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Rede von Ursula Heinen-Esser anlässlich der 6. BMU/UBA/BITKOM Jahreskonferenz Green IT

Datum: 26.09.2012
Ort: Jerusalemkirche, Berlin

Porträt

 

- Es gilt das gesprochene Wort. -

I. Begrüßung

Sehr geehrter Herr Professor Kempf,
sehr geehrte Damen und Herren,

bereits seit 2007 veranstalten das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und der IT-Bundesverband BITKOM die "Green IT-Jahreskonferenz".

Anlass für die Konferenzreihe war damals vor allem der rasant ansteigende Energieverbrauch durch den Betrieb von Rechenzentren.

Informations- und Kommunikationstechnik (kurz IKT) möglichst energie- und ressourceneffizient zu betreiben und einzusetzen, ist die Grundidee und Zielrichtung, die sich hinter dem Schlagwort Green IT verbirgt. Dieser Herausforderung wollten und wollen wir uns gemeinsam mit der deutschen IKT-Industrie stellen.

Ich freue mich daher sehr, dass die Green IT-Jahreskonferenz heute bereits zum 6. Mal stattfindet und damit die konstruktive Zusammenarbeit zwischen BMU, UBA und BITKOM fortgesetzt wird.

Es hat schon Tradition, dass wir für die Konferenz besonders aktuelle und zukunftsgerichtete Themen auswählen. Heute lautet das Motto: "Green IT - Along the value Chain". Es geht also um die gesamte Wertschöpfungskette in der IKT. Das Thema zeigt, dass wir seit dem Auftakt der Konferenzreihe unseren Blickwinkel deutlich erweitert haben. Der Stromverbrauch von Rechenzentren spielt zweifellos immer noch eine wichtige Rolle. Aber wir haben erkannt, dass auch der Energie- und Materialaufwand für die Herstellung der IKT-Produkte sowie die Wiederverwendung und das Recycling immer wichtiger für den Umweltschutz, aber auch für die Unternehmen werden.

II. IKT sind geradezu ein Paradebeispiel für Innovationstechnologien.

Kaum ein anderer Wirtschaftssektor hat sich in der Vergangenheit mit einer solchen Geschwindigkeit, einem derartig beeindruckenden Wachstum und derart kurzen Innovationszyklen weiterentwickelt.

Und insbesondere für die Effizienzsteigerung und die Nutzung erneuerbarer Energie- und Rohstoffquellen brauchen wir innovative Technologien. Mit anderen Worten: Auch die Energiewende funktioniert nur mit mehr IKT.

Ein Beispiel: Für die Einbindung der erneuerbaren Energien in unser Stromnetz ist eine intelligente Steuerung der vielen dezentralen Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke erforderlich.

Und es bedarf gleichzeitig eines ständigen Abgleichs zwischen Stromerzeugung und -verbrauch. Der Einsatz von "Smart Metern" ist bekanntermaßen die Voraussetzung für ein intelligentes Stromnetz, das "Smart Grid".

In Deutschland betrug der Stromverbrauch der gesamten IKT (einschließlich der Endgeräte) im Jahr 2007 bereits rund 55 Terawattstunden und damit 10,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs unseres Landes. Zum Vergleich: 2001 waren es 38 Terawattstunden. Also in 6 Jahren eine Steigerung um fast 50 Prozent!

Alle Prognosen sagen: Dieser Verbrauch wird auch in Zukunft weiter ansteigen. Das stärkste Wachstum ist bei den IKT-Infrastrukturen, das heißt bei den Servern und Rechenzentren, zu erwarten. Allein der Stromverbrauch der rund 53.000 Rechenzentren in Deutschland lag im Jahr 2008 bei etwa 10 Terawattstunden.

Dies entspricht unter Berücksichtigung des Strommixes im deutschen Netz einem Ausstoß von über 6 Millionen Tonnen CO2 und stellt eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000 dar. Die Einsparmöglichkeiten beim Rechenzentrumsbetrieb sind gleichzeitig immer noch immens. Darauf werde ich gleich am Beispiel der eigenen Aktivitäten des BMU und des Bundes eingehen.

Die EU-Kommission erwartet europaweit einen signifikanten Anstieg der Verkaufszahlen für Computer und Server: Im Jahr 2020 werden voraussichtlich 150 Millionen Computer - davon 120 Millionen Notebooks, deren Absatz besonders schnell wächst - abgesetzt.

Zum Vergleich: 2011 waren es knapp 50 Millionen PC's und 60 Millionen Notebooks, also insgesamt 110 Millionen Geräte.

