Saarbücker Zeitung:Herr Minister, die Autofahrerboykottieren den Biosprit E 10.Und jetzt sagen Experten auchnoch, der neue Sprit könnte dieMotoren schädigen. Was entgegnenSie?
Dr. Norbert Röttgen: Die Hersteller habendiese Meldung inzwischendementiert. Fast alle Autos vertragendas neue Benzin und wirhaben dafür gesorgt, dass dierund sieben Prozent älterenModelle, die es nicht vertragen,unbefristet weiter das alte E 5tanken können.
Das heißt, eine Rücknahme derEinführung kommt für Sie nichtin Frage?
Ichhalte die Nutzungvon Biokraftstoffenfürdie richtigeStrategie. Auchim Sinne derdeutschen Autofahrer,dieumweltbewusstsind, langfristigstabile Benzinpreise wollen, sowiegute Produkte für hochwertige,leistungsstarke Motoren.Es besteht ja auch kein Zwang,sondern die Möglichkeit, E 10seit Anfang dieses Jahres anden Tankstellen anzubietenund der Verbraucher kann entscheiden,ob er von dem AngebotGebrauch macht.
Das Chaos ist allerdings perfekt.Warum musste E 10 überhauptauf den Markt gebracht werden?
Die Einführung vonBiokraftstoffen generell dientdazu, unsere Abhängigkeit vomÖl zu reduzieren. Darüber gabes einen Konsens über die Parteigrenzenhinweg. Die Bundesregierunghat deshalb mitZustimmung der rot-grünenOpposition und aller Bundesländerdie Einführung von E 10ermöglicht. Andere Ländersind übrigens längst viel weiterals wir: In den USA wird jetzt E 15 eingeführt, in Schwedengibt es bereits E 85!
Wer trägt denn die Verantwortungdafür, dass die Etablierungvon E 10 bislang gescheitert ist?
Die Politik hat dieIndustrie lediglich zur Einhaltungeiner bestimmten Biokraftstoffquoteverpflichtet, diezwar gestiegen, aber nicht neuist und bislang immer so gutwie erfüllt werden konnte. Obsie über E 10 oder anders erfülltwird, ist Sache der Mineralölindustrie.Sie selbst mussdas Produkt, das sie auf denMarkt bringt, entsprechend bewerbenund für den Absatz sorgen.Die Politik stellt sicher,dass die Produktion der Biokraftstoffenachhaltig ist undnicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktiongerät.