Stand: Januar 2010


Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)

Die formale Öffentlichkeitsbeteiligung zur Stilllegung des bis 1998 betrieben Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Morsleben wurde am 22. Oktober 2009 eingeleitet. Im Zeitraum zwischen dem 22. Oktober und 21. Dezember 2009 wurde der Antrag des BfS zur Stilllegung und weitere Unterlagen zur Einsicht ausgelegt. Während der Auslegungsfrist sind beim MLU mehr als 12 000 Unterschriften zu Einwendungen eingegangen. Diese Einwendungen werden in einem vom MLU noch festzulegenden Erörterungstermin besprochen. Das BfS hat am 9. Mai 1997 das am 13. Oktober 1992 beantragte Planfeststellungsverfahren nach § 9b AtG auf die Stilllegung beschränkt. Planfeststellungsbehörde ist das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (MLU) des Landes Sachsen-Anhalt.

Zur Entsorgung schwach- und mittelaktiver Abfälle wurde in der ehemaligen DDR die nicht mehr zur Steinsalz- und Kaligewinnung genutzte Doppelschachtanlage Marie/Bartensleben am Rande der Gemeinde Morsleben (Ohrekreis, Land Sachsen-Anhalt) zum Endlager umgebaut. Im Jahr 1981 nahm dieses Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) den Betrieb auf und erhielt am 22. April 1986 die Dauerbetriebsgenehmigung. Am 3. Oktober 1990 ging die Zuständigkeit für das ERAM auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber über.

Bis Anfang 1991 wurden ca. 14.500 m³ Abfälle aus der ehemaligen DDR bzw. aus den neuen Bundesländern endgelagert. Vom 13. Januar 1994 bis zum 25. September 1998 sind zusätzlich ca. 22.320 m³ Abfälle, auch aus den alten Bundesländern, eingelagert worden, so dass insgesamt etwa 37.000 m³ radioaktiver Abfälle endgelagert wurden. Mit Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Sachsen-Anhalt vom 25. September 1998 wurde die Einlagerung im Ostfeld des Endlagers untersagt. Daraufhin hat das BfS die Einlagerung radioaktiver Abfälle ausgesetzt. Mit Schreiben vom 12. April 2001 erklärte das BfS gegenüber der zuständigen Planfeststellungsbehörde, auf die Annahme und Endlagerung weiterer radioaktiver Abfälle zu verzichten.

Im Zuge der Stilllegung sollen ca. 4 Millionen m³ Salzbeton über Rohrleitungen in das ERAM eingebracht werden. Das Verfüllkonzept des BfS sieht eine treppenartige Verfüllung von unten nach oben mit Salzbeton vor. Erst nach dem Planfeststellungsbeschluss und der erforderlichen Umrüstung der Grube kann mit der Durchführung dieser Verfüllung begonnen werden, die bis etwa Ende der 20er Jahre dauern würden.

Im Rahmen einer bergbaulichen Gefahrenabwehrmaßnahme (bGZ) wurden im Zentralteil der Grube Bartensleben gelegene Grubenbaue mit ca. 792.000 m³ Salzbeton verfüllt. Diese nach dem Fall einer 5000 t schweren Salzsteinplatte von der Decke einer Kammer (sog. "Löserfall") eingeleitete Maßnahme wurde am 8. Oktober 2003 begonnen und Ende 2009 abgeschlossen. Im Juni 2009 wurde die Möglichkeit eines weiteren größeren Löserfalls im Abbau 4 Süd der 3./4a-Sohle festgestellt. Deshalb soll dieser Abbau in Ergänzung zu den bisherigen Maßnahmen der bGZ ab Januar 2010 ebenfalls mit Salzbeton verfüllt werden. Eine Gefährdung des gesamten Sicherheitsniveaus ist daraus nicht abzuleiten.

Weitere Informationen zum ERAM sind von der Internetseite des BfS abrufbar.


Stapelung von gelben 200 l Fässern; davor ein WarnschildMorsleben: Endlagerkammer im Westfeld der 4. Sohle (Foto: Thomas Imo / photothek.net)