Stand: 04.03.2010
Vorabveröffentlichung aus der Zeitschrift "Umwelt", Ausgabe März 2010. Die Zeitschrift Umwelt können Sie
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Maßnahmenvorschläge gegen illegale Elektroaltgeräte-Exporte
Neue Studie fertig gestellt
Der Export von Elektro- und Elektronikaltgeräten (Abfällen) hat in den letzten Jahren öfters für publizistisches Aufsehen gesorgt. Computer, Bildschirme, Kühlschränke und andere gebrauchte Elektrogeräte werden aus entwickelten Staaten wie u. a. Deutschland - insbesondere über die Seehäfen - exportiert. Gravierende Gesundheits- und Umweltprobleme in den Importländern in Asien und Afrika, unklare und diffuse Herkunftsquellen in den Versandstaaten sowie schwierige rechtliche Abgrenzungsfragen (zwischen Abfall und Nicht-Abfall) sind drei wesentliche Aspekte, die die Komplexität der Problematik verdeutlichen. Als Reaktion darauf wurde im Auftrag des UBA die Studie "Optimierung der Steuerung und Kontrolle grenzüberschreitender Stoffströme bei Elektroaltgeräten/Elektroschrott" erstellt.
Exportierte Mengen
Die 2008 exportierte Menge an neuen und gebrauchten Geräten nach Afrika und Asien betrug geschätzt etwa 155.000 Tonnen. Die Wert- und Warenanalysen haben gezeigt, dass es sich kaum um Neugeräte handeln kann. Der sehr geringe Preis der exportierten Geräte sowie die Ergebnisse verschiedener Exportkontrollen zeigen, dass es sich bei einem wesentlichen Anteil um Geräte in einem sehr schlechten Zustand gehandelt hat. Eine - nicht ermittelbare - Menge wurde illegal als gebrauchte Geräte verbracht, obwohl es sich um Altgeräte (Abfälle) handelte. Es wird davon ausgegangen, dass der Großteil der Altgeräte aus den 155.000 Tonnen das System nach dem Elektro-Gesetz nicht durchlaufen hat.
Zum Vergleich: 2006 gelangten in Deutschland ca. 1,8 Millionen Tonnen Neugeräte auf den Markt. Die im gleichen Jahr im System nach dem Elektro-Gesetz gesammelte Menge an Altgeräten belief sich auf 754.000 Tonnen.
Abbildung 1 zeigt die Verteilung der Exporte nach Gerätearten auf die unterschiedlichen Warengruppen auf Basis der Zollanmeldungen für das Jahr 2008. Die Warennummern differenzieren bei elektrischen und elektronischen Geräten nicht zwischen neuen und gebrauchten Gütern.
Abbildung 1: Verteilung der Exporte nach Gerätearten laut Warenanmeldungen (2008) (Quelle: ökopol)
Aus Abbildung 1 ist ersichtlich, dass sich der exportierte Anteil für einzelne Gerätearten deutlich unterscheidet. Bei einer Gesamtexportmenge von ca. 155.000 Tonnen und einem Gesamtexportanteil bei Monitoren von ca. 33 % ergibt sich 2008 eine Gesamtexportmasse von ca. 50.000 Tonnen an neuen und gebrauchten Monitoren; dies entspricht etwa 2 Millionen Stück. Auch für diese Geräteart zeigte sich, dass es sich kaum um Neugeräte handeln kann, sondern bei einem wesentlichen Anteil um Geräte in einem sehr schlechten Zustand.
Zum Vergleich: Die im System nach Elektro-Gesetz 2006 gesammelten Gesamtmenge an Altgeräten der betreffenden Sammelgruppe (umfasst neben Monitoren auch andere Informationstechnologie und Telekommunikation) betrug ca. 102.000 Tonnen.
Auffällig ist die Wirkung von Innovationen wie z.B. der starke Anstieg der Nutzung von Flachbildschirmen in den Exportstaaten: So machten 2008 die Röhrenbildschirme (Monitore, Fernseher) die größte Masse der exportierten Geräte aus.
Entsorgungssituation in den Empfängerstaaten
In den meisten Fällen ist in den Empfängerstaaten keine Infrastruktur für die Entsorgung vorhanden, die auch nur annähernd dem europäischen Mindeststandard des Umwelt- und Gesundheitsschutzes entspricht. In einigen Importstaaten sind Behandlungs- und Verwertungsanlagen für bestimmte Gerätearten sowie Fraktionen aus der Behandlung von Geräten vorhanden. Allerdings sind Steuerungs- und Kontrollmechanismen offenbar nicht so effektiv, dass die importierten Geräte auch tatsächlich in diese Anlagen gelangen. Umwelt- und Gesundheitsprobleme, die sich durch die fehlenden oder unzureichenden abfallwirtschaftlichen Strukturen - auch aus den eigenen Geräten - ergeben, werden durch importierte gebrauchte Geräte wesentlich verschärft.
