Stand: September 2011
Der Papst hat im Deutschen Bundestag einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit der Schöpfung gefordert. In seiner philosophisch, religiös und politisch eindrucksvollen Rede hat er dem Thema Ökologie eine substanzielle, ganzheitliche Bedeutung gegeben: "Die Erde trägt selbst ihre Würde in sich und wir müssen ihren Weisungen folgen." Mit diesem Satz hat er deutlich gemacht, dass aus christlicher Sicht der Schutz der Umwelt und der Natur nicht nur abgeleiteter Wille, sondern als Bewahrung der Schöpfung ursprünglicher Wille Gottes ist. Er hat sein Verständnis von Natur mit der Anthropologie verknüpft und beides – die Würde der Natur und die Menschenwürde – im Schöpfungsbegriff zusammengeführt. Damit hat er allen, die sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft um die Stärkung einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise bemühen, einen wichtigen neuen Impuls und einen starken Rückhalt gegeben.
Der Schutz des Klimas, der Ausbau regenerativer Energien, ein schonender, effizienter Umgang mit unseren Ressourcen sind nach diesem Verständnis mehr als nur Ausdruck von ökologischer oder ökonomischer Intelligenz. Umwelt und Natur gehören durch den Würdebegriff zu den Grundlagen dessen, was im christlichen Sinne unantastbar ist. Der Mensch darf sich die Natur untertan machen, er darf sie gebrauchen. Aber eine Wirtschaftsweise, die die Erde und ihre Ressourcen als Lebensbasis verbraucht, zerstört ihre Grundlagen und richtet sich gegen die Schöpfung und damit gegen sich selbst.
Dabei hat er nicht nur die Würde des Menschen auf die Würde der Natur übertragen, sondern auch umgekehrt die "Ökologie der Natur" auf die "Ökologie des Menschen": "Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur." Als Teil der Natur sollte der Mensch auch mit sich selbst schützend, schonend, nachhaltig und ausgewogen umgehen. Viele sozial-, wirtschafts- oder außenpolitische Debatten ließen sich an seine Gedanken anschließen.
Als Christdemokrat und als Umweltminister habe ich mich sehr über die bereichernden Worte des Papstes zu Natur, Mensch und Schöpfung gefreut. Der Papst ist nicht grün, er legt lediglich urchristliches Gedankengut frei. Wir Christdemokraten haben zu lange versäumt, zu erkennen, dass Schutz von Natur, Umwelt und Klima nicht nur urchristlich, sondern auch urchristdemokratisch sind. Der Papst hat uns Rückenwind gegeben, diese Botschaft weiter mit großer Freude und Überzeugung zu verbreiten.