- Es gilt das gesprochene Wort. -
Anrede,
Das Magazin CAPITAL vergibt in diesem Jahr bereits zum dritten Mal den Preis des Greentech-Managers. Dieser Preis wird an Unternehmer und leitende Manager vergeben, die das Wachstum der grünen Technologien überdurchschnittlich erfolgreich und international vorantreiben und dabei glaubhaft den Gedanken des ökologischen Wirtschaftens vertreten.
In diesem Jahr zeichnet die Jury eine Persönlichkeit aus, die sich nicht nur durch die konsequente strategische Ausrichtung eines Großunternehmens im Sinne einer "grünen Transformation" ausgezeichnet hat.
Die Jury zeichnet auch jemanden aus, der sich durch dezidierte Beiträge zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, zur Rolle des Finanzsektors und zur Energiewende zu Wort gemeldet hat.
Dass ich dieses Jahr die Laudatio für ihn halten darf, freut mich deshalb besonders.
Der diesjährige Preisträger ist ein Unternehmenslenker, dessen Wort Gehör findet, weil es geprägt ist von Erfahrung, Weitsicht, Respekt und einem soliden Wertefundament. Weil er sich einbringt ganz im Sinne von Robert Bosch: "In allen Zweifelsfragen ist stets die Sache über die Person zu setzen, jeder soll mitwirken zum Wohle des Ganzen."
Ich freue mich deshalb besonders, heute eine Persönlichkeit auszuzeichnen, die ich persönlich sehr schätze; GreenTech-Manager des Jahres 2011 ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH: Herr Franz Fehrenbach!
Lieber Herr Fehrenbach, herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung!
Seit 1975 ist Franz Fehrenbach bei Robert Bosch. Das Unternehmen richtet er ganz in der Tradition des Firmengründers nach langfristigen, unternehmensrelevanten Megatrends aus. Richtschnur ist dabei der Leitsatz: "sauber, sicher, sparsam". Leitschnur dabei ist der technische Fortschritt oder wie es Franz Fehrenbach in einem Interview mit der Zeitung Die Zeit gesagt hat: "Ständige Verbesserung haben wir in den Genen."
Dies spiegelt sich unter dem Leitmotiv "Technik fürs Leben" auch im Produktportfolio des Konzerns wider, sowohl in der Effizienzstrategie der klassischen Bereiche als auch bei der Diversifizierung in Umwelttechnologien.
Das Portfolio reicht von effizienten Antriebssystemen für Automobile über Systeme zur Nutzung regenerativer Energien bis hin zu Antrieben für E-Bikes.
Wenige nur wissen, dass Bosch der größte Produzent von effizienten Wärmepumpen weltweit ist.
Mehr als 300.000 Mitarbeiter finden hier ihre Beschäftigung bei Bosch; 2011 wurden 51,4 Milliarden Euro umgesetzt.
Allein im Jahr 2011 meldete Bosch weltweit mehr als 4.100 neue Patente an. Im Ranking der weltweit patentstärksten Unternehmen nimmt Bosch eine Spitzenposition ein. Allein 2011 investierte Bosch rund 4 Milliarden Euro in Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Fast jeder zweite Euro dieses Etats kommt dabei der Erforschung umwelt- und ressourcenschonender Erzeugnisse zugute.
Diese Zahlen sind eindrucksvoll. Sie zeigen aber auch, dass Bosch und damit Franz Fehrenbach und seine Mitarbeiter die Trends richtig erkannt haben. Wie der Firmengründer Robert Bosch einmal zutreffend festgestellt hat: "Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein." Dieser Satz scheint in den Genpool von Bosch in den Ihren, lieber Herr Fehrenbach, übergegangen zu sein.
Eine der Lektionen aus den vielgestaltigen Krisen der letzten Jahre ist, dass wir klüger und mit längerfristiger Perspektive als bisher wirtschaften müssen und uns dabei Megatrends, wie dem Bevölkerungswachstum, der Wasser- und Rohstoffknappheit und dem Klimawandel nicht entziehen können.
Vor diesem Hintergrund hat eine Diskussion um neue Leitbilder in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, auf nationaler wie internationaler Ebene begonnen. Dieses Thema hat zuletzt auch die Diskussionen der Spitzen aus Wirtschaft und Politik auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos geprägt.
