Editorial aus der Zeitschrift UMWELT 11/2012
die Weltbevölkerung wächst rasant – bald sind wir acht Milliarden Menschen, und sie alle streben nach materieller Sicherheit und Wohlstand. Damit ist klar, dass auch der Bedarf nach Rohstoffen weiter steigen wird, und zwar erheblich. Das ist nicht nur eine Gefahr für die Umwelt, es hat auch ökonomische Konsequenzen. Ein steigender Rohstoffbedarf – häufig auch noch bei sinkendem Angebot – führt zu höheren Rohstoffpreisen und größeren Belastungen für das produzierende Gewerbe. Gerade als rohstoffarmer Industriestandort dürfen wir diese Entwicklung nicht ignorieren. Bei vielen Rohstoffen sind deutsche Unternehmen zu fast 100 Prozent von den Preisen des Weltmarktes abhängig, etwa bei Metallerzen, seltenen Erden, Erdöl oder Erdgas.
Wir müssen in Zukunft weitaus intelligenter und sparsamer mit Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen umgehen. Schon heute ist die Effizienz ein echter Wettbewerbsfaktor. In Zukunft wird sie es noch mehr sein. Im produzierenden Gewerbe in Deutschland machen die Rohstoffkosten heute 45 Prozent der Produktionskosten aus, während die Lohnkosten nur bei etwa 18 Prozent liegen. Ressourceneffizienz ist damit ein Schlüssel für Deutschlands Zukunftsfähigkeit, für Wohlstand und Wachstum.
Welche politischen Schritte notwendig sind, um unsere Ressourcenefffizienz weiter zu erhöhen, werden wir vom 12. bis 14. November gemeinsam mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – darunter EU-Kommissar Janez Potočnik und der Wissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker – im Rahmen des ersten Europäischen Ressourcen-Forums (ERF) und des Nationalen Ressourcen-Forums (NRF) ausloten.
Dabei können wir auf einiges aufbauen: Die Bundesregierung hat am 29. Februar 2012 als eines der ersten europäischen Länder eine umfassende Gesamtstrategie zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zu nachhaltigem Wachstum beschlossen: das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm „ProgRess“. Das Gebot der Stunde lautet: mit weniger mehr erreichen.
Die Strategie richtet sich nicht nur an die Politik – jeder von uns ist angesprochen. Was machen wir etwa mit Elektrogeräten und Handys? Derzeit sind in Deutschland fast 100 Millionen Mobiltelefone im Einsatz. Gleichzeitig liegen Millionen Altgeräte in den Schubladen deutscher Haushalte. Handys und andere Elektro-Altgeräte sind kein Schrott, sondern wertvolle Rohstoffquellen. Kaum jemand weiß, dass eine Tonne Handyschrott 60-mal mehr Gold enthält als eine Tonne Golderz!
Recycling ist die Lösung: Allein bei der Wiedergewinnung von Kupfer werden 30 Prozent weniger Energie benötigt als bei der Primärproduktion. Bei der Aluminiumproduktion aus Schrotten liegt der Energieaufwand gegenüber der Primärgewinnung aus Erz sogar um 90 Prozent niedriger. Das heißt
90 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid.
In Zukunft sollen Abfälle noch weit mehr als bisher wiederverwertet werden. Deshalb sind wir dabei, die bestehenden Regelungen zur Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Die bisherige Verpackungstonne (gelber Sack) soll zu einer ökologisch sinnvollen, bürgerfreundlichen und effizienten Wertstofftonne werden.
Bei allem geht es um eines: den alten und unzutreffenden Gegensatz von Umwelt und Wirtschaft, von Ökologie und Ökonomie zu überwinden. Lassen Sie uns gemeinsam weitergehen auf dem Weg zu einer nachhaltigen, ressourceneffizienten Wirtschaftsweise, einer „Green Economy“ – es lohnt sich!
Peter Altmaier
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit