Rede der Parlamentarischen Staatsekretärin Katherina Reiche anlässlich der Jahrestagung des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien (FVEE) - Jubiläumsfeier 20 Jahre FVEE
Datum: 11.10.2010
Ort: Berlin
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede,
I. Einleitung
Ich freue mich sehr, dem ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) heute zum 20-jährigen Bestehen gratulieren zu dürfen. Dies auch im Namen von Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, der mich gebeten hat, Ihnen seine besten Glückwünsche zu übermitteln.
Der FVEE hat sich in den vergangenen Jahren große Anerkennung erworben und seinen festen Platz gefunden. Und Ihre Forschungsthemen sind gefragter denn je. Denn die zukünftige Gestaltung des Energiesystems ist eines der Top-Themen für Deutschland. Der Übergang in das Zeitalter der erneuerbaren Energien verlangt eine tief greifende Modernisierung der Energiewirtschaft.
Wir wollen den Weg in das regenerative Zeitalter gehen. Die konventionellen Energieträger sollen in einem dynamischen Energiemix kontinuierlich durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Gleichzeitig muss der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden.
Der Schlüssel hierfür ist die Energieforschung. Denn wir brauchen neue Technologien wie beispielsweise Energiespeicher und intelligente Energienetze. Wir müssen aber auch bestehende Technologien, wie die Solar- und Windenergie fortentwickeln, um diese Ziele zu erreichen.
Eine innovative, anwendungsorientierte Energieforschung ist eine wichtige Basis, um den Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung vorantreiben zu können.
Und sie leistet einen wesentlichen Beitrag, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf wichtigen Zukunftsmärkten auch mittel- und langfristig zu sichern.
II. Energiekonzept der Bundesregierung
Am 28. September hat das Bundeskabinett ein langfristig angelegtes, alle Sektoren umfassendes Energiekonzept beschlossen. Mit diesem Konzept haben wir erstmals eine Strategie verabschiedet, die den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz konkret beschreibt.
Ziel der Bundesregierung ist es, den Klimaschutz entscheidend voranzubringen und gleichzeitig Deutschland zu einer der effizientesten, innovativsten und umweltfreundlichsten Volkswirtschaften der Welt zu machen – bei wettbewerbsfähigen Preisen und einem hohen und breiten Wohlstandsniveau.
Um das zu erreichen, bedarf es einer langfristigen energiepolitischen Gesamtstrategie, die verlässliche Rahmenbedingungen für Technologieentwicklung und notwendige Investitionen schafft.
Diese Strategie wurde mit dem Energiekonzept erstmals vorgelegt. Das Konzept ist langfristig angelegt, mit einem konkreten Maßnahmenprogramm unterlegt und langfristig finanziert. Das ist in Europa und weltweit einmalig. Das ist ein großer Erfolg. Die Zentralen Ziele des Energiekonzeptes sind:
- Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 40 %, und bis 2050 um 80 bis 95 % gegenüber 1990 sinken.
- Der Primärenergieverbrauch soll bis 2020 um 20 % und bis 2050 um 50 % gegenüber 2008 reduziert werden.
- Mit Blick auf die erneuerbaren Energien sieht das Konzept vor, dass bis 2020 der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch 18 % betragen soll, und danach kontinuierlich weiter steigt, auf 30 % bis 2030 und auf 60% bis 2050. Ihr Anteil an der Stromerzeugung soll bis 2050 sogar 80% betragen.
Das Energiekonzept formuliert aber nicht nur Ziele, sondern enthält über 60 konkrete und langfristig sicher finanzierte Maßnahmen.
Die Bundesregierung wird dauerhaft ein Sondervermögen "Energie- und Klimafonds" zur Finanzierung von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und nationalen sowie internationalen Klimaschutz einrichten.
Das Sondervermögen wird mit einem Volumen von 300 Mio. Euro in 2011 beginnen, mit der 2013 beginnenden Auktionierung der Emissionszertifikate auf rund 2,5 Mrd. Euro anwachsen und ab 2017 mit über 3 Mrd. Euro jährlich weiter anwachsen, gespeist aus der Versteigerung der Emissionszertifikate und aus der Abschöpfung der Gewinne aus der Laufzeitverlängerung.
III. Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien
Für die Forschung im Bereich der erneuerbaren Energien ist hier – ebenso wie für die Forschung im Bereich der Energieeffizienz - ein deutlicher Mittelzuwachs vorgesehen.
