- Es gilt das gesprochene Wort. -
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Roters,
sehr geehrter Herr Dr. Mattner (Vorstandsvorsitzender Stiftung Lebendige Stadt),
sehr geehrter Herr Otto (Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Lebendige Stadt),
sehr geehrter Herr Prof. Kächele (Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe),
sehr geehrte Damen und Herren,
der Schirmherr des Wettbewerbs "Bundeshauptstadt der Biodiversität", Bundesumweltminister Norbert Röttgen, hat mich gebeten, Ihnen herzliche Grüße zu übermitteln. Er kann wegen dringender Termine heute an der Preisverleihung leider nicht teilnehmen. Sehr gern hat er diesen Wettbewerb unterstützt und freut sich über die positive Resonanz.
Biodiversität ist ein Begriff, der in der Wissenschaft zwar breit diskutiert, aber in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt ist. Jeder kennt den Begriff "Natur" – und hat dazu seine eigenen Vorstellungen. Für die meisten Deutschen bedeutet Natur schöne Landschaften, für andere beliebte Tiere oder Pflanzen. Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, umfasst allerdings viel mehr. Biologische Vielfalt ist unsere gesamte belebte Umwelt, also alle Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, deren Lebensräume und Ökosysteme.
Wir teilen die Welt mit vielen anderen Lebewesen. Die Natur zu erhalten ist nicht nur ethische Verpflichtung, sondern auch ökonomische Notwendigkeit. Wir Menschen nutzen die Natur nicht nur zur Befriedigung ganz elementarer Grundbedürfnisse wie Ernährung, sondern auch als Basis für technische Innovationen, als Grundlage für die Entwicklung von Arzneimitteln, als Grundlage für Erholung, Tourismus und regionale Wirtschaftsentwicklung und nicht zuletzt zum Schutz vor Naturkatastrophen. Diese Leistungen gibt uns die Natur kostenlos. Sie werden deshalb häufig als selbstverständlich angesehen. Ihren wahren Wert erkennen wir erst, wenn die Natur ihre Dienstleistungen nicht mehr zur Verfügung stellen kann, da wir in das natürliche Wirkungsgefüge eingegriffen haben, es im schlimmsten Fall ganz zerstört haben.
Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist aber von ebenso existenzieller Bedeutung wie der Klimaschutz. Leider spiegelt sich das auf lokaler Ebene noch nicht entsprechend wider. Der Klimaschutz ist in den Kommunen bereits breit verankert, die Aufgabe "Erhaltung der biologischen Vielfalt" fristet aber hat in vielen Kommunen immer noch ein Schattendasein.
In den Klimaschutz wird richtigerweise investiert. Klimaschutz bedeutet sehr oft Energie sparen und damit auch Geld sparen.
Investitionen in den Schutz der Natur und der Biodiversität rechnen sich aber genauso. Ich bin der festen Überzeugung: Städte und Gemeinden können sich nur zukunftsfähig entwickeln, wenn der Schutz der biologischen Vielfalt selbstverständlicher Teil der kommunalen Entscheidungen wird.
Die Europäische Kommission hat im Übrigen in ihrer Strategie zur biologischen Vielfalt einen eigenständigen Schwerpunkt "Grüne Infrastruktur" gesetzt. Sie versteht also auch die Naturausstattung als Infrastruktur. Attraktive Freiräume sind schon heute ein wesentlicher Standtortfaktor im Wettbewerb von Städten und Gemeinden. Grün- und Naturflächen verbessern die Wohn- und Lebensqualität der Menschen und sichern Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Sie wirken sich auch positiv auf das Stadtklima und die Luftqualität aus. Nicht zuletzt werden unsere Kinder nur lernen, die Natur zu schätzen, wenn sie in ihrem täglichen Lebensumfeld auch Naturerfahrung sammeln. Umso mehr freut es mich, heute eine Vielzahl von Kommunen begrüßen zu können, die vorbildlich den Schutz der biologischen Vielfalt voran treiben.
