Stand: 12.08.2010


Schrittweiser Abbau eines Kernkraftwerks

Schematischer Querschnitt durch ein KKWVor Beginn der Abbauarbeiten befindet sich die Anlage noch weitgehend im gleichen technischen Zustand wie während des Betriebs. Brennelemente und Betriebsabfälle sind jedoch entfernt. Zur Vorbereitung der Stilllegungsarbeiten wird das radioaktive Inventar der Anlage durch Messungen und Probennahmen analysiert. Danach kann der Ablauf des Abbaus detailliert geplant werden und die Techniken für die Dekontamination und Zerlegung festgelegt werden.

Schematischer Querschnitt durch ein KKWDer Abbau von Anlagenteilen wird in der Regel in den Bereichen mit geringer Kontamination begonnen und schreitet in Bereiche mit höherer Kontamination fort ("von außen nach innen"). In den frei gewordenen Bereichen können dann Geräte zur Abfall- und Reststoffzerlegung, Dekontamination und Konditionierung installiert werden. Praktisch alle ausgebauten Teile werden in leicht handhabbare kleine Stücke zerlegt und bei Erfordernis dekontaminiert. EDV-Systeme sichern die lückenlose Verfolgung der Teile vom Abbau bis zum Abtransport aus der Anlage. Wichtige Einrichtungen werden weiter betrieben bzw. nachgerüstet (z.B. Lüftung, Strom- und Medienversorgung).

Schematischer Querschnitt durch ein KKW.Schließlich wird an den höchstkontaminierten und aktivierten Teilen gearbeitet (z.B. am Reaktordruckbehälter und dessen Einbauten). Diese Abbauschritte werden weitestgehend fernbedient durchgeführt. Die anfallenden Materialien bilden einen wesentlichen Anteil der radioaktiven Abfälle bei einer Stilllegung. Das Gebäude ist nun vollständig leer geräumt. Im letzten Schritt wird die Gebäudestruktur dekontaminiert und Raumweise die radioaktive Kontamination nachgemessen. Auf dieser Basis kann die Entscheidung getroffen werden, das Gebäude aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes zu entlassen. Danach kann das Gebäude konventionell abgerissen werden.

Das Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren wird in mehreren Phasen durchgeführt. Ein typischer Abbau einer Anlage dauert mindestens ein Jahrzehnt. Dabei können Planung, Genehmigung und Durchführung verschiedener Schritte parallel verlaufen.

Grafik

Abbildung: Zeitliches Ablaufschema der Stilllegung eines Kernkraftwerks (Quelle: BMU / GRS)