Damit wird sich der Aufwärtstrend in der Forschungsförderung für erneuerbare Energien klar fortsetzen.
Wie Sie wissen, ist die Forschungsförderung für erneuerbare Energien seit 2003 kontinuierlich gestiegen.
In diesem Jahr stehen dem Bundesumweltministerium für die Forschung im Bereich erneuerbare Energien rund 120 Mio. Euro zur Verfügung.
Dies wird in den kommenden Jahren nach den Plänen der Bundesregierung in den kommenden Jahren deutlich aufgestockt:
- Erstens durch die im Koalitionsvertrag vereinbarten Erhöhungen der Forschungsmittel.
- Zweitens sollen aus dem Sondervermögen nach der Vorstellung der Bundesregierung bereits im nächsten Jahr zusätzlich 40 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien fließen, mit einem deutlichen Schwerpunkt in der anwendungsorientierten Forschung. Diese Mittel sollen bis 2015 auf 150 Mio. Euro aufwachsen.
Das bedeutet, dass das Energiekonzept auch für die Forschungsförderung signifikante Auswirkungen hat.
Die Mittel, die im Koalitionsvertrag vorgesehen sind und aus dem Sondervermögen des Energiekonzepts, werden es nach Vorstellung der Bundesregierung ermöglichen, die Forschungsförderung für erneuerbare Energien maßgeblich auszuweiten. Das Bundesumweltministerium wird hier inhaltlich weiterhin auf anwendungsorientierte Forschung zur Förderung der erneuerbaren Energien setzen.
Einerseits, um weitere deutliche Kostenreduktionen der einzelnen Technologien zu erreichen.
Andererseits um in die weitere Erforschung und Entwicklung von Technologien investieren, die in der Zukunft einen wesentlichen Anteil an der Energieversorgung haben können.
Wir werden die Mittel, die für Forschung in den Bereichen
- Photovoltaik,
- Windenergie,
- Geothermie,
- Solarthermische Kraftwerke und
- Niedertemperatur-Solarthermie
zur Verfügung stehen, nach jetzigem Stand deutlich ausweiten können.
Um die Modernisierung des Energieversorgungssystems aktiv zu unterstützen, hat das Bundesumweltministerium bereits 2008 die „Optimierung der Energieversorgungssysteme“ als neuen Schwerpunkt der Forschungsförderung definiert:
In den Jahren 2008 und 2009 wurden in diesem Bereich neue Projekte mit einem Fördervolumen von knapp 40 Mio. Euro bewilligt. Damit wollen wir dazu beitragen, die notwendigen Systemvoraussetzungen für einen kontinuierlich steigenden Anteil erneuerbarer Energien zu schaffen. Auch diesen Förderschwerpunkt wollen wir kontinuierlich weiter ausbauen.
Ergänzt wird die Projektförderung des Bundesumweltministeriums durch die institutionelle Förderung des Bundesforschungsministeriums, sowie ergänzende Projektmittel von Bundesforschungs-, -wirtschafts- und -landwirtschaftsministerium.
Im Rahmen der Innovationsallianz Photovoltaik bündeln Bundesumwelt- und Bundesforschungsministerium bereits jetzt ihre jeweiligen Kompetenzen für anwendungsorientierte Forschung und Grundlagenforschung.
IV. Energieforschungsprogramm
Dies sind gute Voraussetzungen für das neue, 6. Energieforschungsprogramm, das die Bundesregierung im nächsten Jahr vorlegen wird.
Das Energiekonzept definiert hierfür folgende Schwerpunkte:
- erneuerbare Energien,
- Energieeffizienz,
- Energiespeichertechnologien und Netztechnik,
- Integration der erneuerbaren Energien in die Energieversorgung
- sowie das Zusammenspiel der Energietechnologien.
Die ressortübergreifende Kooperation soll ausgeweitet werden: Für die Bereiche "Netze und Energiespeicher" sowie "Solares Bauen - energieeffiziente Stadt" wird die Bundesregierung gemeinsame Förderinitiativen entwickeln und umsetzen.
Damit werden die Förderaktivitäten der einzelnen Ressorts für diese übergreifenden Aufgaben zu gebündelt. Damit greifen wir zentrale Herausforderung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien auf.