- Es gilt das gesprochene Wort. -
Anrede,
am heutigen 27. Oktober, vor genau 40 Jahren wurde der AGFW gegründet. Wir haben heute also wirklich einen guten Grund zu feiern und dem AGFW zu 40 Jahren erfolgreicher Arbeit zu gratulieren. Ich tue dies auch im Namen von Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, der mich gebeten hat, Ihnen seine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln.
Der AGFW hat sich in den letzten 40 Jahren einen Namen als Energieeffizienz-Verband gemacht. Das verbindet ihn mit dem Bundesumweltministerium. Denn auch für uns ist die Energieeffizienz eine der wichtigsten strategischen Säulen einer zukunftsfähigen Energiepolitik.
So trägt das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz 2009 ganz deutlich die Handschrift des Bundesumweltministeriums. Mit dem im Juni beschlossenen Energiepaket haben wir weitere wesentliche Hemmnisse für den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung beseitigen können.
Dabei konnten wir uns stets auf kompetenten fachlichen Input des Energieeffizienzverbandes für Wärme, Kälte und Kraft-Wärme-Kopplung stützen.
Dass die Arbeit erfolgreich war, zeigen trotz der kurzen Laufzeit des Gesetzes die ersten Ergebnisse: So wurden seit Januar 2009 laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bereits rund 10.000 Anlagen mit insgesamt nahezu 2 Gigawatt KWK-Stromerzeugungskapazitäten errichtet. Das sind etwa 13 Prozent der für das Erreichen des 25 Prozent-Ziels in 2020 benötigten Kapazitäten. Auch beim Wärmenetzausbau gab es aus meiner Sicht einen Quantensprung. Es wurden seither ca. 1.000 km Wärmenetze gebaut.
Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf größere Anlagen, auch kleine Einheiten stehen bei uns im Fokus. So haben wir mit Investitionszuschüssen im Mini-KWK-Programm des Bundesumweltministeriums den Markt für Energiedienstleistungen deutlich belebt und innovative technologische Entwicklungen ausgelöst.
Das Programm ist leider derzeit wegen fehlender Haushaltsmittel ausgesetzt. Wir setzen uns jedoch für eine Fortsetzung ein. Es hat aber auch allgemein Wahrnehmung und Interesse am Thema KWK gestärkt. Das gilt insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bisher gab es in dieser Größenklasse kaum geeignete Anlagen. Inzwischen wurden und werden Produktionskapazitäten und damit neue Arbeitsplätze in Produktion und Service geschaffen.
Auch größere Unternehmen investieren zunehmend in Mini-KWK-Anlagen. So visiert beispielsweise Lichtblick in Kooperation mit der Volkswagen AG die Installation von 100.000 Anlagen im Rahmen seines so genannten "Schwarmstromkonzeptes" an.
Mit dem Förderprogramm für gewerbliche Kälteanlagen des Bundesumweltministeriums haben wir ein weiteres erfolgreiches Programm etabliert.
Erste Evaluierungen zeigen, dass mit den geförderten Maßnahmen eine Energieeinsparung von ca. 40 Prozent erreicht wird. Die Fördereffizienz liegt bei ca. 11 Euro pro vermiedene Tonne CO2. Nunmehr ist im Rahmen dieses Programmes jetzt auch die Förderung von Sorptionskälteanlagen möglich ist. Davon kann auch die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung profitieren.
Flankiert wird das Förderprogramm mit dem Deutschen Kältepreis. Mit der Auslobung zielen wir auf Entwicklung und Anwendung besonders innovativer, kostengünstiger Lösungen. Der Kältepreis wurde im März 2011 bereits zum dritten Mal überreicht. Er hat nicht nur gezeigt, dass bis zu 75 Prozent Energieeinsparung möglich sind. Auch Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungs-Lösungen konnten prämiert werden.
Wir nehmen es mit der Energieeffizienz ernst. Sie ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Energie- und Klimaschutzpolitik.
