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Rede der Parlamentarischen Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser: Bahnstrom Regenerativ

Datum: 31.10.2011
Ort: Berlin, Fraunhofer Forum (Anna-Louisa-Karsch-Straße 2)

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Sehr geehrter Herr Dr. Rohrig,
sehr geehrter Herr Professor Rodi,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie zu der heutigen Präsentation der Ergebnisse des vom Bundesumweltministerium geförderten Projektes "Bahnstrom regenerativ" begrüßen zu dürfen.

Das Thema "erneuerbarer Bahnstrom" ist hochaktuell – erst letzte Woche wurde in der Presse von der Einweihung eines neuen Hybridkraftwerkes in Prenzlau berichtet, an dem die Bahn beteiligt ist.

Aus überschüssiger Windkraft wird Wasserstoff hergestellt und so als Energiespeicher eingesetzt.

Ich freue mich nicht nur darüber, dass damit das erste Hybridkraftwerk Deutschlands eingeweiht wurde – ich freue mich vor allem auch über die Beteiligung der Deutschen Bahn an diesem Projekt. Hier wird deutlich, dass die Deutsche Bahn ein großes Interesse daran hat, die eigene Klimabilanz nachhaltiger zu gestalten und somit einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu leisten.

Die Weltgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf 2 °C zu beschränken.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen bis 2050 die Treibhausgasemissionen erheblich gemindert werden – die Industrieländer in einer Größenordnung von 80 – 95 Prozent im Vergleich zu 1990. Diese Ziele können wir nur mit substanziellen Fortschritten in allen Sektoren erreichen.

Einer dieser Sektoren ist der Verkehr, der weltweit für gut ein Fünftel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Hier stehen wir vor einer großen Aufgabe, denn gerade der Verkehr wächst weltweit stetig und immer schneller.

Es wird geschätzt, dass er sich bis 2050 im Vergleich zum Jahr 2000 mindestens verdoppelt haben wird! Diese Prognose betrifft sowohl die Anzahl der Fahrzeuge als auch die gefahrenen Kilometer.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Mit welcher Gesamtstrategie gelingt es uns, den Verkehrssektor unter Berücksichtigung des prognostizierten Verkehrswachstums nachhaltig zu gestalten?

Die Antwort liegt auf der Hand: Die Mobilität von Morgen muss noch deutlich effizienter und sauberer werden, d. h. Treibhausgasemissionen und Schadstoffemissionen müssen weiter gemindert werden.

Dies gilt für den öffentlichen Verkehr genauso wie für den motorisierten Individualverkehr. Gleichzeitig müssen wir unabhängiger vom Öl werden – durch alternative Kraftstoffe und Elektromobilität, unter der Voraussetzung, dass wir die alternativen Kraftstoffe und den Strom so gewinnen, dass dabei die natürlichen Ressourcen geschützt werden.

Aber selbst mit effizienten Antrieben, alternativen Kraftstoffen, sauberen Technologien haben wir die übrigen Probleme des Verkehrs noch nicht gelöst, insbesondere den Stau, den Lärm und den Flächenverbrauch.

Deshalb brauchen wir auch innovative Verkehrskonzepte mit hohen Anteilen öffentlichen Verkehrs. Nur so können wir auch die anderen Folgen des Verkehrs mindern.

Wenn aber die Verkehrsleistung insgesamt bis zum Jahr 2050 steigen wird, und der öffentliche Verkehr im Verhältnis einen stärkeren Anteil als bisher übernehmen soll, dann steht insbesondere die Deutsche Bahn vor großen Herausforderungen: Sie wird immer mehr Menschen und Güter transportieren müssen. Und sie muss die dafür notwendige Energie beschaffen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ein bedeutendes Argument für die Nutzung der Bahn ist der damit verbundene Umweltvorteil gegenüber der Nutzung von Auto oder Flugzeug. Die Umweltbilanz des Verkehrsträgers Bahn hängt dabei entscheidend vom verwendeten Strom ab. Aktuell enthält der Bahnstrommix in etwa den gleichen Anteil an erneuerbaren Energien wie die öffentliche deutsche Stromversorgung; im ersten Halbjahr 2011 lag der Anteil der Erneuerbare Energien erstmals über 20 Prozent. Im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern weist die Bahn damit den höchsten Anteil an erneuerbaren Energien auf.

Die Deutsche Bahn AG hat im September angekündigt, den Anteil erneuerbarer Energien auf 35 Prozent bis zum Jahr 2020 zu erhöhen und verfolgt das Ziel, die Versorgung bis 2050 komplett auf Strom aus regenerativen Quellen umzustellen. Auch Sicht der Bundesregierung wäre daher als Zwischenziel für 2030 ein Anteil von mindestens 50 Prozent erneuerbare Energien anzustreben, um weiterhin zumindest dem Anteil am nationalen Strommix zu entsprechen.

