
- Es gilt das gesprochene Wort. -
Anrede,
es ist mir eine besondere Freude, heute bei der Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelandschaften e.V. - kurz FIB - zu sein. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum und vielen Dank für die geleistete Arbeit.
Das FIB ist eine anerkannte Forschungseinrichtung für Bergbaufolgelandschaften, die einen ausgezeichneten Ruf genießt, weit über Brandenburg hinaus. Die Expertise des FIB und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist gefragt und findet Gehör. Hierauf können Sie stolz sein. Und hierauf können wir stolz sein, dass wir eine solche Forschungseinrichtung in Finsterwalde haben.
Die ostdeutschen Braunkohlereviere sind wahrscheinlich die am stärksten durch Menschenhand beeinträchtigten Gebiete unseres Landes. Nirgendwo sonst erfolgten derart massive Eingriffe in den Naturhaushalt, die das Landschaftsbild so gravierend veränderten.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Folgen des Braunkohlebergbaus in den neuen Bundesländern zu bewältigen und den Bergbauregionen eine neue Perspektive zu geben.
Im Rahmen der Braunkohlesanierung, der größten Landschaftsbaustelle Europas, entstehen attraktive Regionen mit hohem Landschafts-, Natur- und Freizeitwert sowie moderne Standorte für Industrie und Gewerbe. "Lausitzer Seenland" und "Leipziger Neuseenland" sind Beispiele für neue Landschaften, die auf ehemaligen Braunkohletagebauen und Altstandorten der DDR-Braunkohlenindustrie gestaltet werden.
Bund und Länder haben bis Ende 2011 über 9 Mrd. Euro in die Braunkohlesanierung investiert.
Das 4. Bund-Länder-Verwaltungsabkommen über die Finanzierung der Braunkohlesanierung vom 11. Oktober 2007 läuft bis 2012, Bund und Länder haben sich Anfang diesen Jahres über die Fortsetzung der Sanierung bis 2017 verständigt.
Inzwischen ist die bergtechnische Grundsanierung der Tagebaue weitgehend abgeschlossen. Über zwei Drittel der Flächen wurden bereits einer Folgenutzung übergeben. Fast alle geplanten Seen sind bereits geflutet oder in der Flutung begriffen.
Künftige Schwerpunkte bilden die Gewässernachsorge wegen der Versauerungsgefahr infolge des hohen Eisen- und Schwefelgehalts des Bodens sowie Abwehrmaßnahmen gegen örtlich eintretende gravierende Vernässungen von Standorten infolge des Grundwasserwiederanstiegs.
Die Entwicklung von Problemlösungsstrategien für die Sanierung erfordert eine enge Zusammenarbeit von Unternehmen, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen. Dabei hat die Forschung die Aufgabe vorhandene Wissensdefizite abzubauen und realisierbare technologische Ansätze zu entwickeln.
Seit seiner Gründung im Jahr 1992 bearbeitet das FIB in Finsterwalde wissenschaftliche Fragestellungen im Zusammenhang mit der Sanierung der Hinterlassenschaften des Bergbaus in den ostdeutschen Braunkohlenbergbaurevieren.
Das Ziel ist die beschriebene Schaffung ökologisch stabiler, nachhaltig nutzbarer Bergbaufolgelandschaften. Hierzu werden im FIB durch anwendungsorientierte Forschung, die erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen, Konzepte und Lösungen erarbeitet.
Um den komplexen Aufgaben gerecht zu werden, verfügt das FIB über ein breit gefächertes Fachwissen in den Bereichen Boden- und Standortkunde, Land- und Forstwirtschaft, Geografie, Geo- und Hydrologie, Ökologie, Naturschutz und Landschaftsgestaltung.
Einen Schwerpunkt der Forschungstätigkeit des FIB bilden die Wiederherstellung der vom Bergbau beanspruchten Böden sowie die damit verbundene Entwicklung von Einsatzstoffen und Verfahren zur Bodenverbesserung. Dabei werden Zustand und Entwicklung der Ökosysteme untersucht, um Empfehlungen für ihre Behandlung, Bewirtschaftung, und Pflege abzuleiten. Darüber hinaus befasst sich das FIB mit der Entwicklung von Waldökosystemen auf Kippen und Halden. Hierbei steht im Mittelpunkt die Untersuchung der Standortdynamik, der Vitalität und des Wachstumsverhaltens verschiedener Baumarten
Ein weiterer Schwerpunkt bilden die Forschungen zur Menge und Güte der Grundwasserneubildung sowie zu geo-, hydro- und biochemischen Prozessen in den Kippenkörpern sowie die Anwendung der Ergebnisse bei der Gewässersanierung und -bewirtschaftung in den Bergbaugebieten. Zentrale Fragestellungen sind hier
Die Forschungsergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für die praktische Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen in der Lausitz und in Mitteldeutschland. Sie fließen darüber hinaus in Empfehlungen für die Flächennutzer, die Behörden und die Naturschutzverbände ein.
In den vergangenen Jahren gelang es dem FIB seine internationalen Kontakte auszubauen. Eine wichtige Aufgabe, hat man den enormen Energiehunger vieler Länder vor Augen. Die Braunkohle spielt hier in vielen Ländern eine wichtige Rolle. Hierbei wird das Ziel verfolgt, die in der ostdeutschen Braunkohlesanierung entwickelten Methoden und Konzepte an die Bedingungen der jeweiligen Zielregionen anzupassen und die Ergebnisse in die dortige Praxis zu übertragen. Zu erwähnen sind hier Projekte in China, Griechenland und Polen.
In seiner 20-jährigen Existenz hat sich das FIB zu einem wichtigen und geschätzten Partner der Braunkohlesanierung profiliert.
Auch künftig gilt es wichtige wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten, um die Sanierung der ostdeutschen Bergbauregionen erfolgreich fortzuführen. Denn die Aufgabe ist längst nicht beendet.
Für die vor uns liegenden Aufgaben wünsche ich dem FIB und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Erfolg.
Nochmals meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 20-jährigen Jubiläum.
Vielen Dank.