Die politische Diskussion in Deutschland über Fortschritt, Wachstum und soziale Marktwirtschaft spiegelt sich zum Beispiel auch in der Einrichtung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" wider. Der Auftrag der Kommission ist es, konkrete politische Handlungsempfehlungen für ein ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften zu entwickeln.
Wenn wir heute mit Franz Fehrenbach den Greentech Manager des Jahres auszeichnen, geschieht dies auch mit Blick auf einen veränderten Kontext, der durch neue, internationale Diskussionen geprägt ist.
So hat beispielsweise die Europäische Union aus den Krisenerfahrungen und den Resultaten der Lissabon-Strategie die Konsequenzen gezogen:
Im März und im Juni letzten Jahres hat der Europäische Rat die Nachfolgestrategie "Europa 2020: eine neue europäische Strategie für Beschäftigung und Wachstum" beschlossen. Der Schwerpunkt dieser neuen Strategie liegt auf den Schlüsselbereichen Wissen und Innovation sowie der stärkeren Ausrichtung der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit.
Die OECD wiederum arbeitet an einer "grünen" Wachstumsstrategie, "Green Growth-Strategy", für entwickelte Länder. Sie definiert spezifische, marktnahe Instrumente und Anreize und gibt Empfehlungen, wie die Rahmenbedingungen für umweltfreundliches Wachstum effizient ausgestaltet werden können.
In den Organisationen der Vereinten Nationen lag bis 2010 mit dem "Green New Deal" noch der Fokus auf der "grünen" Ausgestaltung von Konjunkturprogrammen zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Im vergangenen Jahr wurde beim Umweltministertreffen in Nairobi ein neues Kapitel aufgeschlagen, indem verstärkt umweltpolitische Zielfelder und Instrumente einer Green Economy thematisiert wurden. Green Economy wird neben der institutionellen Reform der Vereinten Nationen im Bereich nachhaltiger Entwicklung das zentrale Thema auf der UN Conference on Sustainable Development im Juni 2012 in Rio sein.
Das Verständnis einer "Green Economy" ist heute noch sehr unterschiedlich, teilweise überlappen sich die eben dargestellten Diskussionsstränge oder sprechen unterschiedliche Ebenen an.
Aus meiner Sicht geht es in einer Green Economy nicht darum, "neue" gegen "alte" oder "grüne" gegen "andersfarbige" Wirtschaftszweige auszuspielen, sondern um die Weiterentwicklung der soziale Marktwirtschaft.
Vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen wie dem. Bevölkerungswachstum, Ressourcenverknappung und Klimawandel und damit einhergehender globaler Konflikte werden Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor große Herausforderungen gestellt. Erkennbar sind ökonomische, soziale und ökologische Konsequenzen und Risiken, die schon heute und mehr noch in der Zukunft die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entfaltung bedrohen.
Darauf müssen sich die Wirtschaftsakteure einstellen. Dafür brauchen wir Unternehmer, die den Mut haben, die damit verbundenen Chancen ergreifen. Von Unternehmen wird ein konkretes Verantwortungs- wie Handlungskonzept benötigt und von der Öffentlichkeit, den Investoren und Kunden auch erwartet.
Unternehmen sollen in gesellschaftlich verantwortlicher Weise zur Lösung von lokalen wie globalen Problemen beitragen. Aus unternehmerischer Sicht geht es darum, eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung mit einem positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der gesamten Gesellschaft zu verbinden.
Heute ehren wir mit der Preisverleihung an Franz Fehrenbach einen Unternehmer, der die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und der das Thema Innovation und Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie des Hauses Bosch fest verankert hat.
Die Innovationskraft des Konzerns, die Investitionen in Forschung und Entwicklung habe ich bereits erwähnt.
Bemerkenswert ist auch der Bosch-Prozess "Design for Environment", der festlegt, dass bereits in die Entwicklung von Produkten die Aspekte Energieeffizienz, Recyclingvorhaben und Stoffbeschränkungen einfließen.
