Rede der Parlamentarischen Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser: Erneuerbar mobil
Datum: 04.04.2011
Ort: Hannover Messe
- Es gilt das gesprochene Wort. -
Sehr geehrter Herr Professor Kargermann,
sehr geehrter Herr Dr. Paul,
sehr geehrter Herr Walgret,
sehr geehrte Gäste!
- Ich freue mich sehr, heute das Anwenderforum MobiliTec hier auf der HannoverMesse mit einem kurzen Grußwort eröffnen zu dürfen. Die Hochrangigkeit der Gäste heute unterstreicht die Bedeutung des Themas Elektromobilität auf der HannoverMesse sehr deutlich.
- Alle großen Hersteller entwickeln mit Hochdruck alternative Antriebe, die in punkto Effizienz und Umweltfreundlichkeit neue Maßstäbe setzen sollen. Ob als Hybrid oder rein elektrisch - das Auto wie wir es kennen wird künftig anders aussehen.
- Bei einem Anwenderforum, das die ganze Messe hindurch laufen wird, drängt sich allerdings die Frage auf: Sind wir, die wir hier sitzen, bereits Anwender der Elektromobilität? Sind Sie zum Beispiel mit dem Elektroauto heute nach Hannover gereist? Nun, die meisten von Ihnen wahrscheinlich und auch ich sind es nicht.
- Für mich heißt das, dass wir mit großem Engagement dafür sorgen müssen, dass die Elektroautos nicht nur eine Attraktion auf Messen und Events sind, sondern tatsächlich auf der Straße ankommen. Ausdrücklich möchte ich daher auch die Pioniere würdigen, die zahlreich auf der MobiliTec vertreten sind, und die bereits seit langem Elektrofahrzeuge in der Praxis nutzen.
- Um Elektromobilität in die Breite zu tragen, brauchen wir gleichwohl das Engagement der "Großen" – seien es Autohersteller, Zulieferer oder Energieversorger. Das Anwenderforum und die Leitmesse MobiliTec als Ganzes sind daher ein ausgezeichneter Schau- und Diskussionsraum.
- Ich weiß, dass alle Anwesenden hier mit großem persönlichem Einsatz an der technologischen und strategischen Entwicklung des Themas arbeiten. Dafür gebührt Ihnen großer Dank. Und wir brauchen auch weiterhin Ihre Tatkraft und Unterstützung!
- Die Bundesregierung hat sich sehr ehrgeizige Ziele gesetzt: Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020, sechs Millionen bis zum Jahr 2030.
- Mit dem Konjunkturpaket 2 hat es bereits einen wirkungsvollen Aufschlag gegeben, den wir nun verstetigen müssen. Hierzu wird es neben der weiterhin notwendigen reinen Forschungsförderung gewiss darum gehen müssen, in großem Maßstab und sehr konzentriert die Anwendung von Technologien sicht- und erlebbar zu machen.
- Die Nationale Plattform Elektromobilität, in der 150 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, befindet sich weniger als ein Jahr nach ihrer Gründung in der heißen Phase. In Kürze wird der zweite Bericht mit weit reichenden Empfehlungen vorliegen und ich freue mich sehr, dass Herr Professor Kargermann gleich im Anschluss einen ersten Einblick geben wird.
- Ich verrate auch kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Bundesregierung noch vor der Sommerpause ein Regierungsprogramm zur weiteren Förderung der Elektromobilität vorlegen wird.
- Manch einem mag die große Aufmerksamkeit, die der Elektromobilität zuteil wird, als etwas Übertriebenes, als Hype erscheinen. Diese Auffassung teile ich nicht. Das enorme Interesse der Industrie, der Verbände, der Politik und vor allem auch der Bürgerinnen und Bürger zeigt doch gerade: Es geht um die Zukunft dessen, was uns ein steter und meist auch sehr zuverlässiger Begleiter des Alltags ist – das Auto.
- Besonders in Deutschland ist das Auto auch als Wachstums- und Beschäftigungsmotor ein besonderer Anker von Wirtschaft und Gesellschaft. Im Januar dieses Jahres hat der Pkw seinen 125. Geburtstag gefeiert und dass dessen "Geburtsstunde eine Sternstunde war", wie es Kanzlerin Merkel sagte, unterstütze ich voll und ganz.
- In den kommenden zehn, vielleicht zwanzig Jahren aber wird sich entscheiden, ob es zum Auslaufmodell wird oder den Sprung in die Mobilität der Zukunft schafft. Und es geht darum, ob Deutschland vorne mit dabei ist. "Die Welt wartet nicht auf deutsche Ideen" – hier bin ich ganz bei unserer Kanzlerin.
