- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Exzellenzen,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Beus,
sehr geehrte Frau Schmalzried,
sehr geehrter Herr Dr. Andrich,
sehr geehrter Herr Gellens,
sehr geehrte Damen und Herren,
seit 1992 erscheint alle zwei Jahre eine Briefmarke mit dem Plus "Für den Umweltschutz". Dieses Plus von 25 Cent je verkaufter Briefmarke kommt dieses Mal dem Meeresschutz zugute. Ich freue mich sehr, Sie heute zur Vorstellung dieser Sondermarke begrüßen zu dürfen.
Anrede
Die Meere sind ein kostbares Naturerbe. Sie bilden die größten zusammenhängenden Ökosysteme der Erde. 99% des Lebensraumes, den unser Planet zur Verfügung stellt, ist hier angesiedelt. Es ist deshalb unser ureigenes Interesse, biologisch vielfältige und dynamische Meeresökosysteme in einem sicheren, sauberen, gesunden und produktiven Zustand zu erhalten.
Die Meeresökosysteme werden nicht nur durch solch eine beispiellose Umweltkatastrophe, wie wir sie gerade im Golf von Mexiko erleben, bedroht. Mehr noch als Bohrinseln können Schiffshavarien zu einer Gefährdung führen. Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft und dem Verkehr, die Anreicherung von giftigen Stoffen in Weichtieren, Fischen und Meeressäugern sowie riesige Ansammlungen von Plastikmüll in den Ozeanen zeigen, dass die gesamte Bandbreite der störenden und zerstörenden Einflüsse, denen die Meere ausgesetzt sind, erfasst und einbezogen werden müssen.
Die Europäische Union hat mit der Rahmenrichtlinie Meeresstrategie 2008 eine ganzheitliche Betrachtung der Meere und der notwendigen Maßnahmen zu ihrem Schutz beschlossen. Dieser integrative Ansatz zielt auf die Einbeziehung von Meeresschutzaspekten in alle relevanten Politikbereiche, insbesondere Fischerei, Landwirtschaft, Verkehr und Chemikalienpolitik. Diesen Ökosystemansatz verfolgt auch die Bundesregierung mit ihrer Nationalen Meeresstrategie, die im letzten Jahr zur Umsetzung der EU-Meeresstrategie verabschiedet wurde.
Anrede
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 als das Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt - zu Wasser wie zu Lande - ausgerufen. Dieses Themenjahr soll uns einerseits die Bedeutung biologischer Vielfalt vergegenwärtigen, aber auch die Gefahr des Verlustes der heute mit uns lebenden Vielfalt vor Augen zu führen.
Für den Schutz der biologischen Vielfalt der Meere wollen wir bis 2012 ein weltweites Netz von Meeresschutzgebieten schaffen. Deutschland trägt zu diesem Ziel bei: Wir haben etwa 10.000 Quadratkilometer als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Zurzeit erarbeiten wir die notwendigen Schutzverordnungen und die entsprechenden nachhaltigen Bewirtschaftungspläne.
Schutzgebiete allein reichen aber nicht aus, um die biologische Vielfalt der Meere zu sichern. Signifikante Fortschritte werden wir nur dann verzeichnen, wenn die Übernutzung der Fischbestände durch eine nachhaltige Fischerei abgelöst wird. Nur wenn das gelingt, hat auch die Fischereiwirtschaft eine Zukunft. Bisher ist es dort vielfach noch nicht angekommen, dass nicht der Schutz einzelner Fischarten ihre wirtschaftliche Grundlage bedroht, sondern der Raubbau an der Natur.
Im europäischen Rahmen setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass die Gemeinsame Fischereipolitik 2012 auf einen ökosystemverträglichen Kurs gebracht wird. Die Meeresökosysteme müssen sich erholen. Dies geht nur über eine nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung mit Bestandserholung, eine deutliche Reduktion des Beifangs und über Fischereitechniken, die einen schonenden Umgang mit nicht genutzten Arten und den marinen Lebensräumen ermöglichen.
Als Verbraucher und Verbraucherinnen können Sie die nachhaltige Fischerei unterstützen, indem sie nachhaltig gefangenen Fisch und Meeresfrüchte einkaufen, z.B. solche mit dem Gütezeichen des MSC (Marine Stewardship Council).
Anrede
Wir können aber auch Erfolge vorweisen: Vor unserer Haustür liegt das Wattenmeer, das in Teilen im vergangenen Jahr in die Weltnaturerbeliste der UNESCO aufgenommen wurde. Es ist eines der größten Feuchtgebiete der Welt; ein einzigartiger Lebensraum, in dem jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögel Station machen. Zugleich ist es ein außergewöhnlich dynamischer Naturraum. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich auch heute noch immer wieder verändert. Rund 10.000 Arten haben hier ihren Lebensraum. Eine dieser Arten, die Robbe, ist ein unbestreitbarer Sympathieträger und das Motiv der neuen Umweltbriefmarke. Es ist ein Erfolg, dass sie sich heute im Niedersächsischen Wattenmeer, aber auch in den Niederlanden, bei Amrum in Schleswig-Holstein und auf Helgoland wieder wohlfühlt. Bis ins Mittelalter soll sie im Wattenmeer häufiger gewesen sein als der Seehund. Störungen und Bejagungen haben vermutlich dazu geführt, dass sie seit damals nahezu vollständig aus dem Wattenmeer verschwunden ist.
Über diesen Erfolg dürfen wir uns freuen; er ist nicht zuletzt das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen der Anrainerstaaten des Wattenmeers: Dänemarks, der Niederlande und Deutschlands. Bereits seit 1978 kooperieren wir grenzübergreifend und wir werden in unseren weiteren Anstrengungen nicht nachlassen, auch weil es für das Ökosystem Wattenmeer und die Menschen überlebenswichtig ist, die Anpassung an die Folgen des Klimawandels durch ein Bündel von Maßnahmen zu ermöglichen.
Anrede
Das Thema 'Klima und Meere' hat existenzielle Bedeutung.
Auf die kürzeste Formel gebracht: Unsere Meere sind heute schon zu warm, zu hoch und zu sauer.
Der Anstieg des Meeresspiegels als Folge der globalen Erwärmung beschleunigt sich schneller - fast doppelt so schnell - als der Weltklimarat 2001 vorausgesagt hatte. Die Konsequenzen sind mittlerweile allgemein bekannt: Der küstennahe Lebensraum vieler Menschen ist bedroht und ebenso sind es die Erwerbsgrundlagen vieler Küstenbewohner.Marine Ökosysteme reagieren im Vergleich zu terrestrischen deutlich sensibler und schneller auf Klimaänderungen. CO2 ist im Ozean chemisch reaktiv und trägt dort zur Absenkung des pH-Werts und damit zur Versauerung des Meerwassers bei. Versauerung und Sauerstoffentzug sind jedoch die größten Bedrohungen für das Leben in den Meeren.
Fazit:
Anrede
Ich hoffe, dass die neue Umweltmarke möglichst viele Abnehmer finden wird. Der zusätzliche Erlös aus dem Verkauf dieser Marke fließt in einen Fonds, aus dem Projekte von Umwelt- und Naturschutzorganisationen gefördert werden. Allein aus dem Verkauf der letzten fünf Umweltmarken konnten über zwei Millionen Euro hierfür zur Verfügung gestellt werden.
Mit dem Kauf dieser Briefmarke kann jeder und jede Einzelne - auch Sie - einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt beisteuern. Deshalb möchte ich Sie herzlich einladen, die Marke zu kaufen und auch für den Kauf der Marke zu werben, damit wir viele Projekte zum Schutz der Meere unterstützen können.