Innovativ sind auch die Projekte, in denen sich Bosch engagiert: In einem Pilotprojekt in Singapur bietet er eine softwarebasierte Datenplattform an, mit deren Hilfe Fahrer von Elektrofahrzeugen eine freie Ladestation finden und bei Bedarf im Voraus reservieren können. Ab 2011 fördert der Konzern Hochschulen mit 50 Millionen Euro, um in den Bereichen Umwelt, Energie und Mobilität Forschungsprojekte in Deutschland, China, Indien und den USA zu unterstützen. Neue Institute und Lehrstühle sollen errichtet, bereits bestehende ausgeweitet und Universitäten vernetzt werden.
Selbstverantwortlich steckt sich der Konzern auch eigene, ökologische Ziele: Nach der Einführung eines Umweltmanagementsystems soll der CO² Ausstoß der weltweit rund 300 Fertigungsstandorten bis 2020 um 20% gesenkt werden.
Dies alles getreu dem Moto des Firmengründers Robert Bosch:
"Gegen Leistungen kommt man nur mit Leistungen auf."
Umwelt- und Effizienztechnologien entwickeln sich immer mehr zu einem Motor für Wachstum und Beschäftigung. Das lässt sich an zwei Beispielen illustrieren:
Dass die wirtschaftlichen Chancen, die mit dem Thema Umwelt verbunden sind, die Bedeutung der Ökologie für die Wettbewerbsfähigkeit groß sind, ist mittlerweile Konsens. Energie- und Ressourceneffizienz werden mehr und mehr zu einem wirtschaftlichen Vorteil im internationalen Wettbewerb. Das Ringen um die Technologie- und Marktführerschaft ist daher bei grünen Technologien in vollem Gange.
Deutschland steht hier gut da: Die Produktion von Umweltschutzgütern in Deutschland ist weiter überdurchschnittlich gewachsen. Deutschland liegt auf einem Spitzenplatz beim Export von Umweltschutzgütern. Nach jüngsten Berechnungen gibt es, wie der gerade erschienene Umweltwirtschaftbericht 2011 des Bundesumweltministeriums zeigt, knapp 2 Millionen Beschäftigte in der Umweltwirtschaft – ein neuer Höchststand.
Entscheidend für den ökologischen und ökonomischen Erfolg sind jedoch innovative Unternehmen, die Megatrends strategisch verarbeiten und zukunftsfähige Produkte auf zukunftsfähige Art und Weise produzieren. Kurzum: Erfindergeist, Innovationskraft und die Ausdauer, die Innovationen auch auf den Markt zu bringen. Bosch ist hierfür ein leuchtendes Beispiel: Es ist auf die Zukunft ausgerichtet, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren.
Für den Übergang zu einer Green Economy besitzt Deutschland gute Voraussetzungen. Die soziale Marktwirtschaft hat sich als Garant für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Stabilität erwiesen.
Die globalen Umweltschäden entspringen der Kurzsichtigkeit im Handeln und führen zu Umverteilung von Risiken und Kosten. Das Ordnungsmodell der sozialen Marktwirtschaft kann, gerade wenn wir international für dieses Modell werben wollen, daher mit der Verbindung von Freiheit und Verantwortung einen Weg weisen. Denn gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen gehört in Deutschland zu den Grundpfeilern der Sozialen Marktwirtschaft.
Es geht darum, in der Tradition der sozialen Marktwirtschaft einen ordnungspolitischen Rahmen zu setzen, der hier die richtigen Anreize für Innovation und Modernisierung setzt. Durch eine starke Position auf den Zukunftsmärkten und eine energie- und ressourceneffiziente Wirtschaft können wir neue Grundlagen für gesellschaftlichen Wohlstand schaffen und stärken.
Dafür benötigen wir starke, gesellschaftlich verantwortliche Unternehmer, die die unternehmerischen Schlussfolgerungen daraus ziehen und umsetzen.
Lieber Herr Fehrenbach, es freut mich sehr, dass wir heute mit Ihnen einen solchen Unternehmer auszeichnen. Ihr Engagement für Ihr Unternehmen und unsere Gesellschaft, für junge Menschen, für Forschung, für Innovationen, Bildung und Weiterbildung, für die Umwelt und für eine lebenswerte Zukunft sind beispielgebend. Der Preis ist Würdigung und Bestätigung, aber auch Ansporn, weiter zu tun, was Sie seit Jahren leisten, für Robert Bosch, für unser Land.
Nochmals meinen herzlichen Glückwunsch!