Zwei Beispiele:
Bezogen auf das 2°C-Ziel müssen weltweit die Treibhausgase drastisch reduziert werden. Energiebedingte Emissionen haben einen Anteil von ca. 85 Prozent. Wir müssen daher vor allem dort handeln, wo Energie erzeugt und verbraucht wird.
Ebenso gehen der Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieffizienz Hand in Hand. Wenn wir es schaffen, unseren Stromverbrauch, wie im Energiekonzept vorgesehen, bis 2020 gegenüber 2008 um 10 Prozent auf etwa 550 Terawattstunden zu senken, bedeuten 35 Prozent Erneuerbare real 193 Terawattstunden. Gelingt dies nicht, benötigen etwa 215 Terawattstunden, das heißt etwa 20 Terawattstunden mehr. Dies entspricht etwa 4.000 zusätzlichen Windenergieanlagen.
Deshalb haben wir unser Energiekonzept an einem neuen Leitbild ausgerichtet. Es stützt sich auf eine forcierte Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die immer effizientere Nutzung von Energie. Grundbedingung für eine wachsende Volkswirtschaft, für Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt ist, dass dies mit immer weniger Einsatz von Ressourcen und Energie einhergeht.
Energieeffizienz und Energieeinsparung sind deshalb die beste Energiequelle: Jede Einheit Energie, die eingespart werden kann, spart Energiekosten und schont Ressourcen und Umwelt.
Wir müssen darauf achten, dass unsere Energieversorgung bezahlbar bleibt.
Das gilt für die Wirtschaft, deren Wettbewerbsfähigkeit wir weiter stärken wollen. Es gilt ebenso für den individuellen Verbraucher, den Haushaltskunden, für den die Energierechnung nicht untragbar werden darf.
Zugleich mindern wir den Rohstoffbedarf und damit die Abhängigkeit von Energieimporten, insbesondere aus politisch instabilen Regionen.
Die deutliche Steigerung der Energieeffizienz ist somit nicht nur ein wesentliches Element im Kampf gegen die globale Erderwärmung.
Energieeffizienz ist also Zukunftssicherung und liegt im ureigensten Interesse unserer Gesellschaft.
Die Bundesregierung hat bereits mit dem im September 2010 vorgelegten Energiekonzept deutlich gemacht, dass die Energieversorgung Deutschlands langfristig überwiegend aus erneuerbaren Energien sichergestellt werden muss.
Mit dem im Juni beschlossenen Energiepaket hat die Bundesregierung die Umsetzung des Energiekonzepts beschleunigt.
Die Energieeffizienz spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die anspruchsvollen und ehrgeizigen Ziele, die wir uns hier gesetzt haben, unterstreichen dies:
Die unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit erschließbaren Energieeffizienz-Potenziale sind enorm.
Sie wurde in Studien vom Wuppertal Institut, von McKinsey und Prognos ermittelt, dass allein bei vollständiger Erschließung des wirtschaftlichen Einsparpotenzials an Endenergie in allen Verbrauchssektoren 110 bis 130 Mio. t CO2 eingespart werden können.
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Unternehmensberatung "Roland Berger" kommt zu dem Schluss: Die anvisierten Effizienzmaßnahmen können in den bedeutendsten 4 Sektoren der energieintensiven Industrie in Deutschland bis 2050 Investitionen von 23 Mrd. Euro auslösen – und Einsparungen in Höhe von 100 Mrd. Euro bewirken.
Zur Erfüllung unserer Energieeffizienzziele kann und muss Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung weiterhin einen substanziellen Beitrag leisten.
Der Wärmeverbrauch in den Metropolregionen bzw. Städten Deutschlands beträgt rund 80 Prozent des Gesamtwärmeverbrauchs. Diese Regionen sind bestens geeignet für den Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärme.
