Sprungnavigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Servicemenü

zur Sprungnavigation

Inhaltsbereich

zur Sprungnavigation

Stand: September 2012

Bundesumweltminister: "Für die Energiewende kann ich einige Weichen stellen"

Thüringer Allgemeine: Herr Altmaier, wir tragen Frösche über die Straße. Wir weisen täglich Biotope aus. Wir renaturieren, was das Zeug hält - und in Peking sieht man vor lauter Smog den Himmel nicht mehr. Schmerzt Sie das nicht, dass unsere Anstrengungen in der globalen Bilanz kaum ins Gewicht fallen?

Altmaier: Ich bin froh darüber, dass wir in Deutschland einen starken Naturschutz haben. Es liegt in unserem nationalen Interesse dafür zu sorgen, dass der Naturschutz weltweit stärker Beachtung findet. Und das schaffen wir am ehesten, wenn in Deutschland ganz selbstverständlich Naturschutz mit wirtschaftlicher Prosperität verbunden wird, weil er dann auch von anderen Ländern nachgeahmt wird.

Diese Entwicklung sehen Sie?

Durchaus. In China gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass man das hohe Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre durch ein hohes Maß von Zerstörung an Natur und Umwelt erkauft hat. Und deshalb sehe ich Chancen, dass wir deutsche Technologie bei der Wiederaufforstung, bei der Restaurierung verlorener Naturschutzgebiete auch in andere Länder exportieren.

Dennoch - Kinderarbeit ist global geächtet, die Umwelt darf in vielen Regionen der Welt zerstört werden, um möglichst billig zu produzieren. Braucht es hier nicht endlich weltweite Handelsabkommen, die den grenzüberschreitenden Handel mit Waren an umweltgerechte Produktion koppeln?

Ich bin sehr dafür, dass wir uns um verbesserte Umweltschutzstandards kümmern. Das gilt für den Schutz der Meere, das gilt aber auch für Umweltschutzstandards bei Produktions- und Abbaumethoden von Bodenschätzen oder in der Holzwirtschaft, wo oftmals großflächig die Natur zerstört wird. Allerdings weiß ich aus Erfahrung, dass solche Verhandlungen sehr langwierig sind. Deshalb liegt mir sehr daran, dass wir ein Umweltbewusstsein auch in den betroffenen Ländern schaffen.

Wie wollen sie das erreichen?

Dazu will ich beispielsweise mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, mit Bürgerinitiativen, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass in diesen Ländern selbst ein Prozess des Umdenkens in Gang kommt.

Und daheim. Wir kaufen doch ökologisch bedenklich gewonnene Waren, weil sie so schön billig sind. Müssten wir hier nicht stärker aufklären und an die Vernunft der Verbraucher appellieren? Ist das ein Thema, in dass sich der Bundesumweltminister einmischt?

Ja, das ist schon mein Themengebiet. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass frische Produkte besser schmecken als Konserven oder Tiefkühlkost. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man auch mit umweltfreundlichen Produkten die gleiche Lebensqualität haben kann, da sind die Menschen hierzulande übrigens in vielen Bereichen schon viel weiter als die Politik.

Inwiefern?

Wenn ich mir ansehe, wie hervorragend die Mülltrennung angenommen wird, wenn ich mir ansehe, wie viele Schulklassen sich schon heute mit dem Thema Umweltschutz und -zerstörung beschäftigen, welche Begeisterung die Schülerinnen und Schüler an den Tag legen, dann glaube ich, dass die Politik erkennen muss: Umweltschutz ist ein Gewinnerthema. Damit kann man viele Menschen erreichen, die ansonsten der Politik eher skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen.

Das Thema, was Sie augenblicklich am meistens fordert, ist die Energiewende. Sie fordern mehr Abstimmung beim Umbau.

Ja. Die Energiewende ist auf 40 Jahre angelegt. Ich habe als Umweltminister bis zur Wahl zwölf Monate, einige Weichen zu stellen. Es geht darum, dass sich Bundesregierung und Bundesländer jetzt auf einen nationalen Konsens zur Energiewende einigen. Wir müssen gemeinsam über die gegenwärtigen Ausbaupläne für Wind- und Sonnenenergie entscheiden.

Wie war es in Thüringen?

Ich habe alle Bundesländer besucht und gerade auch mit Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in langen Gesprächen ein ganz hohes Maß an Übereinstimmung erzielt. Thüringen ist ja ein Bundesland, dass sehr viel Technik beisteuern kann, vor allem im Bereich der Solarindustrie. Thüringen ist aber auch ein Land, mit einer ausgeprägten mittelständischen Industrie. Und wir haben alle ein Interesse, dass die notwendigen Kosten der Energiewende nicht zulasten der Industrie gehen.

Braucht es bei der Herausforderung nicht ein eigenes Energieministerium?

Im Augenblick haben wir drei Ministerien - Umwelt, Wirtschaft und Verkehr -, die mit der Energiewende beschäftigt sind. Im Augenblick ist noch so viel Arbeit da, dass alle damit gut ausgelastet sind.

Über künftige Änderungen muss man jetzt nicht spekulieren. Ich habe mir als Umweltminister vorgenommen, mich für die Energiewende insgesamt einzusetzen und für ihr Gelingen zu werben.

Was heißt insgesamt?

Da sind wir wieder am Beginn unseres Gesprächs. Insgesamt heißt: weltweit. Das Gelingen der Energiewende ist im Interesse des Umweltschutzes weltweit gerade eine riesige Chance für den Naturschutz. Denn, wenn es uns gelingt, die Energiewende durchzuführen, dann wird sie auch in allen anderen Ländern in Gang kommen.

Das heißt?

Wir haben heute 380.000 Arbeitsplätze im Bereich der Umwelttechnik. Ich möchte erreichen, dass deutsche Umwelttechnik, die heute schon ein Exportschlager ist, in andere Länder exportiert wird, damit sie dort einen Beitrag leistet, die Umwelt sauberer zu halten. Die Umweltverschmutzung, die in China und Indien ausgelöst wird, hat unmittelbare Konsequenzen auf die Umwelt in Deutschland und Thüringen. Daher müssen wir uns mit diesen Fragen und Problemen auch dort beschäftigen.

{$website.social_icons.twitter.alttext}Schau dir Videos des BMU auf dem BMU-YouTube-Portal anAbonniere RSS-Feed des BMU

Navigation

zur Sprungnavigation

Themenportale