- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Herresthal,
sehr geehrter Herr Professor Dr. Töpfer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
nachdem Sie heute bereits einen sicher sehr interessanten und vielseitigen ersten Kongresstag hinter sich gebracht haben, freue ich mich ganz besonders, den mindestens genauso wichtigen, gesellschaftlichen Teil des Kongresses eröffnen zu dürfen, der neben dem "Netzwerken" und der Unterhaltung auch noch die Verleihung des VSF-Ethikpreises durch Prof. Klaus Töpfer als besonderen Programmpunkt bereit hält.
Auch wenn bei dem einen oder anderen Vortrag des Tagesprogramms bereits die Bedeutung des Radverkehrs für den Umwelt- und Klimaschutz zur Sprache kam, möchte ich genau diesen Aspekt jetzt noch einmal kurz herausstellen.
Mobilität besitzt eine Schlüsselfunktion für Beschäftigung, Wohlstand und persönliche Freiheit. Vom Verkehr gehen jedoch auch erhebliche Belastungen für die Umwelt und Gefahren für die menschliche Gesundheit aus. Hierzu gehören die Klimawirkung durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe, die Luftbelastung durch Schadstoffe wie Stickoxide und Rußpartikel, die Zerschneidung der Landschaft und Flächenversiegelung durch Straßen- bzw. Schieneninfrastrukturausbau, Eingriffe in die Gewässerökologie durch Ausbau und Unterhaltung der Schifffahrtswege sowie die Lärmbelastung. Vor allem in den Städten wird durch die Umweltauswirkungen des Verkehrs die Lebensqualität vieler Menschen zum Teil erheblich beeinträchtigt.
Ziel muss es daher sein, Mobilitätsbedürfnisse so zu befriedigen, dass sie mit den Anforderungen an eine nachhaltige, also auf Dauer tragfähige, Entwicklung vereinbar sind. Hierfür sind alle Potenziale zu nutzen, die einen zunehmenden Mobilitätsbedarf mit weniger Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen gewährleisten.
Technologische Verbesserungen wie effiziente Antriebe und alternative Kraftstoffe werden einen wesentlichen Beitrag liefern, um eine nachhaltige Mobilität umzusetzen.
Ergänzend sind aber auch veränderte Verhaltensmuster und innovative Verkehrskonzepte mit hohen Anteilen öffentlichen und nicht motorisierten Verkehrs notwendig. Mobilitätsbedürfnisse und -angebote müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass für jeden Weg das umweltfreundlichste Verkehrsmittel gewählt werden kann.
Und hier kommt auch das Fahrrad ins Spiel: Kein Verkehrsmittel wird so unterschätzt wie das Fahrrad. Dabei ist es auf den kurzen Strecken und in der Stadt eine sinnvolle Alternative zum motorisierten Individualverkehr, ebenso in der Freizeit und für Urlaubszwecke.
Die Bundesregierung will aber nicht nur ein fahrradfreundliches Klima schaffen, sondern auch das klimafreundliche Fahrrad nutzen, um die dringend notwendige Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen.
Es geht in der aktuellen Umweltpolitik um nichts weniger, als die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen zu erhalten. Hierbei sind wir alle gefragt. Dazu müssen wir die Welt auf einen Entwicklungspfad setzen, der den globalen Temperaturanstieg auf weniger als 2 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzt. Deutschland geht mit gutem Beispiel voran, indem es sich selbst hohe Ziele gesetzt hat: Wir wollen unsere Emissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren.
Im deutschen Verkehrssektor werden jährlich gut 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen – das sind ca. 18 Prozent der Gesamtemissionen. Gerade in Ballungsräumen, wo knapp die Hälfte aller PKW-Fahrten kürzer als fünf Kilometer sind, bietet beispielsweise das Fahrrad eine sinnvolle Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Wegen des überproportionalen Spritverbrauchs kann auf diesen Distanzen besonders viel CO2 eingespart werden.
In Deutschland werden ca. 10 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das sind im Jahresdurchschnitt rund 300 Kilometer pro Einwohner oder knapp 1 Kilometer pro Tag.
Eine Verdoppelung der Fahrradkilometer zulasten des innerorts sehr CO2-intensiven Pkw-Verkehrs würde Einsparpotenziale von über vier Millionen Tonnen CO2 eröffnen. Und dass das Potenzial damit bei weitem nicht ausgeschöpft ist, zeigt ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn: Die Niederländer nutzen beispielsweise für 27 Prozent aller Wege das Fahrrad.
Um dieses Potenzial zu heben, um neue Wege und Umsetzungsstrategien zur Radverkehrsförderung zu initiieren, Handlungsempfehlungen zu geben und insgesamt einen Beitrag für ein fahrradfreundliches Klima zu leisten wurde von der Bundesregierung der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) für den Zeitraum 2002 bis 2012 verabschiedet.
Die Fortschreibung bis 2020 steht jetzt an – und war gerade ja auch schon Thema Ihrer Podiumsdiskussion.
Einen wichtigen Baustein in diesem Konzept stellt die Werbung für eine positive öffentliche Wahrnehmung umweltfreundlicher Mobilitätsarten dar, um mehr Menschen Lust auf einen Umstieg zu machen. Zur Verbesserung der Kommunikation und Information sowie als Anreiz für Verhaltensänderungen stellt der Bund jährlich Mittel für nichtinvestive Maßnahmen im Rahmen des NRVP bereit. Die fachliche Betreuung entsprechender Projekte wurde dem Umweltbundesamt übertragen.
Daneben hat die Bundesregierung weitere Modellprojekte im Bereich des Mobilitätsmanagements sowie des Rad- und Fußverkehrs gefördert, die sich besonders an diejenigen Bevölkerungsteile richten, die diese Form der Mobilität bisher nicht oder kaum nutzen.
Ich denke, die Erfolge sowie die Entwicklungen in der Branche und auch auf der Straße sprechen für sich: Das Radfahren wird in den nächsten Jahren eine Renaissance erleben. Aber nur – und hier wird auch die Bundesregierung weiter aktiv bleiben – wenn auf allen Ebenen die dafür nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch für Morgen noch einen erfolgreichen Kongresstag und jetzt aber erst einmal einen anregenden Abend.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.