Die Primärenergieeinsparung beträgt hier bis zu 50 Prozent. Die Umstellung der Metropolregionen auf Fernwärme hilft somit jährlich Millionen Tonnen von Brennstoff einzusparen. Dadurch werden CO2-Emissionen vermieden. Erhebliche Mengen der Schadstoffe Schwefeldioxid, Feinstaub und Stickoxide entstehen erst gar nicht.
Das gilt gerade auch bei sinkendem Wärmebedarf im Gebäudebereich. Denn am stärksten werden die Lastspitzen, die aus Heizkesseln gedeckt werden, reduziert. Außerdem können durch Netzverdichtung und neue Netze weitere Wärmesenken erschlossen werden. Dazu gehört auch Prozesswärme in Gewerbe und Industrie.
Durch Erschließung von Kälte- und Klima-, einschließlich der Ablösung von Kompressionskälte, können höhere Laufzeiten und damit mehr Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Ich begrüße es deshalb, dass der AGFW sich jetzt dieses Themas angenommen hat.
In den KWK-Anlagen muss zudem die Ausbeute an edler Energie, dem Strom, weiter verbessert werden. Das Ziel, den KWK-Strom-Anteil bis 2020 auf 25 Prozent zu verdoppeln, gilt weiterhin.
Derzeit arbeiten das Bundesumweltministerium und das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam an dem Bericht über die Zwischenüberprüfung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes.
Prognos und die Berliner Energieagentur haben dazu einen Forschungsbericht vorgelegt. Derzeit sieht es danach aus, als werden wir bis 2020 bestenfalls knapp 21 Prozent KWK-Strom-Anteil erreichen. Wir müssen also nachsteuern, wenn wir unser Ziel erreichen wollen.
Für eine Novellierung des Gesetzes gibt es mit Blick auf die beschleunigte Umsetzung des Energiekonzeptes eine Reihe guter Gründe:
Als wichtige Punkte einer Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes sieht das Bundesumweltministerium:
Über diese Punkte werden wir uns in den kommenden Wochen und Monaten innerhalb der Bundesregierung austauschen.
Gerade bei effizienten Kraftwerkstechnologien hat Deutschland einen Vorsprung. Ihn weiter auszubauen sichert vorhandene und schafft neue Arbeitsplätze.
Dafür gibt es ein ganz aktuelles Beispiel. Vorgestern wurde das weltweit erste Wind-/Wasserstoffhybridkraftwerk bei Prenzlau in Betrieb genommen. Obwohl es – da Pilotcharakter – eine kleine Anlage ist, hat sie große Aufmerksamkeit gefunden. Ein Aspekt wurde jedoch kaum beachtet, der der Wärmenutzung. Die Rückverstromung erfolgt in einer Biogas-KWK-Anlage. Die Wärme wird über ein Wärmenetz genutzt. Nur bei Nutzung der Abwärme aus der Rückverstromung lässt sich eine hohe Energieeffizienz erreichen. Insofern ist das Hybridkraftwerk ein idealtypisches Beispiel, den Ausbau der fluktuierenden erneuerbaren Energien und Energieeffizienz voranzubringen.
Der Energieeffizienzverband AGFW ist der führende Verband der Fernwärme, -kälte und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).
Er wird von seinen Mitgliedern, der Politik und in der Öffentlichkeit als anerkannter und kompetenter Ansprechpartner für die ökologisch und ökonomisch optimale Wärme-, Kälteversorgung und Kraft-Wärme-Kopplung angesehen.
Die konstruktive Arbeit des AGFW ist hier sicherlich ein großer Gewinn.
Es gibt also viele Gründe, das heutige Jubiläum gebührend zu feiern.
Ich freue mich auf eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit.
Der Ausbau der Offshore-Windenergie bedarf eines breiten gesellschaftlichen Konsenses.
In diesem Sinne wünsche ich dem Vorstand, dem Präsidenten und der Geschäftsführung, dem Beirat, allen weiteren Gremien und Beteiligten und den Mitgliedern weiterhin eine erfolgreiche Arbeit und alles Gute für die Zukunft.
Vielen Dank.