Gleichzeitig schätzt man wesentlich größere Einsparpotenziale durch den Einsatz von effizienten IKT-Lösungen in den Sektoren Mobilität, Gebäude, Stromnetze und Logistik als der Betrieb von IKT selbst verursacht. - Ich habe ja schon Beispiele aus der Energieinfrastruktur genannt.

Wir bezeichnen diese indirekten Potenziale mit dem Schlagwort "green durch IT". Fachleuten sind die Zahlen längst bekannt: Durch solche intelligenten IKT-Lösungen sind in Deutschland bis zum Jahr 2020 CO2-Einsparungen in Höhe von 194 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr möglich. Damit konnte im übrigen fast das 6-fache dessen, was die IKT im Jahr 2007 selbst an Emissionen verursacht hat, eingespart werden.

Fazit: Wir brauchen und wollen IKT. Aber gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass IKT in erster Linie Teil der Lösung bleibt und nicht des Problems wird.

Lassen Sie mich das an 3 Beispielen konkreter ausführen.

  1. BMU und UBA haben gemeinsam eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Umweltauswirkungen von Notebooks näher untersucht wurden. Ausgangspunkt für die Studie war die Frage, ob man IKT-Geräte aus Klimaschutzgründen immer wieder durch neue, energiesparendere Modelle austauschen sollte. In anderen Worten: Wie lange müsste ein Notebook benutzt werden, damit sich aus Umweltsicht der Austausch durch ein neues, sparsameres Gerät lohnt? Die Ergebnisse haben uns überrascht: Über die gesamte Lebensdauer eines Notebooks fallen allein bei der Herstellung deutlich über 50 Prozent der klimawirksamen Emissionen an. Wenn das neue Notebook also 10 Prozent effizienter ist als das alte, dann müsste es einige Jahrzehnte benutzt werden, damit sich ein Austausch ökologisch rechnet! Was heißt das für Verbraucher, die Unternehmen und die Umweltpolitik? Natürlich sollten auch weiterhin möglichst energiesparende Geräte angeschafft werden. Aber aus Umweltsicht sollten Verbraucher vor einer Neuanschaffung prüfen, ob das vorhandene Gerät nicht aufgerüstet oder repariert werden kann. Von den Herstellern erwarten wir, dass sie bereits beim Produktdesign mehr auf die Auf- und Nachrüstbarkeit, also den modularen Aufbau, die Austauschbarkeit der Akkus und die Reparierbarkeit achten. Dies wären notwendige Voraussetzungen, um die Nutzungsdauer der Produkte zu verlängern, was zu deutlichen Treibhausgasminderungen führen würde. Wir beobachten daher mit Sorge, dass zum Beispiel bei Smart Phones die Akkus häufig im Gerät fest verbaut und damit kaum noch ersetzbar sind. Wir setzen uns derzeit in Brüssel dafür ein, zu prüfen, ob und wie wir hierzu verbindliche Anforderungen an die Produktgestaltung machen können. Das wäre zum Beispiel unter der EG-Ökodesign-Richtlinie möglich. Die Studie und mögliche Schlussfolgerungen werden am heutigen Nachmittag ja noch ausführlich vorgestellt und diskutiert. Dazu ermuntere ich Sie ausdrücklich!
  2. Beispiel: Hinter den Schlagworten Materialreduktion und Nutzungsreduktion stecken zwei weitere wichtige Faktoren. Was ich damit meine, möchte ich an Beispielen aus dem BMU schildern: 2007 wurde im IT-Bereich des BMU damit begonnen, die Energieverbräuche zu messen und zu analysieren. Bemerkenswert war, dass es damals noch keine Vorgaben oder Standards für die Erfassung und Auswertung gab. Daher wurden diverse Messgeräte getestet und eigene Messverfahren und Rechenmodelle entwickelt. Damit waren wir sehr früh in der Lage, den Energieverbrauch abschätzen zu können. Das hat uns schließlich dazu getrieben, noch einen Schritt weiter zu gehen. 2010 haben wir als erste Bundesbehörde eine Energiemanagement-Software eingeführt. Mit dieser werden sämtliche IT-Energieverbräuche automatisch und kontinuierlich ermittelt. Der wesentliche Vorteil ist, dass mehr oder weniger auf Knopfdruck die Verbräuche bestimmter Produktgruppen - wie z. B. Drucker - oder Infrastrukturen über ein bestimmtes Zeitfenster beobachtet werden können. Auf diese Weise wird visuell deutlich, wo Handlungspotential besteht. Letztlich geht es darum, die Geräte auszumachen, die noch nicht ausreichend energieeffizient sind und Möglichkeiten zu finden, durch Einflussnahme - durch Abschalten von Geräten zu Zeiten, in denen sie nicht genutzt werden - die Verbräuche zu steuern. Außerdem haben wir unsere Rechenzentren - obwohl diese eher klein sind - mit einer Warmgang-Einhausung aufbauen lassen. Kühlluft und Abluft werden nun sauber voneinander getrennt, der Energieverbrauch der Rechenzentren hat sich in der Folge um über 20 Prozent reduziert. Wir haben damit demonstriert, dass auch im kleinen Maßstab innovative Konzepte Wirkung zeigen. Gemeinsam mit den anderen Ressorts und Bundesbehörden arbeiten wir an unserem gemeinsamen Ziel, den Beschluss des Rats der IT-Beauftragten umzusetzen, den Energieverbrauch der IKT in der Bundesverwaltung zwischen 2009 und 2013 um 40 Prozent zu reduzieren. Der Basiswert, auf den man sich bezieht, beträgt 650 Gigawattstunden, was in etwa dem jährlichen Stromverbrauch der Stadt Wuppertal entspricht. Die Umsetzung dieser Green-IT-Initiative der Bundesverwaltung wird von der Projektgruppe Green-IT gesteuert. Deren Leitung liegt seit Anfang 2012 beim BMU. Die Projektgruppe hat inzwischen zahlreiche Leitfäden und Handreichungen entwickelt, die dem Bund, aber auch der Öffentlichkeit, als Hilfestellung bei der Optimierung des Energieverbrauchs des IT-Betriebes, bei der Durchführung von Energieverbrauchsmessungen oder zur energieeffizienten Beschaffung von IT dienen können. Die verschiedenen Maßnahmen, die im Rahmen dieser Initiative gestartet und umgesetzt wurden, haben dazu geführt, dass der Gesamtstromverbrauch der IT beim Bund inzwischen - d. h. nach 3 Jahren - auf 486 Gigawattstunden reduziert werden konnte.
  3. und letztes Beispiel: Ein wichtiges Anliegen ist uns auch, die Nachfrage nach besonders umweltfreundlichen, energie- und ressourceneffizienten Produkten mit geeigneten Instrumenten zu unterstützen und zu fördern. Das BMU setzt hier zum einen auf den "Blauen Engel" als das Umweltzeichen, welches bereits für PCs, Notebooks und Router verfügbar ist. Den Blauen Engel für "Energiebewussten Rechenzentrumsbetrieb" haben Sie bereits heute Vormittag näher kennengelernt. Damit wollen wir Rechenzentren auszeichnen, die sich für die Umsetzung einer langfristigen Strategie zur Steigerung der Energieeffizienz einsetzen - und zwar jeweils in Bezug auf die zu erbringenden IT-Dienstleistungen. Zum anderen erstellen UBA, BITKOM und das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums Leitfäden für die öffentliche Beschaffung von umweltfreundlichen IKT-Produkten. Schließlich sollte die EU-Energieeffizienzkennzeichnung, das von den Haushaltsgeräten bekannte "A bis G-Label" nach unserer Auffassung auch für IKT-Produkte eingeführt werden, sobald einheitliche Bemessungsgrundlagen dafür vorliegen. Dies würde auf Nachfrageseite zusätzliche Transparenz schaffen und Kaufanreize für besonders effiziente Produkte setzen. Dafür setzt sich mein Haus in Brüssel ein.

