
- Es gilt das gesprochene Wort. -
Sehr geehrte Frau Schroeder,
Sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums und des Kuratoriums von Euronatur,
sehr geehrte Damen und Herren,
25 Jahre Euronatur: Das ist wirklich ein Grund zum Feiern. Zu diesem Jubiläum möchte ich Ihnen recht herzlich gratulieren, auch im Namen unseres Bundesumweltministers Peter Altmaier, der Ihnen herzliche Grüße und Glückwünsche ausrichten lässt.
Leider kann er heute nicht persönlich hier sein. Er hat mich deshalb gebeten, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Euronatur, aber auch allen die sich hier ehrenamtlich engagiert haben, dafür zu danken, dass Sie Euronatur in den vergangenen 25 Jahren zu einer sehr erfolgreichen Fürsprecherin für den europäischen Naturschutz gemacht haben. Er wünscht Ihnen Glück und Erfolg für Ihre weitere Arbeit und freut sich, mit Euronatur einen starken Partner für den Naturschutz an seiner Seite zu wissen.
Der Minister hat ja bereits deutlich gemacht, wie wichtig ihm auch die Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden ist. Hier werden wir an die bewährt gute Tradition anknüpfen.
Im Naturschutz hat Deutschland insbesondere seit der Wiedervereinigung viel erreicht:
All dies wäre ohne den Einsatz der Naturschutzverbände nicht möglich gewesen. Sie waren oftmals Treiber dieser Entwicklung, haben manchmal auch den Finger in die Wunde gelegt. Sie schubsen die Politik mal sanft mal nachdrücklicher.
Trotz aller Fortschritte sind - gerade auch im globalen Maßstab - noch enorme Anstrengungen erforderlich, um die biologische Vielfalt - den Reichtum der Natur an Arten und Lebensräumen - zu erhalten. Dies ist eine Aufgabe, der wir gerade auch aus Verantwortung für künftige Generationen verpflichtet sind.
Die Erhaltung der biologischen Vielfalt und ihrer Regenerationsfähigkeit haben dieselbe Dimension und Bedeutung wie der Klimaschutz. Denn unser Leben hängt von der biologischen Vielfalt und den "Leistungen" der Natur ab. Ist die biologische Vielfalt bedroht, sind es unsere Lebensgrundlagen auch.
Deshalb haben die UN die Jahre 2011 - 2020 richtigerweise zur UN-Dekade der biologischen Vielfalt erhoben.
Die Ursache-Wirkungsbeziehungen beim Verlust der biologischen Vielfalt sind komplex und langfristig. Vor diesem Hintergrund ist ein langfristig angelegtes, zielorientiertes Vorgehen eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Politik.
Auf EU-Ebene wurden vom Umweltministerrat neue langfristige Ziele beschlossen und von den Staats- und Regierungschefs bestätigt. Zur Umsetzung der Ziele wurde 2011 die EU Strategie "Biologische Vielfalt 2020" beschlossen.
Bereits 2007 hat Deutschland eine eigene "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" festgelegt. Unser Ziel ist es, alle staatlichen und nicht-staatlichen Akteure zu mobilisieren und deren Aktivitäten zu bündeln. Sie enthält zukunftsorientierte Leitbilder, konkrete Ziele mit Zieldaten, Maßnahmen und ein Indikatorenset zur Erfolgskontrolle.
Die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" wird von allen im Bundestag vertretenen Parteien getragen und unterstützt. Sie ist eine wirksame Ergänzung und Unterstützung der "klassischen" Naturschutzpolitik. Durch den Fokus auf Dialog und Mobilisierung von Eigeninitiative bietet sie die Chance, Akteure für den Naturschutz zu gewinnen, die sonst desinteressiert oder gar ablehnend sind.
Seit 2011 stellt Bundesumweltministerium 15 Millionen Euro jährlich zur Unterstützung dieser Nationalen Strategie zur Verfügung.
Die Natur orientiert sich nicht an völkerrechtlichen Grenzen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir international dieselben Ziele verfolgen.
Mit dem Schutzgebietsnetz Natura 2000 leistet die EU, leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Deutschland trägt Verantwortung für den Erhalt mitteleuropäischer Ökosysteme wie Buchenwälder oder dem weltweit einzigartigen Wattenmeer. Seit kurzem sind diese Gebiete auch als Weltnaturerbe ausgewiesen, was ihre Bedeutung auch im internationalen Kontext noch erhöht.
Natura 2000 ist heute das weltweit größte Schutzgebietsnetz. Es schützt seltene und gefährdete wild lebende Tier- und Pflanzenarten und Lebensraumtypen in mehr als 25.000 Gebieten auf einem Fünftel der Fläche der EU. Dies ist eine Fläche größer als Deutschland und Frankreich zusammen. Und gerade der EU-weite und damit grenzüberschreitende Charakter ist so wichtig.
Die Erfolge sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Aber es gibt Anzeichen für Verbesserungen. So befinden sich rund ein Viertel der Arten und Lebensraumtypen, die man einmal wegen ihrer Schutzbedürftigkeit aufgenommen hat, heute in einem guten Zustand.
