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Rede von Ursula Heinen-Esser: 10 Jahre Viabono - Rückblick und Ausblick

Datum: 06.02.2012
Ort: Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund, Luisenstraße 18, Berlin

Sehr geehrter Herr Langhoff,
sehr geehrter Herr Meyer,
sehr geehrter Herr Offers,
sehr geehrter Herr Weinzierl,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

zunächst möchte ich Ihnen herzlich für die Einladung zu Ihrer Festveranstaltung "10 Jahre Viabono - Rückblick & Ausblick" danken. Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen lässt Sie herzlich grüßen. Er hätte gerne zu Ihnen gesprochen. Leider hat das sein Terminkalender nicht zugelassen.

Ihr Treffen findet in ausgesprochen schwierigen Zeiten statt. Themen wie die "EURO-Krise", "Staatsverschuldung", die Angst vor einer neuerlichen wirtschaftlichen Rezession bis hin zu Diskussionen um künftige Wege hin zu einer nachhaltigen und zugleich bezahlbaren Energieversorgung der Zukunft ohne Atomkraft bestimmen unser Denken und Tun. Kaum eine Branche reagiert so sensibel auf Krisen oder auch nur befürchtete Krisen wie der Tourismus, der vielfach vom kurzfristigen Geschäft lebt. Kaum eine andere Branche hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie nach Krisen auch ganz schnell wieder erhebliche Wachstumspotenziale nutzen kann wie der Tourismus, der schnell auf Trends und neue, auch branchenfremde Ideen zu reagieren weiß.

Dabei sind das Reiseland Deutschland und seine touristischen Anbieter einem immer härter werdenden Wettbewerb ausgesetzt. Um bestehen zu können, ist vor allem Qualität gefragt. Nachhaltigkeit ist dabei in Zeiten fortschreitenden Klimawandels und des Verlusts an Biodiversität, die auch den Tourismus und seine Existenzgrundlage beeinträchtigen, ein unverzichtbares Merkmal von Qualität. Nachhaltigkeit geht die Gesellschaft als Ganzes an und ist langfristig ausgerichtet. Ein nachhaltiger Tourismus im Einklang mit Natur und Landschaft, der zugleich auf Ressourceneffizienz setzt, bietet die besten Voraussetzungen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden und dauerhaft am Markt bestehen zu können. Ein auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit beruhender Tourismus trägt langfristig zur Schaffung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen gerade auch im strukturschwachen ländlichen Raum als Lebensgrundlage für viele Familien über Generationen hinweg bei. Viabono als Umweltdachmarke hat von Anfang an genau diese Nachhaltigkeit im Blick und Maßstäbe für den Deutschlandtourismus insgesamt gesetzt.

Umso mehr freut es mich deshalb, dass wir heute gemeinsam das 10jährige Bestehen von Viabono begehen können.

Meine Damen und Herren,

"Viabono" - das steht für den rechten, für den guten Weg. Diesen Weg hat die Branche gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium vor 10 Jahren angetreten und eine weite Strecke erfolgreich zurückgelegt. Allen Engagierten im Trägerverein, den Förderern und Mitarbeitern von Viabono möchte ich dazu herzlich gratulieren und ihnen für die geleistete Arbeit danken. Viabono finanziert sich - trotz aller Startschwierigkeiten - nunmehr über sechs Jahre eigenständig.Das ist ein großer Erfolg.

Das zeigt, dass es in den zehn Jahren gelungen ist, eine eigenständige Dachmarke für nachhaltigen Tourismus in Deutschland am Markt zu etablieren, die überobligatorische, d.h. höhere als vom Gesetzgeber geforderte Umweltstandards umsetzt. Diese hohe Qualität wird Viabono auch von Analysten der Tourismusbranche, wie zum Beispiel dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (DWIF) im Tourismusbarometer 2010, bescheinigt.

Viabono ist über die Tourismusbranche hinaus auch zu einer wertvollen Orientierungshilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts einer Flut von Gütesiegeln in diesem Bereich geworden. Zugleich zeigt Viabono durch die Vermarktung buchbarer Angebote, dass der hohe Anspruch auch praktisch eingelöst wird und das Qualitätsversprechen touristischer Produkte vor Ort nachprüfbar ist und "erlebt" werden kann. Mit den Viabono-zertifizierten Unternehmen und Produkten werden deutschlandweit und international Maßstäbe für die nachhaltige Tourismusentwicklung gesetzt. Zugleich wird damit dem zunehmenden Bedürfnis der Reisenden nach Qualitätstourismus entsprochen.

Der Tourismus in Deutschland leistet einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem von schwachen ländlichen Strukturen. Er kann zum kulturellen Austausch, zu Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz ebenso wie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen. Ebenso kann der Tourismus zu negativen Veränderungen, auch zu Schäden, an Natur und Landschaft führen, soziale Strukturanpassungen nach sich ziehen und unser gemeinsames Kultur- und Naturerbe selbst zum Nachteil kommender Generationen verändern.

Deshalb muss es darum gehen, dem anspruchsvollen Gast bewusst zu machen, dass sich Nachhaltigkeit, Komfort, Genuss und Gesundheit nicht widersprechen, sondern zusammengehören und Basis einer modernen, erfolgreichen Tourismuswirtschaft ist.

Zunehmend sollte den Gastgebern klar werden, dass ein klima-, umwelt- und naturschutzorientiertes Handeln, das den Energieverbrauch und die betrieblichen Kosten senkt, mithilft, die eigene Existenz zu sichern. Langfristig gesehen wird nur ein nachhaltiger Tourismus eine Zukunft am Markt haben.