IV. Schlusswort

Die IKT sind eine Schlüsseltechnologie für die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und damit nicht zuletzt für die Umsetzung der Energiewende. Zwei wesentliche Herausforderungen habe ich aus Umweltsicht aufgezeigt:

  1. Der möglichst effiziente Betrieb der IKT-Infrastruktur - und das bei ständig wachsendem Leistungsbedarf. Hier gilt es, noch mehr Bewusstsein bei den Betreibern und Anwendern zu schaffen (Stichworte: Blauer Engel für Rechenzentren und Einsparziel des Bundes). Wenn ich einen Wunsch an unsere Partner in der Wirtschaft richten darf: Konkrete Selbstverpflichtungen zur Einsparung von Energie und Ressourcen könnten auch auf Unternehmensseite zusätzliche Anreize setzen.
  2. Neben dem Energiebedarf im Betrieb sind auch die Herstellung und die Entsorgung der Produkte von zunehmender Bedeutung für den Umweltschutz. Hier müssen wir weiterhin gemeinsam an geeigneten Lösungen arbeiten. Das BMU wird seine Aktivitäten zur Förderung von "Green IT" auch in Zukunft mit großem Engagement fortsetzen. Gemeinsame Auftritte und Aktionen auf der CeBIT und die heutige Konferenz zeigen, wie gut die Kooperation zwischen Umweltpolitik und Wirtschaft sein kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese erfolgreiche Zusammenarbeit in Zukunft fortsetzen werden.
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