Und auch an dieser Stelle möchte ich Euronatur danken. Ihr Einsatz insbesondere in den vielen Projekten in Osteuropa zahlt sich aus, Ihre Erfolge sind beeindruckend. Machen Sie weiter so. Ich möchte Sie ermutigen, sich weiter zu engagieren!
Jetzt geht es vor allem darum, die Qualität der Natura 2000 Gebiete zu sichern. Wenn wir die Ziele der FFH-Richtlinie erreichen wollen, reicht die reine Erhaltung und Unterschutzstellung der Gebiete nicht aus, vielmehr müssen sie durch aktive Maßnahmen und gutes Management zu einem "günstigen Erhaltungszustand" verbessert werden.
Naturschutz ist aber nicht allein auf Schutzgebiete begrenzt. So kommt der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle im Naturschutz zu. Landwirtschaftliche Flächen machen mehr als 50 Prozent unserer Landesfläche aus. Ein konstruktiver Dialog und eine enge Kooperation von Nutzern und Naturschutz sind deshalb unverzichtbar.
Vor diesem Hintergrund ist der Ausgang der Verhandlungen zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die neue Finanzierungsperiode 2014 bis 2020 von zentraler Bedeutung für die Erreichung unserer Biodiversitätsziele.
Die Bundesregierung und insbesondere das Bundesumweltministerium unterstützen mit Nachdruck das Ziel der Europäischen Kommission, bei der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik eine stärkere ökologische Ausrichtung zu erreichen und damit Umweltbelangen auch in diesem Politikbereich mehr Gewicht zu verschaffen.
Ich begrüße sehr, dass sich Euronatur intensiv mit der Reform der europäischen Agrarpolitik auseinandersetzt und sich in die Verhandlungen aktiv einbringt. Ihre Handschrift ist im Bereich der Agrarpolitik bereits deutlich zu erkennen.
Mit Euronatur haben wir einen sehr starken Partner auf der Verbandsseite. Ich möchte Sie darin bestärken, sich auch weiterhin so engagiert in dieses, auch für Umwelt- und Naturschutz, zentrale Politikfeld einzubringen.
Das derzeit wohl bestimmende Thema in der Umweltpolitik ist die Umsetzung der Energiewende. Auch hier spielen Fragen des Naturschutzes eine wichtige Rolle. Es geht darum die Energiewende auch zum Erfolg zu führen, ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schädigen.
Eng mit der Energiewende sind auch Fragen des Klimaschutzes verknüpft. Wir haben in Deutschland ambitionierte Klimaschutzziele festgelegt. Deren Umsetzung ist jedoch kein Selbstläufer. Hier sind weiter erhebliche Anstrengungen notwendig. Auf europäischer Ebene diskutieren wir ambitioniertere Klimaschutzziele.
Energieeffizienz ist unsere günstigste Energiequelle. Sie ist Kernelement des Energiekonzepts.
Aus Sicht der Bundesregierung ist die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich. Sie stößt bislang auf den Widerstand der Mehrheit der Länder. Diesen Konflikt wollen wir noch in diesem Jahr auflösen.
Hier werbe ich dafür, dass alle Umwelt- und Naturschutzverbände den Bund in seinen Bemühungen hierbei unterstützen.
In wenigen Tagen beginnt die Rio+20-Konferenz in Rio de Janeiro.
Wie Sie wissen, behandelt die Konferenz zwei Themen: Erstens die Grüne Wirtschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung, und zweitens die Verbesserung des globalen institutionellen Rahmens für Nachhaltige Entwicklung. Beides Themen, die auch für den globalen Naturschutz von zentraler Bedeutung sind.
Rio 2012 bietet die große Chance, dass auf multilateraler Ebene die Vorkehrungen dafür getroffen werden, dass die Transformation zu einer wahrhaft nachhaltigen Entwicklung tatsächlich gelingt.
Die Rio-Konferenz von 1992 war visionär, indem sie klargemacht hat, dass Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik zusammengehören, dass sie ein Ganzes bilden.
Zwanzig Jahre nach diesem Durchbruch gilt es nun, Wachstum so zu gestalten, dass die Endlichkeit der Ressourcen selbstverständlicher Ausgangspunkt von Wirtschaftspolitik ist.
Ein Erfolg der Rio-Konferenz ist schon jetzt sichtbar: weltweit steht das Thema Nachhaltige Entwicklung wieder ganz oben auf der Tagesordnung.
Durch den Beschluss ambitionierter Ziele für den Übergang zu einer grünen Wirtschaftsweise und den Anstoß zur Ausarbeitung von globalen Nachhaltigkeitszielen wollen wir sicherstellen, dass dies so bleibt, damit Nachhaltigkeitsaspekte weltweit mehr und mehr in alle politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einfließen. Wenn uns dies gelingt, war Rio 2012 ein Erfolg.
Ohne die Arbeit von Euronatur und anderer Naturschutzverbände, Behörden und weiterer Naturschutzakteure wären wir sicher nicht dort wo wir heute stehen. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken.
Große Herausforderungen bewältigt man am Besten gemeinsam. Ich freue mich deshalb auf weiterhin enge Zusammenarbeit.
Ich wünsche allen Gästen eine wunderbare Feier und möchte Euronatur nochmals herzlich gratulieren.
Vielen Dank.