Meine Damen und Herren,

Sie haben mit Viabono ein Pfund erhalten, das nicht jeder Wirtschaftsbranche in Deutschland zuteil wird. Sie müssen aber auch damit wuchern. Die Potenziale sind aus meiner Sicht erheblich und die Angebotspalette von Viabono – gerade auch im Bereich Zertifizierung – ist deutlich gewachsen, sodass den unterschiedlichen Bedürfnissen – vom kleinen familiengeführten Hotel bis zur Kettenfiliale Rechnung getragen wird. Ich freue mich auch, dass nach anfänglicher Zurückhaltung der Branche, die Unterstützung für die Umweltdachmarke wächst.

Wenn die Wirtschaft künftigen Anforderungen an einen Qualitätstourismus gerecht werden will, muss sie die Prinzipien eines nachhaltigen Tourismus und Möglichkeiten zu ihrer Umsetzung umfänglich in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft verankern. Viabono hilft dabei, diesen Weg einzuschlagen. Denn mit Viabono hat die deutsche Tourismuswirtschaft ein wichtiges Instrument in die Hand bekommen, das ihr Vorteile im Wettbewerb verschafft und zu ihrer dauerhaften Existenzgrundlage beiträgt.

Die Bundesregierung unterstützt seit vielen Jahren solche Ansätze - mit und für die Tourismusbranche. Unser Schwerpunkt liegt naturgemäß auf der Stärkung eines nachhaltigen Inlandstourismus. Dabei geht es uns vorrangig um die Bewahrung des Naturkapitals und Ressourceneffizienz. Ziel ist es, mittels touristischer Wertschöpfung unverzichtbare Ökosystemdienstleistungen wie den Erhalt der biologischen Vielfalt, sauberes Wasser, bessere Luftqualität und gesunde regionale Produkte sichern zu helfen. Das heißt: Von den Zinsen leben, nicht vom Kapital ist das Gebot der Stunde.

Mit dem BMU Demonstrationsvorhaben "Viabono" in den Jahren 2001 bis 2005 wurde ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Umweltorientierung des Tourismus - auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite - getan. BMU war Impulsgeber und half mit einer Anschubfinanzierung. Die Vergabe und Vermarktung der Umweltdachmarke waren und bleiben den bei Viabono beteiligten Verbänden über die Viabono GmbH und den Trägerverein als Steuerungsorgan vorbehalten.

Heute repräsentieren bei Viabono 19 Mitglieder aus allen wichtigen Interessengruppen ein Netzwerk für eine nachhaltige Tourismusentwicklung, das, wenn ich richtig informiert bin, 16 Millionen Verbraucher und Verbraucherinnen, 85.000 Tourismusunternehmen und 6.000 Tourismuskommunen umfasst. Dennoch ist Viabono noch zu wenigen bekannt, so schätzt es auch das DWIF ein. Deshalb appelliere ich an Sie, die Mitglieder im Trägerverein, die Kommunikation in Ihren Verbänden deutlich zu verstärken. Auch hier liegen unerschlossene Potenziale, vor allem auch für einen Imagegewinn der Branche insgesamt.

Natürlich kenne ich die Vorbehalte und mitunter Vorurteile, wie sie in der Branche kursieren. Punkt 1: Viabono ist zu teuer. Antwort von mir: Aber immer noch kostengünstiger als manch andere Umweltkennzeichen. Punkt 2: Die Messlatte liegt zu hoch. Das schaffen wir nie. Diesem Argument wollen wir nun mit dem DEHOGA-Umweltcheck im Rahmen der vom BMU geförderten Energiesparkampagne begegnen. Wer sich dabei "Gold", das heißt Viabono-Standards, nicht auf Anhieb zutraut, kann auf niedrigerem Level, sprich Bronze und Silber, einsteigen und schrittweise seine Umweltqualität verbessern. Erste Urkunden hat der DEHOGA, soweit ich weiß, bereits im Januar vergeben können.

Der Weg zu Viabono ist und bleibt richtig, weil die Dachmarke im Gegensatz zu vielen klassischen Gütesiegeln weitaus besser geeignet ist, breitere Verbraucherschichten anzusprechen und über vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten "einfache" und zugleich attraktive Botschaften, wie z.B. "Frisches aus der Region" zu vermitteln. Diese Marke steht für ein umweltpolitisches Qualitätsversprechen, dessen Kriterien von Verbraucherseite transparent hinterfragt werden können.

Meine Damen und Herren,

der Erfolg von Viabono in nur 10 Jahren belegt, dass es gelingen kann, eine touristische Nutzung im Sinne des Naturschutzes, der regionalen Wirtschaft wie auch der Besucherinnen und Besucher voranzubringen. Ich möchte heute den Viabono-Trägerverein zu weiteren Impulsen ermuntern. Der Jugend- und der Gesundheitsbereich bieten hier zum Beispiel gute Ansätze.

Neu hinzugekommene touristische Produkte und Zertifizierungen belegen den Multiplikatoreffekt, den die Umweltdachmarke Viabono ausübt. Die Bundesregierung unterstützt nachdrücklich die Ausrichtung hin zu Zertifizierungsentwicklung und Markteinführung nachhaltig gestalteter Tourismusprodukte.

Das Bundesumweltministerium wird auch künftig in seinem Engagement für einen nachhaltigen Tourismus nicht nachlassen. Gerade sind wir dabei gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband einen Bundeswettbewerb Ökologische Tourismusregion vorzubereiten. Ich könnte mir vorstellen, dass auch dort nach Viabono-Partnern gefragt wird.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Weitere Informationen:

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