Welt online, 2.9.2011)
  • "Politik zwingt Hausbesitzer zum Energiesparen" (Welt online, 7.6.2011)
  • "Die Deutschen - ein Volk der Dichter und Dämmer" (Badische Zeitung, 13.4.2012)

Potenziale und Ziele

Der größte Energieverbrauchssektor Deutschlands ist der Wärmemarkt. Ihm fällt daher eine Schlüsselrolle zu.

Sie kennen die Zahlen, die immer wieder beeindrucken:

  • Rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland fallen im Gebäudebereich an.
  • Etwa drei Viertel des Altbaubestandes wurden vor 1979 errichtet, also bevor die 1. Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Rund 70 Prozent dieser Gebäude haben keine Dämmung, bei 20 Prozent ist sie unzureichend.
  • Knapp 80 Prozent der Heizungsanlagen entsprechen nicht dem Stand der Technik. Erst 13 Prozent koppeln bereits erneuerbare Wärme ein.

Das Energiekonzept setzt hier deshalb auch klare Ziele. Zur Erinnerung:

  • Bis 2050 soll der Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein; im Neubaubereich wird dieser Standard bis 2020 eingeführt
  • Bis 2020 soll der Wärmebedarf um 20 Prozent gesenkt werden, bis 2050 der Primärenergiebedarf um 80 Prozent
  • Die energetische Sanierungsrate soll auf 2 Prozent verdoppelt werden
  • Ein Sanierungsfahrplan soll Eigentümern Hilfe und Wegweiser sein.

Keine leichte Aufgabe. Wir müssen hier allerdings vorankommen, nicht nur aus energie- und volkswirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus sozialen Überlegungen. Seit 1995 sind nach Angaben der dena die Kaltmieten um 24 Prozent gestiegen, die Energiekosten im gleichen Zeitraum um 173 Prozent. Die "Energiearmut" wird immer akuter. Jedes Jahr wird etwa 600.000 Haushalten der Strom abgestellt, weil sie ihn nicht mehr bezahlen können.

Handlungsfelder als Thesen

Ich möchte als Einstieg in unsere Diskussion ein paar zentrale Thesen in den Raum stellen.

  1. Die energetische Sanierungsrate ist mit einem Prozent viel zu gering. Bliebe es dabei, würde jedes Gebäude in 100 Jahren nur ein einziges Mal energetisch modernisiert. Wir brauchen mindestens eine Rate von 2 Prozent, besser noch 2,5 Prozent, damit bis 2050 nahezu jedes Gebäude energetisch auf den neusten Stand gebracht wird.
  2. Die Technologien dafür sind heute bereits verfügbar - sowohl in der Bau- als auch in der Anlagentechnik. Es kommt darauf an, diese Technologien schnell und in großer Breite in den Markt zu bringen. Dabei ist der Neubau "Schrittmacher" für den Gebäudebestand.
  3. Auch die Instrumente sind vorhanden. Wir müssen sie allerdings fortentwickeln und mit neuen, langfristigen Ansätzen kombinieren. In der Energieeinsparverordnung müssen die energetischen Mindestanforderungen an Neubauten und Bestandsgebäude kontinuierlich fortgeschrieben werden. Mit dem Gebäudesanierungsprogramm und dem Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien werden parallel dazu wirtschaftliche Anreize gesetzt. Fördern und fordern müssen in einem Gleichgewicht stehen.
  4. In den nächsten 20 Jahren steht etwa die Hälfte der Gebäude aus bauphysikalischen Gründen zur Sanierung an. Diese Anlässe müssen auch für energetische Modernisierungen genutzt werden. Durch die Kopplung mit ohnehin anstehenden Maßnahmen lassen sich die energetisch bedingten Zusatzkosten erheblich senken. Nur so ist die energetische Modernisierung auch wirtschaftlich! Kein Eigentümer wird dazu veranlasst - und schon gar nicht gezwungen -, ausschließlich aus energetischen Gründen zu sanieren.
  5. Auf diesem Grundsatz baut, als neues Element, eine Langfriststrategie auf - der Sanierungsfahrplan 2050. Dieser Sanierungsfahrplan ist gewissermaßen als "roter Faden" für Eigentümer und Investoren gedacht. Er soll ihnen einen langfristigen Orientierungsrahmen geben und ihnen planerisch die Kopplung mit ohnehin anstehenden Sanierungsmaßnahmen ermöglichen. Art, Umfang und Zeitpunkt möglicher Maßnahmen bleiben vollständig in der Hand des Eigentümers. Unser Ziel ist: jedes Gebäude bekommt seinen "individuellen" Sanierungsfahrplan. Der Eigentümer braucht die Gewissheit, dass er sich "auf dem richtigen Weg" befindet.
  6. Die Kosten für energetische Zusatzmaßnahmen werden - gewollt oder ungewollt - oft deutlich "überschätzt". Extreme Schätzungen reichen bis über 1.000 Euro/m2. Die Deutsche Energie-Agentur dena trifft hierzu eindeutige Aussagen. In einem Modellvorhaben hat sie 440 reale Sanierungsbeispiele wissenschaftlich ausgewertet. Für eine Einsparung um 80 Prozent! ermittelt sie - basierend auf dem Kopplungsprinzip - energetische Mehrkosten von 250 €/m2 - einen Wert also, der um das drei bis vierfache unter den genannten "Extremwerten" liegt. Diesen Kosten stehen erhebliche Einsparungen an Energiekosten gegenüber. In dem Modellprojekt hat die dena ermittelt, dass die Sanierung zum Effizienzhaus 70 7,1 ct/kWh kostet, für den alternativen Energiebezug müssen dagegen etwa 8 ct/kWh - aktuell eher noch deutlich mehr - bezahlt werden.
  7. Dies führt mich zur meiner letzten These: Zur Information der Eigentümer ist eine umfassende, sachkundige und auf die individuelle Situation zugeschnittene unabhängige Beratung unabdingbar. Sie ist der Schlüssel, um eine energetische Modernisierung individuell richtig zu planen und die im Einzelfall wirtschaftlich günstigste Lösung zu finden. Der Eigentümer muss erkennen, dass es für ihn wirtschaftlich günstiger ist, energetisch zu sanieren als abzuwarten und sein Geld in den Kauf von immer teureren Brennstoffen zu investieren.