Leitlinie für den Schutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland ist die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt aus dem Jahre 2007. Sie formuliert auch anspruchsvolle Ziele an Siedlungsräume. Zum Beispiel soll bis zum Jahr 2020 die Durchgrünung der Siedlungen einschließlich des wohnumfeldnahen Grüns deutlich erhöht sein. Öffentlich zugängliches Grün mit vielfältigen Qualitäten und Funktionen soll in der Regel fußläufig zur Verfügung stehen. Lebensräume für stadttypische gefährdete Arten, wie z. B. Fledermäuse, sollen erhalten und erweitert werden. Diese Ziele der nationalen Strategie können nur auf kommunaler Ebene verwirklicht werden.
Selbstverständlich unterstützt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Kommunen bei dieser wichtigen Aufgabe. Wir haben zur Umsetzung der Strategie einen Dialogprozess mit den Kommunen in Gang gesetzt. Es freut mich, dass als Ergebnis dieses Dialogprozesses eine Deklaration mit dem Namen "Biologische Vielfalt in Kommunen" erarbeitet wurde. Darin verpflichten sich die Unterzeichner, die Erhaltung der biologischen Vielfalt in die kommunalen Entscheidungsprozesse einzubeziehen und konkrete Maßnahmen zur Erhaltung und Stärkung der biologischen Vielfalt vor Ort zu ergreifen. Die Deklaration wurde mittlerweile von knapp 200 Kommunen unterzeichnet, in denen insgesamt über 15 Millionen Bürger leben. Die Stadt Köln gehört auch bereits dazu.
Die unterzeichnenden Städte und Gemeinden haben die Absicht erklärt, sich in einem Bündnis zusammenzuschließen. Es sollen Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Wege in der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt werden. Ich danke der Deutschen Umwelthilfe, dass sie nicht nur den Wettbewerb "Hauptstadt der Biodiversität" organisiert hat, sondern auch dieses Bündnis in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz vorantreibt.
Selbstverständlich wird die Bundesregierung die Kommunen auch bei konkreten Projekten unterstützen. Wir haben dies in der Vergangenheit bereits durch zahlreiche Modellprojekte gemacht, zum Beispiel die Entwicklungsvorhaben "Urbane Wälder in der Stadt Leipzig" oder "Grün in der Stadt". Ab sofort können die Kommunen auch eine Förderung im Rahmen des "Bundesprogramms biologische Vielfalt" beantragen. Dieses Programm haben wir aufgelegt, um Modellprojekte zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu unterstützen. Es hat ein Finanzvolumen von derzeit 15 Millionen Euro jährlich.
Auch die heutigen Preisträger werden eine finanzielle Unterstützung erhalten. Dafür danke ich der Stiftung "Lebendige Stadt" ganz herzlich. Die Siegerkommune wird zudem den Titel "Bundeshauptstadt der Biodiversität" tragen dürfen.
Liebe Preisträger,
wer immer gleich geehrt wird, diese Auszeichnung bedeutet für Sie auch Verantwortung. Denn damit übernehmen Sie eine Vorbildfunktion in unserem Land. Ich gratuliere den Preisträgern zu ihrer erfolgreichen Teilnahme.
Ich danke der Deutschen Umwelthilfe und der Stiftung Lebendige Stadt für die hervorragende Idee, einen Wettbewerb für den Schutz der Biodiversität in den Kommunen auszuloben.
Ich danke allen Teilnehmern an diesem Wettbewerb, also auch denen, die heute keine Auszeichnung entgegennehmen können. Auch in diesen Städten und Gemeinden werden viele Projekte zur Erhaltung der biologischen Vielfalt umgesetzt. Das schöne an einem Wettbewerb ist, dass er eine Vielzahl von neuen Ideen und kreativen Projekten hervorbringt – weit mehr als man auszeichnen kann.
Allen viel Erfolg auf dem begonnen Weg.