Auf diesem Weg sind jedoch noch mehrere Hürden zu nehmen, und zwar ganz unterschiedlicher Natur.

Deshalb haben sich das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik die Kanzlei Becker Büttner Held, das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität und die Deutsche Bahn entschlossen, in dieser Sache zusammen zu arbeiten: Gemeinsam haben sie in dem Vorhaben "Bahnstrom Regenerativ – Analyse und Konzepte zur Erhöhung des Anteils der Regenerativen Energie des Bahnstroms" technische, wirtschaftliche und rechtliche Schwierigkeiten in diesem Zusammenhang untersucht und Lösungsansätze herausgearbeitet.

Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass ein Ausbau des Anteils an Erneuerbaren Energien für die DB mit erheblichen Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Strombeschaffung verbunden ist. Es wird herausgearbeitet, dass die Bahn vor allem zwei Möglichkeiten zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Bahnstrom hat. Sie kann erneuerbarer Energien direkt in ihr eigenes 16,7 Hertz Bahnstromnetz einspeisen oder diesen aus dem Netz der öffentlichen Versorgung beziehen, das mit 50 Hertz betrieben wird. Beim Vergleich beider Optionen wird deutlich, dass langfristig Direkteinspeisung wirtschaftliche Vorteile bietet, während kurzfristig der Bezug über das öffentliche Stromnetz der günstigere Weg ist. Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die vorgelegte Studie ist eine gute Basis für eine fruchtbare Diskussion – heute und in nächster Zeit. Und ich würde mir wünschen, dass sich an dieser Diskussion möglichst viele Teile unserer Gesellschaft beteiligen. Auch die Bundesregierung wird sich weiter mit diesem Thema beschäftigen müssen. Gleichzeitig möchte ich aber auch betonen: Es geht hier nicht nur darum, noch mehr monetäre Anreize zu setzen. Die Bahn muss auch selbst ein Eigeninteresse daran haben, die Umstellung auf Erneuerbare Energien voranbringen. Die Bahn geht hier mit gutem Beispiel voran.

So bezieht die Bahn Strom aus den Windparks Märkisch Linden und Treuenbrietzen. Im Rahmen der Umwelt-Plus und Eco-Plus-Angebote der Bahn können Großkunden der Bahn schon heute CO2-frei auf Basis erneuerbarer Energien Güter transportieren oder reisen. Ich hoffe, dass die Bahn dieses Angebot zukünftig auch für Privatkunden öffnet.

So wird sich zum Beispiel auch der Atomausstieg auf die Energiepolitik der Deutschen Bahn auswirken: Ohne die Strommengen des stillgelegten Kraftwerkes Neckarwestheim 1 wird sich die CO2-Bilanz zunächst verschlechtern, wenn keine weiteren Maßnahmen getroffen werden.

Wenn die Bahn also weiterhin einen Umweltvorteil für sich beanspruchen will, muss schon allein deshalb ein verstärkter Ausbau der Nutzung von Erneuerbaren Energien erfolgen.

Auch die Elektromobilität auf der Straße wird den Druck auf die Bahn langfristig noch erhöhen. Ich sage "Elektromobilität auf der Straße", weil die Deutsche Bahn ja bereits 90 Prozent ihrer Verkehre elektrisch absolviert. Damit ist die Bahn schon seit langem in dem nun viel beschworenen Zeitalter Elektromobilität angekommen. Aber zurück zum Druck durch die Elektromobilität auf der Straße:

Dieser wird sich erhöhen, wenn es gelingt, den motorisierten Individualverkehr zu einem Großteil auf elektrische Antriebe umzustellen und eine glaubhafte Koppelung des dafür benötigten Stroms an Erneuerbare Energien herzustellen. Wenn dieses Szenario eintritt, muss die Bahn bis dahin einen weit überwiegenden Anteil des Strombedarfs erneuerbar decken – andernfalls gerät sie in Rechtfertigungsnot gegenüber dem dann klimafreundlicheren Straßenverkehr.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bahn diese Herausforderungen bereits erkannt hat: Laut ihrem eigenen Nachhaltigkeitsbericht fühlt sich das Unternehmen in besonderer Weise dem Schutz der Umwelt und des Klimas verpflichtet. Und in diese Richtung geht ja auch die jüngste Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem Energieversorger RWE und der damit verbundenen Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien und die Beteiligung an dem Hybridkraftwerk in Prenzlau, an dem sich die Bahn im Rahmen Ihres Umwelt und Eco-Plus Programms für einen CO2-freien Güter- und Reiseverkehr einsetzt beteiligt.

Deshalb bin ich sicher, die Bahn wird die Ergebnisse des Vorhabens "Bahnstrom regenerativ" aufmerksam studieren und in ihrem Engagement für die Umwelt auch zukünftig nicht nachlassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Anwesenden eine interessante Vorstellung der Ergebnisse und eine fruchtbare Diskussion im Anschluss!

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