Akteure
Sammelplätze (siehe Beispiele in Abbildung 2) sind wichtige Drehpunkte des Exportgeschäfts zwischen dem Anfall und der Sammlung von Geräten in Deutschland und dem Export in die Empfängerstaaten. Die Anzahl solcher Sammelplätze in Deutschland kann auf mehrere Hundert bis über Tausend geschätzt werden. Die Recherchen haben gezeigt, dass wenige große und eine Vielzahl kleiner Exporteure aktiv sind. Bei den Exporteuren, die nur wenige Geräte exportieren, handelt es sich oft um "Abfalltouristen", die nach Deutschland kommen, Material für einen oder mehrere Container kaufen, diese(n) beladen, den bzw. die Container im Empfängerstaat (vor allem Westafrika) wieder in Empfang nehmen und den Inhalt weiter vermarkten.
Abbildung 2: Sammelplätze (Quelle: ökopol)
Herkunft
Die Quellen exportierter Geräte sind denkbar vielfältig: unerlaubtes Entwenden bei Sperrmüllsammlungen, Schrottsammlung, Annoncen in Printmedien, Online-Anzeigen, Auktionshäuser, Flohmärkte, Abfalltransporteure, Recyclinghöfe, Re-Use-Organisationen, Re-Marke¬ting-Unternehmen usw.
Die Finanzierung der Exporte wird durch eine Reihe von Faktoren bedingt: In den Empfängerstaaten werden funktionsfähige gebrauchte Geräte und Altgeräte und Komponenten zu höheren Preisen gehandelt als in Deutschland. Der Transport selber ist relativ preiswert. Oftmals erfolgt eine Mischfinanzierung über funktionsfähige Geräte, Geräte, die als Quelle von Ersatzteilen genutzt werden und über Geräte, die nicht mehr genutzt werden und entweder für die Rohstoffgewinnung eingesetzt werden, oder direkt entsorgt werden.
Auch wenn wegen Schwächen in der statistischen Erhebung sowie der Vielzahl an Herkunftsquellen und Akteuren nach wie vor mit Schätzungen gearbeitet werden muss, sind die in der Studie vorgelegten Daten auf der bisher aufwändigsten Basis ermittelt worden. Damit ist eine wichtige Grundlage für das weitere Vorgehen (dazu unten) geschaffen.
Rohstoffe
Unter idealen Marktbedingungen, d. h. beim Wirken von Marktkräften in den Gebieten, in denen die Elektroaltgeräte in den Empfängerstaaten behandelt werden, kann davon ausgegangen werden, dass massenrelevante Rohstoffe mit relativ guter Reinheit für eine Verwertung zurück gewonnen werden. Das gilt z. B. für Stahl und Kupfer und beschränkt für Aluminium (die Rückgewinnung von Letzterem ist davon abhängig, ob es erkannt wird und ob ausreichende Mengen anfallen, um eine Abtrennung durchzuführen).
Die exportierten Edelmetallmengen wurden mit ca. 1,6 Tonnen für Silber, 300 kg Gold und 120 kg Palladium berechnet.
Basierend auf den Edelmetallpreisen des ersten Quartals 2008 beträgt der Wert der exportierten Edelmetallmengen ca. 9 Millionen Euro.
Bezogen auf die Gesamtexportmengen und die geringere Erfassungs- bzw. Rückgewinnungseffizienz von Ressourcen in den Empfängerstaaten wird der Verlust an Edelmetallen bzw. Seltenen Erden in den Empfängerstaaten derzeit jedoch auf größenordnungsmäßig 1,2 Tonnen Silber, 240 kg Gold und 120 kg Palladium geschätzt.
Maßnahmenvorschläge
Die Autoren der Studie haben zahlreiche Maßnahmen, die zu einer Optimierung der Steuerung und Kontrolle grenzüberschreitender Stoffströme bei Elektroaltgeräten beitragen können, für die Bereiche Statistiken, Quellen exportierter Geräte, rechtliche Regelungen und Kontrolle sowie Kooperation mit den Empfängerstaaten entwickelt.
Zu den Maßnahmenvorschlägen gehören zum Beispiel der erleichterte Zugang zu transparenteren Statistiken, die bessere Sicherung der Sperrmüllabfuhr, Selbstverpflichtungen und die Einführung von Qualitätslabeln der Hersteller, Entsorger und Exporteure.
Umweltbundesamt wie Verbände - aber auch die Produzenten von Elektrogeräten - sollten die Öffentlichkeit zudem verstärkt über die eigene Rolle im Zusammenhang mit dem Export von Elektroschrott und dessen negativen Folgen informieren.
Eine praktikable Abgrenzung zwischen Abfall und Nicht-Abfall sollte im Rahmen der Novellierung der europäischen Elektroaltgeräte-Richtlinie (WEEE-Novelle) erfolgen.
Weiterhin wird vorgeschlagen, eine systematische Erhebung über Sammelplätze für Geräte zum Export in den Bundesländern durchzuführen und Kriterien zur Identifikation und Kontrolle solcher Plätze zu erarbeiten.
Europäische Länder und Hersteller sollten den Aufbau geeigneter Abfallentsorgungseinrichtungen und -infrastruktur in den Importstaaten unterstützen.
Die deutsche Kurz- und die Langfassung sind auf der
Webseite des Umweltbundesamtes veröffentlicht (eine englische Kurzfassung wird erstellt).
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