- Wir alle wollen – brauchen! – eine nachhaltige, auf Dauer erschwingliche, sichere Mobilität. Und dazu gehört das Auto!
- Der Pfad, den wir mit der Elektromobilität beschreiten, darf daher nicht Wirtschafts- oder Umweltpolitik sein. Er muss und kann beide Aspekte zu beiderseitigen Nutzen miteinander verknüpfen. Hierin liegt der wesentliche Grund, warum das Bundesumweltministerium sich so stark in diesem Feld engagiert.
- Auf der einen Seite ist klar: Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, müssen wir unseren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch senken. Der Verkehr wiederum wird dabei als einer der großen Emittenten einen entsprechenden Beitrag leisten müssen.
- Auf der anderen Seite ist es auch unser Ziel, den Verkehr nicht komplett ummodeln zu müssen. Im Klartext heißt das: Ich möchte, dass das Auto auch im Jahr 2050 noch ein ebenso zuverlässiger und bezahlbarer Begleiter unseres Lebens ist wie heute.
- Diese Rechnung geht aber nicht auf, wenn wir die selben Autos fahren wie heute, das Öl jedoch knapper und vor allem teurer wird und unsere internationalen Wettbewerber – Stichwort China – längst auf "elektrisch" umgeschaltet haben.
- Mein Schluss daraus ist: Wir brauchen Elektromobilität für eine nachhaltige individuelle Mobilität und wir brauchen sie als saubere Technologie, die uns die Automobilmärkte der Zukunft sichert.
- Dieses Ziel unterstützt das Bundesumweltministerium mit seinem Förderprogramm Elektromobilität. Bis Ende 2011 werden mehr als 100 Millionen Euro an die über 70 Partner der Innovationsprojekte fließen. Die gemeinsame Vision der Vorhaben ist das Elektroauto als marktfähige Umweltinnovation.
- Denn eines ist klar: Eine neue Technologie, die zwar sauber, für die Verbraucher aber wenig attraktiv ist, wird sich kaum durchsetzen. Zugleich verlangen immer mehr Konsumenten, dass attraktive Fahrzeuge auch bei den Umwelteigenschaften überzeugen.
- Dies ist eine zentrale strategische Frage nicht nur aus ökologischer sondern vor allem auch aus ökonomischer Perspektive: Nur wenn die Elektroautos einen tatsächlichen Umweltvorteil haben, kommt auch der Markt ins Rollen. Diese Gestaltungsaufgabe nehmen wir wahr.
- Die Koppelung an Strom aus erneuerbaren Energien ist dabei von besonderem Interesse: Nur so wird aus dem bloßen Elektroauto ein echtes "Nullemissionsfahrzeug". Windkraft oder Photovoltaik und Elektrofahrzeuge sind dabei ideale Partner: Ein intelligent ladendes Auto als flexibler Abnehmer fluktuierenden Stroms hilft, die erneuerbaren Energien leichter ins Netz zu integrieren.
- "Erneuerbar mobil" ist deshalb das Leitmotto des Förderprogramms Elektromobilität des Bundesumweltministeriums, das wir auf unserem Stand vorstellen.
- "Sauber, schonend, sparsam und praktisch" – so stelle ich mir das Auto der Zukunft vor, und das tue ich nicht nur als Politikerin sondern auch als ganz normale Autofahrerin.
- Dass sich hiermit spielend auch Design und Fahrspaß verbinden lassen, erfahren Sie mit einem Blick auf die unsere Projekte und Fahrzeuge, die Sie übrigens auch im Außenbereich Probe fahren können.
- Ich möchte hier aber in erster Linien nicht Werbung für den Stand des Bundesumweltministeriums machen, sondern Sie ermuntern, weiter mindestens soviel Engagement in die Zukunft unserer Mobilität zu investieren wie bisher.
- Wenn wir nachhaltig denken – und das müssen wir bei unseren begrenzten natürlichen Lebensgrundlagen tun – muss auch der Verkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. An Elektromobilität – mit Strom aus erneuerbaren Energien im Tank – führt dann kein Weg vorbei.
- Nutzen wir gemeinsam die Chancen für Wirtschaft und Umwelt, die in der Elektromobilität stecken!
- In diesem Sinne wünsche ich allen Gästen des Forums anregende Diskussionen.
- Vielen Dank.