Umsetzungsfragen

Es stellt sich die Frage: Wie viel Zeit haben wir noch für die Umsetzung?

Eigentlich keine. Angesichts der langen Investitionszyklen im Gebäudebereich von mehreren Jahrzehnten ist bereits jede heute unterlassene energetische Modernisierung eine Hypothek auf die Zukunft.

Die gute Nachricht ist: Die Umsetzung ist bereits in vollem Gange - wenn es sicher auch mancherorts schneller gehen könnte. Die ordnungsrechtlichen und die förderpolitischen Fundamente sind vorhanden. Eine Novelle der Energieeinsparverordnung befindet sich in der Ressortabstimmung.

Auf der förderpolitischen Seite hat diese Koalition das Gebäudesanierungsprogramm auf 1,5 Mrd. Euro pro Jahr aufgestockt und bis zunächst 2014 verlängert. Geprüft wird derzeit die Möglichkeit einer anschließenden haushaltsunabhängigen Finanzierung. Insgesamt verfügt der Bund mit den zahlreichen KfW-Programmen über eine breite Förderlandschaft.

Auch flankierende Regelungen z. B. im Mietrecht - hier insbesondere die Regelung zum Contracting - sind in Arbeit.Eine wichtige Komponente hängt jedoch leider immer noch im Vermittlungsverfahren: Die steuerlichen Anreize.

Hiermit sollen besonders die selbstnutzenden Ein- und Zweifamilienhausbesitzer angesprochen werden. Leider blockieren die Länder bisher jeden Einigungsversuch mit der Forderung nach Kompensation ihrer Steuerausfälle. Dies ist für mich völlig unverständlich. Gutachterlich ist nachgewiesen, dass der Selbstfinanzierungseffekt die Ausfälle bei weitem übersteigt.

Schluss

Die Jahrhundertaufgabe Gebäudesanierung ist eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Umsetzung erfordert von allen Beteiligten neue Ideen, Phantasie und eine Menge Gestaltungswillen. Und Einsatzwille - denn von alleine wird sich nichts bewegen.

Besonders freue ich mich darüber, dass Sie heute Vormittag ein gebautes Beispiel aus dem Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums besichtigt haben - das Netto - Nullenergiehaus in Berlin-Marienfelde.

Dieses Gebäude des Umweltbundesamtes zeigt, was bereits heute möglich ist - ein Gebäude, dem über den Zeithorizont eines Jahres gesehen keine Energie mehr zugeführt werden muss.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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